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                <title>Lebenslauf Margaretha Mitasch, geb. Zschornack</title>
            </titleStmt>
			<editionStmt>
                <edition>
                    <title>Lebensläufe aus der sorbischen Diaspora</title>
                 </edition>
                <respStmt>
                    <name>Lubina Mahling</name>
                    <resp>Herausgeberin</resp>
                </respStmt>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <authority>Sorbisches Institut, Bautzen</authority>
            </publicationStmt>
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                <msDesc rend="Handschrift">
                    <msIdentifier>
                        <institution>Unitätsarchiv Herrnhut</institution>
                        <idno>
                            <idno type="shelfmark">R.22.070.100 S. 1-11</idno>
                        </idno>
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                    <persName key="ed_jzv_shs_zcb">Mitasch, Margaretha (1744-1814)</persName>
                </person>
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                <keywords>
                    <term key="Brüdergemeine">Brüdergemeine</term>
                    <term key="Spracherwerb" ref="-">Spracherwerb</term>
                    <term key="Schule" ref="http://d-nb.info/gnd/4053474-1">Schule</term>
                    <term key="Siebenjähriger Krieg" ref="-">Siebenjähriger Krieg</term>
                    <term key="Versammlung" ref="http://d-nb.info/gnd/4133550-8">Versammlung</term>
                    <term key="Ledergewerbe" ref="-">Ledergewerbe</term>
                    <term key="Pietismus" ref="http://d-nb.info/gnd/4046049-6">Pietismus</term>
                    <term key="Akoluthie" ref="-">Akoluthie</term>
                    <term key="Kirche und Religion" ref="-">Kirche und Religion</term>
                    <term key="Kindermädchen" ref="http://d-nb.info/gnd/4323015-5">Kindermädchen</term>
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            <langUsage>
                <language ident="deu">German</language>
            </langUsage>
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			<div type="Testfeld">
                <p>
                    <hi rendition="#u">Unsre sel</hi>
                    <ex>ige</ex>
                    <hi rendition="#u">. Schwester <persName key="ed_jzv_shs_zcb">Margaretha
                            Mitasch</persName> geb</hi>
                    <ex>orene</ex>
                    <hi rendition="#u">. Zschor</hi>
                    <g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb/>
                    <hi rendition="#u">nach hat von ihrem Lebens=Laufe folgende Nachricht </hi>
                    <lb/>
                    <hi rendition="#u">hinterlaßen, mit der Ueberschrift: </hi>
                    <lb/>Einige wenige Anmerkungen von meiner Wallfahrt <lb/>durch diese Zeit.
                    Margaretha Mitaschin, geborene Zschor<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>nack. <lb/>Ich bin geboren anno <date when="1744-02-14" calendar="#Gregorian">1744. d</date>
                    <ex>en</ex>
                    <date when="1744-02-14" calendar="#Gregorian"> 14</date>
                    <hi rendition="#sup">
                        <date when="1744-02-14" calendar="#Gregorian">ten</date>
                    </hi>
                    <date when="1744-02-14" calendar="#Gregorian"> Febr</date>
                    <ex>uar</ex>
                    <date when="1744-02-14" calendar="#Gregorian">:</date> zu <placeName key="ed_wrr_pd3_ycb">Baschütz</placeName>, in <lb/>der <placeName key="ed_rmx_5xk_zcb">Oberlausiz,</placeName> auf dem <rs type="term" key="Bauer" ref="http://d-nb.info/gnd/4004763-5">Wirthschafts=Gute
                    </rs>meines <lb/>
                    <persName key="ed_sqs_zgs_zcb">Vaters</persName>, woselbst ich von meinen Eltern
                    bis ins 19<hi rendition="#sup">te</hi>
                    <lb/>Jahr erzogen, u<ex>nd</ex>. nach Ihrer frommen u<ex>nd</ex>.
                    gottesdürchtigen <lb/>Gesinnung zu allem Guten angehalten wurde. Da <lb/> wir
                    zusammen 6. <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">Kinder</rs> waren, so hatte
                    meine <persName key="ed_gqv_f3s_zcb">Mut<g ref="#typoHyphen"/>
                        <lb break="no"/>ter</persName> viel zu thun uns auf Ihre christlichen
                    Ermahnungen <lb/>aufmerksam zu machen, es gelang ihr auch durch Gottes
                    <lb/>Gnade bey mir wie bey meiner ältesten Schwester, wel<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>che schon vor mir zur <rs type="term" key="Brüdergemeine" ref="http://d-nb.info/gnd/4134444-3">Gemeine</rs> kam; und die Erinn<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>rung meiner Mutter, daß wir des Abends beym Ge<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>bet auch gründlich nachdenken sollten, was und zu wem <lb/>wir
                    beten, haben einen unauslöschlichen Eindruck bey <lb/>mir hinterlaßen. <lb/>
                    <rs type="term" key="Melancholie" ref="-">Schon in meinem 7<hi rendition="#sup">ten</hi> Jahr regte sich das Verlangen in <lb/>meinem Herzen, daß ich
                        sehnlich wünschte, noch vor dem <lb/>12<hi rendition="#sup">ten</hi> Jahr
                        aus dieser Zeit auszuscheiden</rs> u<ex>nd</ex>. beym Hei<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>land zu seyn, weil ich einmal gehört hatte, daß die Kin<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>der bis in dieses Alter ganz gewiß selig würden. <lb/>
                    <pb n="2"/> Ich weinte viel und wußte selbst nicht, wie mir war, <lb/>bis meine
                    Schwester mir versprach mich mit nach <placeName key="ed_q5q_cz1_ycb">Klein<g ref="#typoHyphen"/>
                        <lb break="no"/>Welke</placeName> zu nehmen, welches mir damals zu einigem
                    <lb/>Trost gereichte. Sie that es auch, da ich 12 Jahr alt war,
                        <lb/>u<ex>nd</ex>. da ich schon seit etlichen Jahren, sowol in der<rs type="term" key="Schule" ref="http://d-nb.info/gnd/4053474-1"> Schule</rs>
                    <lb/>als in den <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">Kinder</rs>stunden auf
                    einem andern Dorfe, <lb/>wo mich meine Eltern fleißig hingeschickt hatten, <rs type="term" key="Zweisprachigkeit" ref="-">
                        <rs type="term" key="Spracherwerb" ref="-">die <lb/>deutsche Sprache gelernt
                            hatte</rs>
                    </rs>, so gefiel es mir hier <lb/>sehr wohl, und das, was ich hier vom
                        H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d. hörte, that <lb/>meinem bekümmerten Herzen so
                    gut, daß ich von <lb/>der Zeit an fast alle 14 Tage hierher ging. Dies geschah
                    <lb/>bey ungebahnten Weg im tiefen Schnee oft ganz al<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>leine, so wie im <rs type="term" key="Siebenjähriger Krieg" ref="-">7. jährigen Krieg </rs>oft bey drohender <lb/>Gefahr, wenn ich die
                    Wachen u<ex>nd</ex>. <rs type="term" key="Soldat" ref="http://d-nb.info/gnd/4055409-0">Soldaten</rs> oft vor mir <lb/>sah, zu
                    denen mich mein Weg, der bald 3 Stunden <lb/>lang war, hinführte, so daß meine
                    treue Mutter <lb/>u<ex>nd</ex>. Geschwister nicht ohne Verlegenheit über mich
                    <lb/>waren; ich ließ mich aber nicht abhalten, u<ex>nd</ex>. er<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>fuhr jedesmal, daß das Aug u<ex>nd</ex>. Wächter Israel
                    <lb/>auch mich armes Kind in seine Bewahrung einschlie<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>ße. In meinem 15<hi rendition="#sup">ten</hi> Jahr, da schon <rs type="term" key="Versammlung" ref="http://d-nb.info/gnd/4133550-8">Versammlungen</rs>
                    <lb/>in unserm Ort waren, verlor sich die Lust bey mir <lb/>ferner in die <rs type="term" key="Versammlung" ref="http://d-nb.info/gnd/4133550-8">Versammlungen</rs> zu gehen, ich blieb <lb/>3-4 mal zurück, aber die
                    Bangigkeit, ohne Ge<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>meinschaft der Geschw<ex>ister</ex>: nicht leben zu können,
                    trieb <lb/>mich bald wieder zu ihnen. Nachdem meine ältere <lb/>
                    <pb n="3"/> Schwester mit ihrem Mann nach <placeName key="ed_q5q_cz1_ycb">Kleinwelke</placeName> gezogen <lb/>war, u<ex>nd</ex>. eine <rs type="term" key="Kindermädchen" ref="http://d-nb.info/gnd/4323015-5">Wärterin für ihr
                            kl<ex>eines</ex>: Kind </rs>brauchte, so kam <lb/>der selige <persName key="ed_cwh_cmz_bgb">Br<ex>uder</ex>: Hüffel </persName>zu meinen Eltern, um
                    mich <lb/>zur Pflege dieses Kindes auszubitten. Mein <persName key="ed_sqs_zgs_zcb">Vater</persName>
                    <lb/>sowol als meine<persName key="ed_gqv_f3s_zcb"> Mutter</persName> willigten
                    darein, aber nur <lb/>auf ein 4<hi rendition="#sup">tel</hi> Jahr; mir aber, war
                    es gleich wie ausge<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>macht, daß mir dadurch der Eingang in die <rs type="term" key="Brüdergemeine" ref="http://d-nb.info/gnd/4134444-3">Gemeine</rs>
                    <lb/>geöffnet, u<ex>nd</ex>. ich nie wieder zurück kommen werde. Ich pak<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>te alle meine Habseligkeiten zusammen, u<ex>nd</ex>. nahm gleich
                    <lb/>auf immer Abschied von meinen Eltern welche, besonders <lb/>meine <persName key="ed_gqv_f3s_zcb">Mutter</persName> es bedauerten, daß Sie, da ich wie
                    sie <lb/>sagten ihr liebstes Kind gewesen sey, mich so ernst<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>haft und strenge behandelt hätten. Sie hatten es aber <lb/>aus
                    Liebe gethan. Nun stieg mein Verlangen, ein Mit<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>glied der Gemeine zu werden, mit jedem Tag, da ich <lb/>aber zu
                    schüchtern war, bey der Pflegerin des led<ex>igen</ex>. <lb/>Schwestern=Chores
                    mein Anliegen anzubringen, in<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>dem ich oft vor ihrer Thüre deswegen war, aber von <lb/>meiner
                    Blödigkeit u<ex>nd</ex>. eigenen Gedanken (weil ich so <lb/>schlecht sey, werde
                    Sie mich abschreckend wieder zurück<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>schicken,) zurück getrieben wurde, verrdarb ich mir man<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>che schöne Zeit, bis ichs nicht mehr aushalten konnte,
                        <lb/>u<ex>nd</ex>. es ihr mit stammelnder Zunge vorbrachte: da bekam
                    <lb/>ich gleich darauf die erwünschte Erlaubniß durch <lb/>ein gnädiges Wort von
                    unserm l<ex>ieben</ex>. Herrn u<ex>nd</ex>. H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d., worauf
                    <lb/>ich auch in einigen Wochen, neml<ex>ich</ex>. im <date from="1764-05-01" to="1764-05-31" cert="high" calendar="#Gregorian">May 1764. </date>zu mein<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>
                    <pb n="4"/>nem großen Vergnügen einige <del rendition="#s">Wochen</del> ins
                        Chor<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>haus einzog. Hier befand ich mich gleich wie in meinem
                    <lb/>Element, ich dachte nun kann mich nichts mehr stören <lb/>meine Zeit im
                    Umgang mit meinem Seelenbräuti<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>gam zu verbingen. Ich wurde auch durch die Aufnah<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>me in die Gemeine, meines Erb u<ex>nd</ex>. Rechts mit Gottes
                    <lb/>Hause u<ex>nd</ex>. Geschlecht versichert, u<ex>nd</ex>. im <date from="1764-11-01" to="1764-11-30" cert="high" calendar="#Gregorian">Nov</date>
                    <ex>em</ex>
                    <date from="1764-11-01" to="1764-11-30" cert="high" calendar="#Gregorian">b</date>
                    <ex>e</ex>
                    <date from="1764-11-01" to="1764-11-30" cert="high" calendar="#Gregorian">r:</date> deßselben <lb/>Jahres Candidaten zum H<ex>eiligen.</ex>
                    <rs type="term" key="Abendmahl" ref="http://d-nb.info/gnd/4000081-3">Ab<ex>end</ex>m<ex>a</ex>hl</rs>. Nun hatte ich aber ei<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>ne Wartezeit von 4 Monaten, die mir manche Thräne <lb/>gekostet
                    hat, jedoch da am <date when="1765-02-08" calendar="#Gregorian">8</date>
                    <hi rendition="#sup">
                        <date when="1765-02-08" calendar="#Gregorian">ten</date>
                    </hi>
                    <date when="1765-02-08" calendar="#Gregorian"> Febr</date>
                    <ex>uar</ex>
                    <date when="1765-02-08" calendar="#Gregorian">: 1765</date>. die glückliche
                    <lb/>Stunde für mich schlug, da ich daß erstemal mit der <lb/>Gem<ex>eine</ex>:
                    den Leib u<ex>nd</ex>. Blut Jesu im heiligen <rs type="term" key="Abendmahl" ref="http://d-nb.info/gnd/4000081-3">Abendmahl </rs>genoß, <lb/>ergab ich
                    mich Ihm ganz mit Leib u<ex>nd</ex>. Seele, u<ex>nd</ex>. war sehr <lb/>vergnügt
                    und selig. Allein dies dauerte nicht sehr lang, <lb/>denn bald darauf nahm der
                        H<ex>eilige</ex>. Geist mich in eine Schu<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>le, die mir anfangs sehr fremd u<ex>nd</ex>. ängstlich schien.
                        Al<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>le genoßne Gnade u<ex>nd</ex>. Segen verschwanden, und ich sa<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>he wie in in einem Dunkel nichts als Sünde u<ex>nd</ex>. Ver<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>damniß um mich, wollte mich auch deswegen vom <lb/>
                    <rs type="term" key="Abendmahl" ref="http://d-nb.info/gnd/4000081-3">Ab<ex>end</ex>m<ex>a</ex>hl</rs>. zurückhalten aber meine Pflegerin
                        ermun<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>terte mich damit auf, daß der H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d. eben
                    solche Sünd<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>der dazu einlade, dies war mir ein großer Trost. <lb/>in der
                    folgezeit kam ich aber noch in große Verle<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>genheit, indem mir alle Fehler u<ex>nd</ex>. Vergehungen
                    <lb/>von meiner Kindheit her wie schwere Sünden auf <lb/>
                    <pb n="5"/> den Herzen und. Gewißen lagen, u<ex>nd</ex>. mich fast nieder
                    <lb/>drückten. Ich weinte viel bittre Thränen, vor dem
                    H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d. <lb/>zu dem ich doch meine Zuflucht einzig und allein
                    nahm <lb/>u<ex>nd</ex>. endl<ex>ich</ex>. schlug auch die Gnadenstunde, da Er
                    sich als <lb/>Versöhner meinem Herzen offenbarte u<ex>nd</ex>. durch die
                    <lb/>Versicherung: Sey getrost, dir sind deine Sünden ver<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>geben: meinen geängstigten Geist belebte, daß ich nun <lb/>in
                    Dank u<ex>nd</ex>. Freudenthränen hätte zerfließen mögen. <lb/>Nun versprach ich
                    den H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d., alle meine Lebensstunden <lb/>Ihm zu weihn,
                        u<ex>nd</ex>. immer Ihm zur Freude zu seyn; <lb/>aber, ach, wie schäme ich
                    mich, <hi rendition="#u">Er</hi> mußte mir das hal<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>ten recht schenken, doch ihm sey Dank dafür, Er hat es ge<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>than, u<ex>nd</ex>. Er trägt mich noch mit demselben Erbarmen.
                    <lb/>In demselben Jahr, bekam ich die Aufsicht über eine <lb/>Stube Schwestern,
                    wozu ich mich blöde und ungeschickt <lb/>fühlte; aber der
                        H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d. stärckte mich kräftig dabey. <lb/>
                    <date from="1770-11-01" to="1770-11-30" cert="high" calendar="#Gregorian">1770.
                        im Nov</date>
                    <ex>em</ex>
                    <date from="1770-11-01" to="1770-11-30" cert="high" calendar="#Gregorian">b</date>
                    <ex>e</ex>
                    <date from="1770-11-01" to="1770-11-30" cert="high" calendar="#Gregorian">r:</date> da das neue Chorhaus allhier be<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>zogen wurde, wurde mir das Amt der Chor und <lb/>Hausdienerin
                    aufgetragen, welches mir sehr wich<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>tig und überaus angenehm war, aber über alles <lb/>ging doch der
                    Friede Gottes, der mich in den euen <lb/>Hause umgab. Was ich zu der Zeit
                    genoßen u<ex>nd</ex>. ge<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>fühlt habe bleibt mir bis in die Ewigkeit unvergeß<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>lich, ich hätte jedes Winkelchen zum Betaltar machen
                        <lb/>u<ex>nd</ex>. nur immer im Gebet und Dancken vor dem
                        H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d. <lb/>liegen mögen. Dies Wohlseyn u<ex>nd</ex>.
                    Vergnügen mein<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>
                    <pb n="6"/>nes Herzens begleitete mich auch die 7. Jahre hindurch <lb/>bis mir
                    anno <date from="1777-01-01" to="1777-12-31" cert="high" calendar="#Gregorian">1777.</date> die Heirath mit meinem sel<ex>igen</ex>. <lb/>Mann, <persName key="ed_qyr_w3s_zcb">Martin Mitasch</persName> (<rs type="term" key="Ledergewerbe" ref="-">Lederhändler</rs> allhier) an<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>getragen wurde, welche Veränderung mir sehr <lb/>schwer fiel, da
                    ich mich unaussprechlich glücklich in <lb/>meinem Jungfernchor fühlte, doch die
                    Ueberzeugung <lb/>daß dieses der Wille Gottes an mich sey, half mir auch
                    <lb/>diesen Schmerz überwinden, u<ex>nd</ex>. wir wurden den <date when="1777-05-07" calendar="#Gregorian">7</date>
                    <hi rendition="#sup">
                        <date when="1777-05-07" calendar="#Gregorian">ten</date>
                    </hi>
                    <date when="1777-05-07" calendar="#Gregorian"> </date>
                    <lb/>
                    <date when="1777-05-07" calendar="#Gregorian">Maj</date> mit einander <rs type="term" key="Heirat" ref="-">zur Ehe verbunden</rs>, in welcher wir
                    <lb/>durch die Gnade des H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>ds. bald 25 J<ex>ahr</ex>. sehr
                    vergnügt u<ex>nd</ex>. <lb/>selig wie<rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">
                        Kinder</rs> miteinander lebten, da der H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d. mei<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>nem l<ex>ieben</ex>. Mann den Sinn geschenkt hatte für Ihn zu
                    <lb/>leben, u<ex>nd</ex>. alles, was ihm in der Gemeine aufgetragen <lb/>war mit
                    musterhafter Treue u<ex>nd</ex>. Püncklichkeit zu be<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>sorgen, so ging ich ihm nicht nur gern an die Hand <lb/>wo ich
                    ihm was helfen konnten; sondern unsre Her<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>zen waren auch auf Jesu Tod u<ex>nd</ex>. Blut mit einander
                    <lb/>verbunden, so daß wir uns als Erlöste des Herrn un<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>sren Gnadenwohl freuen konnten. Da der liebe Heil<ex>an</ex>d.
                    <lb/>unsre Ehe nicht mit <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">Kindern</rs>
                    gesegnet hat, so machten wir <lb/>uns ein Vergnügen daraus, 2<rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8"> Kinder</rs> aus unsrer <lb/>Freundschaft zu erziehen,
                    wobey unser tägliches Anlie<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>gen war, daß wir sie durch Wort u<ex>nd</ex>. Wandel ihrem
                        Schö<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>pfer u<ex>nd</ex>. Erlöser zuführen möchten. Er hat auch zu un<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/> srer Bemühung Seinen Segen gethan.<lb/>
                    <add place="left">
                        <date when="1801-12-01" calendar="#Gregorian">1801</date>
                    </add>
                    <date when="1801-12-01" calendar="#Gregorian"> d</date>
                    <ex>en</ex>
                    <date when="1801-12-01" calendar="#Gregorian">:1</date>
                    <hi rendition="#sup">
                        <date when="1801-12-01" calendar="#Gregorian">ten</date>
                    </hi>
                    <date when="1801-12-01" calendar="#Gregorian"> December:</date> gefiel es unserm
                        l<ex>ieben</ex>: Herrn durch die selige <lb/>
                    <pb n="7"/> Vollendung meines lieben <rs type="person" key="ed_qyr_w3s_zcb">Manes</rs> mich in den einsa<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>men Stand zu versezen. Diese Trennung that sehr schmerz<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>lich, u<ex>nd</ex>. ich kam durch die neue Lage meines Lebens in
                    <lb/>mancherley Verlegenheit, in welches sich aber mein Gott <lb/>u<ex>nd</ex>.
                    Heiland. meiner Seele herzl<ex>ich</ex>. annahm, u<ex>nd</ex>. mir bald mit
                    <lb/>so viel Trost u<ex>nd</ex>. Frieden zu Hülfe kam, daß ich se<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>lige Erfahrungen machen konnte, wie auch eine Witwe, <lb/>wenn
                    es ihr auch vorkommen will, als wenn sich ihrer kein <lb/>Mensch annimmt, im
                    Umgang mit Ihm ausgezeichne<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>te Gnadenstunden haben u<ex>nd</ex>. sich in Ihm freuen kan. <lb/>
                    <date from="1803-01-01" to="1803-12-31" cert="high" calendar="#Gregorian">1803.</date> wurde mir das Pflegeramt des hiesigen Wit<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>wenchores aufgetragen zu welchem ich mich ganz un<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>geschickt fühlte, und es herzl<ex>ich</ex>. gern abgelehnt
                    hätte, allein <lb/>
                    <add place="left">es</add> wurde mir durch den Geist Gottes klar gemacht, daß
                    <lb/>der H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d. es von mir haben will, Ihm unter Seinen
                    <lb/>Witwen zu dienen, und daß es Gnade für mich sey <lb/>es thun zu dürfen, so
                    wurde ich denn am <date when="1803-12-10" calendar="#Gregorian">10</date>
                    <hi rendition="#sup">
                        <date when="1803-12-10" calendar="#Gregorian">ten</date>
                    </hi>
                    <date when="1803-12-10" calendar="#Gregorian"> Dece</date>
                    <ex>mber</ex>: <lb/>deßelben Jahres dazu eingesegnet, u<ex>nd</ex>. auch zur <rs type="term" key="Akoluthie" ref="-">Aco<g ref="#typoHyphen"/>
                        <lb break="no"/>luthie </rs>angenommen, u<ex>nd</ex>. ich kann es meinem
                        H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d. <lb/>nicht genug nachrühmen, er hat meiner
                        Schwach<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>heit aufgeholfen, u<ex>nd</ex>. mich gnadig unterstüzt. <lb/>So
                    weit die sel<ex>ige</ex>. Schwester. <lb/>In den Dank, zu welchem sich unsre
                        Schw<ex>ester</ex>. Mi<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>tasch beym Schluß ihres Aufsatzes gegen den
                        H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d. <lb/>verpflichtet erklärt, stimmt das Chor unsrer
                    Witwen <lb/>
                    <pb n="8"/> welches ihrer treuen Pflege gegen 11. Jahr genoß, mit <lb/>voller
                    Ueberzeugung ein. Sie diente demselben <lb/>in Niedrigkeit des Herzens, mit
                    mütterlicher Sorg<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>falt u<ex>nd</ex>. unermüdeter Angelegenheit, u<ex>nd</ex>.
                    vergaß zu<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>mal in den spätern Zeiten oftmals ihre eigene <lb/>Schwachheit,
                    um Nothleidenden u<ex>nd</ex>. Kranken mit tröst<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>lichen Zuspruch u<ex>nd</ex>. hülfreichen Unterstützung bei<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>zustehen. Da sie an der Hand ihres Versöhners in <lb/>der Schule
                    der Erfahrung ihr eignes Herz u<ex>nd</ex>. dessen <lb/>Unvollkommenheiten
                    gründlich kennen zu lernen Gele<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>genheit gefunden hatte, so sah sie sich dadurch auf<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>gefordert, mit Nachsicht zu urtheilen u<ex>nd</ex>. zu handeln,
                    <lb/>wo ihr Auftrag sie veranlaßte, sich mit den Gebre<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>chen andrer zu beschäftigen. Ihr anspruchloser, demüthi<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>ger Sinn, und ihr dem H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d. geweihtes Herz
                        bilde<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>ten Sie zu einer Magd Jesu, deren Thätigkeit bey al<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>len, denen sie vorgesezt war, im gesegneten Andenken
                    <lb/>bleiben wird. Auch die hiesige Aelt<ex>esten</ex>. Conf<ex>eren</ex>z.
                    macht durch <lb/>ihren Heimgang einen schmerzhaften Verlust, indem <lb/>sie als
                    eine der ältesten Einwohnerinnen unserer Gemei<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>ne, bey manchen Ueberlegungen durch ihre Kenntniß der
                    <lb/>ehemaligen Umstände u<ex>nd</ex>. Vorkommenheiten von wesentli<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>chen und gesegneten Einfluß war, u<ex>nd</ex>. durch ihr
                        einfälti<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>ges gläubiges Vertrauen zum H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d.
                        u<ex>nd</ex>. Seinen seligen <lb/>Regiment bey den schwierigsten Ereignißen
                    sich auszeich<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>nete. Dieses Kleinod, in welchem sie ihr höchstes Lebens<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>
                    <pb n="9"/>Glück erkannte, suchte sie auch ihren beiden Pflege<rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">kindern</rs>, <lb/>als ein frohes Erbtheil zu
                    hinterlaßen. Dieselben erkennen <lb/>mit gerührter Dankbarkeit nicht allein die
                    vielen Beweise <lb/>der theilnehmenden Fürsorge im Aeußern, sondern auch
                    <lb/>besonders den Vorzug, daß sie ihnen von früher Jugend <lb/>an durch Wort
                        u<ex>nd</ex>. That ein ermunterndes Beyspiel von <lb/>Treue gegen den Herrn
                    gab, in deßen Umgang allein <lb/>Seligkeit für diese u<ex>nd</ex>. jene Welt zu
                    finden ist. Sie wün<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>schen ihr für alle von ihr genoßne Liebe u<ex>nd</ex>.
                    Freundschaft <lb/>eine reiche Vergeltung u<ex>nd</ex>. einen belohnenden
                    Gnadenblick <lb/>am Throne dessen, der die Aufnahme seines Kindes so an<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>zu sehen versprochen hat, als sey die Ihm selbst erwiesen.
                    <lb/>Auf das große Glück Ihn sichtbar zu schauen, u<ex>nd</ex>. für al<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>le erfahrne Barmherzigkeit dankvoll anzubeten, freue <lb/>sich
                    unsre sel<ex>ige</ex>. Schwester schon geraume Zeit mit lebhaft<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>ter Sehnsucht. Ihr zur Freundschaft u<ex>nd</ex>. Geselligkeit
                        ge<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>stimmtes Herz, fand zwar im Umgang mit Gleichge<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>sinnten Unterhaltung und Ermunterung; und ihre <lb/>durch Jesu
                    Wunden geheilte und zum festen Vertrau<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>en auf Seine liebevolle Theilnahme und Durchhül<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>fe geweihte Seele, ließ sie bey den Leiden dieser Zeit
                    <lb/>nicht lange ängstlich verweilen. Sie genoß daher bey <lb/>allen Beschwerden
                    ein fröhliches Alter, und rühmte <lb/>oftmals davo<subst>
                        <del rendition="#s">r</del>
                        <add place="superlinear">n</add>
                    </subst>; wie der Heiland auf sie als eine <lb/>
                    <pb n="10"/> Mühselige und Beladene erquicke, und Ruhe finden <lb/>laße für ihre
                    Seele. Aber ihr Herz freute sich dennoch <lb/>der Annäherung des großes Tages,
                    wo sie auch ein<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>gehen sollte zu der Ruhe die jenseits des Grabes <lb/>bereitet
                    ist dem Volke Gottes. Der Vorschmack der<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>selben erheiterte sie so, daß sie oft vergaß des elen<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>den Lebens, wiewol sie schon seit Jahr u<ex>nd</ex>. Tag durch
                        <lb/>eine<rs type="term" key="Krankheit" ref="-"> langsame Brust
                        Waßersucht</rs> viel auszustehen <lb/>hatte. Sie besuchte noch bis eine
                    Woche vor ihrem Ende <lb/>die <rs type="term" key="Versammlung" ref="http://d-nb.info/gnd/4133550-8">Versammlungen</rs>, welche ihr, wie sie
                    oft bezeugte <lb/>eine köstliche Nahrung fürs Herz gewährten, fast
                    <lb/>ununterbrochen, und verrichtete in ihrem Auftrag <lb/>was sie vermochte.
                    Mit ihrem Herrn verstanden <lb/>wartete sie auf ihren Abruf zu der ewigen Hei<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>math, und behielt sich nur den Wunsch vor, daß Er <lb/>sie mit
                    einem langwierigen Krankenlager verschonen möch<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>te. Er sah sie auch in diesem Theil gnädig an. Zwey Tage hin<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>durch vermehrten sich Engigkeit u<ex>nd</ex>. Husten bei ihr, so
                    daß man <lb/>merken konnte, daß die Stunde ihrer Erlösung von allem Ue<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>bel herannahe. u<ex>nd</ex>. dennoch schlug sie unerwartet, da
                    am <date when="1814-05-25" calendar="#Gregorian">25</date>
                    <date when="1814-05-25" calendar="#Gregorian">
                        <hi rendition="#sup">ten</hi>
                    </date>
                    <lb/>früh um 3. Uhr fast unerwartet ihr Athem stille stand, und. sie <lb/>nach
                    einer Wallfahrt von 70. Jahr<ex>en</ex>: u<ex>nd</ex>. fast 4. Monat<ex>en</ex>:
                    Erlaubniß <lb/>bekam zu den vollendten Schaaren wo es heilig, heilig,
                    <lb/>heilig tönt, ganz sanft und selig heimzufahrn und <lb/>
                    <pb n="11"/>den zu sehn, der sie versöhnt.</p>
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