{"id":1181,"date":"2019-05-03T15:15:22","date_gmt":"2019-05-03T13:15:22","guid":{"rendered":"http:\/\/sorabicon.dev.webstitut.de\/?page_id=1181"},"modified":"2020-06-11T13:28:23","modified_gmt":"2020-06-11T11:28:23","slug":"sorbisches-volk-und-sorbische-kultur-in-arnost-mukas-statistika-luziskich-serbow","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www1.sorabicon.de\/hsb\/statistik-der-sorben\/sorbisches-volk-und-sorbische-kultur-in-arnost-mukas-statistika-luziskich-serbow\/","title":{"rendered":"\u201eSorbisches Volk\u201c und \u201eSorbische Kultur\u201c in Arno\u0161t Mukas \u201eStatistika \u0142u\u017eiskich Serbow\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p><br>Die zweite H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts kann in vielen Teilen Europas, vor allem im damals noch stark miteinander vermischten deutsch- und slawischsprachigen Raum, als die Epoche angesehen werden, in der die Idee von der nach Sprache und Kultur abgegrenzten Nation die Phase der romantischen Schw\u00e4rmerei endg\u00fcltig hinter sich lie\u00df und die politischen Eliten wie Massen bewegte. In dieser Zeit entstanden in vielen verschiedenen europ\u00e4ischen Sprachen Texte in einem weiten Feld zwischen Belletristik und Wissenschaft, welche die ideelle Konstruktion eines jeweils eigenen <em>nationalen Raums<\/em> betrieben und bei seiner politischen Erringung bewusst als intellektuelle Geburtshelfer dienen wollten. Arno\u0161t Mukas &#8220;Statistik&#8221; von 1886 muss unbedingt in diesen Texthorizont eingeordnet werden, wenn sie auch aufgrund ihres sorbischen Hintergrunds Spezifika beinhaltet, die es nicht erlauben, sie als typisches intellektuelles <em>Nation-Building<\/em>-Projekt ihrer Zeit zu bezeichnen. Denn die Erlangung einer eigenen, von Deutschland getrennten sorbischen Staatlichkeit war weder f\u00fcr Muka noch f\u00fcr seine jungsorbischen Zeitgenossen jemals eine ernsthaft verfolgte Option \u2013 vielmehr war die Abwehr entsprechender \u201evon deutscher Seite\u201c ge\u00e4u\u00dferter Verd\u00e4chtigungen stets fester Bestandteil ihrer \u00f6ffentlichen sorbisch-patriotischen Arbeit. Auch in der &#8220;Statistik&#8221; finden sich Spuren dieser damals unter dem Stichwort <em>Panslawismus<\/em> gef\u00fchrten deutsch-sorbischen Debatte. Wir stehen damit einem Text gegen\u00fcber, der sich aus der Perspektive einer Minderheit der Symboliken und Sprache des damals dominanten kulturpolitischen Diskurses bedient, um einerseits eine einigende Perspektive nach innen zu erzeugen und andererseits gegen\u00fcber der Mehrheit eine faire Behandlung einzufordern und einen eigenen Raum geltend zu machen. <\/p>\n\n\n\n<p>Dabei f\u00e4llt der Begriff <em>Minderheit<\/em> in Bezug auf die Sorben allerdings auf den gesamten 502 Buchseiten der &#8220;Statistik&#8221; nicht ein einziges Mal. Dies geschieht nicht von ungef\u00e4hr. Zun\u00e4chst belegt Muka mit seinen Zahlen, dass in vielen Kirchgemeinden, vor allem in den l\u00e4ndlichen und noch nicht durchgreifend von der Industrialisierung ber\u00fchrten Gegenden der Lausitz zur Zeit seiner Untersuchung in den 1880er Jahren die sorbischsprachige Bev\u00f6lkerung schlicht nicht in der Minderheit war. Aber auch als Konzept f\u00fcr die u. a. mithilfe seiner Studie zu entwickelnde moderne sorbische Selbstsicht k\u00f6nnte keine Begrifflichkeit Muka fernerliegen. In der &#8220;Statistik&#8221; wird erstmals in dieser Ausf\u00fchrlichkeit der Darstellung in sorbischer Sprache f\u00fcr eine vordringlich sorbische Leserschaft der eigene sorbische Raum definiert. Dieses Gebiet hat gem\u00e4\u00df Mukas Befunden Zentren und Peripherien, es ist innerhalb seines sorbischen Grundcharakters kulturell, konfessionell und \u00f6konomisch stark heterogen. Der Grad seiner Deutschsprachlichkeit unterscheidet sich ebenso wie der seiner Industrialisierung oder seines agrarkulturellen Ausbaus. Schlie\u00dflich kennzeichnet Muka sehr klar die Gegenden, in denen durch deutschen politischen Druck von au\u00dfen und sorbische Anpassung an diesen von innen die Weitergabe der sorbischen Sprache(n) an die n\u00e4chste Generation gef\u00e4hrdet oder schlimmstenfalls bereits unterbrochen ist. Doch es bleibt die Grundbotschaft, die Muka konsequent am Ende der &#8220;Statistik&#8221; mit seinem ausf\u00fchrlichen Ortsverzeichnis und der detaillierten Karte weiter untermauert: Dies ist unser, das sorbische Land. So st\u00f6\u00dft man im Text folgerichtig immer wieder auf \u201edie sorbische Grenze\u201c und \u201esorbische Grenzgemeinden\u201c, Leute verlassen \u201edas sorbische Land\u201c und gehen \u201enach Deutschland\u201c oder \u201eins Deutsche\u201c und andersherum. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Nation des 19. Jahrhunderts basiert als kultureller und politischer Weltentwurf auf einem strikten Dualismus zwischen dem <em>Eigenen<\/em> und dem <em>anderen<\/em>. Auch die von Muka in der &#8220;Statistik&#8221; entworfene sorbische Lausitz ist v\u00f6llig dieser Perspektive verpflichtet. Die Hauptantipode ist dabei ganz klar <em>das Deutsche<\/em>. Wo dieses um sich greift, verschwindet <em>das Sorbische<\/em>. Die \u201eVerdeutschung\u201c ist eines der am h\u00e4ufigsten im Text vorkommenden, klar negativ konnotierten Schlagw\u00f6rter. Auch jedes mit \u201eVermischung\u201c beschriebene Ph\u00e4nomen gerinnt bei Muka zum latenten Problemfall. Dies ist in seiner Perspektive konsequent, denn es folgt Mukas Definition von sorbischer Nationalit\u00e4t: Sorbe ist f\u00fcr Muka, wer sorbisch spricht und in einem zweiten Schritt die Sprache auch an seine Kinder weitergibt. Seine Berechnungen basieren nicht auf einem Bekenntnis, also der Frage: \u201eSind Sie Sorbe?\u201c, sondern auf der Sprachpraxis, als der Frage: \u201eSprechen Sie (im Alltag) Sorbisch?\u201c. Seine Zuarbeiter, in der Regel die Gemeindepfarrer, \u00fcbermittelten ihm aus ihren Kirchspielen daher die Zahl der sorbischsprachigen Messebesucher und Beichtg\u00e4nger als zentrale statistische Erhebungsgrundlage seiner Studie. Muka f\u00fchrt zwar zus\u00e4tzlich auch die Kategorie des \u201egeb\u00fcrtigen Sorben\u201c ein, der als Sorbisch sprechendes Mitglied der alteingesessenen Familien (deren Familiennamen er deswegen in Teil 2 und 3 auch f\u00fcr jede Gemeinde ausf\u00fchrlich angibt) zur Kerngruppe der <em>wirklichen Sorben<\/em> des Dorfes geh\u00f6rt. Doch verliert man diesen Anspruch bei Muka in dem Moment, wo man als Kind solcher <em>wirklichen Sorben<\/em> von diesen nicht mehr in der Muttersprache aufgezogen wird, egal was der Stammbaum der Eltern innerhalb der Dorfdynastien aussagt. Gerade die durch Muka in der &#8220;Statistik&#8221; f\u00fcr die sorbische Kulturgeschichte nachhaltig gepr\u00e4gte Negativfigur des <em>n\u011bmcowar<\/em>, des <em>Deutschlers<\/em>, ist in diesem Zusammenhang wichtig, also des Sorben, der, h\u00e4ufig in der Rolle des Dorflehrers oder -schulzen, seine sorbische Muttersprache verleugnend offensiv die <em>Verdeutschung <\/em>seiner Gemeinde betreibt. Im Umkehrschluss kann dann auch das Kind einer <em>deutschen <\/em>oder <em>gemischten <\/em>Familie zu den Sorben gez\u00e4hlt werden, wenn es durch seine Spielkameraden und die restliche Erwachsenenwelt des Dorfes zum Sorbischsprecher geworden ist. Muka verfolgt damit ein nicht vordergr\u00fcndig an \u201eBlutlinien\u201c gekoppeltes Identit\u00e4tsmodel, das unter der Bedingung des Spracherwerbs zumindest in der zweiten Generation die Aufnahme in die sorbische Gemeinschaft erm\u00f6glicht. <em>Fremde <\/em>m\u00fcssen hier also nicht per se ein Problem darstellen oder in diesem Status unver\u00e4nderbar feststecken, und im Buch st\u00f6\u00dft man u.a. immer wieder auf deutsche Pfarrer, die Muka dezidiert f\u00fcr ihre Bereitschaft, zum Wohl ihrer Gemeinde Sorbisch zu lernen und zu predigen, lobt und als gute Beispiele herausstellt. Allerdings m\u00fcssen die Fremden ihrer Zahl nach durch die sorbische Sprechergemeinde integrierbar sein, was in Mukas Perspektive ihre sprachliche Sorabisierung bedeutet. Insgesamt muss daher <em>im sorbischen Land<\/em> die Zahl der <em>rein sorbischen<\/em> Gemeinden und Familien m\u00f6glichst stark \u00fcberwiegen. Assoziationen von Bollwerken stellen sich ein, Geschlossenheit gilt als Idealziel, wozu auch passt, dass Muka in bereits stark zweisprachigen Gemeinden wie Schm\u00f6lln die letzten sorbischen Familien einzeln benennt und an einzelnen Stellen auch die <em>n\u011bmcowar<\/em> im Dorf markiert. Auch das in Teil 3 auftauchende Element der \u201eausgeschlachteten\u201c und \u201ein deutsche Hand \u00fcbergegangenen\u201c Wirtschaften bzw. G\u00fcter geh\u00f6rt in diesen Motivkreis, der v\u00f6llig im Einklang mit seinem sich nationalisierenden Zeitalter ein Ringen zweier als Antipoden begriffenen Sprachgemeinschaften aus der sorbisch-nationalen Perspektive in offener Parteilichkeit und emotionaler Betroffenheit schildert. Einzelne Individuen und ihre Motive l\u00f6sen sich dabei, wie im nationalen Diskurs typisch, in den als kollektiv angenommenen bzw. behaupteten Interessen ihrer Sprachgruppe auf, die in dieser Vorstellung eine emotionale und politische Gemeinschaft formt. Auch das Vokabular der das <em>sorbische Volkstum<\/em> verteidigenden &#8220;Statistik&#8221; ist daher nicht daf\u00fcr vorgesehen, Uneindeutigkeit oder Vielstimmigkeit zuzulassen. Und so pr\u00e4gt Muka einige f\u00fcr die sorbische Selbstsicht sehr nachhaltig wirksame Zuschreibungen. <\/p>\n\n\n\n<p>Mukas &#8220;Statistik&#8221; bietet eine von Gegensatzpaaren und Dualismen gepr\u00e4gte Beschreibung der Welt, von denen <em>sorbisch <\/em>und <em>deutsch<\/em> im Zentrum stehen. Interessant ist dabei, welche Sph\u00e4ren diesen Antipoden zugeteilt sind. Die sorbische Wirklichkeit der &#8220;Statistik&#8221; entfaltet sich ganz \u00fcberwiegend im Dorf. Es ist eine traditionelle, b\u00e4uerliche Welt der fest gef\u00fcgten Familien- und Geschlechtermodelle, gepr\u00e4gt von \u00fcberlieferten Brauchhandlungen und Volkstracht, tief verwurzelt mit der ostelbischen Agrarkultur der Vormoderne, deren sp\u00e4tfeudale Wirtschafts- und Verwaltungsordnung trotz der Reformen des 19. Jahrhunderts unter der Oberfl\u00e4che noch immer deutlich sp\u00fcrbar ist. Das jeden Lebensaspekt dominierende Ordnungssystem ist der in der evangelischen oder katholischen Kirche organisierte, christliche Glaube. Zwar sind <em>die Deutschen<\/em> vielerorts auch Nachbarn (und in den <em>Mischfamilien<\/em> auch Ehepartner) innerhalb dieser d\u00f6rflichen Welt, doch ist ihnen als Volk in Mukas Dichotomie der Lausitz eine andere Welt zugeteilt: die (Gro\u00df-)Stadt, die Verwaltung und die Orte der Industrie. Vor allem in Bezug auf die Fabrik wird dies deutlich, die mehrfach im Text grunds\u00e4tzlich als \u201edeutsch\u201c, \u201edeutsche Anstalt\u201c usw. bezeichnet wird. Dabei soll hier nicht sein Befund der sprachlichen Dominanz des Deutschen in diesen Sph\u00e4ren angezweifelt werden. Problematisch erscheint vielmehr, dass Muka den gesamten Text hindurch eine prinzipielle Unvereinbarkeit <em>des Sorbischen<\/em> mit diesen Orten der sich entfaltenden Moderne suggeriert. Dies wird besonders deutlich, sobald die Rede im Text auf <em>die Arbeiter<\/em> kommt, wie in seinen Ausf\u00fchrungen zu Spremberg und den sich in seinen \u201edeutschen Fabriken\u201c ihrer selbst entfremdenden sorbischen Arbeiter, oder in der Skepsis, mit der er das \u201ekosmopolitische\u201c Wei\u00dfwasser beschreibt. Dies schlie\u00dft im \u00dcbrigen konsequent auch \u201eFremdarbeiter\u201c aus den slawischen Nachbarv\u00f6lkern wie Tschechen und Polen mit ein, was einmal mehr deutlich macht, dass Panslawismus nicht die Basis des Buches bildet.<\/p>\n\n\n\n<p>Muka, der selbst beinahe sein gesamtes Berufsleben in modernen, st\u00e4dtisch-gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Kontexten au\u00dferhalb der zweisprachigen Lausitz verbrachte, hat diese Ablehnung der heraufziehenden Moderne mit ihrer Aufl\u00f6sung traditioneller Welten auch in sp\u00e4teren Jahren betont. So schrieb er noch 1918 im Vorwort seiner \u201eBausteine zur Heimatkunde des Luckauer Kreises\u201c in deutscher Sprache, mit einem \u00fcber das sorbische Feld weit hinausreichenden Blick: \u201eDer Zweck unseres Buches wie aller heimatkundlichen Bestrebungen der Gegenwart ist, die im letzten halben Jahrhundert leider bei vielen im Schwinden begriffene Liebe zur angestammten Scholle, Ehrfurcht vor dem schlichten, strohgedeckten Vaterhaus und Anh\u00e4nglichkeit an die traute Geburtsst\u00e4tte von neuem zu beleben und auf tiefere und festere Grundlagen zu stellen, damit der leidigen, immer mehr \u00fcberhandnehmenden und f\u00fcr das gro\u00dfe Vaterland so sch\u00e4dlichen Landflucht der Dorfbewohner und ihrem Drange nach der Gro\u00dfstadt zum gottvergessenen und vaterlandslosen Tanz um das goldene Kalb so viel wie m\u00f6glich Einhalt geboten werde. Immer mehr bricht sich Gott sei Dank heutzutage auch in den breiteren Schichten unserer Intelligenz die Erkenntnis allm\u00e4hlich Bahn, da\u00df den gro\u00dfen Sch\u00e4den der unbeschr\u00e4nkten Freiz\u00fcgigkeit, dem Danaergeschenk f\u00fcr unsere l\u00e4ndliche Bev\u00f6lkerung nur durch Weckung und St\u00e4rkung der Heimatliebe erfolgreich entgegengearbeitet werden kann, und da\u00df in der echten, \u00fcberzeugungstreuen Heimatliebe die wahre, opferwillige Vaterlandsliebe wurzelt, die sich in unseren Tagen so gl\u00e4nzend bew\u00e4hrt hat.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Diese Perspektive ist f\u00fcr die deutsche volkskundliche Tradition seit ihrem Vordenker Wilhelm Heinrich Riehl bis in die 1960er Jahre bestimmend gewesen. Riehl hatte 1869 in seinem viel gelesenen Buch \u201eDie Naturgeschichte des Volkes\u201c die deutsche Gesellschaft in die \u201eM\u00e4chte des Beharrens\u201c und die \u201eM\u00e4chte der Bewegung\u201c unterteilt. Bauern und Adel geh\u00f6rten demnach in die erste, B\u00fcrgertum und (\u201egeistiges\u201c wie \u201ematerielles\u201c) Proletariat in die zweite Kategorie. Und wie bei Muka in der &#8220;Statistik&#8221; ist auch schon bei Riehl die Aufl\u00f6sung und Vermischung der beiden Sph\u00e4ren, die ein Charakteristikum der industriellen Moderne darstellt, das zentrale Problem. In ihrem b\u00fcrgerlich-konservativen Gesellschaftsmodell sind den sozial und kulturell klar abgegrenzten Gruppen feste Standorte im \u201eVolksganzen\u201c zugeordnet, ein Wechsel ihrer Mitglieder in eine der anderen Gruppen ist immer problembehaftet und stellt, geschieht er in gr\u00f6\u00dferem Umfang, eine Gefahr f\u00fcr das ganze System dar. Die Sympathie der b\u00fcrgerlichen Volkskundler galt dabei klar der l\u00e4ndlich-b\u00e4uerlichen Bev\u00f6lkerung, vor allem den Teilen, die in ihrer Wahrnehmung besonders urspr\u00fcnglich und damit <em>unverdorben<\/em> geblieben waren, denn hier verortete man die <em>Wesenskerne<\/em> dessen, was man als <em>Deutschtum<\/em>, <em>Sorbentum<\/em> usw. bezeichnete. Hieraus erkl\u00e4rt sich auch Mukas besonders gl\u00fchende Begeisterung f\u00fcr die niedersorbische Bev\u00f6lkerung im ersten Teil des Buches, der er in dessen Fazit unter anderem attestiert, dass sie, weitestgehend unber\u00fchrt von h\u00f6herer schulischer Bildung, ihr <em>Sorbentum<\/em> aus sich selbst sch\u00f6pfe (womit er nicht zuletzt ein fr\u00fches, exponiertes Beispiel f\u00fcr den innersorbischen, exotisierenden Blick auf die Niedersorben darstellt).<\/p>\n\n\n\n<p>Damit wird deutlich, dass Muka mit seiner &#8220;Statistik&#8221; nicht nur f\u00fcr die Anerkennung, den Erhalt und die selbstbewusste Weitergabe der sorbischen Sprache(n) eintritt. Er will zugleich die einzige Lebenswelt verteidigen, in der nach seiner \u00dcberzeugung diese Sprachen auch in Zukunft existieren k\u00f6nnen: das vormoderne, vom <em>Fremden<\/em> so wenig wie m\u00f6glich ber\u00fchrte, traditionelle Lausitzer Bauerndorf. Dies ist angesichts der umfassenden Wirkm\u00e4chtigkeit der industriellen Umw\u00e4lzung der Lausitz, die Muka in der &#8220;Statistik&#8221; immer wieder thematisiert und empirisch eindrucksvoll beschreibt, eine mehr als ambitionierte Aufgabenstellung an die sich gerade entwickelnde moderne Vorstellung von einer sorbischen Nation und ihre Protagonisten. Welche Nachwirkung er damit erzielte, wird in einem abschlie\u00dfenden dritten Text erl\u00e4utert. <\/p>\n\n\n\n<p>Literatur:<\/p>\n\n\n\n<p>Muka, Arno\u0161t: Statistika \u0142u\u017eiskich Serbow. Budy\u0161in 1884\u20131886.<\/p>\n\n\n\n<p>Mucke, Ernst: Bausteine zur Heimatkunde des Luckauer Kreises. Luckau 1918.<\/p>\n\n\n\n<p>Riehl, Wilhelm Heinrich: Die Naturgeschichte des Volkes als Grundlage einer deutschen Social-Politik. Stuttgart 1851\u20131869.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die zweite H\u00e4lfte des 19. 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