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                <title>Lebenslauf Maria Wedemann, geb. Kieschnick</title>
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                    <title>Lebensläufe aus der sorbischen Diaspora</title>
                 </edition>
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                    <name>Lubina Mahling</name>
                    <resp>Herausgeberin</resp>
                </respStmt>
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            <publicationStmt>
                <authority>Sorbisches Institut, Bautzen</authority>
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                <msDesc rend="Handschrift">
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                    <persName key="ed_q3y_y4s_pgb">Wedemann, Maria (1805-1891)</persName>
                </person>
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                    <term key="Brüdergemeine" ref="http://d-nb.info/gnd/4134444-3">Brüdergemeine</term>
                    <term key="Pietismus" ref="-">Pietismus</term>
                    <term key="Schule" ref="http://d-nb.info/gnd/4053474-1">Schule</term>
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                    <term key="Konfirmation" ref="http://d-nb.info/gnd/4032079-0">Konfirmation</term>
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                    <term key="Krankheit" ref="-">Krankheit</term>
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                <language ident="deu">German</language>
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            <div type="Testfeld">
                <p>
                    <hi rendition="#u">Lebenslauf </hi>
                    <lb/>der am <date when="1891-12-11" calendar="#Gregorian">11. Dec</date>
                    <ex>ember</ex>
                    <date when="1891-12-11" calendar="#Gregorian">. 1891</date>
                    <lb/>selig entschlafenen Schwester <persName key="ed_q3y_y4s_pgb">
                        <lb/>Marie Wedemann geb<ex>orne</ex>. Kieschnick</persName>.</p>
                <p>
                    <lb/>Ich bin geboren den<date when="1805-12-11" calendar="#Gregorian"> 11.
                        Dec</date>
                    <ex>ember</ex>
                    <date when="1805-12-11" calendar="#Gregorian">. 1805</date> in <placeName key="ed_zpr_223_ycb">Draehna</placeName>
                    <lb/>bei <placeName key="ed_ews_mvh_ycb">Nieder Uhyst</placeName>/Spree. Meine
                    Eltern waren <persName key="ed_qnw_jps_pgb">
                        <lb/>Georg Kieschnick</persName>, und <persName key="ed_ch4_kps_pgb">Magdalene geb<ex>orne</ex>. Jenke</persName> u<ex>nd</ex>. besaßen
                    <lb/>eine <rs type="term" key="Gärtner" ref="http://d-nb.info/gnd/4019065-1">Gärtner</rs>nahrung. Durch die <rs type="term" key="Napoleonische Kriege" ref="-">Kriegsunruhen</rs> wurd<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>en meinen Eltern, sowie allen <rs type="term" key="Dorf" ref="http://d-nb.info/gnd/4012775-8">Dorf</rs>bewohnern viel <lb/>Sorge
                        u<ex>nd</ex>. Kummer verursacht. Ich besinne mich noch <lb/>gut auf die
                    immerwährende Einquartierung; das <lb/>schlimmste aber waren die Räuberbanden,
                    welche <lb/>oft die <rs type="term" key="Dorf" ref="http://d-nb.info/gnd/4012775-8">Dörfer </rs>überfielen, u<ex>nd</ex>.
                    Alles wegnahmen was <lb/>ihnen in den Weg kam, auch immer Geld ergreiffen
                    <lb/>wollten u<ex>nd</ex>. wenn man es ihnen nicht gutwillig gab, <lb/>so
                    schlugen sie unbarmherzig darauf los. Unvergeßlich <lb/>ist mir die Scene
                    geblieben, als ich eines Morgens ei<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>nen <rs type="term" key="Soldat" ref="http://d-nb.info/gnd/4055409-0">Kosacken</rs> in unsrer Stube sah,
                    welcher meinen <lb/>Vater schlug. Meine l<ex>ieben</ex>. Eltern, sowie meine
                    Großeltern <lb/>kannten den Heiland u<ex>nd</ex>. suchten uns für Ihn zu
                    erziehen. <lb/>Sie waren auch mit der <rs type="term" key="Brüdergemeine" ref="http://d-nb.info/gnd/4134444-3">Brüdergemeine</rs> bekannte
                        u<ex>nd</ex>. be<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>
                    <pb n="2"/>suchten manchmal in <placeName key="ed_q5q_cz1_ycb">Kleinwelke</placeName>, auch waren damals <lb/>schon 4 Schwestern meiner
                    Mutter in die Gemeine <lb/>gezogen. Ich besuchte die <rs type="term" key="Schule" ref="http://d-nb.info/gnd/4053474-1">Dorfschule</rs>, welche
                    der <persName key="ed_iwm_ddy_pgb">Graf <lb/>Dohna</persName> auf dem <rs type="term" key="Schloss" ref="http://d-nb.info/gnd/4052753-0">Schloß</rs>
                    <placeName key="ed_ews_mvh_ycb">Uhyst</placeName> eingerichtet hatte. <lb/>Wir
                    hatten strenge aber christliche <rs type="term" key="Lehrer" ref="http://d-nb.info/gnd/4035088-5">Lehrer</rs> u<ex>nd</ex>. besonders
                    <lb/>dem zweiten lag es sehr an uns in allen Fächern, auch <lb/>in der Religion,
                    gut zu unterrichten. Das Lernen <lb/>machte mir Freude u<ex>nd</ex>. fiel mir
                    nicht schwer, so daß <lb/>ich meine Aufgaben gut lernte u<ex>nd</ex>. Andren oft
                    als <lb/>Muster vorgestellt. Das hätte können ver<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>derblich auf mich einwirken, wenn ich nicht andrer<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>seits so viel Spott von den <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">Kindern</rs> zu leiden gehabt <lb/>hätte u<ex>nd</ex>. mich deshalb immer
                    mehr von ihnen zu<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>rückzog. Meine l<ex>ieben</ex>. Eltern nahmen uns <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">Kinder</rs>
                    <lb/>manchmal mit nach <placeName key="ed_q5q_cz1_ycb">Kleinwelke</placeName>.
                    Als ich unge<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>fähr 9 Jahr alt war empfand ich einmal eine solche
                    <lb/>Sehnsucht dorthin zu gehen, daß ich mich <add place="superlinear">nach</add> der <rs type="term" key="Schule" ref="http://d-nb.info/gnd/4053474-1">Schule</rs>
                    <lb/>ganz allein auf den Weg machte. Ich langte glücklich in <lb/>
                    <pb n="3"/>
                    <placeName key="ed_q5q_cz1_ycb">Kleinwelke</placeName> an u<ex>nd</ex>. da
                    gerade das <rs type="term" key="Fest" ref="-">
                        <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">Kinder</rs>fest </rs>gefeiert wurde <lb/>durfte ich die <rs type="term" key="Versammlung" ref="http://d-nb.info/gnd/4133550-8">Versammlungen</rs> mit genießen, was mir unbe<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>schreiblich wichtig war. Ich wurde auch in der <rs type="term" key="Schule" ref="http://d-nb.info/gnd/4053474-1">Mädchenanstalt <lb/>
                    </rs>herumgeführt u<ex>nd</ex>. wurde von einigen Schwestern beschenkt. Ein
                    <lb/>Geschwisterpaar Unger nahm sich damals der Diasporageschwister <lb/>an
                        u<ex>nd</ex>. besuchte auch in <placeName key="ed_zpr_223_ycb">Drähna</placeName>. Als ich später aus der <rs type="term" key="Schule" ref="http://d-nb.info/gnd/4053474-1">Schule </rs>
                    <lb/>trat, blieb ich bei meinen Eltern u<ex>nd</ex>. half nach Kräften bei
                    <lb/>ihrer Arbeit. Ja die Arbeit ging oft über meine Kräfte, <lb/>aber ich that
                    sie gern u<ex>nd</ex>. bat den Heiland täglich um Seinen <lb/>Segen. Es war
                    damals eine schwere Zeit für meine l<ex>ieben</ex>. <lb/>Eltern, aus Mangel an
                    Verdienst fehlte es oft an dem nöti<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>gen Geld. In meinem 15. Jahr wurde ich <rs type="term" key="Konfirmation" ref="http://d-nb.info/gnd/4032079-0">konfirmiert</rs>,
                    nach <lb/>einem gründlichen Unterricht. Nachdem früher schon 2 meiner
                    <lb/>Brüder heimgegangen waren, starb, als ich 16 Jahre alt war, <lb/>auch mein
                    älterer Bruder, nach längerem <rs type="term" key="Krankheit" ref="-">Kränkeln</rs>, da <lb/>wir immer zusammen gearbeitet haben, u<ex>nd</ex>.
                    ich ihn sehr <lb/>liebte, so machte sein Heimgang einen tiefen Eindruck auf
                    <lb/>mich. Ich wünschte mir nichts lieberes, als ihm bald nachfolgen <lb/>
                    <pb n="4"/> zu dürfen. Ich war damals in einer recht seligen Gemüts<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>verfassung u<ex>nd</ex>. kannte kein höheres Glück als im Umgang
                    mit <lb/>dem Heiland zu stehen. Wenn ich im Freien beschäftigt war, <rs type="term" key="Gesang" ref="http://d-nb.info/gnd/4020470-4">
                        <lb/>sang</rs> ich mit lauter Stimme ein <rs type="term" key="Kirchenlied" ref="http://d-nb.info/gnd/4120567-4">
                        <rs type="term" key="Gesangbuch" ref="http://d-nb.info/gnd/4137651-1">Gesangbuchs</rs> lied</rs> nach dem
                    <lb/>andern. Leider war ich immer alleine u<ex>nd</ex>. fand keine passende
                    <lb/>Gesellschaft unter meinen Altersgenossinnen, von ihnen <lb/>hatte ich nur
                    Spott zu leiden. Als meine jüngern Schwestern <lb/>herangewachsen waren,
                    erlaubten mir meine l<ex>ieben</ex>. Eltern <lb/>im <date from="1826-03-01" to="1826-03-31" cert="high" calendar="#Gregorian">März 1826</date> nach
                        <placeName key="ed_q5q_cz1_ycb">Kleinwelke</placeName> zu ziehen. Ich wurde
                    <lb/>dort im Schwesternhaus auf verschiedene Weise beschäf<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>tigt u<ex>nd</ex>. hatte nur einen geringen Verdienst, mußte
                    auch <lb/>zuerst gründlich nähen lernen. In den nechsten Wochen <lb/>erkrankte
                    ich gleich an den <rs type="term" key="Krankheit" ref="-">Masern</rs>
                        u<ex>nd</ex>. mußte deshalb <lb/>6 Wochen lang das Bett u<ex>nd</ex>. die
                    Krankenstube hüten. Diese <lb/>Zeit war mir recht schwer, ich hütete mich aber
                    über <lb/>Schmerzen, oder irgend etwas zu klagen, aus Furcht, man <lb/>könne
                    mich nach meiner Genesung wieder nach <lb/>Hause schicken. Dies war nun Gottlob
                    nicht der Fall, im <lb/>
                    <pb n="5"/> Gegenteil bekam ich bald die ersehnte Erlaubnis zur <lb/>Gemeine.
                        <date from="1827-01-01" to="1827-12-31" cert="high" calendar="#Gregorian">1827 </date>wurde mir angetragen nach <placeName key="ed_rg3_cz1_ycb">Herrnhut</placeName> zu <lb/>Geschw<ex>ister</ex>. Stengard, zur <rs type="term" key="Kindermädchen" ref="http://d-nb.info/gnd/4323015-5">Pflege
                        ihrer kleinen Kinder</rs> zu ziehen; <lb/>meine Tante war daselbst als <rs type="term" key="Köchin" ref="http://d-nb.info/gnd/4288267-9">Köchin
                    </rs>angestellt. Ich nahm <lb/>dieses Anerbieten mit dank an, der Abschied von
                        <placeName key="ed_q5q_cz1_ycb">Kleinwel<g ref="#typoHyphen"/>
                        <lb break="no"/>ke</placeName> wurde mir aber nicht leicht, indem ich
                    daselbst viel <lb/>Liebe genossen hatte. Die <rs type="term" key="Reise" ref="http://d-nb.info/gnd/4049275-8">Fahrt</rs> nach <placeName key="ed_rg3_cz1_ycb">Herrnhut</placeName> mit dem <lb/>Fuhrmann Lorenz ist
                    mir noch sehr eindrücklich; das <lb/>schöne Wetter, u<ex>nd</ex>. die fruchtbare
                    Gegend stimmte mein <lb/>Herz zu Lob u<ex>nd</ex>. Dank gegen Gott, ich fühlte
                    mich glücklich <lb/>in der Gewißheit, daß derselbe Gott, welcher Flur
                        u<ex>nd</ex>. <lb/>Feld kleidet, auch meiner nicht vergessen wird
                        u<ex>nd</ex>. <lb/>meine Führung in seiner Hand hält. Geschw<ex>ister</ex>.
                    Stengard <lb/>empfingen mich sehr liebevoll, so daß ich mich bald ein<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>gewöhnte. Der Dienst bei ihren <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">Kindern</rs> war mir <lb/>sehr lieb u<ex>nd</ex>. kam mir fast zu
                    leicht vor, nach der schwer<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>en Feldarbeit, welche ich früher besorgen mußte, die <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">
                        <lb/>Kinder</rs> waren auch bald sehr anhänglich an mich u<ex>nd</ex>. so
                    er- <lb/>
                    <pb n="6"/>lebte ich 6 Jahre auf sehr angenehme Weise. Am <date when="1823-03-02" calendar="#Gregorian">2. </date>
                    <lb/>
                    <date when="1823-03-02" calendar="#Gregorian">März 1823 </date>wurde ich in die
                    Gemeine aufgenommen. <lb/>Als Geschw<ex>ister</ex>. Stengard einem Ruf nach
                        <placeName key="ed_wbk_q4h_ycb">Gnadenberg</placeName> folgten, <lb/>nahmen
                    sie mich mit u<ex>nd</ex>. ich besorgte von da an <lb/>auch die <rs type="term" key="Küche" ref="http://d-nb.info/gnd/4129463-4">Küche</rs>. Am <date when="1836-05-15" calendar="#Gregorian">15. Mai 1836</date> wurde mir ganz
                        uner<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>wartet der Antrag gemacht, mit dem led<ex>igen</ex>.
                        Br<ex>uder</ex>. <persName key="ed_wqp_cmy_pgb">Friedrich
                        <lb/>Wedemann</persName>, welcher zum <rs type="term" key="Mission" ref="http://d-nb.info/gnd/4039567-4">Missionsdienst</rs> nach <placeName key="ed_zgy_csq_dgb">Westindien</placeName>
                    <lb/>berufen war, in dem Stand der heil<ex>igen</ex>. Ehe zu treten. Ich
                    <lb/>kannte diesen Bruder gar nicht, war ihm nur zufällig <lb/>denselben Tag auf
                    der Treppe begegnet. Der Entschluß wurde <lb/>mir nicht leicht, da ich aber
                    schon lange im Stillen den Zug <lb/>fühlte, dem Heiland auf der<rs type="term" key="Mission" ref="http://d-nb.info/gnd/4039567-4"> Mission</rs> zu dienen,
                    so fand ich <lb/>doch Freudigkeit, im Vertrauen auf des Herrn Durchhülfe
                    <lb/>mein Jawort zu geben u<ex>nd</ex>. schon am folgenden Tag fand <lb/>unsre
                    Verlobung statt. Mein Bräutigam hielt sich nun <lb/>auf einige Wochen in
                        <placeName key="ed_wbk_q4h_ycb">Gnadenberg</placeName> auf u<ex>nd</ex>. wir
                    lernten uns <lb/>kennen u<ex>nd</ex>. lieben. Nachdem ich einen Besuch bei
                    meinen <lb/>l<ex>ieben</ex>. Eltern gemacht hatte, ging ich über<placeName key="ed_q5q_cz1_ycb"> Kleinwelke</placeName> nach <lb/>
                    <pb n="7"/>
                    <placeName key="ed_rg3_cz1_ycb">Herrnhut</placeName> zu Fuß u<ex>nd</ex>. traf
                    daselbst mit meinem l<ex>ieben</ex>. Bräutigam <lb/>zusammen. Sonntags den <date when="1836-06-14" calendar="#Gregorian">14. Juni </date>wurden wir durch
                        Br<ex>uder</ex>. <lb/>G. M. Schneider <rs type="term" key="Heirat" ref="-">zur heil<ex>igen</ex>. Ehe verbunden</rs> u<ex>nd</ex>. den folgenden
                    <lb/>Tag zur <rs type="term" key="Akoluthie" ref="-">Akoluthie</rs> angenommen.
                    An demselben Nach<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>mittag fuhren wir noch in Br<ex>uder</ex>. Hanschilds Wagen nach
                        <placeName key="ed_q5q_cz1_ycb">
                        <lb/>Kleinwelke</placeName> u<ex>nd</ex>. machten den folgenden Tag einen
                    kurzen <lb/>Abschiedsbesuch bei meinen l<ex>ieben</ex>. Eltern in <placeName key="ed_zpr_223_ycb">Draehna</placeName>. Dieser <lb/>Abschied, sowie der
                    darauf folgende in <placeName key="ed_txt_24y_pgb">Rockhausen</placeName>
                        b<ex>ei</ex>. <placeName key="ed_skq_g4y_pgb">
                        <lb/>Erfurt</placeName>, von meines l<ex>ieben</ex>. Mannes Eltern wurde uns
                    schwer, <lb/>denn allem Anschein nach war es der letzte in diesem <lb/>Leben.
                    Nun galt es so schnell wie möglich weiterzu<rs type="term" key="Reise" ref="http://d-nb.info/gnd/4049275-8">reisen</rs>, <lb/>um die <rs type="term" key="Schiff" ref="-">Schiffsgelegenheit</rs> in <placeName key="ed_z1x_rjx_pdb">Hamburg</placeName> nicht zu versäu<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>men. Am<date when="1836-06-26" calendar="#Gregorian"> 26.
                        Juni</date> reisten wir von <placeName key="ed_txt_24y_pgb">Rockhausen</placeName> ab <lb/>u<ex>nd</ex>. langten am <date when="1836-07-01" calendar="#Gregorian">1. Juli</date> in <placeName key="ed_stf_czh_ycb">Altona</placeName> bei Geschw<ex>ister</ex>. Garve an,
                    <lb/>mußten uns auch schon am nächsten Tag an Bord des <rs type="term" key="Schiff" ref="-">
                        <lb/>Legatschiffes</rs> begeben. Meine Sachen langten
                    mit Br<ex>uder</ex>. Hanschild <lb/>zu spät an, was mich auf der <rs type="term" key="Reise" ref="http://d-nb.info/gnd/4049275-8">Reise </rs>u<ex>nd</ex>. in
                    Westindien recht in <lb/>Verlegenheit brachte, erst 9 Wochen nach unserer
                    Ankunft in <lb/>
                    <pb n="8"/>
                    <placeName key="ed_pdc_cqn_cgb">St. Thomas</placeName> kamen sie in meine Hände.
                    Am <date when="1836-08-16" calendar="#Gregorian">16. Aug<ex>ust</ex>
                    </date>. hatten <lb/>wir das Ziel unsrer <rs type="term" key="Reise" ref="http://d-nb.info/gnd/4049275-8">Reise</rs> erreicht u<ex>nd</ex>.
                    trafen am 17. in <placeName key="ed_zfl_rsy_pgb">
                        <lb/>Neu-Herrnhut </placeName>ein, wo wir von Geschw<ex>ister</ex>. Wied
                    sehr liebevoll <lb/>empfangen wurden. <rs type="term" key="Spracherwerb" ref="-">Wir bemühten uns nun die Creol<g ref="#typoHyphen"/>
                        <lb break="no"/>Sprache so bald als möglich zu erlernen</rs>, um uns an der
                    <lb/>Missionsarbeit beteiligen zu können. Wir fühlten <lb/>uns hier sehr
                    glücklich, deshalb wurde es uns schwer, <lb/>im Jahr 1837 den Antrag anzunehmen,
                    an Stelle des <lb/>heimgegangenen Br<ex>uder</ex>. <persName key="ed_nm4_35y_pgb">Eder</persName> nach <placeName key="ed_rgb_v5y_pgb">Emaus</placeName> auf <placeName key="ed_tf1_x5y_pgb">St. Ian</placeName>
                    zu <lb/>gehen. Hier schenkte uns der l<ex>iebe</ex>. Herr unser erstes Töchter<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>lein <gap unit="words" quantity="1" reason="illegible"/>. Nach
                    einigen Wochen erkrankte mein <lb/>l<ex>ieber</ex>. Mann an einem <rs type="term" key="Krankheit" ref="-">Gallenfieber</rs> u<ex>nd</ex>. zwar
                    steigerte es <lb/>sich dermaßen, daß man sein Ende erwartete. Meine <lb/>Angst
                        u<ex>nd</ex>. Sorge war unbeschreiblich groß u<ex>nd</ex>. ich hatte keine
                    <lb/>Hülfe. In seinem <gap unit="words" quantity="1" reason="illegible"/> wollte
                    er immer fort u<ex>nd</ex>. <lb/>ich war nicht im Stande ihn zu halten. Ich
                    schrie einmal <lb/>laut um Hülfe, aber kein Mensch erschien. Der Herr <lb/>aber
                    hatte mein Rufen gehört u<ex>nd</ex>. schenkte Hoffnung, so <lb/>
                    <pb n="9"/> daß mein l<ex>ieber</ex>. Mann sich nach u<ex>nd</ex>. nach wieder
                    erholte. <lb/>Kaum fühlte er sich soweit erstarkt, daß er wieder <lb/>am <rs type="term" key="Versammlung" ref="http://d-nb.info/gnd/4133550-8">Versammlung</rs>shalten teilnehmen konnte, als wir <lb/>schon wieder weiter
                    pilgern mußten; indem Schw<ex>ester</ex>. <persName key="ed_o3z_xwy_pgb">
                        <lb/>Plättner</persName> in <placeName key="ed_vfb_pwy_pgb">Friedensfeld</placeName> auf <placeName key="ed_jjm_rwy_pgb">St.
                        Croix</placeName> heimgegangen <lb/>war u<ex>nd</ex>. Br<ex>uder</ex>.
                        <persName key="ed_zhn_dxy_pgb">Plättner </persName>Erlaubniß zu seiner
                    Rückkehr <lb/>nach <placeName key="ed_nmt_2n2_5fb">Europa</placeName> bekommen
                    hatte. Schon auf der Ueberfahrt <lb/>von<placeName key="ed_tf1_x5y_pgb"> St.
                        Ian</placeName> nach <placeName key="ed_jjm_rwy_pgb">St. Croix</placeName>
                    bei schlechtem Wetter auf <lb/>einer kleinen Schaluppe bekam ich einen <rs type="term" key="Krankheit" ref="-">Fieberanfall</rs>. <lb/>In <placeName key="ed_l2g_kxy_pgb">Friedensthal</placeName> bei Geschw<ex>ister</ex>.
                    Liebrecht wurde ich aber <lb/>ernstlich krank u<ex>nd</ex>. mußte einige Tage zu
                    Bett liegen. <lb/>Ich fühlte mich durch alle vorhergegangenen Anstrengun<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>gen so entkräftet, daß ich einer längeren Zeit zu <lb/>meiner
                    Erholung bedurfte. Inzwischen langten wir in <lb/>
                    <placeName key="ed_vfb_pwy_pgb">Friedensfeld</placeName> an, wo mein
                        l<ex>ieber</ex>. Mann Anfang des Jahres <lb/>
                    <date from="1838-01-01" to="1838-02-28" cert="high" calendar="#Gregorian">1838
                    </date>das <rs type="term" key="Schuhmacher" ref="http://d-nb.info/gnd/4180080-1">Schuhmacher</rs>geschäft von <persName key="ed_zhn_dxy_pgb">Br<ex>uder</ex>. Plättner </persName>übernahm.
                    <lb/>Durch den Umgang mit <unclear reason="illegible" cert="high">Zahlungen</unclear> u<ex>nd</ex>. <unclear reason="illegible" cert="high">Zahltagen </unclear>hatte mein Mann viel G<rs type="term" key="Spracherwerb" ref="-">elegenheit sich im <lb/>
                        <pb n="10"/>Englischsprechen</rs> zu üben, was ihm später recht zu
                    <lb/>statten kam. Auch unsre Hausleute konnten gut englisch <lb/>sprechen, <rs type="term" key="Spracherwerb" ref="-">sodaß ich von ihnen lernen
                        konnte</rs>. Unser <lb/>Beruf war uns sehr lieb u<ex>nd</ex>. wichtig, auch
                    fühlte mein <lb/>l<ex>ieber</ex>. Mann sich hier viel wohler als auf <placeName key="ed_tf1_x5y_pgb">St. Ian</placeName>. Ueber <lb/>6 Jahre dauerte unser
                    Aufenthalt hier, der sich je <lb/>länger, je angenehmer gestaltete, bis wir
                        <date from="1844-01-01" to="1844-12-31" cert="high" calendar="#Gregorian">1844</date> einem <lb/>Rufe nach <placeName key="ed_fnq_bzy_pgb">Bethanien</placeName> auf <placeName key="ed_tf1_x5y_pgb">St.
                        Ian</placeName> folgten. Da wir <lb/>wußten, daß uns dort manches Schwere
                    erwartete, be<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>dauerten wir nicht länger hier in <placeName key="ed_vfb_pwy_pgb">Friedensfeld</placeName> bleiben <lb/>zu dürfen,
                    folgten aber im Gehorsam dem Rufe <lb/>des Herrn. <persName key="ed_ezy_pzy_pgb">Geschw<ex>ister</ex>. Blitte</persName>, unsre Vorgänger waren schon
                    <lb/>nach <placeName key="ed_fcg_dx3_ycb">Deutschland</placeName> abgereist, als
                    wir auf unserem neuen <lb/>Arbeitsfeld anlangten; Br<ex>uder</ex>. <persName key="ed_gds_s1z_pgb">Gruhl</persName> aus <placeName key="ed_rgb_v5y_pgb">Emaus</placeName> über<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>reichte uns nur die Schlüssel u<ex>nd</ex>. verließ uns
                    sogleich. <lb/>Am 1. Sonntag hofften wir unsre Gemeine kennen <lb/>zulernen; wie
                    waren wir aber enttäuscht, als auf <lb/>das erste Läuten Niemand erschien
                        u<ex>nd</ex>. nach dem zweiten <lb/>
                    <pb n="11"/> Läuten nur einige Nationalhelfer herbeikamen. <lb/>Das Herz blutete
                    uns, als wir die hießigen Zustände <lb/>kennen lernten u<ex>nd</ex>. es
                    vergingen Jahre, ehe Alles in <lb/>Ordnung kam u<ex>nd</ex>. wir mit Freudigkeit
                    hier arbeiten <lb/>konnten. Geschw<ex>ister</ex>. Geissler, welche kurz nach uns
                    gekommen <lb/>waren, waren uns liebe Mitarbeiter. Nun fing die <lb/>Gesundheit
                    meines l<ex>ieben</ex>. <rs type="person" key="ed_wqp_cmy_pgb">Mannes</rs>
                    wieder an zu wanken <lb/>u<ex>nd</ex>. im <date from="1844-10-01" to="1844-10-31" cert="high" calendar="#Gregorian">Okt</date>
                    <ex>ober</ex>
                    <date from="1844-10-01" to="1844-10-31" cert="high" calendar="#Gregorian">.
                        1844</date> befiel ihn wieder ein schweres <rs type="term" key="Krankheit" ref="-">Gallen<g ref="#typoHyphen"/>
                        <lb break="no"/>fieber</rs>, er jammerte laut u<ex>nd</ex>. rief: Lieber
                    Heiland, hilf doch! <lb/>Eines Tages bekam er auch Krämpfe, was meine Not
                    <lb/>aufs Höchste steigerte; ich ging in der Stube auf u<ex>nd</ex>. ab
                        <lb/>u<ex>nd</ex>. rief zum Herrn um Hülfe. Damals hatten wir 4 <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">Kinder</rs>
                    <lb/>wovon das Jüngste erst einige Wochen alt war. Das Gallen<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>fieber schlug dann in ein <rs type="term" key="Krankheit" ref="-">Magenfieber</rs> um u<ex>nd</ex>. es <lb/>währte lange, bis sich
                    mein l<ex>ieber</ex>. Mann nur einigermaßen <lb/>erholen konnte. Der Herr hat
                    uns aber über Bitten <lb/>u<ex>nd</ex>. Verstehen durch diese schwere Krankheit
                        hindurchge<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>holfen; Ihm sei Lob u<ex>nd</ex>. Ehre! Auf den Rat des <rs type="term" key="Arzt" ref="http://d-nb.info/gnd/4003157-3">Arztes
                    </rs>begaben <lb/>
                    <pb n="12"/> wir uns nach <placeName key="ed_zfl_rsy_pgb">Neu-Herrnhut</placeName> auf <placeName key="ed_pdc_cqn_cgb">St.
                        Thomas</placeName> wo sich <lb/>mein Mann durch die Luftveränderung wieder
                    stärkte <lb/>u<ex>nd</ex>. frischen Muth schöpfte zu neuer Thätigkeit. Kaum
                    waren <lb/>wir aber nach <placeName key="ed_fnq_bzy_pgb">Bethanien</placeName>
                    zurückgekehrt, als mein l<ex>ieber</ex>. <lb/>
                    <rs type="person" key="ed_wqp_cmy_pgb">Mann</rs> schon wieder vom <rs type="term" key="Krankheit" ref="-">Wechselfieber</rs> ergriffen <lb/>wurde.
                    Wenn es auch diesmal nicht langte anhielt, <lb/>so stellte es sich doch von Zeit
                    zu Zeit wieder ein u<ex>nd</ex>. <lb/>er fühlte das Bedürfnis für eine längere
                    Zeit aus<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>gespannt zu werden. Dieser Wunsch konnte ihm <lb/>aber nicht
                    gewährt werden u<ex>nd</ex>. so verbrachten wir <lb/>die Jahre <date from="1847-01-01" to="1848-12-31" cert="high" calendar="#Gregorian">1847
                        u</date>
                    <ex>nd</ex>
                    <date from="1847-01-01" to="1848-12-31" cert="high" calendar="#Gregorian">. </date>
                    <ex>18</ex>
                    <date from="1847-01-01" to="1848-12-31" cert="high" calendar="#Gregorian">48</date> unter beständigem Druck der <lb/>Leibeshütte, denn auch bei mir
                    stellte sich das <rs type="term" key="Krankheit" ref="-">Wechsel<g ref="#typoHyphen"/>
                        <lb break="no"/>fieber</rs> ein. Als sich nun bei meinem l<ex>ieben</ex>.
                    Mann auch noch <lb/>die <rs type="term" key="Krankheit" ref="-">Gelbsucht</rs>
                    in hohem Grade einstellte, sahen wir <lb/>uns genötigt bei <rs type="term" key="Unitätsältestenkonferenz" ref="-">U<ex>nitäts</ex>.A<ex>eltesten</ex>.C<ex>onferenz</ex>.</rs> in
                        <placeName key="ed_lch_xmb_ycb">Berthelsdorf</placeName> um Erlaub<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>nis zu bitten nach <placeName key="ed_nmt_2n2_5fb">Europa</placeName> zurückkehren zu dürfen. <lb/>In den letzten Jahren
                    hatten wir 3 unsrer l<ex>ieben</ex>. <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">Kinder</rs>
                    <lb/>mit Gelegenheiten nach<placeName key="ed_fcg_dx3_ycb">
                        Deutschland</placeName> geschickt, was uns <lb/>
                    <pb n="13"/> jedes Mal einen schweren Kampf kostete. Im <date from="1849-01-01" to="1849-05-30" cert="high" calendar="#Gregorian">Früh</date>
                    <g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>
                    <date from="1849-01-01" to="1849-05-30" cert="high" calendar="#Gregorian">jahr
                        1849</date> machten wir uns mit unsern 3 jüngsten <lb/>
                    <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">Kindern</rs> reisefertig. Von <placeName key="ed_pdc_cqn_cgb">St. Thomas</placeName> aus hatten wir <lb/>die
                        l<ex>ieben</ex>. Geschw<ex>ister</ex>. Voss mit ihren drei Kindern zu
                        Reisegefähr<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>ten. Unsre See<rs type="term" key="Reise" ref="http://d-nb.info/gnd/4049275-8">reise</rs> traf in die Zeit des deutsch
                    = dänischen <rs type="term" key="Krieg" ref="http://d-nb.info/gnd/4033114-3">
                        <lb/>Krieges</rs>, weshalb unser Kapitän im Hafen von <placeName key="ed_p3t_ydz_pgb">Fal<g ref="#typoHyphen"/>
                        <lb break="no"/>mouth</placeName> einlief u<ex>nd</ex>. wir sahen uns
                    genöthigt, hier das <lb/>
                    <rs type="term" key="Schiff" ref="-">Schiff</rs> zu
                    verlassen u<ex>nd</ex>. über <placeName key="ed_gdn_czh_ycb">London</placeName>
                    nach <placeName key="ed_z1x_rjx_pdb">Hamburg </placeName>zu <lb/>reisen. Bei den
                        l<ex>ieben</ex>. Geschw<ex>istern</ex>. Wenk in <placeName key="ed_r5m_psb_ycb">Altona</placeName> ruhten wir <lb/>uns einige Tage aus
                        u<ex>nd</ex>. setzten dann unsre <rs type="term" key="Reise" ref="http://d-nb.info/gnd/4049275-8">Reise</rs>
                    <lb/>über <placeName key="ed_rrn_xvh_ycb">Berlin </placeName>nach <placeName key="ed_q5q_cz1_ycb">Kleinwelke</placeName> fort. Ach, wie dank<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>bar waren wir, das Ziel unsrer<rs type="term" key="Reise" ref="http://d-nb.info/gnd/4049275-8"> Reise </rs>erreicht zu haben. <lb/>Es
                    wurden Freudenthränen geweint beim Wiedersehen <lb/>unsrer 3 ältesten Kinder. In
                    den Sommerferien machten <lb/>wir mit unsern sämtlichen Kindern einen Besuch in
                        <placeName key="ed_rg3_cz1_ycb">
                        <lb/>Herrnhut</placeName>, wo wir im Pilgerhaus logierten. Schon nach
                    <lb/>einer Woche wurde ich krank u<ex>nd</ex>. bekam das <rs type="term" key="Krankheit" ref="-">Nerfen<g ref="#typoHyphen"/>
                        <lb break="no"/>fieber</rs>. Eine lange Zeit war ich bewußtlos u<ex>nd</ex>.
                    wenig <lb/>
                    <pb n="14"/>Hoffnung zur Genesung. Unsre 3 ältesten Kinder wurden <lb/>nach
                        <placeName key="ed_q5q_cz1_ycb">Kleinwelke</placeName> zurückgeschickt
                        u<ex>nd</ex>. der 3 jüngsten <lb/>nahmen sich Geschw<ex>ister</ex>. Stein
                    liebreich an. Nach 8 Wochen <lb/>war ich soweit wieder genesen, daß wir nach
                        <placeName key="ed_q5q_cz1_ycb">Klein<g ref="#typoHyphen"/>
                        <lb break="no"/>welke</placeName> zurückkehren konnten, wo wir mit unsern
                        <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">
                        <lb/>Kindern</rs> ein vergnügtes <rs type="term" key="Fest" ref="-">Ehefest
                    </rs>feiern konnten. Im <lb/>Herbst machten wir noch einen Besuch in<placeName key="ed_txt_24y_pgb"> Rockhausen</placeName>, <lb/>bei den Verwandten meines
                        l<ex>ieben</ex>. <rs type="person" key="ed_wqp_cmy_pgb">Mannes</rs>.
                    Obgleich mein <lb/>Mann in den folgenden Monaten noch öfters <rs type="term" key="Krankheit" ref="-">Fieber<g ref="#typoHyphen"/>
                        <lb break="no"/>anfälle</rs> hatte u<ex>nd</ex>. wir uns beide schwach
                    fühlten, so <lb/>hatten wir doch den Wunsch dem Herrn noch ferner <lb/>auf
                        der<rs type="term" key="Mission" ref="http://d-nb.info/gnd/4039567-4">
                        Mission </rs>zu dienen. Im <date from="1850-06-01" to="1850-09-01" cert="high" calendar="#Gregorian">Sommer 1850</date> wurde uns <lb/>vom
                    Missionsdepartment der Antrag gemacht dem <lb/>Herrn auf der <rs type="term" key="Mission" ref="http://d-nb.info/gnd/4039567-4">Mission</rs> in
                        <placeName key="ed_zds_qxd_5fb">Süd=Afrika</placeName> zu dienen. <lb/>Wir
                    willigten gern ein, wenn uns auch der Gedanke <lb/>an den Abschied von unsern 6
                    Kindern entsetzlich schwer <lb/>war. Am <date when="1850-08-07" calendar="#Gregorian">7. Aug</date>
                    <ex>ust</ex>
                    <date when="1850-08-07" calendar="#Gregorian">. </date>schlug die für Eltern
                        u<ex>nd</ex>. Kinder unver<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>geßliche Abschiedsstunde. Wenn wir sie auch jetzt in <lb/>
                    <pb n="15"/>den <rs type="term" key="Schule" ref="http://d-nb.info/gnd/4053474-1">Anstalten</rs> gut aufgehoben wußten,
                    so wurde dieses Entreißen <lb/>eben doch ein Schmerz, der nur mit des Herrn
                    Hilfe über<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>wunden werden konnte. Unser kleiner erst 3 jähriger <lb/>
                    <persName key="ed_j5t_j11_qgb">Gustav</persName> war dem <rs type="term" key="Krankenpfleger" ref="http://d-nb.info/gnd/4165516-3">Krankenwärter</rs>
                    in der <rs type="term" key="Schule" ref="http://d-nb.info/gnd/4053474-1">Knabenanstalt</rs>
                    <lb/>Br. Taeubner übergeben worden, an ihm hing mein Herz <lb/>auf besondere
                    Weise u<ex>nd</ex>. es galt mit dem Herrn zu ringen, <lb/>nun den rechten Trost
                        u<ex>nd</ex>. Ergebung zu finden.<persName key="ed_j5t_j11_qgb">
                        Gustav</persName> ge<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>wöhnte sich über Erwarten gut ein, mußte aber dann später
                    <lb/>zu Geschw<ex>ister</ex>. Herzberg ziehen, als eine ansteckende Krankheit
                    <lb/>in der <rs type="term" key="Schule" ref="http://d-nb.info/gnd/4053474-1">Anstalt</rs> ausbrach. Am <date when="1850-08-24" calendar="#Gregorian">24.
                        August.</date> wurden die Anker <lb/>in <placeName key="ed_azl_jhz_pgb">Bremerhafen</placeName> gelichtet u<ex>nd</ex>. erst am <date when="1850-11-24" calendar="#Gregorian">24. Nov</date>
                    <ex>ember</ex>
                    <date when="1850-11-24" calendar="#Gregorian">. </date>erreichten <lb/>wir, nach
                    einer glücklichen Fahrt die <placeName key="ed_oks_sxd_5fb">Kapstadt</placeName>. Je näher <lb/>wir dem Ziel unserer <rs type="term" key="Reise" ref="http://d-nb.info/gnd/4049275-8">Reise</rs> kamen, je
                    schwerer wurde <lb/>mir die Trennung von unsern Kinder; ich scheute mich
                    <lb/>mit den andern Passagieren davon zu reden, daß wir <lb/>6 unerzogene <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">Kinder </rs>zurückgelassen hätten, denn sie
                    <lb/>hätten es nicht begreifen können. Schon in den ersten <lb/>Monaten unsres
                    Aufenthaltes in <placeName key="ed_cc2_rxd_5fb">Afrika</placeName> bekamen wir <lb/>
                    <pb n="16"/>die Nachricht von<placeName key="ed_q5q_cz1_ycb">
                        Kleinwelke</placeName>, dass unsre beiden Söhne <lb/>schwer krank wären,
                    besonders litt Friedrich an einem <lb/>bedenklichen Beinschaden. Was das
                    Elternherz da durch <lb/>gemacht hat, ist nicht zu beschreiben, ich habe den
                    Heiland <lb/>damals dringend gebeten unsre l<ex>ieben</ex>. Kinder zu sich in
                    <lb/>die ewige Sicherheit zu nehmen. Die Trennung von <lb/>unsern Kindern war
                    unsern Herzen die allerschwerste <lb/>Erfahrung, welche wir bisher gemacht
                    hatten. Nachdem <lb/>wir in dem ersten Jahr unseres <rs type="term" key="Mission" ref="http://d-nb.info/gnd/4039567-4">Missions</rs>dienstes in
                        <placeName key="ed_cc2_rxd_5fb">
                        <lb/>Afrika</placeName> an verschiedenen Orten angestellt waren, reisten
                    <lb/>wir Anfang März nach <placeName key="ed_ujw_23z_pgb">Elim</placeName>, um
                    die Bedienung dieser <lb/>Gemeine zu übernehmen, aber auch hier sollte unser
                    <lb/>Aufenthalt nur von kurzer Dauer sein, denn nach einem <lb/>halben Jahr
                    wurden wir nach <placeName key="ed_whn_l3z_pgb">Robben – Island</placeName>
                    berufen. <lb/>Es gab daselbst außer den Aussätzigen noch viele Irre,
                        <lb/>u<ex>nd</ex>. solche die an unheilbaren <rs type="term" key="Krankheit" ref="-">Krankheiten</rs> litten. Der <lb/>Dienst auf dieser Insel war für
                    meinen l<ex>ieben</ex>. <rs type="person" key="ed_wqp_cmy_pgb">Mann</rs> in
                    <lb/>mancher Hinsicht recht schwer, es gab an 400 Kranke, welche <lb/>
                    <pb n="17"/>er zu besuchen u<ex>nd</ex>. seelsorgerisch zu bedienen hatte. Wir
                    <lb/>wohnten nahe bei den <rs type="term" key="Krankheit" ref="-">Leprauskranken</rs>, die ich auch fleißig <lb/>besuchte. Wir hatten
                    außerdem sehr wenig Umgang auf <lb/>der Insel, wodurch wir uns recht einsam
                    fühlten. In <lb/>Folge des vielen Sprechens bildete sich bei meinem
                        l<ex>ieben</ex>. <lb/>Mann allmächtig ein <rs type="term" key="Krankheit" ref="-">Halsleiden</rs> aus, so daß wir um <lb/>Ablösung von unserm Posten
                    bitten mußten, welche uns <lb/>auch bewilligt wurde. Nachdem <persName key="ed_t2q_4zz_pgb">
                        <persName key="ed_eft_pzz_pgb">Geschw<ex>ister </ex>. Küster</persName>
                    </persName> im <lb/>Frühjahr <date from="1859-02-01" to="1859-05-31" cert="high" calendar="#Gregorian">1859</date>, als unsre Nachfolger bei uns angelangt
                        <lb/>u<ex>nd</ex>. von uns eingeleitet waren, verabschiedeten wir uns
                    <lb/>von unsern l<ex>ieben</ex>. Kranken u<ex>nd</ex>. baten den Heiland unter
                    <lb/>vielen Thränen um Vergebung aller unsrer Diener<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>schulden. In der <placeName key="ed_oks_sxd_5fb">Kapstadt</placeName> sammelte sich unsre <rs type="term" key="Reise" ref="http://d-nb.info/gnd/4049275-8">Reise</rs>
                    <g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>gesellschaft, welche aus der verw<ex>ittweten</ex>.
                        Schw<ex>ester</ex>. Pohl u<ex>nd</ex>. ihrer <lb/>Tochter u<ex>nd</ex>. noch
                    auss 13 Missions<rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">kindern</rs> bestand. Im <lb/>
                    <date from="1859-05-01" to="1859-05-30" cert="high" calendar="#Gregorian">Mai</date> segelte unser nach<placeName key="ed_qfv_f11_qgb">
                        Rotterdam</placeName> bestimmtes <lb/>Schiff aus. Es war eine freundliche
                    Fügung des Herrn, daß <lb/>der Kapitän, sowie die ganze Mannschaft anständige <lb/>
                    <pb n="18"/>u<ex>nd</ex>. christliche Leute waren, welche die <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">Kinder </rs>liebten <lb/>u<ex>nd</ex>. sich ganz um sie
                    bemühten. Nach einem wahren öster<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>lichen Aufenthalt in <placeName key="ed_h2q_2gl_zcb">Zeist</placeName> langten wir Ende <date from="1859-08-15" to="1859-08-31" cert="high" calendar="#Gregorian">August</date>
                    <lb/>glücklich mit unsrer großen Kinderschar in <placeName key="ed_q5q_cz1_ycb">Klein<g ref="#typoHyphen"/>
                        <lb break="no"/>welke</placeName> an. Die <rs type="term" key="Reise" ref="http://d-nb.info/gnd/4049275-8">Seereise</rs> hatte meinen Mann zu<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>sehends gestärkt u<ex>nd</ex>. sein Halsleiden gebessert, so
                    <lb/>konnten wir mit Freudigkeit noch in demselben <lb/>
                    <date from="1859-09-01" to="1859-11-30" cert="high" calendar="#Gregorian">Herbst</date> einer Berufung als<rs type="term" key="Sozietät" ref="http://d-nb.info/gnd/4124225-7"> Societäts</rs>arbeiter <lb/>nach
                        <placeName key="ed_lch_xmb_ycb">Berthelsdorf </placeName>folgen. Leider
                    sahen wir bald, daß <lb/>die <rs type="term" key="Sozietät" ref="http://d-nb.info/gnd/4124225-7">Societät</rs> in der Auflösung
                    begriffen war, denn <lb/>die alten lieben Geschwister starben nach einander
                        <lb/>u<ex>nd</ex>. ihre <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">Kinder</rs> schlossen sich uns nicht
                    an, so daß die <lb/>
                    <rs type="term" key="Sozietät" ref="http://d-nb.info/gnd/4124225-7">Societät</rs> nach 11 Jahren aufgehoben werden mußte. <lb/>Nun zogen wir
                    ganz nach <placeName key="ed_rg3_cz1_ycb">Herrnhut</placeName> u<ex>nd</ex>.
                    besuchten die <lb/>Geschwister in der Umgebung, was mir sehr wichtig <lb/>war.
                    Ich habe vielen Segen für mein Herz bei diesen <lb/>Besuchen genossen, besonders
                    nachdem wir die l<ex>ieben</ex>. <lb/>Diasporageschwister näher kennengelernt
                    hatten. Im <lb/>
                    <pb n="19"/>Jahr 1872 legte mein l<ex>ieber</ex>. <rs type="person" key="ed_wqp_cmy_pgb">Mann</rs> sein Amt nieder, wegen <lb/>zunehmender
                    Schwäche und schwerem Gehör. <lb/>So weit reichen die eigenen Mitteilungen
                    unsrer <lb/>lieben Mutter. <lb/>Im Jahr <date from="1871-01-01" to="1871-09-30" cert="high" calendar="#Gregorian">1871</date> kauften die l<ex>ieben</ex>.
                    Eltern das <rs type="term" key="Haus" ref="http://d-nb.info/gnd/4023693-6">Haus</rs> der <lb/>Geschw<ex>ister</ex>. Sondermann u<ex>nd</ex>. bezogen
                    es im Herbst dessel<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>ben Jahres, fühlten sich auch bald heimisch darinnen. <date from="1877-01-01" to="1877-12-31" cert="high" calendar="#Gregorian">1877</date>
                    <lb/>hatten sie die Freude, daß unser Bruder <persName key="ed_j5t_j11_qgb">Gustav</persName> einen Ruf zum <lb/>Dienst auf die <rs type="term" key="Mission" ref="http://d-nb.info/gnd/4039567-4">Mission</rs> nach
                        <placeName key="ed_zds_qxd_5fb">Süd=Afrika</placeName> erhielt. In seiner
                    Braut, <lb/>der led<ex>igen</ex>. Schw<ex>ester</ex>. <persName key="ed_yly_mlf_qgb">Maria Drexler</persName> bekamen sie eine Tochter,
                    welcher sie bald <lb/>ihre ganze mütterliche Liebe schenkten. Am <date when="1877-09-18" calendar="#Gregorian">18. Sep</date>
                    <ex>tember</ex>
                    <date when="1877-09-18" calendar="#Gregorian">. </date>wohnten sie der
                    <lb/>Verlobung ihrer Kinder in <placeName key="ed_q5q_cz1_ycb">Kleinwelke</placeName> bei. Nur kurze Zeit konnte <lb/>unser Bruder im
                    Elternhaus verweilen, weil sich seine Braut <lb/>in <placeName key="ed_drc_kz1_ycb">Ebersdorf</placeName> bei ihren Eltern aufhielt
                        u<ex>nd</ex>. auch dort die Trauung <lb/>stattfand. Es galt nun für unsre
                        l<ex>iebe</ex>. Mutter wieder einen <lb/>Abschied für dieses Leben zu
                    nehmen, der ihr schwer wurde, <lb/>doch half die Freude, daß ihr Sohn gewürdigt
                    wurde in <lb/>des Herrn Dienst zu treten, über vieles hinweg u<ex>nd</ex>. ihre <lb/>
                    <pb n="20"/>Gebete folgten den geliebten Kindern nach. Im Jahr <lb/>
                    <date when="1882-06-14" calendar="#Gregorian">1882</date> wurde unser
                        l<ex>ieber</ex>. Vater nach mehrwöchentlicher <rs type="term" key="Krankheit" ref="-">Krank<g ref="#typoHyphen"/>
                        <lb break="no"/>heit</rs> vom Herrn heimgerufen. Nachdem die
                    l<ex>ieben</ex>. Eltern <lb/>46 Jahr in glücklicher Ehe zusammen gelebt hatten,
                    <lb/>fühlte die l<ex>iebe</ex>. Mutter diesen Verlust tief, doch beugte sie
                    <lb/>sich unter den Willen des Herrn u<ex>nd</ex>. hielt sich fest an <lb/>Seine
                    Verheißung, daß Er der Witwen Trost u<ex>nd</ex>. Berater <lb/>sein wollte
                        u<ex>nd</ex>. der treue Herr beschämte ihren Glauben <lb/>nicht. Wenn sich
                    die l<ex>iebe</ex>. Mutter auch manchmal einsam <lb/>fühlte, suchte
                    u<ex>nd</ex>. fand sie Trost in Seinem Wort u<ex>nd</ex>. <lb/>andern<rs type="term" key="Erbauungsliteratur" ref="http://d-nb.info/gnd/4129866-4">
                        Erbauungsschriften</rs>. Von Herzen dankbar war <lb/>sie dem Herrn, daß Er
                    ihr das Augenlicht bis zuletzt so <lb/>gut erhalten hat, da das Gehör mit dem
                    Alter sehr <lb/>abnahm. Unsre l<ex>iebe</ex>. Mutter erlebte ihre letzten
                        Lebens<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>jahre in der Stille, nahm aber regen Anteil an dem <lb/>Wohl der
                    Gemeine u<ex>nd</ex>. trug auch alle Werke des <lb/>Reiches Gottes inn
                        u<ex>nd</ex>. außerhalb derselben fleißig <lb/>auf betendem Herzen. Eine
                    große Freude schenkte ihr <lb/>
                    <pb n="21"/>der Herr, daß er sie es erleben ließ 2 ihrer Enkelkinder <lb/>an ihr
                    Herz drücken zu dürfen u<ex>nd</ex>. noch in diesem Sommer <lb/>verbrachten sie
                    ihre Ferien recht vergnügt bei der l<ex>ieben</ex>. <lb/>Großmama. Zu Anfang des
                    Jahres wurde der l<ex>ieben</ex>. Mutter im <lb/>Witwenhaus eine Wohnung
                    angeboten, welche sie sich schon <lb/>länger gewünscht hatte u<ex>nd</ex>. da
                    sie fühlte, daß ihr bei zu<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>nehmendem Alter die Besorgung der eigenen Häuslichkeit <lb/>zu
                    schwer wurde, so nahm sie das Anerbieten mit Dank <lb/>an u<ex>nd</ex>. zog
                    Mitte Mai in das Witwenhaus. Hier freute <lb/>sie sich besonders, daß sie das
                    Gotteshaus so nahe hatte u<ex>nd</ex>. <lb/>benutzte, so viel es ihre Kräfte
                    erlaubten die Gelegenheit <lb/>sich mit der Gemeine zu erbauen, zum Segen für
                    ihr Herz. <lb/>Besonders lieb waren ihr unsre schönen liturgischen <lb/>
                    <rs type="term" key="Versammlung" ref="http://d-nb.info/gnd/4133550-8">Versammlungen</rs>. Die Kräfte unsrer gel<ex>iebten</ex>. Mutter nahmen
                    <lb/>aber in der letzten Zeit sichtlich ab. In den ersten Tagen <lb/>des Monats
                    fühlte sie sich besonders schwach. Es trat auch eine <lb/>starke <rs type="term" key="Krankheit" ref="-">Verkältung</rs> dazu, so daß sie sich genötigt sah
                    das <lb/>Bett zu hüten. Der zu Rate gezogene <rs type="term" key="Arzt" ref="http://d-nb.info/gnd/4003157-3">Arzt </rs>erklärte bald <lb/>
                    <pb n="22"/>den Zustand der l<ex>ieben</ex>. Mutter für bedenklich; bei dem
                    <lb/>starken Fieber nahmen ihre Kräfte zusehends ab u<ex>nd</ex>. <lb/>der
                        l<ex>ieben</ex>. Kranken war es bald ausgemacht, daß sie wohl <lb/>bei
                    dieser Gelegenheit vom Herrn abgerufen werden <lb/>würde. Auch sagte sie einmal:
                    Wenn ich doch meinen <lb/>Geburtstag schon beim Heiland feiern dürfte! Bis
                    <lb/>zuletzt war sie bei klarem Bewußtsein. Ihre Gedan<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>ken weilten meist beim Heiland, mit dem Irdischen <lb/>hatte sie
                    abgeschlossen, die Sorge für ihre Lieben hatte <lb/>sie dem Herrn übergeben, nur
                    den einen Wunsch <lb/>hatte sie, daß ihre Kinder, Enkel u<ex>nd</ex>. Verwante
                    mit ihr <lb/>u<ex>nd</ex>. allen vorangegangenen Lieben einst auf ewig <lb/>beim
                    Herr vereinigt sein möchten. Nur selig, <lb/>nur selig! Sehr dankbar war die
                        l<ex>iebe</ex>. Mutter für <lb/>jeden <rs type="term" key="Bibel" ref="-">Bibelspruch</rs> u<ex>nd</ex>. <rs type="term" key="Kirchenlied" ref="http://d-nb.info/gnd/4120567-4">Liedervers</rs>, welcher ihr vorge<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>sagt wurde, besonders wenn die Beängstigungen <lb/>groß wurden.
                    Oft hielt sie uns ihre gefaltenen <lb/>Hände hin, daß wir beten möchten. Die
                        l<ex>iebe</ex>. Kranke freute <lb/>
                    <pb n="23"/>sich über alle Teilnahme, welche sie erfahren <lb/>durfte, besonders
                    auch über den Besuch unseres l<ex>ieben</ex>. <rs type="term" key="Prediger" ref="http://d-nb.info/gnd/4130322-2">Predi<g ref="#typoHyphen"/>
                        <lb break="no"/>gers</rs> u<ex>nd</ex>. ihrer Pflegerin. Die letzte Nacht
                    war für <lb/>die l<ex>iebe</ex>. Mutter eine recht schwere, indem sie durch
                    Husten <lb/>u<ex>nd</ex>. Beängstigung sehr viel zu leiden hatte, sie war
                    <lb/>recht müde u<ex>nd</ex>. sehnte sich sehr nach Ruhe. Am <date when="1891-12-11" calendar="#Gregorian">11.</date> dem <lb/>Tag ihres
                    Geburtstages gegen morgen, merkten <lb/>wir an ihr eine Veränderung
                    u<ex>nd</ex>. es wurde ihr der <lb/>Segen des Herrn zu ihrem Heimgang erteilt.
                    Aber <lb/>der l<ex>iebe</ex>. Herr ließ sie noch warten. Nun lag sie wie ein
                    <lb/>müdes Kind, die Sprache wurde undeutlich, bis sie sich <lb/>endlich nur
                    noch durch Zeichen verständlich machen <lb/>konnte. Die gefalteten Hände zeigten
                    oft nach oben. <lb/>Wir <rs type="term" key="Gesang" ref="http://d-nb.info/gnd/4020470-4">sangen</rs> noch einige <rs type="term" key="Kirchenlied" ref="http://d-nb.info/gnd/4120567-4">Verse</rs>, welche
                    sie, wie es schien <lb/>noch gut verstand. Gegen 2 Uhr Nachmittags wurde der
                    <lb/>Athem immer schwächer u<ex>nd</ex>. fast unbemerkt, ohne jeden
                    <lb/>Todeskampf eilte ihre treuerlöste Seele in die Arme <lb/>ihres Heilandes,
                    nun sieht sie den, an welchen sie hier <lb/>
                    <pb n="24"/> geglaubt u<ex>nd</ex>. den sie geliebt hat, von Angesicht. <lb/>Ihr
                    Alter hat sie gebracht auf 86 Jahre</p>
                <p>
                    <rs type="term" key="Kirchenlied" ref="http://d-nb.info/gnd/4120567-4">O schöner
                        Tag voll Engelswonne! <lb/> O Augenblick voll Ewigkeit, <lb/> Als Christus
                        meine Lebenssonne <lb/> Mich angeblickt im letzten Streit! <lb/>Als ich in
                        meiner Todesstunde <lb/>Vernahm aus Seinem Hirtenmunde: <lb/>Getrost mein
                        bist auf ewig du! <lb/>Mein Geist schwang sich mit Jubelscharen, <lb/>Die um
                        mein Sterbebette waren <lb/>Ins Vaters Haus zur stolzen Ruh.</rs>
                </p>
                <p> Was wir an unsrer treuen Mutter verloren haben, vermö<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>gen wir nicht in Worte zu fassen. Vor allem lag ihr das ewige
                    <lb/>Wohl ihrer Kinder am Herzen, möge der tr<ex>eue</ex>. Heiland die vielen
                    <lb/>Gebete, welche sie für uns zu Ihm <gap unit="chars" quantity="5" reason="illegible"/>gesandt hat, in Gna<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>den erhören u<ex>nd</ex>. uns Alle einst selig machen. Für alle Liebe
                        <lb/>u<ex>nd</ex>. Teilnahme während der Krankheit unsrer
                    gel<ex>iebten</ex>. Mutter, wie auch  <lb/>nach ihrem Heimgang, sprechen wir
                    unseren herzlichsten Dank aus. </p>
            </div>
        </body>
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</TEI>