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                <title>Lebenslauf Jacob Schulze</title>
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            <editionStmt>
                <edition>
                    <title>Lebensläufe aus der sorbischen Diaspora</title>
                 </edition>
                <respStmt>
                    <name>Lubina Mahling</name>
                    <resp>Herausgeberin</resp>
                </respStmt>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <authority>Sorbisches Institut, Bautzen</authority>
            </publicationStmt>
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                <msDesc rend="Handschrift">
                    <msIdentifier>
                        <institution>Archiv der Brüdergemeine Kleinwelka</institution>
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                            <idno type="shelfmark">SIGNATUR_O.Ä. </idno>
                            <idno type="shelfmark">P.A.II.R.7.1</idno>
                        </idno>
                    </msIdentifier>
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                <person>
                    <persName key="ed_lv3_kfl_pgb">Schulze, Jacob (1708-1771)</persName>
                </person>
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                <keywords>
                    <term key="Bauer">Bauer</term>
                    <term key="Brüdergemeine" ref="http://d-nb.info/gnd/4134444-3">Brüdergemeine</term>
                    <term key="Pietismus" ref="-">Pietismus</term>
                    <term key="Frühe Neuzeit" ref="-">Frühe Neuzeit</term>
                    <term key="Schneider" ref="http://d-nb.info/gnd/4153182-6">Schneider</term>
                    <term key="Schule" ref="http://d-nb.info/gnd/4053474-1">Schule</term>
                    <term key="Lehrer" ref="http://d-nb.info/gnd/4035088-5">Lehrer</term>
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                    <term key="Wenden" ref="-">Wenden</term>
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            <langUsage>
                <language ident="deu">German</language>
            </langUsage>
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    <text type="Brief">
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            <p> </p>
            <div type="type_bhm_kqz_zcb">
                <p>Unser sel<ex>ige</ex>. Bruder <persName key="ed_lv3_kfl_pgb">Jacob
                        Schulze</persName> hat folgendes von <lb/>seinem Gang durch die Zeit
                    aufschreiben laßen: <lb/>Ich bin d<ex>en</ex>. <date when="1708-07-16 " calendar="#Gregorian">16. Jul</date>
                    <ex>i</ex>
                    <date when="1708-07-16 " calendar="#Gregorian">. 1708 </date>in <placeName key="ed_l23_ycg_1db">Holschdubrau</placeName> geboren, wo mein Vater
                    <lb/>ein <rs type="term" key="Bauer" ref="http://d-nb.info/gnd/4004763-5">Bauer</rs> war. In meinen <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">Kinder</rs>=Jahren sah u<ex>nd</ex>. merkte ich <lb/>oft an meiner Mutter, daß
                    sie in einen Winkel herzl<ex>ich</ex>. weinte <lb/>u<ex>nd</ex>. dem
                        l<ex>ieben</ex>. Gott danckte, daß wieder ein Tage näher dazu sey, daß
                    <lb/>sie einmal <del rendition="#s">würd</del> würde aus der Zeit gehen; als
                    worauf sie sich <lb/>herzl<ex>ich</ex>. freute. Dieses brachte mich manchmal zum
                    Nachdenken, <lb/>ich weinte manchmal mit, u<ex>nd</ex>. dachte darüber, warum
                    freute <lb/>sich doch deine Mutter auf ihr Ende. Ich verlohr dann meine
                    <lb/>beide Eltern in meinem 13<hi rendition="#sup">ten</hi> Jahr, u<ex>nd</ex>.
                    lernte dann die <rs type="term" key="Schneider" ref="http://d-nb.info/gnd/4153182-6">Schneider</rs>= <lb/>profession. Der
                        heil<ex>ige</ex>. Geist arbeitete in der Zeit immer an meinem <lb/>Herzen,
                        u<ex>nd</ex>. ich erfuhr zu Zeiten mächtige Erschütterungen in mei<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>nem Herzen; allein ich schlug mir solches immer wieder aus dem
                    <lb/>Gemüthe, so viel ich konnte, u<ex>nd</ex>. machte mit der Welt alles <add place="superlinear">aufs </add>ärgste <lb/>mit, wie wohl doch nicht ganz
                    ruhig. <date from="1733-01-01" to="1733-12-31" cert="high" calendar="#Gregorian">1733</date>
                    <rs type="term" key="Heirat" ref="-"> heyrathete</rs> ich
                        in<placeName key="ed_zbd_f2g_1db"> Loga</placeName>
                    <lb/>
                    <add place="left">meine l</add>
                    <ex>iebe</ex>
                    <add place="left">. Frau</add> auf ein <rs type="term" key="Bauer" ref="http://d-nb.info/gnd/4004763-5">Bauer</rs>=Gut; ich machte mich aber
                    deßen wieder loß, u<ex>nd</ex>. <lb/>bin als denn hie <add place="left">(teils
                        in <placeName key="ed_iz5_t2g_1db">Luppe</placeName>
                        <placeName key="ed_ahz_xhh_ycb">Bresern</placeName>, <placeName key="ed_nv3_v2g_1db">Comerau</placeName>)</add> u<ex>nd</ex>. da
                    wohnhaft gewesen, habe mein Handwerk <lb/>getrieben u<ex>nd</ex>. zugleich den
                        kl<ex>einen</ex>. <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">Kindern</rs>
                    <rs type="term" key="Schule" ref="http://d-nb.info/gnd/4053474-1">Schule</rs>
                    gehalten. Um die <lb/>Zeit fing sich eine <rs type="term" key="Erweckung" ref="-">Erweckung</rs> unter den <rs type="term" key="Wenden" ref="-">Wenden</rs> an, die Leute <lb/>hielten auch mich für einen Frommen,
                        u<ex>nd</ex>. für beßer als ich wirkl<ex>ich</ex>. <lb/>war.
                        <lb/>A<ex>nn</ex>o <date from="1747-01-01" to="1747-12-31" cert="high" calendar="#Gregorian">1747</date> kaufte ich mir in <placeName key="ed_bwg_dfg_1db">Luga</placeName> ein <rs type="term" key="Haus" ref="http://d-nb.info/gnd/4023693-6">Hauß</rs>, u<ex>nd</ex>. dachte nun
                    <lb/>hier meine Lebens=Zeit in Ruhe zu beschließen. Ich hörte dann <lb/>von
                        <placeName key="ed_rg3_cz1_ycb">H<ex>errn</ex>huth</placeName>, ging auch
                    ein paarmal hin, auch etl<ex>iche</ex>. male nach <placeName key="ed_hpz_nvb_ycb">Teichniz</placeName>
                    <lb/>
                    <pb n="2"/>bis endl<ex>ich</ex>. die Brüder nach<placeName key="ed_q5q_cz1_ycb">
                            Kl<ex>ein</ex>. Welcke </placeName>kamen, ich ging <lb/>auch hin
                        u<ex>nd</ex>. rieth auch andern mit zu kommen denn ich <lb/>glaubte die
                    Lehre sey der rechte Weg zur Seeligkeit. <lb/>Allein wenn ich dann sahe, daß es
                    mit andern, denen ich <lb/>zuvor hatte zugeredt, weiter kam als mit mir,
                        u<ex>nd</ex>. sahe <lb/>doch ihre Fehler, so hielt ich mich sehr darüber
                    auf. Allein <lb/>der treue Heil<ex>an</ex>d ließ nicht nach, u<ex>nd</ex>.
                    lehrte mich, mich selbst <lb/>beßer kennen, u<ex>nd</ex>. nur auf Ihn zu sehen.
                    <lb/>So weit geht die eigene Nachricht des sel<ex>igen</ex>. Bruders.<lb/>
                    <add place="left">In welchen Jahren er auch mit der Gem. zum Heil.<rs type="term" key="Abendmahl" ref="http://d-nb.info/gnd/4000081-3">
                                A<ex>bend</ex>.M<ex>ahl</ex>.</rs> gelangte.</add> Er besuchte denn
                        etl<ex>iche</ex>. Jahre von<placeName key="ed_bwg_dfg_1db"> Luga</placeName>
                    aus die Gelegenheiten <lb/>mit Segen für Sein Herz. Bis es sich <date from="1761-01-01" to="1761-12-31" cert="high" calendar="#Gregorian">1761</date> fügte, daß <lb/>er <rs type="place" key="ed_q5q_cz1_ycb">hierher</rs> in den Herrschaftl<ex>ichen</ex>. Hof als <rs type="term" key="Wirtschaft" ref="-">Wirthschafter</rs> genom<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>men wurde; welchen Dienst er treul<ex>ich</ex>. verwaltete,
                        u<ex>nd</ex>. <lb/>im <add place="superlinear">folgenden</add> Jahr mit dem,
                    als <del rendition="#s">
                        <gap quantity="3" unit="words"/>
                    </del>
                    <add place="superlinear">der 1ste</add> Wirth in dem neu <lb/>erbauten<rs type="term" key="Pension" ref="http://d-nb.info/gnd/4275780-0">
                            Gem<ex>ein</ex>: Logis</rs> verwechselte. Hier hat er der <lb/>Oeconomie
                    mit Legitimation unter den Fremden <lb/>u<ex>nd</ex>. Segen Gottes 9 Jahre
                    vorgestanden, bis sein einiger <lb/>Sohn, den er hinterläßt, bey seiner
                    zunehmenden Schwäche <lb/>u<ex>nd</ex>. kränckl<ex>ichen</ex>. Anfällen, an
                    Seine Stelle kam, da er als ein <lb/>treuer Vater u<ex>nd</ex>. Bruder zum
                    Besten <add place="superlinear">des Hauses sich treul<ex>ich</ex>. mühete
                            u<ex>nd</ex>. </add>that, so lange u<ex>nd</ex>. was er nur konnte.
                    Seine Art mit Jedermann zu handeln <lb/>war gesezt <del rendition="#s">(u. mit
                        Liebe u. Wahrheit)</del> u<ex>nd</ex>. Seine Begierde, <lb/>
                    <pb n="3"/>
                    <del rendition="#s">(Niemand zum Anstoß, sondern)</del> zum Segen zu
                    <lb/>wandeln, dabey kriegte der Heil<ex>an</ex>d manches Gebet u<ex>nd</ex>. <subst>
                        <del rendition="#s">Seh</del>
                        <add place="superlinear">Fleh</add>
                    </subst>
                    <g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>hen für sich, für Sein Volck u<ex>nd</ex>. für das <rs type="term" key="Haus" ref="http://d-nb.info/gnd/4023693-6">Hauß</rs>, das
                    <lb/>er bediente. Man spührte besonders in den lezten <lb/>Jahren, daß Ihn der
                        Heil<ex>ige</ex>. Geist ins Bewußtsein Seiner eigen <lb/>Armut u<ex>nd</ex>.
                    Ohnmacht ohne Jesu, aber <del rendition="#s">aber</del>
                    <add place="superlinear">auch</add> recht seligl<ex>ich</ex>. <lb/>im Genuß der
                    Verdienstes der Wunden hinein führte. <lb/>Jesus in Seinem Leiden u<ex>nd</ex>.
                    der Liebe zu den Sündern <lb/>wurde ihm über alles <del rendition="#s">erquickl.</del>
                    <del rendition="#s">u.</del> tröstl<ex>ich</ex>. u<ex>nd</ex>. schön. <lb/>Seit <subst>
                        <del rendition="#s">2</del>
                        <add place="superlinear">mehr als 2</add>
                    </subst> Jahren hatte er manche <rs type="term" key="Krankheit" ref="-">bedenkl<ex>iche</ex>. Zufälle</rs>, auch <lb/>einige Krancken=Lager,
                    die seine Hütte sehr schwächten <lb/>u<ex>nd</ex>. ihn tägl<ex>ich</ex>. an
                    seinen baldigen Heimruf erinnerten. <lb/>Er konte aber doch noch <add place="superlinear">mit</add> auf seyn bis zum <date when="1771-04-22" calendar="#Gregorian">22</date>
                    <hi rendition="#sup">
                        <date when="1771-04-22" calendar="#Gregorian">ten</date>
                    </hi> huj. <lb/>Da er sich ganz einlegte, war dabey vergnügt <add place="superlinear">wie ein Kind </add>lieb <lb/>habend, vom
                    Heil<ex>an</ex>d getröstet u<ex>nd</ex>. mit seinem Gemüt <lb/>allein ins <subst>
                        <del rendition="#s">Heilds</del>
                        <add place="superlinear">Jesu</add>
                    </subst> Marter u<ex>nd</ex>. was Er für ihn gethan. <lb/>Sein Mund
                    u<ex>nd</ex>. Reden floßen über von der Liebe Jesu u<ex>nd</ex>. <lb/>dem
                    Eindruck aus Seinen Leiden, da er jedes Stück <lb/>Seiner
                        verdienstl<ex>ichen</ex>. Marter auf sich deutete u<ex>nd</ex>. genoß.
                    <lb/>Die Freudigkeit u<ex>nd</ex>. Sehnsucht in die ausgespannte <lb/>
                    <pb n="4"/> Arme Seines Liebhabers überzugehen äußerte er <lb/>so, daß allen
                    Besuchenden sehr wohl bey ihm war. <lb/>Am<date when="1771-04-25" calendar="#Gregorian"> 25</date>
                    <hi rendition="#sup">
                        <date when="1771-04-25" calendar="#Gregorian"> </date>
                        <hi rendition="#u">
                            <date when="1771-04-25" calendar="#Gregorian">ten</date>
                        </hi>
                    </hi> war er gleich von früh an sehr schwach u<ex>nd</ex>. <lb/>sehnte sich daß
                    Sein Erlöser eilen u<ex>nd</ex>. ihn holen möchte. <lb/>Es wurde ihm denn vor
                    seiner Heimfahrt der Seegen <lb/>des Herrn u<ex>nd</ex>. seiner Gemeine bey
                    einer <del rendition="#s">sel</del> mit Jesu <lb/>Nähe gesegneten Liturgie
                    ertheilt, u<ex>nd</ex>. bey dem <rs type="term" key="Kirchenlied" ref="http://d-nb.info/gnd/4120567-4">Vers: <lb/>Stärck ihn mit dem
                        Freuden=Geist p</rs> entschlief er sehr <lb/>selig, u<ex>nd</ex>. erreichte
                    das Glück nach dem Choral unter <lb/>dem Text an s<ex>einem</ex>.
                    Heimgangs=Tage, daß am Munde <lb/>des Herrn in Freuden über Freuden alles ward
                        ver<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>senkt, was ihn je gekränkt, im 63<hi rendition="#sup">
                        <hi rendition="#u">sten</hi>
                    </hi> Jahr <lb/>Seiner Wahlfarth. <lb/>Er ist nun in Friede!</p>
            </div>
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