{"id":364,"date":"2019-04-15T15:38:11","date_gmt":"2019-04-15T13:38:11","guid":{"rendered":"http:\/\/sorabicon.dev.webstitut.de\/?page_id=364"},"modified":"2020-06-11T14:03:31","modified_gmt":"2020-06-11T12:03:31","slug":"die-bruedergemeine-und-die-sorben","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www1.sorabicon.de\/hsb\/herrnhuter-lebenslaeufe\/die-bruedergemeine-und-die-sorben\/","title":{"rendered":"Die Br\u00fcdergemeine und die Sorben"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Historischer \u00dcberblick<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die 1722 erfolgte Grundsteinlegung Herrnhuts und die dort bald entstehende Br\u00fcdergemeine stie\u00dfen auf reges Interesse in der Lausitz. Schon bald begaben sich Neugierige und Erweckte aus den umliegenden Gemeinden nach Herrnhut, um am dortigen religi\u00f6sen Leben teilzuhaben. Unter den ersten Besuchern waren auch zahlreiche Sorben, vor allem aus den nur wenige Kilometer entfernt liegenden sorbischen Kirchspielen L\u00f6bau, Kittlitz und Hochkirch. Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, unter dessen Obhut die Br\u00fcdergemeine entstand, empfing wiederholt sorbische Gruppen, hielt ihnen Predigten und best\u00e4rkte sie, sich der br\u00fcderischen Bewegung anzuschlie\u00dfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bald schon gr\u00fcndeten die erweckten Sorben in ihren D\u00f6rfern eigene br\u00fcderische Versammlungen, sogenannte Soziet\u00e4ten. In und um Bautzen trafen die von Herrnhut ausgehenden Erweckungen auch auf \u00e4ltere pietistische Gruppen und belebten diese neu. Unterst\u00fctzung fanden sie durch Graf Friedrich Caspar von Gersdorf, einem Gro\u00dfcousin Zinzendorfs. Graf Gersdorf war seit 1731 Oberamtshauptmann der Oberlausitz und f\u00f6rderte die Entstehung Herrnhuts, wobei politisches und privates Engagement kaum auseinandergehalten werden k\u00f6nnen. Zugleich setzte er sich tatkr\u00e4ftig daf\u00fcr ein, die von dort ausgehenden Erweckungen f\u00fcr die Sorben fruchtbar zu machen. So lie\u00df Gersdorf sorbische Lehrer und Laienprediger in Herrnhut ausbilden, schuf eine sorbische Predigerkonferenz, f\u00f6rderte den Druck sorbischer Andachtsliteratur und gr\u00fcndete etliche Schulen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens war die Herrnhuter Br\u00fcdergemeine sowohl in Regierungs- als auch in Kirchenkreisen h\u00f6chst umstritten. Aufgrund pers\u00f6nlicher Missverst\u00e4ndnisse und politischer Zw\u00e4nge wandte sich auch Graf Gersdorf f\u00fcr einige Zeit den Franckeschen Stiftungen in Halle zu und unterhielt Kontakte zu Johann Adam Steinmetz in Magdeburg. Eine besonders enge Freundschaft verband ihn mit der Hofgemeinde der Grafen von Reu\u00df in Ebersdorf\/Vogtland. Diese unterschiedlichen Einfl\u00fcsse pr\u00e4gten auch die Entwicklung in den sorbischen Gemeinden, weshalb sich nicht alle Erweckten Herrnhut anschlossen. Einige bildeten kleine Sondergruppen, andere besuchten regelm\u00e4\u00dfig die hallisch gepr\u00e4gten Erbauungsstunden, die August Adolph von Below um 1750 auf seinem Gut Gro\u00dfwelka eingef\u00fchrt hatte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/TS_K_04-Custom-1024x910.jpg\" alt=\"Ausgehend von dem gekreuzigten Christus als Weinstock werden alle wichtigen Personen, Standorte und Missionsgebiete der Br\u00fcdergemeine als rankende Reben und Bl\u00e4tter dieses Weinstocks dargestellt. So symbolisiert die dritte Rebe auf der rechten Seite das Lausitzer Werk der Br\u00fcdergemeine. Auf Niesky und dessen P\u00e4dagogium folgend ist Kleinwelka als eigenst\u00e4ndiges Blatt des Weinstocks dargestellt. Gemeinden und Missionsstandorte unter Indianern sind durch braune Schrifttafeln markiert, Gemeinden und Missionsstandorte unter Afroamerikanern, wie etwa in der Karibik, sind durch schwarze Bildtafeln markiert.\" class=\"wp-image-506\" width=\"768\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/TS_K_04-Custom-1024x910.jpg 1024w, https:\/\/www1.sorabicon.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/TS_K_04-Custom-300x267.jpg 300w, https:\/\/www1.sorabicon.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/TS_K_04-Custom-768x682.jpg 768w, https:\/\/www1.sorabicon.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/TS_K_04-Custom.jpg 1317w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Stammtafel der Br\u00fcdergemeine. Entwurf: Friedrich von Watteville, kolorierte Federzeichnung, 1778 (Unit\u00e4tsarchiv Herrnhut). Auf der theologisch konzipierten Stammtafel der Br\u00fcdergemeine, die alle wichtigen Standorte, Personen und Ereignisse der ersten Jahrzehnte umfasst, ist Kleinwelka als ein Blatt an dem Lausitzer Zweig dargestellt und wird auf das Jahr 1751 datiert. Auf Kleinwelka folgend kennzeichnet jeweils ein einzelnes Blatt die Diasporaarbeit in der sorbischen Ober- und Niederlausitz. Die Arbeit der Br\u00fcdergemeine in Uhyst\/Spree, deren Anf\u00e4nge auf das Jahr 1737 datiert werden, wird als eigenst\u00e4ndiges Werk angesehen. Die gelbe Farbwahl des Uhyster Blattes zeigt allerdings auf Schwierigkeiten am Standort.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Nachdem sich die Ebersdorfer Gemeine mit Herrnhut vereinigt hatte, schloss sich 1746 auch Friedrich Caspar von Gersdorf wieder ganz Herrnhut an. Sein Gut Teichnitz, in dem sich seit 1744 die Erweckten aus Bautzen und den umliegenden D\u00f6rfern trafen, wurde nun zum Zentrum der Herrnhuter in der Bautzener Gegend. Ein weiterer wichtiger St\u00fctzpunkt waren die Schulanstalten in Uhyst\/Spree, die seit 1743 bestanden. Lehrer und Geistliche hielten regelm\u00e4\u00dfig im Schloss und im 1747 neu errichteten herrschaftlichen Schulgeb\u00e4ude eigene Erbauungsstunden, die von zahlreichen Bewohnern der umliegenden Ortschaften besucht wurden. So entwickelte sich Uhyst rasch zum Zentrum der Erweckten zwischen Hoyerswerda und der Muskauer Heide und blieb es, bis die Anstalten 1756 geschlossen und nach Niesky verlegt wurden. 1784 gelang es der Br\u00fcdergemeine mit der Wiederbelebung der Anstalten, an die vorhergehende Tradition anzukn\u00fcpfen und Uhyst wieder zum regionalen Zentrum auszubauen. Ende des 18. Jahrhunderts entfaltete sich au\u00dferdem der Kirchort Milkel unter Pfarrer Johann Noack zum wichtigen Versammlungsort der sorbischen Erweckten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Entsprechend der Erbbestimmungen fiel Teichnitz nach dem Tod Friedrich Caspar von Gersdorfs 1751 an die Baruther Linie derer von Gersdorf, die die frommen Versammlungen nicht l\u00e4nger duldete. Deshalb zogen die sorbischen Geschwister noch im Sommer 1751 ins nahe gelegene Kleinwelka, das Gersdorfs langj\u00e4hriger, bew\u00e4hrter Mitarbeiter Matth\u00e4us Lange 1746 mit der Hilfe des Grafen erworben hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Folgejahren entwickelte sich Kleinwelka somit zum Zentralort f\u00fcr die erweckten Sorben aus der Ober- und Niederlausitz, auch wenn sich ein Teil weiterhin st\u00e4rker nach Herrnhut oder Niesky orientierte. Vor allem in den 1750er Jahren bestanden Bem\u00fchungen, die tschechischsprachigen Einwohner Nieskys und die Sorben enger zusammenzubringen, etwa in einer gemeinsamen Siedlung. Letzteres wurde zwar nicht verwirklicht, doch l\u00e4sst sich in der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts auf personeller Ebene ein reger Austausch zwischen den tschechischsprachigen Gemeinorten Niesky und Berlin\/Rixdorf sowie der sorbischen Gemeindearbeit beobachten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Br\u00fcdergemeine, Sorben und Mission<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Durch die bald weltumspannende Gemeinschaft der Herrnhuter wurde auch die sorbische Diaspora rasch Teil des weltweiten Kommunikationsnetzes der Br\u00fcdergemeine. Nachrichten aus \u00dcbersee und den fernen Missionsstandorten wurden in Kleinwelka ebenso gern gelesen wie in den sorbischen Soziet\u00e4ten. Dies best\u00e4rkte bei einigen den Wunsch, sich selbst in die Mission zu begeben und so standen bald \u00fcber 40 Frauen und M\u00e4nner sorbischer Herkunft aus der Nieder- und Oberlausitz im Missionsdienst der Br\u00fcdergemeine. Ein Gro\u00dfteil von ihnen wirkte in S\u00fcdafrika, Gr\u00f6nland und Labrador, einzelne arbeiteten jedoch auch in Surinam, Indien oder der Karibik. Andere gingen dem Ruf der Gemeine folgend als Siedler nach Sarepta (Russland) oder waren am Aufbau der br\u00fcderischen Siedlungen in Pennsylvanien (USA) beteiligt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/IMG_5883-Gro\u00df-e1560415003240-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4022\" width=\"384\" height=\"512\" srcset=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/IMG_5883-Gro\u00df-e1560415003240-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www1.sorabicon.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/IMG_5883-Gro\u00df-e1560415003240-225x300.jpg 225w, https:\/\/www1.sorabicon.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/IMG_5883-Gro\u00df-e1560415003240.jpg 1080w\" sizes=\"auto, (max-width: 384px) 100vw, 384px\" \/><figcaption>Grabstelle des Missionars Johann August Miertsching in Kleinwelka. Miertsching wirkte in Labrador und S\u00fcdafrika und war zwischen 1850 und 1854 mit einer britischen Expedition an der Entdeckung der Nordwestpassage beteiligt. (L. Mahling)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Herrnhuter Predigerkonferenz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Neben den Gemeinorten und der Diasporaarbeit wurden Fragen des sorbischen Gemeindelebens auch in der Herrnhuter Predigerkonferenz besprochen. Diese wurde im Juni 1754 gegr\u00fcndet und stellte einen Zusammenschluss der mit Herrnhut sympathisierenden Pfarrer dar. Etliche sorbische Geistliche, wie etwa Johann Benade, Johann Lehmann, Michael Friedrich Franz und Christian Friedrich Brahtz, beteiligten sich regelm\u00e4\u00dfig an den \u00fcberregionalen Treffen. Neben dem allgemeinen kollegialen Austausch wurden dort auch spezifisch sorbische Themen angesprochen und der Druck sorbischer Andachtsliteratur angeregt und unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lausitzer Ritterg\u00fcter im Besitz der Br\u00fcdergemeine<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seit Mitte des 18. Jahrhunderts befanden sich verschiedene Ritterg\u00fcter im sorbischen Siedlungsgebiet entweder direkt im Besitz der Br\u00fcdergemeine oder geh\u00f6rten Adligen, die Mitglieder waren. Dies gilt beispielsweise f\u00fcr die G\u00fcter Klix, G\u00f6beln, Leichnam (Spreewiese) mit Pertinentien und Kleinwelka, sp\u00e4ter auch Uhyst\/Spree sowie M\u00f6nau, Rauden, Lieske, Kauppa und Salga. In je unterschiedlichem Ma\u00dfe unterstanden diese G\u00fcter direkt oder indirekt der Verwaltung der Br\u00fcdergemeine und wurden durch diese bewirtschaftet. \u00dcber die Berufung der Pfarrer und Lehrer, aber auch der Verwalter, P\u00e4chter und Betriebsleiter, wie etwa Brauer, F\u00f6rster, Sch\u00e4fer etc., konnte die Br\u00fcdergemeine bzw. der ihr angeh\u00f6rige Adel nicht nur die Entwicklung der Dorfgemeinschaft beeinflussen, sondern auch \u00fcberregionale Impulse setzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beobachtungen zur kulturellen Pr\u00e4gekraft der Br\u00fcdergemeine<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die von Herrnhut ausgehende und bald von Kleinwelka her organisierte Erweckung der Sorben barg eine ungeheure Dynamik und ein gro\u00dfes Ver\u00e4nderungspotenzial in sich. Vier Dimensionen dieses Geschehens sollen hier besonders herausgehoben werden:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Moralisierung\u00a0<\/li><li>Geografische und soziale Mobilisierung<\/li><li>Literarisierung: Alphabetisierung und Verschriftlichung der sorbischen Kultur<\/li><li>Pluralisierung der sorbischen Gesellschaft<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>1. Moralisierung<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zugeh\u00f6rigkeit zur Br\u00fcdergemeine bzw. die Mitgliedschaft in einer Soziet\u00e4t sollte im Alltag sichtbar werden. Erwartet und von den Diasporaarbeitern bzw. ihren Helfern kontrolliert wurden sittliches Verhalten in Haus und Hof, vorbildhafter Umgang mit Kindern und Gesinde, eine gewissenhafte Arbeitsmoral sowie ein regelm\u00e4\u00dfiger Gottesdienstbesuch in der Heimatkirchgemeinde. Alkohol, Tanz und Spiel waren verp\u00f6nt; bei Missachtung drohte (vorl\u00e4ufiger) Ausschluss aus der Gemeine. Gro\u00dfer Wert wurde auf die Erziehung der Kinder gelegt, wie die Gr\u00fcndung von Schulen, das Abhalten eigener Kindergottesdienste sowie die Diskussion von Erziehungsfragen in den sogenannten Ehechorstunden zeigen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>2. Geografische und soziale Mobilisierung<\/p>\n\n\n\n<p>Die von Herrnhut ausgehenden bzw. verst\u00e4rkten Erweckungen l\u00f6sten weitr\u00e4umige Wanderungsbewegungen aus. Zahlreiche Sorben aus der Ober- und Niederlausitz pilgerten nach Herrnhut, Teichnitz und Kleinwelka, trafen sich in Soziet\u00e4ten vor Ort und suchten erwecklich predigende Pfarrer auf. Diese r\u00e4umliche Mobilit\u00e4t lie\u00df \u00fcber bisherige Dorf-, Sprach- und Standesgrenzen hinweg neue Netzwerke entstehen, die bald auch wirtschaftlich genutzt wurden und somit auch einen sozialen Aufstieg erm\u00f6glichten. Zudem regte die r\u00e4umliche Mobilit\u00e4t dazu an, auch sprachlich-mentale Grenzen zu \u00fcberwinden. Zahlreiche Sorbinnen und Sorben erlernten im Umfeld der Br\u00fcdergemeine das Deutsche oder eigneten sich Lese- und Schreibfertigkeiten an.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht zuletzt bedeutete der Anschluss an die Gemeine auch den Zugang zu einer internationalen Gemeinschaft, was auch dazu f\u00fchrte, dass sich etliche Sorbinnen und Sorben selbst in die Mission begaben, wie etwa Agnes Lemmerz, Catherine St\u00fcrmann oder Georg Kmoch.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Literarisierung<\/p>\n\n\n\n<p>Alphabetisierung und Verschriftlichung der sorbischen Kultur<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gr\u00fcndung zahlreicher Schulen sowie der Druck vielf\u00e4ltiger sorbischer Andachtsliteratur im Umfeld der Br\u00fcdergemeine f\u00f6rderten dar\u00fcber hinaus die sorbischsprachige Alphabetisierung der Lausitzer Bev\u00f6lkerung. Besonders nachhaltig erwies sich dabei die Forderung des Pietismus nach intensivem Bibelstudium und das regelm\u00e4\u00dfige Lesen von Erbauungsliteratur, wurden doch somit erworbene Lesekenntnisse (ein-)ge\u00fcbt und gefestigt. War die sorbische Kultur bis um 1750 im Wesentlichen eine m\u00fcndliche Kultur, so wandelte sie sich unter dem Einfluss Herrnhuts zunehmend in eine Schriftkultur. Die Br\u00fcdergemeine tr\u00e4gt also gro\u00dfen Anteil an diesem fundamentalen kulturellen Wandel.<\/p>\n\n\n\n<p>4. Pluralisierung der sorbischen Gesellschaft&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sowohl Folge als auch Ursache der zunehmenden Schriftlichkeit war die einhergehende zunehmende (Meinungs-)Pluralisierung und die daraus folgende Ausdifferenzierung der sorbischen Bev\u00f6lkerung. Im Umkreis der Herrnhuter Br\u00fcdergemeine entstanden zahlreiche religi\u00f6se Gruppierungen, teils radikal-kirchenkritischer, teils moderater Art, die ihre eigenen religi\u00f6sen Ansichten unter anderem auch durch Druckmedien zu verbreiten suchten, was wiederum zur Dynamisierung des sorbischen Buchmarkts beitrug. Am Ende des 18. Jahrhunderts gab es somit nicht mehr nur evangelische und katholische Sorben, sondern innerhalb der evangelischen Sorben eine bemerkenswerte und folgenreiche Ausdifferenzierung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Weiter zu: <a href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/herrnhuter-lebenslaeufe\/kleinwelka\/\">Kleinwelka<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Historischer \u00dcberblick Die 1722 erfolgte Grundsteinlegung Herrnhuts und die dort bald entstehende Br\u00fcdergemeine stie\u00dfen auf reges Interesse in der Lausitz. 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