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				<title>Beschreibung des Niederlausitzer Sorbentums – Das Sorbentum um Cottbus – Die Gemeinde
					Madlow</title>
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					<title>Arnošt Muka – Statistik der Lausitzer Sorben 1886</title>
				</edition>
				<respStmt>
					<persName>Robert Lorenz</persName>
					<resp>Übersetzer und Herausgeber</resp>
				</respStmt>
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			<publicationStmt>
				<authority>Sorbisches Institut, Bautzen</authority>
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				<bibl>Statistika łužiskich Serbow / Ernst Muka. Budyšin 1884–86</bibl>
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				<head>XLII. Die Gemeinde <placeName key="ed_o4b_tt3_hfb">Madlow</placeName>.</head>
				<p>Zu dieser Gemeinde zählen die Dörfer: <placeName key="ed_o4b_tt3_hfb">Módłej</placeName>
					(Madlow) mit 565, <placeName key="ed_mlg_cx3_hfb">Kibuš</placeName> (Kikebusch)
					mit 316 und <placeName key="ed_vff_fx3_hfb">Knorawa</placeName> (Sachsendorf)
					mit 725 Einwohnern. – Am Ende des Jahres 1883 zählte die Madlower Gemeinde 1614
					Seelen. Die Gemeinde ist noch sorbisch, aber von Seiten der <rs type="term" key="ed_jff_vv1_v2b">Schule</rs> und <rs type="term" key="ed_vfm_ry1_v2b">Kirche</rs> ziemlich <rs type="term" key="ed_vxb_rvz_52b">verdeutscht</rs>.
					Im Jahre 1873 hat man hier mit der sorbischen <rs type="term" key="ed_kbv_vyh_v2b">Predigt</rs> ganz aufgehört; bis zu diesem Jahr hat
					dort der Herr <rs type="term" key="ed_pl4_zvz_52b">Pfarrer</rs> lic. theol.
					Sauer, ein gebürtiger <rs type="term" key="ed_hzf_rv1_v2b">Deutscher</rs>, noch
					hin und wieder die <rs type="term" key="ed_l5t_bcp_v2b">Beichte</rs> sorbisch
					abgehalten und für diesen Zweck Sorbisch gelernt. Die größte Schuld an der
					Vernichtung der sorbischen <rs type="term" key="ed_c2s_mvz_52b">Nationalität</rs> trägt auch hier die <rs type="term" key="ed_jff_vv1_v2b">Schule</rs>. Seit Beginn dieses Jahrhunderts war dort der <rs type="term" key="ed_lwf_bx1_v2b">Lehrer</rs> Pjataŕ, ein gebürtiger Sorbe, nach eigener
					Aussage aber Spanier (pia atra!): dieser (anima) pia-atra hat jedes <rs type="term" key="ed_f32_zy1_v2b">Kind</rs> für jedes sorbische Wörtlein, das
					es in der Schule muckste, ein Geldstück zahlen lassen. Diese Wüterei hat dazu
					verholfen, dass heute in <placeName key="ed_o4b_tt3_hfb">Madlow</placeName> nur
					noch die kleinste Zahl der Schulkinder Sorbisch versteht, die anderen aber sind
					noch sorbisch. Dafür ist <placeName key="ed_mlg_cx3_hfb">Kikebusch</placeName>
					ein völlig sorbisches Dorf ohne auch nur eine einzige deutsche oder <rs type="term" key="ed_vxb_rvz_52b">verdeutschte</rs> Familie oder Person.
						<placeName key="ed_vff_fx3_hfb">Sachsendorf</placeName> war von Beginn an
					eine gänzlich deutsche Siedlung, welche vor 100 Jahren (1783) von <persName key="ed_gbm_4z3_hfb">Friedrich dem Großen</persName> gegründet und
					Kolonisten aus <rs type="term" key="ed_r1w_cz3_hfb">Sachsen</rs> – daher in
					Deutsch <placeName key="ed_vff_fx3_hfb">Sachsendorf</placeName> – übertragen
					wurde; mit der Zeit haben sich dort aber auch einige Sorben angesiedelt, die
					sich, obwohl sie mit ihren deutschen Mitdörflern meist in den Cottbusser
					deutschen <rs type="term" key="ed_enr_1mh_v2b">Fabriken</rs> arbeiten, ihr
					sorbisches <rs type="term" key="ed_j4n_cz3_hfb">Volkstum</rs> bewahrt haben. </p>
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