{"id":5603,"date":"2019-11-26T09:13:47","date_gmt":"2019-11-26T08:13:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.sorabicon.de\/?page_id=5603"},"modified":"2020-07-06T10:52:50","modified_gmt":"2020-07-06T08:52:50","slug":"arhiv-republike-slovenije-slowenisches-nationalarchiv-ljubljana","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www1.sorabicon.de\/hsb\/quellen-zur-sorbischen-geschichte-1918-1945\/arhiv-republike-slovenije-slowenisches-nationalarchiv-ljubljana\/","title":{"rendered":"Arhiv Republike Slovenije (Slowenisches Nationalarchiv Ljubljana)"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Verzeichnungseinheiten<\/h2>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www1.sorabicon.de\/wissensquellen\/suche-ergebnisse\/?facet_archiv=U2xvd2VuaXNjaGVzIFN0YWF0c2FyY2hpdiA=&amp;facet_module=dagswens\">Hier<\/a> k\u00f6nnen Sie sich die Verzeichnungseinheiten, die von diesem Archiv erfasst wurden, auflisten lassen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Historischer Kontext<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Slowenen waren eine der kleineren Nationalit\u00e4ten des habsburgischen Vielv\u00f6lkerreiches. Ihr Siedlungsgebiet erstreckte sich \u00fcber mehrere habsburgische Kronl\u00e4nder, das Kernland dieser s\u00fcdslawischen Sprachgruppe war das zu den \u00f6sterreichischen Erbl\u00e4ndern z\u00e4hlende Herzogtum Krain. Hier waren am Ende des 19. Jahrhunderts die Slowenen mit einem Anteil von 94,4 Prozent an der Bev\u00f6lkerung die klar dominierende Nationalit\u00e4t, ihr kulturelles Zentrum der Slowenen war die krainische Hauptstadt Laibach (slowenisch Ljubljana).<\/p>\n\n\n\n<p>Zum prim\u00e4ren Identit\u00e4ts- und Differenzierungsmerkmal der Slowenen wurde w\u00e4hrend dieser Zeit die Sprache. \u00c4hnlich wie die Sorben wurden auch Sprecher der slawischen Dialekte im Ostalpenraum im Deutschen als <em>Wenden <\/em>oder <em>Windische <\/em>bezeichnet, bis diese Benennung durch die slowenische Eigenbezeichnung <em>Slowenen <\/em>(slovenci) ersetzt wurde. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Zusammenbruch \u00d6sterreich-Ungarns gegen Ende des Ersten Weltkrieges entstand am 1.&nbsp;Dezember 1918 das K\u00f6nigreich der Serben, Kroaten und Slowenen, aus dem 1929 nach einem Staatsstreich des serbischen K\u00f6nigs Alexander I. Kara\u0111or\u0111evi\u0107 das K\u00f6nigreich Jugoslawien wurde. <\/p>\n\n\n\n<p>Sprachlich und kulturell standen sich Lausitzer Sorben und Slowenen nahe, Panorganisationen wie die patriotische Sokol-Turnbewegung in der Tschechoslowakei und Jugoslawien sowie die in der Zwischenkriegszeit lebendige panslawische Idee vermittelten vielfache Begegnungen und Austausch zwischen V\u00f6lkern Ost- und Mitteleuropas. Diese aber erschienen den Regierungen in Berlin, Dresden und Wien angesichts ihrer eigenen minderheitenpolitischen Lage als bedrohlich. Deswegen kam es unregelm\u00e4\u00dfig zu einem Informationsaustausch der Regierungen und Beh\u00f6rden Deutsch-\u00d6sterreichs, des Deutschen Reiches, Preu\u00dfens und Sachsens \u00fcber allgemeine Minderheitenbelange. Dabei ging es wohlgemerkt nicht um die Entwicklung einer modernen, auf Ausgleich und Partizipation angelegten Minderheitenpolitik, sondern um ein autorit\u00e4r-restauratives Konzept zur Abwehr und Unterdr\u00fcckung entsprechender Forderungen oder auch nur kultureller Praxen der nicht deutschen Nationalit\u00e4ten. Die Freistaaten Preu\u00dfen und vor allem Sachsen waren besonders interessiert an der Wendenbewegung, d.h. an jeglichen sorbischen kulturellen, sportlichen oder politischen Organisationen, die sie allesamt als staatsgef\u00e4hrdend und von der Tschechoslowakei unterst\u00fctzt rezipierten. Die Sammlung entsprechender Informationen \u00d6sterreichs f\u00fcr die deutschen Nachbarn mit anschlie\u00dfender Weiterleitung erfolgte \u00fcber die diplomatischen Dienste Wiens, also bspw. \u00fcber das \u00f6sterreichische Au\u00dfenministerium und dessen Botschaften\/Gesandtschaften in Berlin und Dresden sowie weitere Gesandtschaften\/Konsulate in den slawischen Sezessionsstaaten (Prag\/Praha, Agram\/Zagreb, Laibach\/Ljubljana). Argw\u00f6hnisch beobachtet wurden auch die Berichterstattung des V\u00f6lkerbundes zur Lage der Minderheiten in diesen Staaten sowie die T\u00e4tigkeit von Vertretern der gerade erst entstehenden zivilgesellschaftlichen Organisationen (etwa des Europ\u00e4ischen Nationalit\u00e4tenkongresses), die sich intensiv um die Minderheiten in Ostmitteleuropa bem\u00fchten. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcberlieferungsgeschichte<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Beginn der \u00dcberlieferung der Provinzbeh\u00f6rden der Krain setzt ein mit der Gr\u00fcndung einer Historischen Gesellschaft der Krain (Histori\u010dno dru\u0161tvo za Kranjsko) im Jahr 1859, die aber zun\u00e4chst innerhalb des Provinzmuseums in Ljubljana agierte. Diese Regelung blieb auch bestehen, als im Jahr 1926 erstmals ein Staatsarchiv installiert wurde. Nach dem Ende der deutschen Besatzungsherrschaft wurde im Oktober 1945 das Slowenische Staatsarchiv als eigenst\u00e4ndige Einrichtung gegr\u00fcndet, das seit 1991 als Arhiv Republike Slovenije firmiert. Neben der \u00dcberlieferung der Beh\u00f6rden, der Gerichte und sonstigen Einrichtungen der Republik Slowenien verwahrt das Arhiv Republike Slovenije nun auch diverse jugoslawische Sonderarchive (u. a. der Staatspartei und Geheimpolizei) sowie Sammlungen und Nachl\u00e4sse slowenischer Pers\u00f6nlichkeiten, etwa denjenigen des aus Triest stammenden Rechtsanwalts und Menschenrechtsaktivisten Josip Vilfan\/Wilfan (1878\u20131955).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sorabistische Relevanz<\/h2>\n\n\n\n<p> Staatliche Unterlagen zu sorabistischen Themen sind im Arhiv Republike Slovenije nicht \u00fcberliefert. Die einschl\u00e4gigen Akten, insbesondere des Habsburgischen Au\u00dfenministeriums und der nachgeordneten Auslandsvertretungen bzw. der sp\u00e4teren \u00f6sterreichischen Gesandtschaft in Ljubljana, sind im \u00d6sterreichischen Staatsarchiv in Wien \u00fcberliefert.&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Als von herausragender Bedeutung f\u00fcr die historische Minderheitenforschung ist aber der o.g. Nachlass des Josip Vilfan\/Wilfan anzusehen, der von 1925 bis 1938 Pr\u00e4sident des Europ\u00e4ischen Nationalit\u00e4tenkongresses war. Da die Verbandsregistratur kriegsbedingt als verloren gilt, ist der Bestand zugleich als Ersatz\u00fcberlieferung anzusehen. Die Unterlagen bilden nahezu das gesamte Spektrum minderheitenpolitischer Sachverhalte im Europa der Zwischenkriegszeit ab, wobei die Themen sich wiederholen (analog zu den sorbischen Sachverhalten): der Streit um Schule und Unterrichtssprache, politische Repr\u00e4sentanz und Loyalit\u00e4t der Minderheit gegen\u00fcber dem Staat der Mehrheit. Schwerpunkte in den 1920er und 1930er Jahren sind die (romanischen sowie) deutschen und die slawischen Minderheiten; in den 1930er Jahren kommt die Frage der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung in Ostmitteleuropa hinzu. Entsprechende Forschungsvorhaben (insbesondere zu s\u00fcd- und s\u00fcdosteurop\u00e4ischen Themen) werden um diesen Quellenbestand nicht umhinkommen. Die Dichte der Informationen ist mit der \u00dcberlieferung der Minderheitenabteilung des V\u00f6lkerbundes vergleichbar. Im Unterschied dazu sind die Minderheiten in den Unterlagen Vilfans\/Wilfans nicht Objekt der Berichterstattung, sondern politisch handelnde Subjekte. Mithin ist diesen Unterlagen hermeneutisch eine besondere Bedeutung zuzurechnen. Und auch politik- und diplomatiegeschichtlich sind sie eine Quelle ersten Ranges, zeigen sie doch eindr\u00fccklich, wie eine Nichtregierungsorganisation in der Zwischenkriegszeit versuchte, Konflikte beizulegen, Einfluss auf staatliche Akteure zu gewinnen und interne Differenzen zu moderieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Sorabistisch im engeren Sinne von Interesse sind Korrespondenzen mit Vertretern der organisierten Lausitzer Sorben (Jakob Lorenz, Jan Cy\u017e, Mina Witkojc, Jan Skala) sowie interne Unterlagen, die deren minderheitenpolitische Arbeit reflektieren (bspw. Konflikte zwischen D\u00e4nen\/Friesen und Sorben, die schlie\u00dflich zum R\u00fcckzug der Sorben aus den minderheitenpolitischen Verb\u00e4nden der Zwischenkriegszeit f\u00fchrten).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verzeichnungseinheiten Hier k\u00f6nnen Sie sich die Verzeichnungseinheiten, die von diesem Archiv erfasst wurden, auflisten lassen. Historischer Kontext Die Slowenen waren eine der kleineren Nationalit\u00e4ten des habsburgischen Vielv\u00f6lkerreiches. Ihr Siedlungsgebiet erstreckte sich \u00fcber mehrere habsburgische Kronl\u00e4nder, das Kernland dieser s\u00fcdslawischen Sprachgruppe war das zu den \u00f6sterreichischen Erbl\u00e4ndern z\u00e4hlende Herzogtum Krain. 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