{"id":5604,"date":"2019-11-26T09:15:08","date_gmt":"2019-11-26T08:15:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.sorabicon.de\/?page_id=5604"},"modified":"2020-07-06T10:50:43","modified_gmt":"2020-07-06T08:50:43","slug":"archivverbund-bautzen-stadt-und-staatsfilialarchiv-bautzen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www1.sorabicon.de\/hsb\/quellen-zur-sorbischen-geschichte-1918-1945\/archivverbund-bautzen-stadt-und-staatsfilialarchiv-bautzen\/","title":{"rendered":"Archivverbund Bautzen (Stadt- und Staatsfilialarchiv Bautzen)"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Verzeichnungseinheiten<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Verzeichnungseinheiten, die von diesem Archiv erfasst wurden, sind noch in Bearbeitung <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Historischer Kontext<\/h2>\n\n\n\n<p>Ab 1835 existierten im K\u00f6nigreich Sachsen Provinzialbeh\u00f6rden als Mittelinstanzen des Verwaltungsaufbaus. Im Jahr 1873 wurde die vormalige Kreisdirektion Bautzen in Kreishauptmannschaft Bautzen umbenannt und ihr die vier Amtshauptmannschaften Bautzen, Kamenz, L\u00f6bau und Zittau unterstellt. Die Stadt Bautzen wurde 1922 als eigenst\u00e4ndiger Stadtkreis aus der Amtshauptmannschaft ausgegliedert. <\/p>\n\n\n\n<p>Bereits Anfang der 1920er Jahre wurde nach einem entsprechenden gemeinsamen Beschluss des Reiches sowie der L\u00e4nder Preu\u00dfen und Sachsen bei der Kreishauptmannschaft Bautzen eine au\u00dferordentliche Organisationseinheit installiert, die sp\u00e4ter verwaltungsintern als Wendenabteilung bezeichnet wurde. Ihre Gr\u00fcndung f\u00e4llt in den historischen Kontext des f\u00fcr das Deutsche Reich verlorenen Weltkrieges und der durch den Versailler Friedensvertrag bestimmten Gebietsverluste. Sowohl auf Reichs- wie auch auf L\u00e4nderebene w\u00e4hnten die deutschen Entscheidungstr\u00e4ger den Bestand des Reiches bedroht durch nationalistische, irredentistische und vor allem slawische Panbewegungen. Der sorbische Wunsch nach kultureller Sicherheit oder auch begrenzter politischer Autonomie innerhalb der bestehenden staatlichen Ordnung wurde insbesondere in Sachsen rezipiert als tschechisch inspirierter Separatismus, der mit jedem nur m\u00f6glichen Mittel zu sup\u00adpri\u00admie\u00adren war, eines davon war die Wendenabteilung. Diese Verwaltungsstelle fungierte zuerst als eine Art konspirativer Nachrichtendienst, der sorbisches Leben beobachtete und dar\u00fcber dem Regierungs- und Verwaltungsapparat berichtete. Sp\u00e4ter \u00fcbernahm die Stelle zunehmend auch Aufgaben des Verwaltungsvollzugs, beispielsweise durch Zuwendungen von F\u00f6rdermitteln. <\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem aufgrund von Sparma\u00dfnahmen die Kreishauptmannschaft Bautzen 1932 aufgel\u00f6st und mit der Dresdener zur Kreishauptmannschaft Dresden-Bautzen (ab 1939 Regierungsbezirk Dresden-Bautzen, bis dieser kriegsbedingt zum 1. Juli 1943 die T\u00e4tigkeit einstellte) vereinigt worden war, wurde die Wendenabteilung der Amtshauptmannschaft Bautzen zugewiesen. <\/p>\n\n\n\n<p>Kreishauptleute (und zugleich Leiter der Wendenabteilung) in Bautzen waren Karl N\u00e9ale von Nostitz-Wallwitz (1919\u20131924), Friedrich Wilhelm Richter (1924\u20131929) und Karl Waentig (1929\u20131932). <\/p>\n\n\n\n<p>Amtshauptmann bzw. ab 1939 Landrat in Bautzen waren Johannes Sievert (1922\u20131938) und dann Hermann Eckhardt (1938\u20131945), denen ab 1932 auch die Aufsicht \u00fcber die Wendenabteilung oblag. <\/p>\n\n\n\n<p>Der vereinigten Kreishauptmannschaft Dresden-Bautzen standen bis 1933 der vormalige s\u00e4chsische Ministerpr\u00e4sident Johann Wilhelm Buck sowie in der Folge Wolfgang A. S. Schettler (1933), Freimuth Karl Conrad Heerklotz (1933\/34), Freiherr Friedrich Karl von Eberstein (1934\u20131936) und Wilhelm Schepmann (1936\u20131943) vor, die aber wohl keine Ber\u00fchrung mit der Wendenabteilung hatten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcberlieferungsgeschichte<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Unterlagen der Wendenabteilung sind \u00fcberliefert im Staatsfilialarchiv Bautzen und bilden dort den Provenienzbestand \u201e50609 Kreishauptmannschaft Bautzen (Wendenabteilung)\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Staatsfilialarchiv Bautzen ist u.a. f\u00fcr die \u00dcberlieferung der staatlichen Verwaltungsbeh\u00f6rden der Oberlausitz bis 1945 (im Einzelfall bis 1952) zust\u00e4ndig. Gemeinsam mit dem f\u00fcr die \u00dcberlieferung der Stadt Bautzen zust\u00e4ndigen Stadtarchiv bildet es den Archivverbund Bautzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00dcberlieferung der Wendenabteilung liegt nur fragmentarisch vor. Ihre (\u00e4lteren) Akten befanden sich bei Kriegsende 1945 bereits im Staatlichen Zweigarchiv f\u00fcr die Oberlausitz in Bautzen und dieser Teil verblieb auch durchg\u00e4ngig in staatlichem Archivgewahrsam (ab Mai 1945 S\u00e4chsisches Landesarchiv Bautzen und ab 1965 Historisches Staatsarchiv Bautzen). Ein zweiter Teil der Unterlagen befand sich im Sommer 1945 noch in der Registratur des Landratsamtes (vormals Amtshauptmannschaft) Bautzen, wo er im Mai 1945 durch sowjetische Besatzungsbeh\u00f6rden beschlagnahmt und der Domowina \u00fcbergeben wurde. Von der Domowina wurde dieser Teil der \u00dcberlieferung 1952 als Depositum an das Sorbische Kulturarchiv in Bautzen \u00fcbergeben. Weitere Bestandsfragmente sind durch Ma\u00dfnahmen der sowjetischen Besatzungsbeh\u00f6rden verunordnet oder abgetrennt und (teils) sp\u00e4ter zur\u00fcckgegeben worden. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Zusammenbruch der DDR wurden die Unterlagen als staatliches Archivgut an das S\u00e4chsische Staatsarchiv abgegeben und dort mit den oben beschriebenen \u00fcbrigen Unterlagen der Wendenabteilung zum Bestand \u201e50609 Kreishauptmannschaft Bautzen \u2013 Wendenabteilung\u201c vereint.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls im Staatsfilialarchiv Bautzen \u00fcberliefert sind die sorabistisch einschl\u00e4gigen Unterlagen der o.g. Kreis- und Amtshauptmannschaften des sorbischen Siedlungsgebietes (d.h. insbesondere der Kreishauptmannschaft Bautzen sowie der Amtshauptmannschaft Bautzen und Kamenz). Im Stadtarchiv Bautzen sind weiterhin die Unterlagen der Stadtverwaltung Bautzen sorabistisch einschl\u00e4gig.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sorabistische Relevanz<\/h2>\n\n\n\n<p> Die \u00fcberlieferten Unterlagen der Wendenabteilung &nbsp;vermitteln ein sehr dichtes Bild dessen, womit sich diese Dienststelle besch\u00e4ftigt hat, sowie ganz allgemein der Sorbenphobie des deutschen Regierungs- und Verwaltungsapparates. Die &nbsp;irregul\u00e4re Zwerg-Dienststelle wurde zwar beh\u00f6rdenintern als Abteilung bezeichnet, bestand aber tats\u00e4chlich lediglich aus einem Sachbearbeiter. Dieser operierte disloziert und konspirativ in einer angemieteten Privatwohnung in Bautzen. Deswegen und wegen ihrer wesentlichen Bet\u00e4tigungsfelder k\u00f6nnte die Dienststelle historiografisch als Nachrichtendienst bezeichnet werden (tats\u00e4chlich verwendete die Wendenabteilung Anfang der 1920er Jahre die Dienststellenbezeichnung Nachrichtenstelle).&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Eine gesetzliche\/verordnungsm\u00e4\u00dfige Aufgabenzuweisung oder eine interne Gesch\u00e4ftsordnung der Dienststelle ist beim Bestand nicht \u00fcberliefert. Im t\u00e4glichen Dienstbetrieb besch\u00e4ftigte sich die Wendenabteilung insbesondere damit, alle nur denkbaren Informationen mit sorbischen Bez\u00fcgen zu sammeln, auszuwerten und dar\u00fcber zu berichten. Daraus sind die umfangreichen Zeitungsausschnittsammlungen und Berichtsakten hervorgegangen. Und so ist im Laufe der Zeit die sog. Wendenbibliothek (oder auch Wendenarchiv) entstanden, in die w\u00e4hrend der NS-Zeit nachweisbar umfangreiche geraubte private Registraturen, Bibliotheken und andere Sammlungen integriert wurden.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Bet\u00e4tigungsfeld der Wendenabteilung war die F\u00f6rderung verschiedenster (pseudo-)wissenschaftlicher, sportlicher, touristischer, kultureller und bildungspolitischer Vorhaben, sofern diese der Einschr\u00e4nkung oder Zur\u00fcckdr\u00e4ngung des sorbischen Lebens und sorbischer Interessen dienten.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Unmittelbar nach der NS-Machtergreifung suchte die Wendenabteilung eigeninitiativ die Kooperation mit Gestapo und NS-Parteidienststellen. Auff\u00e4llig ist, wie eilfertig die Wendenabteilung immer wieder anregte die Gestapo einzubeziehen. Die Bearbeiter (der Amtshauptmann und der Sachbearbeiter bei der Wendenabteilung) wirkten nicht nur als vorauseilende Erf\u00fcllungsgehilfen, sondern sogar als Verst\u00e4rker der NS-Politik.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Aus den Unterlagen wird deutlich die Haltung und Verantwortung der beschriebenen Personen erkennbar. Dies betriff eine Vielzahl prominente sorbische Pers\u00f6nlichkeiten (u.a. Pawo\u0142 Nedo, M\u011br\u0107in Nowak-Njechor\u0144ski) sowie auch Vertreter der s\u00e4chsischen Verwaltung (u.a. die Bautzener Kreishauptleute Friedrich Ernst Georg von Craushaar, Karl N\u00e9ale von Nostitz-Wallwitz, Friedrich Wilhelm Richter <\/p>\n\n\n\n<p>und Karl Waentig sowie die Bautzener Amtshauptleute\/Landr\u00e4te) und der Wissenschaft (u.a. den Leipziger Rasseforscher Otto Reche). Insofern sind die Unterlagen \u00fcber die Sorabistik hinaus auch f\u00fcr die zeit- und landesgeschichtliche Forschung von Interesse.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Bemerkenswert ist, dass bei der Kreishauptmannschaft Bautzen bereits vor der Gr\u00fcndung der Wendenabteilung \u00e4hnliche Aufgaben wahrgenommen wurden. Dies ergibt sich aus entsprechenden Sachakten mit der Laufzeit 1909\u20131917, die dort gef\u00fchrt wurden und einem \u00e4hnlichen Muster folgten wie sp\u00e4ter die der Wendenabteilung. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verzeichnungseinheiten Die Verzeichnungseinheiten, die von diesem Archiv erfasst wurden, sind noch in Bearbeitung Historischer Kontext Ab 1835 existierten im K\u00f6nigreich Sachsen Provinzialbeh\u00f6rden als Mittelinstanzen des Verwaltungsaufbaus. Im Jahr 1873 wurde die vormalige Kreisdirektion Bautzen in Kreishauptmannschaft Bautzen umbenannt und ihr die vier Amtshauptmannschaften Bautzen, Kamenz, L\u00f6bau und Zittau unterstellt. 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