{"id":5599,"date":"2019-11-26T09:09:20","date_gmt":"2019-11-26T08:09:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.sorabicon.de\/?page_id=5599"},"modified":"2020-07-06T11:09:16","modified_gmt":"2020-07-06T09:09:16","slug":"hauptstaatsarchiv-dresden","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www1.sorabicon.de\/dsb\/quellen-zur-sorbischen-geschichte-1918-1945\/hauptstaatsarchiv-dresden\/","title":{"rendered":"S\u00e4chsisches Staatsarchiv \u2013 Hauptstaatsarchiv Dresden"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Verzeichnungseinheiten<\/h2>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/wissensquellen\/suche-ergebnisse\/?facet_archiv=U8OkY2hzaXNjaGVzIFN0YWF0c2FyY2hpdiAtIEhhdXB0c3RhYXRzYXJjaGl2IERyZXNkZW4=&amp;facet_module=dagswens\">Hier<\/a> k\u00f6nnen Sie sich die Verzeichnungseinheiten, die von diesem Archiv erfasst wurden, auflisten lassen.  <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Historischer Kontext<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Zuge des Prager Friedens von 1635 wurde die albertinische Linie des Hauses Wettin mit den Markgraft\u00fcmern Ober- und Niederlausitz belehnt worden und damit der \u00fcberwiegende Teil der in der Lausitz autochthonen Sorben Untertanen des Kurf\u00fcrsten bzw. sp\u00e4ter des K\u00f6nigs von Sachsen. Dieser Zustand behielt G\u00fcltigkeit bis zum Wiener Kongress, der die Herrschaftsverh\u00e4ltnisse in der Lausitz neu bestimmte. Gem\u00e4\u00df dem Friedensvertrag zwischen Preu\u00dfen und Sachsen vom 18.&nbsp;Mai 1815 verblieb nur ein Teil der Oberlausitz bei dem im Krieg unterlegenen K\u00f6nigreich Sachsen, w\u00e4hrend das siegreiche K\u00f6nigreich Preu\u00dfen die Niederlausitz und den Norden und Osten der Oberlausitz erhielt. <\/p>\n\n\n\n<p>Diese Regelung bestand auch nach dem milit\u00e4rischen Zusammenbruch des Deutschen Reiches 1918 unver\u00e4ndert weiter. Der neu gegr\u00fcndete Freistaat Sachsen allerdings stand damals vor einer doppelten Herausforderung: Zum einen schien eine Bedrohung der s\u00e4chsisch-b\u00f6hmischen Landes- und Reichsgrenze durch die innenpolitische Entwicklung in der sich gerade erst formierenden Tschechoslowakei m\u00f6glich und \u2013 eng verkn\u00fcpft damit \u2013 bildete sich in der Lausitz eine sorbische Sezessionsbewegung, die ebenfalls den Bestand des Landes zu gef\u00e4hrden schien. Beide Szenarien traten nicht ein, doch die blo\u00dfe Vorstellung von einer sorbisch legitimierten tschechoslowakischen Intervention in Sachsen pr\u00e4gte die s\u00e4chsische Innenpolitik w\u00e4hrend der gesamten Zwischenkriegszeit traumatisch, erzeugte dauerhafte Feindbilder, stand einer konstruktiven Minderheitenpolitik Sachsens im Wege und lieferte schlie\u00dflich den Nationalsozialisten Anlass und Begr\u00fcndung f\u00fcr eine Diskriminierungspolitik gegen\u00fcber den Sorben und eine m\u00f6rderische Rachepolitik gegen\u00fcber prominenten tschechischen Pers\u00f6nlichkeiten. Trotz der demokratisch verfassten Regierungsform wurden die im Freistaat Sachsen autochthon lebenden Lausitzer Sorben von der deutschen Mehrheitsgesellschaft als fremdartige \u201eWenden\u201c angesehen und waren Objekt eines besonderen, exkludierenden Politik- und Verwaltungshandelns. Diese Politik wurde auf den Ebenen der regionalen Beh\u00f6rden und der Landesregierung konzipiert und exekutiert. Das Reichsau\u00dfenamt sowie andere Reichsbeh\u00f6rden \u00fcbernahmen dabei in der Zwischenkriegszeit zeitweise eine koordinierende Rolle zwischen Preu\u00dfen und Sachsen und konzertieren kontinuierliche intergouvernementale und interministerielle Beratungen, bei denen diverse wendenpolitische Ma\u00dfnahmen besprochen und verabredet wurden. W\u00e4hrend Preu\u00dfen \u2013 das Land mit den gr\u00f6\u00dften minderheitenpolitischen Herausforderungen im Deutschen Reich \u2013 bzgl. der sorbischen Minderheit vergleichsweise gelassen und zur\u00fcckhaltend agierte, thematisierten s\u00e4chsische Autorit\u00e4ten immer wieder die Wendenfrage. Diese besch\u00e4ftigte die Landespolitik in den 1920er Jahren insbesondere auf dem Gebiet der Schul- und Kulturpolitik sowie \u2013 vor der \u00d6ffentlichkeit verborgen \u2013 als beh\u00f6rdliche Ma\u00dfnahme, die allerorten jegliche sorbische Entwicklung zu restringieren suchte. <\/p>\n\n\n\n<p>Unmittelbar nach der nationalsozialistischen Macht\u00fcbernahme gerieten auch Exponenten der sorbischen Gemeinschaft vor\u00fcbergehend in  die sog. Schutzhaft, erlitten dort aber keine Torturen wie andere Opfergruppen und wurden bald wieder entlassen. Trotzdem wurde die sorbische Gemeinschaft bis zum Jahr 1941 sukzessiv vollst\u00e4ndig ihrer kulturellen Sicherheit beraubt. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcberlieferungsgeschichte<\/h2>\n\n\n\n<p>Sorabistisch einschl\u00e4gige Unterlagen sind innerhalb des S\u00e4chsischen Staatsarchivs vor allem in der Abteilung Hauptstaatsarchiv Dresden \u00fcberliefert, vereinzelt finden sich auch Akten oder Dokumente im Staatsarchiv Leipzig (betreffs den Sonderfall der \u00dcberlieferung der regionalen staatlichen sowie der lokalen Lausitzer Beh\u00f6rden siehe den Artikel <a href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/wp-admin\/post.php?post=5604&amp;action=edit&amp;lang=de\">\u201eArchivverbund Bautzen \u2013 Stadt- und Staatsfilialarchiv Bautzen\u201c<\/a>).\u00a0\u00a0 <\/p>\n\n\n\n<p>Das Hauptstaatsarchiv Dresden verwahrt die \u00dcberlieferung der Zentralbeh\u00f6rden des K\u00f6nigreichs und des Kurf\u00fcrstentums Sachsen sowie die Ministerial\u00fcberlieferung des Freistaates Sachsen. Einschl\u00e4gige Unterlagen finden sich insbesondere in den Best\u00e4nden \u201e10701 Staatskanzlei\u201c, \u201e10736 Ministerium des Innern\u201c, \u201e11125 Ministerium des Kultus und \u00f6ffentlichen Unterrichts\u201c sowie \u201e10693 Volkskammer\/Landtag des Freistaates Sachsen\u201c. Entsprechende Betreffe in den \u00fcberlieferten Akten setzen im ausgehenden 19. Jahrhundert ein. Nach dem milit\u00e4rischen Zusammenbruch des Deutschen Reiches am Ende des Ersten Weltkrieges sowie w\u00e4hrend der gesamten Dauer der Weimarer Republik findet das Thema vielf\u00e4ltig Eingang in die Akten, bei der S\u00e4chsischen Staatskanzlei entsteht gar eine ganze Aktenreihe zur <em>Wendenfrage<\/em>, bis es nach kurzer Konjunktur zu Beginn der NS-Herrschaft in den 1940er Jahren kaum noch dokumentiert wird.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sorabistische Relevanz<\/h2>\n\n\n\n<p> In den \u00fcberlieferten Akten der s\u00e4chsischen Regierung und ihrer nachgeordneten Stellen ist die intergouvernemental-interministerielle Kooperation mit Reichsbeh\u00f6rden und dem Land Preu\u00dfen in Bezug auf die sorbische Minderheit breit dokumentiert. Ob und inwieweit es tats\u00e4chlich zur Herausbildung einer konsistenten Wendenpolitik kam, muss die Forschung allerdings erst noch herausarbeiten. Au\u00dferdem beschreiben die Unterlagen eindr\u00fccklich die antisorbische Haltung von Politik und Verwaltung im Freistaat Sachsen w\u00e4hrend der Zwischenkriegszeit. Die zahlreichen und vielf\u00e4ltigen beh\u00f6rdlichen Ma\u00dfnahmen der Restriktion sorbischen Lebens zeigen \u00fcberdeutlich, dass auf Seite der Titularnation keine Bereitschaft bestand, den Sorben Rechte einer Minderheit einzur\u00e4umen und kulturelle Sicherheit zu gew\u00e4hren. <\/p>\n\n\n\n<p>Inwieweit der Weg zur nationalsozialistischen Unterdr\u00fcckung der sorbischen Gemeinschaft hier schon vorgezeichnet worden ist, bleibt zu untersuchen. Nach den \u00fcberlieferten Unterlagen scheint es allerdings, dass die Nationalsozialisten zu keiner Zeit eine ideologisch koh\u00e4rente Vorstellung \u00fcber die Sorben hatten und verfolgten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verzeichnungseinheiten Hier k\u00f6nnen Sie sich die Verzeichnungseinheiten, die von diesem Archiv erfasst wurden, auflisten lassen. 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