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			<titleStmt>
				<title>Beschreibung des Niederlausitzer Sorbentums – Verdeutschte oder sich verdeutschende
					Gemeinden an der östlichen Grenze zwischen Guben und Muskau – Die Gemeinde
					Mulknitz und die Filiale Weissagk</title>
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				<edition>
					<title>Arnošt Muka – Statistik der Lausitzer Sorben 1886</title>
				</edition>
				<respStmt>
					<persName>Robert Lorenz</persName>
					<resp>Übersetzer und Herausgeber</resp>
				</respStmt>
			</editionStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Sorbisches Institut, Bautzen</authority>
			</publicationStmt>
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				<bibl>Statistika łužiskich Serbow / Ernst Muka. Budyšin 1884–86</bibl>
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				<pb n=""/>
				<head>XXVII. Die Gemeinde <placeName key="ed_jy3_jbg_z2b">Mulknitz</placeName> und die Filiale
						<placeName key="ed_p5q_pbg_z2b">Weissagk</placeName>.</head>
				<p>Nach <placeName key="ed_jy3_jbg_z2b">Małksa</placeName> (Mulknitz) eingeschult sind
						<placeName key="ed_qkb_r4f_z2b">Boroj</placeName> (Klein- und Groß-Borau),
						<placeName key="ed_bwy_zbg_z2b">Gózd</placeName> (Gozda) ist nach <placeName key="ed_p5q_pbg_z2b">Husoka</placeName> (Weissagk) eingepfarrt. Die <rs type="term" key="ed_ojz_jlh_v2b">Messe</rs> ist an einem Sonntag in der
					einen, am anderen in der zweiten Kirche. </p>
				<p>Die Mulknitzer <rs type="term" key="ed_pl4_zvz_52b">Pfarrer</rs> waren seit dem letzten
					Jahrhundert: 1) Khrystof Gabriel Fabricius; 2) Rohda; 3) Jaenicke; 4) Unwürd; 5)
					Bětkaŕ 1864; 6) Köchel seit 1865.</p>
				<p>Die sorbische Rede beim <rs type="term" key="ed_qhp_wkh_v2b">Gottesdienst</rs> ist in
						<placeName key="ed_jy3_jbg_z2b">Mulknitz</placeName> bereits vor 40 Jahren
					ganz verklungen <note place="mBottom" hand="#author">
                        <persName key="ed_r2y_lws_52b">Andree</persName> gibt auf Seite 176 das Jahr 1825
						an. Damals endete die regelmäßige sorbische <rs type="term" key="ed_kbv_vyh_v2b">Predigt</rs>.</note>, in <placeName key="ed_p5q_pbg_z2b">Weissagk</placeName> wiederum mit dem Tode von Herrn
					Pfarrer Bětkaŕ (Böttger) im Jahre 1865. Bětkaŕ, von Geburt Sorbe, hat in
						<placeName key="ed_p5q_pbg_z2b">Weissagk</placeName> noch bis zum Jahre 1860
					dreimal jährlich nachmittags an den Fastensonntagen auf Sorbisch gepredigt und
					sonst bis zum Jahre 1865 in der <rs type="term" key="ed_ojz_jlh_v2b">Messe</rs>
					das <rs type="term" key="ed_g4c_dfg_x2b">Evangelium</rs> und die Epistel auch in
					Sorbisch gelesen. Außerdem gab es noch jedes Jahr mehrmals die sorbische <rs type="term" key="ed_l5t_bcp_v2b">Beichte</rs>. In der Weissagker <rs type="term" key="ed_jff_vv1_v2b">Schule</rs> hat der <rs type="term" key="ed_prd_5dj_w2b">Sorbischunterricht</rs> bereits im Jahre 1827 mit dem
						<rs type="term" key="ed_lwf_bx1_v2b">Lehrer</rs> Konrady, der seinem
					Handwerk nach Maurer war, gänzlich geendet. Die jetzigen Lehrer in <placeName key="ed_jy3_jbg_z2b">Mulknitz</placeName> und <placeName key="ed_p5q_pbg_z2b">Weissagk</placeName> sind Sorben, der Erste gebürtig
					aus der <rs type="term" key="ed_pp1_jxd_z2b">preußischen</rs> Ober-, der Zweite
					aus der <placeName key="ed_ckp_tws_52b">Niederlausitz</placeName>. </p>
				<p>In <placeName key="ed_jy3_jbg_z2b">Mulknitz</placeName> verstehen noch ein fünftel alte Leute
					Sorbisch, die <rs type="term" key="ed_f32_zy1_v2b">Kinder</rs> hingegen kein
					Wörtlein, aber auf dem <rs type="term" key="ed_us4_gnh_v2b">Herrenhof</rs> leben
					zwei sorbische Mieterfamilien, in denen man Sorbisch spricht; damit sind dort
					insgesamt noch etwa 12 Sorben. Nach Bezeugen des jetzigen Pfarrers redet man in
						<placeName key="ed_jy3_jbg_z2b">Mulknitz</placeName> seit 20 Jahren nicht
					mehr Sorbisch. Wenn hier auch die sorbische <rs type="term" key="ed_agp_nxh_v2b">Sprache</rs> beinahe ausgestorben ist, hält man doch noch größtenteils zur
					sorbischen <rs type="term" key="ed_b5m_fbb_v2b">Tracht</rs>, und das nicht nur
					in <placeName key="ed_jy3_jbg_z2b">Mulknitz</placeName>, sondern in allen <rs type="term" key="ed_vxb_rvz_52b">verdeutschten</rs> Dörfern bei <placeName key="ed_jmv_phg_x2b">Forst</placeName>, von <placeName key="ed_m55_3nf_z2b">Nauendorf</placeName> und <placeName key="ed_o12_j4f_z2b">Sakro</placeName>
					bis nach <placeName key="ed_e5k_3wf_z2b">Siemersdorf</placeName>; vor allem die
						<rs type="term" key="ed_xfs_mnh_v2b">Frauen</rs>
					<rs type="term" key="ed_b5m_fbb_v2b">gehen</rs> dort noch größtenteils mit den
					charakteristischen sorbischen Häubchen, den sogenannten Karneten, die sich aber
					etwas von denen aus <placeName key="ed_kbp_xnf_x2b">Horno</placeName> und
						<placeName key="ed_g2s_zw2_z2b">Lieskow</placeName> unterscheiden. Auch die
					alten <rs type="term" key="ed_ay5_4rh_v2b">Männer</rs>
					<rs type="term" key="ed_b5m_fbb_v2b">gehen</rs> dort noch auf sorbische Weise in
					langen blauen Mänteln. In der <rs type="term" key="ed_bjt_xhg_x2b">Spinnstube</rs> wird freilich nur deutsch gesungen, das Singen von
					Fastenliedern auf dem Dorfplatz aber ist mit dem Absterben des <rs type="term" key="ed_xhw_5rh_v2b">Sorbentums</rs> ganz verschwunden. </p>
				<pb n=""/>
				<p>
                    <placeName key="ed_p5q_pbg_z2b">Weissagk</placeName> hat 650 Einwohner, die mehrheitlich alle
					Sorben sind; es gibt über 50 sorbische <rs type="term" key="ed_p3z_krh_v2b">Familien</rs>, wo man auch mit den <rs type="term" key="ed_f32_zy1_v2b">Kindern</rs> sorbisch spricht und 20 deutsche oder solche, die sich zum
					Deutschen oder für <rs type="term" key="ed_hzf_rv1_v2b">Deutsche</rs> halten,
					wie zum Beispiel der <rs type="term" key="ed_lwf_bx1_v2b">Lehrer</rs>, der nach
					Meinung der Leute hier der <rs type="term" key="ed_j1f_zwj_w2b">„hawptněmc“</rs>
					[Mukas Zitat; also der „Hauptdeutsche“, R.L.] ist. Meist ist in diesen deutschen
					Familien der <rs type="term" key="ed_ay5_4rh_v2b">Mann</rs>
					<rs type="term" key="ed_hzf_rv1_v2b">Deutscher</rs>, und so betrachtet sich auch
					die gesamte Familie als deutsch; doch 4 der deutschen Männer verstehen und
					sprechen auch Sorbisch, wogegen in einer Familie, wo die Mutter Deutsche ist,
					man mit den Kindern nur Deutsch redet. Nach der Aussage des <rs type="term" key="ed_lwf_bx1_v2b">Lehrers</rs> aus <placeName key="ed_jy3_jbg_z2b">Mulknitz</placeName> und eines sorbischen <rs type="term" key="ed_mwk_vy1_v2b">Bauern</rs> sowie des deutschen <rs type="term" key="ed_zrd_mr4_v2b">Schmiedes</rs> aus <placeName key="ed_p5q_pbg_z2b">Weissagk</placeName>, sprechen im letzteren Dorf die <rs type="term" key="ed_oj3_twj_w2b">Eltern</rs> mit ihren Kindern sorbisch, und die Kinder
					der deutschen Eltern können alle auch gut Sorbisch und sprechen, wenn sie mit
					den sorbischen Kindern im Dorf spielen, mit ihnen Sorbisch. In der <rs type="term" key="ed_jff_vv1_v2b">Schule</rs> aber müssen sie gewiss alle nur
					deutsch sprechen, und so berichtete auch der Weissagker <rs type="term" key="ed_lwf_bx1_v2b">Lehrer</rs> anders als meine früheren Zeugen davon,
					dass er in der Schule 130 Kinder habe, von denen nur an die 10 noch Sorbisch
					verstünden und dass im Dorf nur noch 10 Familien seien, die so recht an der
					alten <rs type="term" key="ed_uh3_nxh_v2b">Sitte</rs> hängend zu Hause noch
					sorbisch sprächen. So käme auf jeder dieser <rs type="term" key="ed_p3z_krh_v2b">Familien</rs> ein sorbisches Kind. Die Erwachsenen sprechen aber, wie er
					fortfuhr, wenig und ungern Sorbisch (sicherlich nicht mit ihm, da sie wissen
					oder meinen, dass er der „Hauptdeutsche“ ist). In der <rs type="term" key="ed_bjt_xhg_x2b">Spinnstube</rs> singen die jungen <rs type="term" key="ed_qcv_qnh_v2b">Mädchen</rs>, wie der Lehrer selbst zugab, meist noch
					Sorbisch, die Fastenlieder auf dem Dorfplatz seit dem Jahre 1870 aber nur noch
					Deutsch, da er ihnen das Sorbischsingen verboten hatte. In der <rs type="term" key="ed_vfm_ry1_v2b">Kirche</rs> singt man aber wohl nicht Sorbisch. – Die
						<rs type="term" key="ed_b5m_fbb_v2b">Frauen- und Männertracht</rs> ist hier
					noch sorbisch. </p>
				<p>Demnach hat <placeName key="ed_p5q_pbg_z2b">Weissagk</placeName> mindestens 2/3 = 433
					sorbische Einwohner, Sorbisch verstehen von ihnen aber wenigstens 500, weswegen
					man das Dorf noch zu den sorbischen zählen muss, entgegen der Festlegung auf der
						<persName key="ed_m1h_xvs_52b">Smolerschen</persName> und der <persName key="ed_r2y_lws_52b">Andreeschen</persName>
					<rs type="term" key="ed_w2h_txs_52b">Karte</rs>, auf denen es bereits in der <rs type="term" key="ed_vxb_rvz_52b">verdeutschten</rs> Gegend lag. </p>
				<p>
                    <placeName key="ed_bwy_zbg_z2b">Gozda</placeName> und <placeName key="ed_z5x_n2g_z2b">Dubrau</placeName>. In jedem der zwei Dörfer leben um die 160 Einwohner.
					Gozda besitzt die <rs type="term" key="ed_jff_vv1_v2b">Schule</rs>, zu der auch
					die Dubrauer Kinder gehen, Dubrau hingegen hat die Filialkirche, die zu
						<placeName key="ed_x5d_spf_z2b">Nossdorf</placeName> gehört. In die <rs type="term" key="ed_jff_vv1_v2b">Schule</rs> gehen 60 <rs type="term" key="ed_f32_zy1_v2b">Kinder</rs>, darunter 8 sorbische, die der <rs type="term" key="ed_lwf_bx1_v2b">Lehrer</rs>, da sie nicht zur Gänze Deutsch
					verstanden, im ersten Schuljahr auch auf Sorbisch <rs type="term" key="ed_prd_5dj_w2b">unterrichtete</rs>; es sind dies Kinder von
					Gutsarbeitereltern auf den <rs type="term" key="ed_us4_gnh_v2b">Herrenhöfen</rs>
					dieser zwei Dörfer. Die Kinder der anderen Einwohner beherrschen </p>
				<pb n=""/>
				<p>dort aber angeblich kein Sorbisch. In der <rs type="term" key="ed_jff_vv1_v2b">Schule</rs>
					wird seit dem Jahre 1854 Sorbisch nicht mehr unterrichtet. Vor 25 Jahren sprach
					in <placeName key="ed_bwy_zbg_z2b">Gozda</placeName> noch der größere Teil der
					Einwohner Sorbisch, jetzt sind dort aber nur noch etwa 50 ältere Sorben, die
					Sorbisch sprechen, wenn sie in die benachbarten sorbischen Dörfer kommen. In
						<placeName key="ed_z5x_n2g_z2b">Dubrau</placeName> reden die Alten noch
					Sorbisch; wenn sie zwischen 20 – 40 Jahren sind, verstehen die meisten es noch,
					sprechen es aber nur wenig und teilweise sehr schlecht, wie ich selbst hörte.
					Demnach sind dort wenigstens noch 80 Sorbisch verstehende und es zeitweise
					sprechende Einwohner. Diese Nachricht trug mir der Gozdaer <rs type="term" key="ed_lwf_bx1_v2b">Lehrer</rs> Bězk zu, gebürtig aus <placeName key="ed_fzc_jfg_z2b">Sergen</placeName>, ein ergrauter gebeugter Greis, den
					beinahe jedes deutsche Wort als Sorben verriet. </p>
				<pb n=""/>
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