{"id":5601,"date":"2019-11-26T09:11:42","date_gmt":"2019-11-26T08:11:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.sorabicon.de\/?page_id=5601"},"modified":"2020-07-06T10:53:35","modified_gmt":"2020-07-06T08:53:35","slug":"united-nations-archives-the-league-of-nations-archives","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www1.sorabicon.de\/en\/quellen-zur-sorbischen-geschichte-1918-1945\/united-nations-archives-the-league-of-nations-archives\/","title":{"rendered":"United Nations Archives (The League of Nations Archives)"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Verzeichnungseinheiten<\/h2>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/wissensquellen\/suche-ergebnisse\/?facet_archiv=VW5pdGVkIE5hdGlvbnMgQXJjaGl2ZXMgYXQgR2VuZXZhIChMZWFndWUgb2YgTmF0aW9ucyBBcmNoaXZlcyk=&amp;facet_module=dagswens\">Hier<\/a>&nbsp;k\u00f6nnen Sie sich die Verzeichnungseinheiten, die von diesem Archiv erfasst wurden, auflisten lassen. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Historischer Kontext<\/h2>\n\n\n\n<p>Der V\u00f6lkerbund (frz. Societe des Nations, engl. League of Nations) entstand als Ergebnis der Pariser Friedenskonferenz von Versailles am Ende des Ersten Weltkrieges. Nachdem die Vollversammlung der Konferenz am 28. April 1919 die V\u00f6lkerbundsatzung beschlossen hatte, nahm die Organisation am 10. Januar 1920 ihre Arbeit auf; Sitz wurde das schweizerische Genf. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Willen der vertragschlie\u00dfenden M\u00e4chte sollte es die Aufgabe des V\u00f6lkerbundes sein, durch schiedsgerichtliche Beilegung internationaler Konflikte sowie durch Abr\u00fcstung und ein System der kollektiven Sicherheit den Frieden weltweit dauerhaft zu sichern, sowie au\u00dferdem die Zusammenarbeit der V\u00f6lker zu f\u00f6rdern. Das h\u00f6chste Organ des V\u00f6lkerbundes war die j\u00e4hrlich tagende Bundesversammlung, in der jeder Mitgliedsstaat eine Stimme hatte. Auch der kleinere Rat traf sich einmal j\u00e4hrlich. Er setzte sich zusammen aus Vertretern der Gro\u00dfm\u00e4chte als dauernde Mitglieder (Vereinigtes K\u00f6nigreich, Frankreich, Italien [bis 1937], Japan, Deutsches Reich [1926\u20131933], UdSSR [1934\u20131939]) sowie weiteren, rotierenden Mitgliedern. Als operative Arbeitsstrukturen gab es lediglich den Generalsekret\u00e4r und das st\u00e4ndige Sekretariat. <\/p>\n\n\n\n<p>Der von September 1922 bis April 1946 bestehende St\u00e4ndige Internationale Gerichtshof war zwar auf Grundlage der V\u00f6lkerbundsatzung entstanden, formal aber kein Organ des V\u00f6lkerbundes. <\/p>\n\n\n\n<p>Gr\u00fcndungsmitglieder des V\u00f6lkerbundes waren zun\u00e4chst 32 Siegerm\u00e4chte des Ersten Weltkrieges (die USA, die durch den Krieg zur f\u00fchrenden Weltmacht aufgestiegen waren, traten der Organisation jedoch nicht bei) sowie 13 Staaten, die am Krieg nicht teilgenommen hatten. Bis 1937 erwarben weitere 21 Staaten die Mitgliedschaft. Einige Staaten verlie\u00dfen die Organisation auch wieder (etwa Brasilien 1928, Japan und Deutschland 1933, Italien 1937; die Sowjetunion wurde gar 1939 ausgeschlossen). W\u00e4hrend das kriegsbesiegte \u00d6sterreich dem V\u00f6lkerbund bereits 1920 beitreten durfte, blieb dem Deutschen Reich der Zugang zun\u00e4chst verwehrt. Erst nachdem es Reichsau\u00dfenminister Gustav Stresemann gelungen war, eine friedliche Revision des Versailler Vertrages einzuleiten und die au\u00dfenpolitische Isolation Deutschlands zu beenden, wurde das Deutsche Reich 1926 Mitglied des V\u00f6lkerbundes \u2013 und auch sofort st\u00e4ndiges Mitglied des V\u00f6lkerbundrates. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Gr\u00fcndung der Vereinten Nationen (UNO) beschlossen die seinerzeit noch 34 Mitglieder des V\u00f6lkerbundes am 18. April 1946 die Aufl\u00f6sung der Organisation.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcberlieferungsgeschichte<\/h2>\n\n\n\n<p>Das UN-Archiv in Genf (frz. Archives de Office des Nations Unies a Geneve, engl. United Nations Archives at Geneva) verwahrt die vollst\u00e4ndige Provenienz\u00fcberlieferung des V\u00f6lkerbundes (The League of Nations Archives): Secretariat of the League (correspondence and documents); the Refugees Mixed Archives Group (Nansen Fonds); Commission files (records of external League offices and entities); eine Druckschriftensammlung (The League of Nations documents collection): Official publications (printed or mimeographed), minutes, working papers and documents of the various League organs sowie weiteres Sammlungsgut (Private Papers). <\/p>\n\n\n\n<p>Die Unterlagen sind \u00fcber verschiedene Findmittel zug\u00e4nglich und im Lesesaal in Genf benutzbar. Seit 2018 l\u00e4uft ein umf\u00e4ngliches Digitalisierungsvorhaben. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sorabistische Relevanz<\/h2>\n\n\n\n<p> Das sorbische Volk war w\u00e4hrend der Zwischenkriegszeit (d.h. w\u00e4hrend der Existenz des V\u00f6lkerbundes) kein V\u00f6lkerrechtssubjekt. Weder gab es in dieser Zeit einen sorbischen Staat noch eine national oder v\u00f6lkerrechtlich anerkannte Vertretung der sorbischen Minderheit. F\u00fcr den V\u00f6lkerbund war anfangs noch nicht einmal bestimmt, ob die Sorben eine Minderheit im Sinne \u00e4hnlicher Bestimmungen des Versailler Vertrages waren (die V\u00f6lkerbundsatzung enthielt diesen Begriff gleich gar nicht). Trotzdem hat die sogenannte sorbische Frage den V\u00f6lkerbund in der ersten H\u00e4lfte der 1920er Jahre intensiv besch\u00e4ftigt und ihren Niederschlag in den Akten der Organisation gefunden. Die Besonderheit ist dabei, dass der V\u00f6lkerbund, anders als beispielsweise deutsche Regierungs- oder Verwaltungsstellen sorbischen Pers\u00f6nlichkeiten Geh\u00f6r geschenkt und von ihnen Schreiben entgegengenommen, sorgf\u00e4ltig bearbeitet und offiziell beantwortet hat. Somit enthalten die Akten des V\u00f6lkerbundes nicht nur Dokumente mit Aussagen \u00fcber die Sorben, sondern \u2013 und das ist in dieser Dichte bemerkenswert \u2013 Dokumente von Sorben. Dies sind beispielsweise Briefe sorbischer Pers\u00f6nlichkeiten (sogenannte ego papers) oder Druckschriften sorbischer Organisationen. Und auch die Perspektive der Gegenseite, also der Alliierten oder jeweiligen Bearbeiter beim V\u00f6lkerbund, ist aussagekr\u00e4ftig \u00fcberliefert und unterscheidet sich insbesondere dadurch, dass sie nicht von einer grunds\u00e4tzlich antisorbischen, chauvinistischen oder nationalistischen Haltung bestimmt ist, sondern sich wahrhaftig um eine Sachverhaltskl\u00e4rung bem\u00fcht. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch f\u00fcr das Deutsche Reich war der V\u00f6lkerbund ein eminent wichtiger Akteur, denn die Organisation vollstreckte den Versailler Vertrag. So ernannte der V\u00f6lkerbund von 1920 bis 1935 die Regierungskommission des vom Deutschen Reich abgetrennten Saargebietes und bis 1939 den Hohen Kommissar f\u00fcr die Freie Stadt Danzig. Au\u00dferdem \u00fcbertrug Art. 22 der V\u00f6lkerbundsatzung die Verwaltung f\u00fcr die ehemaligen deutschen Kolonien einzelnen Staaten als Mandat. Allerdings unterstanden nicht alle vom Deutschen Reich abgetrennten Gebiete der Aufsicht des V\u00f6lkerbundes; die durch den Versailler Vertrag verf\u00fcgte Volksabstimmung in Oberschlesien \u00fcberwachte von Februar 1920 bis Juli 1922 eine interalliierte Regierungs- und Plebiszitskommission f\u00fcr Oberschlesien, das Memelland wurde gem\u00e4\u00df Artikel 99 des Versailler Vertrages an die alliierten M\u00e4chte \u00fcbertragen und dann von 1920 bis 1923 von Frankreich verwaltet. Und bei genau diesen F\u00e4llen von Gebiets- und Autonomieverlusten lagen die politischen Interessen des Deutschen Reiches, denn im Ergebnis der Bestimmungen des Versailler Vertrages lebten nun \u00fcber sechs Millionen Deutsche au\u00dferhalb der Reichsgrenzen. Die Sorge um diese deutschen Minderheiten in den neu entstandenen Nationalstaaten in Ostmitteleuropa war eine der zentralen politischen Aufgaben aller Regierungen der Weimarer Republik. Daf\u00fcr nutzte die deutsche Au\u00dfenpolitik unter Reichsau\u00dfenminister Gustav Stresemann den V\u00f6lkerbund als Mittel und setzte sich \u2013 aus Sorge um die deutschen Minderheiten im Ausland \u2013 regierungsintern f\u00fcr eine vergleichsweise liberale Minderheitenregelung im Reich ein. Diese Strategie sollte wohlgemerkt ausschlie\u00dflich dem Ziel dienen, die Situation der deutschen Minderheiten im Ausland positiv beeinflussen zu k\u00f6nnen. Die Verbesserung des interkulturellen Zusammenlebens oder der Lage der nationalen Minderheiten im Reich waren ansonsten f\u00fcr das Reichsau\u00dfenamt v\u00f6llig ohne Belang. Die Entwicklung dieser deutschen Sorben- und Minderheitenpolitik, die Haltung des Regierungs- und Verwaltungsapparates des Deutschen Reiches sowie einzelner Protagonisten spiegelt sich sehr klar in der \u00dcberlieferung des V\u00f6lkerbundes wider.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verzeichnungseinheiten Hier&nbsp;k\u00f6nnen Sie sich die Verzeichnungseinheiten, die von diesem Archiv erfasst wurden, auflisten lassen. Historischer Kontext Der V\u00f6lkerbund (frz. Societe des Nations, engl. League of Nations) entstand als Ergebnis der Pariser Friedenskonferenz von Versailles am Ende des Ersten Weltkrieges. Nachdem die Vollversammlung der Konferenz am 28. April 1919 die V\u00f6lkerbundsatzung beschlossen hatte, nahm die Organisation &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":5535,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"class_list":["post-5601","page","type-page","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www1.sorabicon.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/5601","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www1.sorabicon.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www1.sorabicon.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www1.sorabicon.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www1.sorabicon.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5601"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www1.sorabicon.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/5601\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8478,"href":"https:\/\/www1.sorabicon.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/5601\/revisions\/8478"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www1.sorabicon.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/5535"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www1.sorabicon.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5601"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}