{"id":3192,"date":"2019-06-04T14:53:16","date_gmt":"2019-06-04T12:53:16","guid":{"rendered":"http:\/\/sorabicon.dev.webstitut.de\/?page_id=3192"},"modified":"2020-06-17T10:58:01","modified_gmt":"2020-06-17T08:58:01","slug":"sorbische-sprache-und-sprachwechsel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www1.sorabicon.de\/dsb\/sorbische-kirche-luebben\/sorbische-sprache-und-sprachwechsel\/","title":{"rendered":"Sorbische Sprache und Sprachwechsel"},"content":{"rendered":"\n<p>Aussagen zur sorbischen Sprache und Sprachbeherrschung setzen im hier pr\u00e4sentierten Quellenkorpus gegen Ende des 17. Jahrhunderts ein. Mithilfe weiterer Quellenzeugnisse aus der ersten H\u00e4lfte des 17. Jahrhunderts l\u00e4sst sich im L\u00fcbbener Raum zwischen dem Beginn des 17. und dem ausgehenden 18. Jahrhundert die Entwicklung von der sorbischen Einsprachigkeit \u00fcber die Zweisprachigkeit hin zur deutschen Einsprachigkeit gut nachvollziehen. Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts muss die sorbische Einsprachigkeit unter der Bev\u00f6lkerung in L\u00fcbben und Umgebung noch weit verbreitet gewesen sein.<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"1\" data-mfn-post-scope=\"0000000000003ccf0000000000000000_3192\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000003ccf0000000000000000_3192-1\">1<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-0000000000003ccf0000000000000000_3192-1\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"1\">Vgl. hierzu und zu den weiteren Ausf\u00fchrungen auch <a href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/wp-admin\/post.php?post=3202&amp;action=edit&amp;lang=de\">Mahling, Muttersprache.<\/a><\/span> Auch in den der sorbischen Gemeinde zugeordneten L\u00fcbbener Vorst\u00e4dten waren um 1650 \u201edie meisten [\u2026.] der teutschen sprache nicht recht kundig [\u2026]\u201c (<a aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/sorbische-kirche-luebben\/edition\/?ThemenID=prov_zwj_kv1_t2b\" target=\"_blank\">Nr. 27<\/a>). 1672 baten Vertreter der sorbischen Gemeinde anl\u00e4sslich der K\u00fcsterwahl um \u201eeine qualificirte perschon, dem wier die windische sprache recht vernehmen\u201c<em> <\/em>(<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Nr. 24 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/sorbische-kirche-luebben\/edition\/?ThemenID=prov_bk3_ntc_5db\" target=\"_blank\">Nr. 24<\/a>). Auf den vorherrschenden Gebrauch bzw. das \u00dcberwiegen des Sorbischen zumindest innerhalb der Familien deutet die Aussage der Vertreter der sorbischen Gemeinde anl\u00e4sslich der Probepredigt des Kandidaten Michael Petrinus hin, in der sie auf guten Kenntnissen \u201eunserer wendischen muttersprache\u201c bestanden.<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"2\" data-mfn-post-scope=\"0000000000003ccf0000000000000000_3192\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000003ccf0000000000000000_3192-2\">2<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-0000000000003ccf0000000000000000_3192-2\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"2\"><a href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/wp-admin\/post.php?post=3202&amp;action=edit&amp;lang=de\">Kreisarchiv Landkreis Dahme-Spreewald, A-4 L\u00fcbben, Nr. 5868, unpag. zu 1693 M\u00e4rz 26.<\/a> Diese Formulierung wurde allerdings auch 1744 noch gebraucht, zu einem Zeitpunkt, da bereits von einer weitgehenden Zweisprachigkeit der Bev\u00f6lkerung auszugehen ist, vgl. <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Nr. 32 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/sorbische-kirche-luebben\/edition\/?ThemenID=prov_wpy_hjn_2db\" target=\"_blank\">Nr. 32<\/a>.<\/span> Erste Belege f\u00fcr einen Sprachwechsel innerhalb der sorbischen Gemeinde L\u00fcbben stammen vom Ende des 17. Jahrhunderts. 1686 wurde die sorbische Luckauer Vorstadt auf herzoglichen Befehl der Altstadt angegliedert. Trotzdem der weitere Ausbauplan erst um die Jahrhundertwende durch Christian B\u00f6hmer vorangetrieben werden sollte, begr\u00fcndete der L\u00fcbbener Rat die teilweise Zuordnung dieser Neustadt dem deutschen Archidiakon bereits im Jahr 1693 unter anderem damit, dass dort \u201ealles de\u00fctsche le\u00fcte\u201c seien.<sup class=\"modern-footnotes-footnote \" data-mfn=\"3\" data-mfn-post-scope=\"0000000000003ccf0000000000000000_3192\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-0000000000003ccf0000000000000000_3192-3\">3<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-0000000000003ccf0000000000000000_3192-3\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"3\"><a href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/wp-admin\/post.php?post=3202&amp;action=edit&amp;lang=de\">Kreisarchiv Landkreis Dahme-Spreewald, A-4 L\u00fcbben, Nr. 5868, unpag. zu 1693 April 2.<\/a><\/span> Wohl unter dem Pfarrer Christian Ruland wurde in der ersten H\u00e4lfte des 17. Jahrhunderts die rein sorbische Sonntagspredigt abgeschafft. So \u00e4u\u00dferten Vertreter der sorbischen Gemeinde nach dem Tod Rulands 1744, \u201eihr seeliger herr beichtvater h\u00e4tte ja auch nicht viel wendisch geprediget und k\u00f6nnten sie ja in allen d\u00f6rffern deutsch.\u201c (<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Nr. 31 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/sorbische-kirche-luebben\/edition\/?ThemenID=prov_dgy_qdn_2db\" target=\"_blank\">Nr. 31<\/a>). Weitgehende Zweisprachigkeit bei wohl \u00fcberwiegendem Gebrauch des Deutschen zumindest in der Spreevorstadt L\u00fcbbens wird in den Befragungsprotokollen anl\u00e4sslich des Protests der sorbischen Gemeinde gegen den Kandidaten Christian Samuel Bandeco aus den Jahren 1744\/45 deutlich. So \u00e4u\u00dferte der befragte Johann Georg Michaelis aus der Spreevorstadt \u201eer k\u00f6nnte wendisch, so viel er in seinem hause und bey seiner handthierung brauchte, ein gebohrner wende aber sey er nicht.\u201c Martin Alter erkl\u00e4rte, er k\u00f6nne \u201eetwas wendisch, verstehe auch das meiste\u201c. Peter Lehniger und Matthes Braschke bezeugten ihre deutschen und sorbischen Sprachkenntnisse (<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Nr. 32 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/sorbische-kirche-luebben\/edition\/?ThemenID=prov_wpy_hjn_2db\" target=\"_blank\">Nr. 33<\/a>). Im gottesdienstlichen Ablauf l\u00f6ste die deutsche Sprache die sorbische mehr und mehr ab. So wurde der Verlauf der Probepredigt Bandecos folgenderma\u00dfen protokolliert: \u201ehat [\u2026] besagter her magister Bandeco nachdem er vorher die epistel und evangelium in deutscher und wendischer sprache abgesungen, letzteres auch nach dem gesange unter der predigt abgelesen, eine sehr erbauliche und wohlausgearbeitete predigt abgelegt und in derselbigen die lehre aus dem evangelio, wie ein lehrer und zuh\u00f6rer in seiner probe vor Gott bestehen sollen, gr\u00fcndlich abgehandelt, auch nach geschlo\u00dfener deutscher predigt einen kurzen auszug derselbigen in wendischer sprache appendiciert.\u201c (<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Nr. 34 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/sorbische-kirche-luebben\/edition\/?ThemenID=prov_fgg_dv3_fdb\" target=\"_blank\">Nr. 34<\/a>). Das weitere Schwinden des Sorbischen aus der Bev\u00f6lkerung und dem kirchlichen Leben illustrieren die 1779 getroffenen Aussagen des (sorbischen) Diakons Andreas Gottlieb Fritze, der best\u00e4tigte, \u201eda\u00df seit den 17 jahren, da ich prediger dieser gemeinde bin, die wendische sprache sehr abgenommen, oft bey lebzeiten des letzten wendischen k\u00fcsters das lied: \u201aAllein Gott in der h\u00f6h etc.\u201b, auch bisweilen der Glaube deutsch gesungen worden, da\u00df die mehresten d\u00f6rffer die wendischen exordia bey leichen predigten etc. depreciren, alle dieser gemeinden zwar deutsch, aber sehr viele nicht wendisch verstehen, auch da\u00df, so lange ich hier bin, in dieser kirche nie ein wendisches gesangbuch gebraucht worden.\u201c (<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Nr. 48 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/sorbische-kirche-luebben\/edition\/?ThemenID=prov_as2_fvd_5db\" target=\"_blank\">Nr. 48<\/a>). Die Bauern \u201everst\u00fcnden\u201c den\u201eGlaube[n \u2026] in der sprache auch nicht einmahl mehr [\u2026], daher [sie] ihn lieber deutsch s\u00e4ngen\u201c (<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Nr. 47 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/sorbische-kirche-luebben\/edition\/?ThemenID=prov_y5b_ffd_5db\" target=\"_blank\">Nr. 47<\/a>). 1790 erkl\u00e4rten die Vertreter der sorbischen Gemeinde selbst, dass sie nichts gegen einen des Sorbischen unkundigen Kandidaten einzuwenden h\u00e4tten, \u201e<em>d<\/em>a bey ihnen au\u00dfer in Radensdorf und Hartmannsdorf teils wenig, teils gar nicht wendisch geredet w\u00fcrde, alle aber die deutsche sprache verst\u00fcnden, auch in den schulen deutscher unterricht gegeben w\u00fcrde.\u201c Gleichzeitig baten sie darum, dass \u201ek\u00fcnftig der wendische glaube deutsch gesungen und der eingang der vormittagspredigt [\u2026] demnach deutsch gehalten w\u00fcrde\u201c (<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Nr. 49 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/sorbische-kirche-luebben\/edition\/?ThemenID=prov_kzc_zp2_gdb\" target=\"_blank\">Nr. 49<\/a>). Daraufhin wurde 1791 der wohl vollkommen deutschsprachige Johann Gottfried Maltusch zum Diakon in L\u00fcbben berufen (Vgl. <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Nr. 50 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/sorbische-kirche-luebben\/edition\/?ThemenID=prov_oht_hxz_5db\" target=\"_blank\">Nr. 50<\/a>).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aussagen zur sorbischen Sprache und Sprachbeherrschung setzen im hier pr\u00e4sentierten Quellenkorpus gegen Ende des 17. Jahrhunderts ein. Mithilfe weiterer Quellenzeugnisse aus der ersten H\u00e4lfte des 17. Jahrhunderts l\u00e4sst sich im L\u00fcbbener Raum zwischen dem Beginn des 17. und dem ausgehenden 18. 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