{"id":5597,"date":"2019-11-26T09:04:38","date_gmt":"2019-11-26T08:04:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.sorabicon.de\/?page_id=5597"},"modified":"2020-07-21T22:37:08","modified_gmt":"2020-07-21T20:37:08","slug":"universitatsarchiv-leipzig","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www1.sorabicon.de\/en\/quellen-zur-sorbischen-geschichte-1918-1945\/universitatsarchiv-leipzig\/","title":{"rendered":"Universit\u00e4tsarchiv Leipzig"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Verzeichnungseinheiten<\/h2>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/wissensquellen\/suche-ergebnisse\/?facet_archiv=U8OkY2hzaXNjaGVzIFN0YWF0c2FyY2hpdiAtIFN0YWF0c2FyY2hpdiBMZWlwemln&amp;facet_module=dagswens\">Hier<\/a>\u00a0k\u00f6nnen Sie sich die Verzeichnungseinheiten, die von diesem Archiv erfasst wurden, auflisten lassen. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Historischer Kontext<\/h2>\n\n\n\n<p>Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an begannen Naturwissenschaftler und Mediziner, Systeme zur Klassifizierung der Menschheit nach Rassen zu entwickeln. Aus diesen heute als widerlegt geltenden Theorien der sog. Rassenkunde wurden weitere Vorstellungen und bald auch politische Forderungen abgeleitet, u. a. die sogenannte Rassenhygiene. Ihre Vertreter meinten, die nat\u00fcrliche Auslese werde durch die zunehmende Zivilisation behindert: Kranke, schwache und arme Menschen w\u00fcrden sich ungehindert fortpflanzen, wodurch die Gesundheit der Menschheit insgesamt bzw. einzelner Nationen (diese wurden vielfach mit Rassen gleichgesetzt) bedroht seien. Die Rassenhygieniker wollten deswegen die Fortpflanzung von vermeintlich Erbgesunden f\u00f6rdern und die von vermeintlich Erbkranken verhindern. Diese als Eugenik bezeichnete Lehre wurde w\u00e4hrend der Zwischenkriegszeit nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa und auch in den USA vertreten (bereits 1912 wurde in London infolge des International Eugenics Congress ein Permanent International Eugenics Committee, sp\u00e4ter die International Federation of Eugenic Organizations IFEO gegr\u00fcndet).  <\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland wurde 1923 mit Fritz Lenz\u2019 Berufung an die Universit\u00e4t M\u00fcnchen erstmals ein Lehrstuhl f\u00fcr Rassenhygiene besetzt, die kurz darauf Pflichtfach f\u00fcr Studierende der Medizin wurde. 1927 wurde in Berlin-Dahlem das Kaiser-Wilhelm-Institut f\u00fcr Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik (KWI-A) gegr\u00fcndet, das bis zum Zweiten Weltkrieg in Deutschland das wissenschaftliche Zentrum der Rassenkunde wurde. Bald bildete sich im deutschsprachigen Raum eine kleine, intensiv vernetzte Gruppe von Rassenforschern, die Mitglieder derselben wissenschaftlichen Interessenvertretungen, Institute und Universit\u00e4ten waren und gegenseitig ihre Karrieren bef\u00f6rderten. Dazu geh\u00f6rten u .a. die Mediziner Eugen Fischer (1874\u20131967), Fritz Lenz (1887\u20131976) und Otmar Freiherr von Verschuer (1896\u20131969) sowie die Anthropologen Egon Freiherr von Eickstedt (1892 &#8211; 1965) und Otto Reche (1879 &#8211; 1966). Sie alle waren sp\u00e4ter vielfach an nationalsozialistischen Verbrechen beteiligt, fanden ihre rassentheoretischen und rassenhygienischen \u00dcberlegungen doch lebhaften Zuspruch bei den Nazionalsozialisten. Die Rassenkunde diente der NSDAP als Legitimation f\u00fcr die sogenannten Euthanasieverbrechen sowie sp\u00e4ter des rassenideologischen Vernichtungskrieges.  <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcberlieferungsgeschichte<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Universit\u00e4tsarchiv Leipzig ist eines der gr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen Universit\u00e4tsarchive und verwahrt die \u00dcberlieferung der Universit\u00e4t seit deren Gr\u00fcndung im Jahre 1409. Darunter befinden sich auch die Registraturen der Institute sowie Personalunterlagen und Nachl\u00e4sse von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Bestand \u201elnstitut f\u00fcr Ethnologie der Universit\u00e4t Leipzig\u201c mit den Teilbest\u00e4nden \u201eEthnologisch-Anthropologisches Institut\/Institut f\u00fcr Rassen- und V\u00f6lkerkunde (1927\u20131945)\u201c, \u201eDeutsche Gesellschaft f\u00fcr Blutgruppenforschung\u201c sowie \u201eDeutsche Gesellschaft f\u00fcr Rassenhygiene\u201c finden sich umfangreiche und vielf\u00e4ltige Unterlagen aus dem Kontext der rassenkundlichen Forschung und Propaganda bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Unterlagen sind nur unvollst\u00e4ndig \u00fcberliefert und stark verunordnet. Zu dem Bestand existiert ein \u201eVorl\u00e4ufiges Findbuch\u201c, das im Lesesaal einsehbar ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Korrespondierend zu diesen Unterlagen ist der Bestand \u201eNachlass Otto Reche (NA Otto Reche)\u201c, der \u00fcberwiegend Bildmaterialien enth\u00e4lt (Positivabz\u00fcge, Glasplatten und Postkarten). Bei diesen Unterlagen handelt es sich um Schriftgut aus der Registratur des Ethnologisch-Anthropologischen Instituts\/Instituts f\u00fcr Rassenkunde. Ebenfalls korrespondierend zu den o.g. Unterlagen sind verschiedene Personaldokumente fr\u00fcherer Rassekundler an der Universit\u00e4t Leipzig (Studierende und Wissenschaftler), etwa die Personalakte Otto Reches sowie die Personalakte seines Assistenten Hans Kleiner.  <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sorabistische Relevanz<\/h2>\n\n\n\n<p> Die \u00fcberlieferten Unterlagen im Universit\u00e4tsarchiv Leipzig dokumentieren eindr\u00fccklich Inhalt und Umfang der rassekundlichen Forschung im Deutschland der 1920er und 1930er Jahre. Im Zentrum steht dabei der Anthropologe Otto Reche, der von 1927 bis 1945 Direktor des Leipziger Ethnologisch-Anthropologischen Instituts\/Instituts f\u00fcr Rassen- und V\u00f6lkerkunde war. W\u00e4hrend dieser Zeit versuchten Leipziger Rasseforscher, ihre Vorstellungen von Rassen und Menschen u. a. durch massenhafte Untersuchungen sorbischer Menschen zu belegen. Dazu geh\u00f6rten anthropologische Vermessungen mit Anthropometer, Tasterzirkel, Stangenzirkel und Nasentiefenmesser sowie Haut-, Augen- und Haarfarbentafeln. <\/p>\n\n\n\n<p>Von besonderem Interesse f\u00fcr die sorabistische Forschung scheinen die fotografischen Aufnahmen zu sein, die Reche und seine Assistenten in der Lausitz gefertigt haben und die bisher f\u00fcr die Forschung nicht zug\u00e4nglich sind. Au\u00dferdem zeigen die Unterlagen im Universit\u00e4tsarchiv Leipzig die personellen Netzwerke der entsprechenden Wissenschaftler und ihre auf die Lausitzer Sorben bezogenen Untersuchungen auf (z. B. die 1937 verfasste Dissertation von Hans Kleiner: \u201eOberlausitzer Wenden. Ein Beitrag zur Rassenkunde Deutschlands\u201c).  Wissenschaftstheoretisch ist dabei von besonderem Interesse die ideologische Rezeption dieser Arbeiten durch die Nationalsozialisten; Kleiners Arbeit durfte \u2013 trotz langwieriger Intervention Reches \u2013 nicht ver\u00f6ffentlicht werden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verzeichnungseinheiten Hier\u00a0k\u00f6nnen Sie sich die Verzeichnungseinheiten, die von diesem Archiv erfasst wurden, auflisten lassen. Historischer Kontext Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an begannen Naturwissenschaftler und Mediziner, Systeme zur Klassifizierung der Menschheit nach Rassen zu entwickeln. Aus diesen heute als widerlegt geltenden Theorien der sog. 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