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				<title>Beschreibung des Niederlausitzer Sorbentums – Das Sorbentum im Spremberger Kreis – Die
					Gemeinde Jessen</title>
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					<title>Arnošt Muka – Statistik der Lausitzer Sorben 1886</title>
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				<respStmt>
					<persName>Robert Lorenz</persName>
					<resp>Übersetzer und Herausgeber</resp>
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			<publicationStmt>
				<authority>Sorbisches Institut, Bautzen</authority>
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				<bibl>Statistika łužiskich Serbow / Ernst Muka. Budyšin 1884–86</bibl>
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				<pb n=""/>
				<head>XXXVII. Die Gemeinde <placeName key="ed_nvs_gbm_z2b">Jessen</placeName>.</head>
				<p>Zur Jessener Gemeinde gehören die Dörfer: <placeName key="ed_nvs_gbm_z2b">Jaseń</placeName>
					(Jessen), <placeName key="ed_sdp_ydn_z2b">Lutoboŕ</placeName> (Pulsberg),
						<placeName key="ed_mtd_c2n_z2b">Terp</placeName> (Terpe, <rs type="term" key="ed_s31_rxs_52b">ein Grenzdorf</rs>), <placeName key="ed_qct_h2n_z2b">Gózdź</placeName> (Smoler Gózd, deutsch Gozda), <placeName key="ed_szb_s2n_z2b">Prožym</placeName> (Proschim). Als Gastdörfer haben
					folgende Dörfer das Recht, in <placeName key="ed_nvs_gbm_z2b">Jessen</placeName>
					die <rs type="term" key="ed_ojz_jlh_v2b">Messe</rs> und die <rs type="term" key="ed_l5t_bcp_v2b">Beichte</rs> zu besuchen: <placeName key="ed_tfn_z2n_z2b">Rajc</placeName> (Roitz), zu <placeName key="ed_sk3_1l4_v2b">Stradow</placeName> gehörig, und <placeName key="ed_o3s_cfn_z2b">Zabrod</placeName> (Sabrodt), ein Oberlausitzer Dorf,
					das zu <placeName key="ed_hkj_hyk_n2b">Bluń</placeName> (Bluno) im Hoyerswerdaer
					Diakonat gehört; dafür ist andererseits das abgelegene <placeName key="ed_szb_s2n_z2b">Proschim</placeName> Gastdorf von <placeName key="ed_hkj_hyk_n2b">Bluno</placeName> und <placeName key="ed_kyr_wwh_v2b">Welzow</placeName>. </p>
				<p>
					<placeName key="ed_o3s_cfn_z2b">Sabrodt</placeName> ist <rs type="term" key="ed_obb_yrh_v2b">ganz sorbisch</rs>, ebenso <placeName key="ed_mtd_c2n_z2b">Terpe</placeName> mit 550 Einwohnern, <placeName key="ed_nvs_gbm_z2b">Jessen</placeName> (444 Einwohner) mit Ausnahme von
					fünf Familien und <placeName key="ed_szb_s2n_z2b">Proschim</placeName> (400
					Einwohner) bis auf zwei Familien. In diesen Dörfern wird daheim und auf der
					Straße nur sorbisch gesprochen, und die <rs type="term" key="ed_f32_zy1_v2b">Schulkinder</rs> unterhalten sich beim Spielen auf dem Anger in Sorbisch.
					Nach Aussage von Herrn <rs type="term" key="ed_pl4_zvz_52b">Pfarrer</rs> Lehmann
					aus <placeName key="ed_zzq_2bm_z2b">Groß-Luja</placeName> gibt es in der
					Jessener Gemeinde noch viele Leute, die nicht ein Wörtlein Deutsch verstehen,
					doch bei all dem haben sie einen deutschen Geistlichen! Nach meiner eigenen
					Erfahrung ist <placeName key="ed_mtd_c2n_z2b">Terpe</placeName> das am stärksten
					und <rs type="term" key="ed_obb_yrh_v2b">reinsten sorbische</rs> Dorf. Nach der
					wenig glaubwürdigen Auskunft, die mir von der <rs type="term" key="ed_j1f_zwj_w2b">deutschelnden</rs>
					<rs type="term" key="ed_lwf_bx1_v2b">Lehrersfrau</rs> gegeben wurde, ist
					allerdings in <placeName key="ed_szb_s2n_z2b">Proschim</placeName> ein Fünftel
					der Einwohner deutsch, das heißt <rs type="term" key="ed_vxb_rvz_52b">verdeutscht</rs>. – Wegen der vielen <rs type="term" key="ed_ovm_nwh_v2b">fremden</rs>
					<rs type="term" key="ed_rfk_rz1_v2b">Arbeiter</rs> zum Teil deutsch sind zwei
					Dörfer: <placeName key="ed_qct_h2n_z2b">Gozda</placeName>, das zusammen mit der
						<rs type="term" key="ed_c5k_dv1_v2b">Glashüttenkolonie</rs> Heidemühl etwa
					720-730 Einwohner hat; die gesamte zur <rs type="term" key="ed_c5k_dv1_v2b">Glashütte</rs> gehörende Einwohnerschaft ist entweder <rs type="term" key="ed_vhf_xz1_v2b">tschechisch</rs> oder deutsch und macht die Hälfte aus;
					die andere Hälfte der <placeName key="ed_qct_h2n_z2b">Gozdaer</placeName> ist
					ebenso gut sorbisch wie in den anderen Dörfern; <placeName key="ed_sdp_ydn_z2b">Pulsberg</placeName> hat 350 Einwohner, von ihnen sind 200 <rs type="term" key="ed_ovm_nwh_v2b">Fremde</rs> und keine Sorben; sie sind <rs type="term" key="ed_rfk_rz1_v2b">Arbeiter</rs> in den <rs type="term" key="ed_qxg_ylh_v2b">Braunkohlebergwerken</rs> und Spremberger <rs type="term" key="ed_enr_1mh_v2b">Fabriken</rs>. Aus <placeName key="ed_tfn_z2n_z2b">Roitz</placeName> (mit ca. 200 Einwohnern) schuftet
					gleichfalls die Hälfte der Einwohner, die mehrheitlich aus der <rs type="term" key="ed_ovm_nwh_v2b">Fremde</rs> sind, in <placeName key="ed_dtj_351_v2b">Spremberg</placeName>; auch von den Sorben haben sich dort einige <rs type="term" key="ed_vxb_rvz_52b">verdeutscht</rs>. </p>
				<p> Die sorbische <rs type="term" key="ed_kbv_vyh_v2b">Predigt</rs> endete in <placeName key="ed_nvs_gbm_z2b">Jessen</placeName> mit <rs type="term" key="ed_pl4_zvz_52b">Pfarrer</rs> Bětkar (Böttcher), der um das Jahr 1865
					aus Krankheitsgründen aus dem Kirchendienst</p>
				<pb n=""/>
				<p>austrat und nach <placeName key="ed_txd_334_v2b">Cottbus</placeName> verzog. Nach ihm bot
					sich ein guter sorbischer Geistlicher zur Berufung an, aber der Grundherr als
					Kollator hatte die Gemeinde gezwungen, einen deutschen <rs type="term" key="ed_pl4_zvz_52b">Pfarrer</rs> zu wählen, nachdem der erwählte Pfarrer
					Pachaly ihr feierlich versprach, dass er Sorbisch lernen und predigen wolle. Er
					erfüllte sein Versprechen aber nicht. Der ihm nachfolgende <rs type="term" key="ed_pl4_zvz_52b">Pfarrer</rs> Wiedner (?), ebenfalls ein <rs type="term" key="ed_hzf_rv1_v2b">Deutscher</rs>, ließ sich vom Terpner Lehrer 4-5mal die
						<rs type="term" key="ed_kbv_vyh_v2b">Predigt</rs> ins Sorbische übersetzen,
					damit er sie dann vorlesen könne. Dann zog er aber bald ebenso wie Pachaly bei
					einer guten Gelegenheit weiter, wohl weil er erkannt hatte, dass er auf der
					falschen Stelle war. Sein Amtsnachfolger machte sich nicht einmal mehr die Mühe,
					bisweilen die sorbische <rs type="term" key="ed_kbv_vyh_v2b">Predigt</rs> zu
					lesen; lediglich dieser oder jener Gemeindelehrer darf noch hier und da bei der
					Vesper die sorbische Predigt vorlesen, „um dem Bedürfnis nachzukommen“ [im
					Original deutsch; R.L.], wenn sich der Pfarrer den Bitten und Forderungen der
					Gemeindeglieder nach sorbischer <rs type="term" key="ed_kbv_vyh_v2b">Predigt</rs> nicht entziehen kann. – Die Pfarrstelle erhält 2550 Mark
					Einkommen. </p>
				<p>
					<rs type="term" key="ed_jff_vv1_v2b">Schulen</rs> befinden sich 1) in <placeName key="ed_nvs_gbm_z2b">Jessen</placeName> (für Jessen, <placeName key="ed_qct_h2n_z2b">Gozda</placeName>, <placeName key="ed_sdp_ydn_z2b">Pulsberg</placeName>), 2) in <placeName key="ed_mtd_c2n_z2b">Terpe</placeName>, 3) in <placeName key="ed_szb_s2n_z2b">Proschim</placeName>, 4) in der <rs type="term" key="ed_c5k_dv1_v2b">Glashütte</rs>
					<placeName key="ed_qct_h2n_z2b">Heidemühl</placeName>. Nur in der Letzteren ist
					der <rs type="term" key="ed_lwf_bx1_v2b">Lehrer</rs> von Geburt <rs type="term" key="ed_hzf_rv1_v2b">Deutscher</rs>; Sorbisch wird aber in keiner mehr <rs type="term" key="ed_prd_5dj_w2b">unterrichtet</rs> oder (außer in <placeName key="ed_mtd_c2n_z2b">Terpe</placeName>) gesprochen. – Der <rs type="term" key="ed_fnt_3dt_w2b">Konfirmandenunterricht</rs> ist angeblich schon unter
					Bětkar deutsch gewesen. – Die <rs type="term" key="ed_ohv_fq2_z2b">Osterlieder</rs>, die man in dieser Gemeinde von Ostern bis zu Himmelfahrt
					singt, sind in <placeName key="ed_nvs_gbm_z2b">Jessen</placeName> deutsch, in
						<placeName key="ed_mtd_c2n_z2b">Terpe</placeName>, <placeName key="ed_szb_s2n_z2b">Proschim</placeName> und <placeName key="ed_qct_h2n_z2b">Gozda</placeName> sorbisch.</p>
				<p>In der <rs type="term" key="ed_bjt_xhg_x2b">Spinnstube</rs> singt man in <placeName key="ed_nvs_gbm_z2b">Jessen</placeName> und den anderen Dörfern sorbisch und
					deutsch, in <placeName key="ed_mtd_c2n_z2b">Terpe</placeName> nur sorbisch. –
					Die <rs type="term" key="ed_b5m_fbb_v2b">Frauentracht</rs> ist in <placeName key="ed_nvs_gbm_z2b">Jessen</placeName> und <placeName key="ed_qct_h2n_z2b">Gozda</placeName> zum Teil deutsch, in <placeName key="ed_mtd_c2n_z2b">Terpe</placeName> und <placeName key="ed_szb_s2n_z2b">Proschim</placeName>
					nur sorbisch.</p>
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