{"id":5586,"date":"2019-11-25T23:22:38","date_gmt":"2019-11-25T22:22:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.sorabicon.de\/?page_id=5586"},"modified":"2020-09-15T12:01:39","modified_gmt":"2020-09-15T10:01:39","slug":"politisches-archiv-des-auswaertigen-amtes-berlin","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www1.sorabicon.de\/dsb\/quellen-zur-sorbischen-geschichte-1918-1945\/politisches-archiv-des-auswaertigen-amtes-berlin\/","title":{"rendered":"Politisches Archiv des Ausw\u00e4rtigen Amtes Berlin"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Verzeichnungseinheiten<\/h2>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/wissensquellen\/suche-ergebnisse\/?facet_archiv=UG9saXRpc2NoZXMgQXJjaGl2IGRlcyBBdXN3w6RydGlnZW4gQW10cw==\">Hier<\/a>\u00a0k\u00f6nnen Sie sich die Verzeichnungseinheiten, die von diesem Archiv erfasst wurden, auflisten lassen. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Historischer Kontext<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Deutsche Reich stand nach dem Friedensschluss von Versailles minderheitenpolitisch vor einer doppelten Herausforderung. Wie bereits zuvor lebten in Deutschland neben den Angeh\u00f6rigen der Titularnation noch zahlreiche Angeh\u00f6rige nicht deutscher nationaler Minderheiten (insbesondere Polen). Und nach 1919 lebten etwa sechs Millionen Deutsche als nationale Minderheit in den neu entstandenen Nationalstaaten in S\u00fcd- und Ostmitteleuropa. W\u00e4hrend politisch f\u00fcr die deutschen Minderheiten im Ausland das Ausw\u00e4rtige Amt exklusiv zust\u00e4ndig war, besch\u00e4ftigten sich mit der Frage der im Reich lebenden nicht deutschen Minderheiten neben diversen Reichsinstitutionen auch L\u00e4nderbeh\u00f6rden. Die in den L\u00e4ndern Preu\u00dfen und Sachsen autochthon lebenden Lausitzer Sorben waren Objekt eines besonderen, exkludierenden Politik- und Verwaltungshandelns. Diese Politik wurde auf den Ebenen der regionalen Beh\u00f6rden, der Landesregierungen und auch der Reichsebene konzipiert und exekutiert. Das Au\u00dfenamt \u00fcbernahm dabei in der Zwischenkriegszeit zeitweise eine koordinierende Rolle. Unter seiner Leitung begannen bald nach Ende des Ersten Weltkrieges kontinuierliche intergouvernementale und interministerielle Beratungen, bei denen diverse wendenpolitische Ma\u00dfnahmen besprochen und verabredet wurden. Das Ausw\u00e4rtige Amt hatte diese zust\u00e4ndigkeitshalber au\u00dfenpolitisch zu flankieren und unterrichtete die Regierung u. a. \u00fcber vergleichbare Nationalit\u00e4tenkonflikte in den Nachbarstaaten (insbesondere in der Republik \u00d6sterreich und in der Tschechoslowakei), sorbisches Leben in anderen L\u00e4ndern und die Verkn\u00fcpfung der deutschen Minderheitenpolitik im Inland mit der Frage der Sorge um die deutschen Minderheiten im Ausland.  Nach der nationalsozialistischen Macht\u00fcbernahme entfiel die Aufgabe Wendenpolitik im Ausw\u00e4rtigen Amt weitgehend. Lediglich akzidentiell wurde die sorbische Minderheit dort noch thematisiert, so bspw. im Rahmen von allerlei ethnologisch-anthropologischen oder biologistischen Forschungsvorhaben (sog. Rassekunde).  <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcberlieferungsgeschichte<\/h2>\n\n\n\n<p>Provenienzstellen sorabistisch relevanter Unterlagen waren im Ausw\u00e4rtigen Amt insbesondere die L\u00e4nderabteilung II West- und S\u00fcdosteuropa und die Kulturabteilung (VI). Hier entstanden in Verfolg der Bearbeitung wendenpolitischer Angelegenheiten vielb\u00e4ndige Aktenreihen, die eindr\u00fccklich die w\u00e4hrend der Zwischenkriegszeit andauernde intergouvernemental-interministerielle Kooperation dokumentieren. Au\u00dferdem wurden einschl\u00e4gige Akten bei einigen Sonderreferaten (V\u00f6lkerbund sowie \u201eDeutschland\u201c) sowie bei einigen wenigen Auslandsvertretungen des Deutschen Reiches (insbesondere Prag) angelegt. Obwohl die Best\u00e4nde des Politischen Archivs des Ausw\u00e4rtigen Amts (PA AA) zum Schutz vor Luftangriffen ab 1943 ausgelagert wurden, ist die \u00dcberlieferung von Kriegsverlusten gezeichnet. Dies betrifft insbesondere sogenannte Geheimakten aus der Zeit der Weimarer Republik sowie Akten der Kulturabteilung. Trotzdem sind im Politischen Archiv zahlreiche und umfangreiche sorabistisch relevante Unterlagen \u00fcberliefert. Einschl\u00e4gig ist hier insbesondere die Hauptbestandsgruppe \u201eReich\u201c (R), die durchg\u00e4ngig benutzbar und mehrheitlich nach Provenienzstelle, Aktentitel (Betreff) und Laufzeit erschlossen ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sorabistische Relevanz<\/h2>\n\n\n\n<p>In den \u00fcberlieferten Akten des Ausw\u00e4rtigen Amts und seiner nachgeordneten Stellen ist einerseits die intergouvernemental-interministerielle Kooperation der Reichsbeh\u00f6rden insbesondere mit Preu\u00dfen und Sachsen in Bezug auf die sorbische Minderheit breit dokumentiert. Ob und inwieweit es tats\u00e4chlich zur Herausbildung einer konsistenten Wendenpolitik kam, muss die Forschung erst noch herausarbeiten. In jedem Fall geben die Unterlagen \u2013 zweitens \u2013 Auskunft \u00fcber die politische Konzeption einer deutschen Minderheitenpolitik durch das Reich. Diese entwickelte sich in Verfolg der sogenannten Erf\u00fcllungspolitik und sp\u00e4ter der von Reichsau\u00dfenminister Gustav Stresemann betriebenen Politik einer Verst\u00e4ndigung mit Frankreich und Einbindung Deutschlands in die internationale Gemeinschaft. Deutsche Minderheitenpolitik zielte zuerst auf die deutschen Minderheiten in den ost- und s\u00fcdosteurop\u00e4ischen Nationalstaaten, deren Schicksal aber, wie Stresemann analysiert hatte, mit dem der nicht deutschen Minderheiten (also auch der Sorben) im Reich politisch verkn\u00fcpft war. Dieser Konnex wird aus den \u00fcberlieferten Unterlagen klar ersichtlich. Allgemein sind die hier vorgestellten Akten f\u00fcr minderheitenpolitische Fragen eine Quelle ersten Ranges, denn sie geben umf\u00e4nglich Auskunft \u00fcber die Minderheitenpolitik des Deutschen Reiches, sowohl gegen\u00fcber den nicht deutschen Minderheiten im eigenen Land wie auch in Bezug auf die deutschen Minderheiten au\u00dferhalb des Reiches. Die Sachverhalte sind dabei oftmals \u00e4hnliche denen der Sorben in Sachsen und Preu\u00dfen: der Streit um Schule und Unterrichtssprache sowie politische Repr\u00e4sentanz und Loyalit\u00e4t der Minderheit gegen\u00fcber dem Staat der Mehrheit. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verzeichnungseinheiten Hier\u00a0k\u00f6nnen Sie sich die Verzeichnungseinheiten, die von diesem Archiv erfasst wurden, auflisten lassen. Historischer Kontext Das Deutsche Reich stand nach dem Friedensschluss von Versailles minderheitenpolitisch vor einer doppelten Herausforderung. Wie bereits zuvor lebten in Deutschland neben den Angeh\u00f6rigen der Titularnation noch zahlreiche Angeh\u00f6rige nicht deutscher nationaler Minderheiten (insbesondere Polen). 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