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				<title>Statistik der Oberlausitzer Sorben des Königreichs Preußen – Beschreibung der
					preußisch-oberlausitzischen Sorben – Das Sorbentum um Ruhland </title>
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				<edition>
					<title>Arnošt Muka – Statistik der Lausitzer Sorben 1886</title>
				</edition>
				<respStmt>
					<persName>Robert Lorenz</persName>
					<resp>Übersetzer und Herausgeber</resp>
				</respStmt>
			</editionStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Sorbisches Institut, Bautzen</authority>
			</publicationStmt>
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				<bibl>Statistika łužiskich Serbow / Ernst Muka. Budyšin 1884–86</bibl>
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			<pb n=""/>
			<head>XV. (24.) Das <rs type="term" key="ed_xhw_5rh_v2b">Sorbentum</rs> um <placeName key="ed_vwq_54h_v2b">Ruhland</placeName>.</head>
			<p>Die Ruhlander Gemeinde hat die Pfarrkirche in der <rs type="term" key="ed_v4v_5lh_v2b">Stadt</rs>
				<placeName key="ed_vwq_54h_v2b">Rólany</placeName> (Ruhland) und eine kleine Kapelle
				auf dem Gutshof von Guteborn. Dörfer: 1. <placeName key="ed_tn3_m5h_v2b">Bělno</placeName> (Biehlen), 2. <placeName key="ed_vh4_x5h_v2b">Čorna
					Woda</placeName> (Schwarzbach), 3. <placeName key="ed_um2_zfh_5fb">Wudwor</placeName> (Guteborn), 4. <placeName key="ed_jjj_dgh_5fb">Hermanecy</placeName> (Hermsdorf bei Ruhland) zusammen mit <placeName key="ed_kxz_hgh_5fb">Lipsa</placeName> (Lipsa) und <placeName key="ed_sh4_cth_v2b">Janojcy</placeName> (Jannowitz).</p>
			<p> Wenn auch in dieser umfangreichen Gemeinde der sorbische <rs type="term" key="ed_qhp_wkh_v2b">Gottesdienst</rs> bereits im vergangenen 18. Jahrhundert aufhörte, hatte die
				sorbische <rs type="term" key="ed_agp_nxh_v2b">Sprache</rs> im 1. Viertel unseres
				19. Jahrhunderts zumindest in den Dörfern <placeName key="ed_tn3_m5h_v2b">Biehlen</placeName>, <placeName key="ed_vh4_x5h_v2b">Schwarzbach</placeName>
				und <placeName key="ed_um2_zfh_5fb">Guteborn</placeName> noch die Herrschaft,</p>
			<pb n=""/>
			<p>während die <placeName key="ed_jjj_dgh_5fb">Hermsdorfer</placeName> Gemeinde damals bereits in
				starker <rs type="term" key="ed_vxb_rvz_52b">Verdeutschung</rs> begriffen war,
				vielleicht wie jetzt <placeName key="ed_v3x_2ph_v2b">Hohenbocka</placeName>. Dass
				man in <placeName key="ed_jjj_dgh_5fb">Hermsdorf</placeName> und <placeName key="ed_kxz_hgh_5fb">Lipsa</placeName> noch im Jahre 1860 offiziell 227 bzw. 193
				Sorben zählte, ist ein Irrtum; ohne Zweifel wollte der <rs type="term" key="ed_grx_pwh_v2b">Dorfschulze</rs> damit Leute sorbischer Abkunft
				kennzeichnen, nicht jedoch sorbische Sprachfähige. Die ersten drei Dörfer waren
				allerdings 1860 tatsächlich noch zum Teil sorbisch, vor allem <placeName key="ed_vh4_x5h_v2b">Schwarzbach</placeName>, wo damals 85 Sorben ihre <rs type="term" key="ed_ech_ztm_sfb">Nationalität</rs> offen bekannten. Und selbst
				heute zeichnet sich dieser Ort von allen dreien als am stärksten sorbisch aus. Der
				dort geborene <rs type="term" key="ed_mwk_vy1_v2b">Bauer</rs> Panaš, der sehr gut
				Sorbisch konnte, bezeugte 1884 wie folgt: „Sorbisch reden unter uns 9, verstehen tun
				es aber auch viele andere, mindestens 50 Leute; ganz sorbisch ist keine <rs type="term" key="ed_p3z_krh_v2b">Familie</rs> mehr, weil man mit den Kindern
				deutsch spricht; und diese verstehen Sorbisch auch überhaupt nicht.“ Das Dorf ist
				schön und neu. </p>
			<p> Die sorbischsten Familien sind: Holink (Holling), Škodawk, Munak (Młynak?), Fidleŕ
				2, Bělik, Panaš. </p>
			<p>
				<placeName key="ed_tn3_m5h_v2b">Biehlen</placeName> ist jetzt ein beinahe völlig <rs type="term" key="ed_vxb_rvz_52b">verdeutschtes</rs> Dorf, der gößere Teil der
				über Fünfzigjährigen versteht aber noch Sorbisch und spricht es zur Not; im
				Gemeindehaus lebt eine Sorbin aus <placeName key="ed_pmf_p51_v2b">Hosena</placeName>. „Vor 20 Jahren waren hier“, wie die Leute sagten, „noch viele
				Wenden, aber dieses Geschlecht ist zumeist ausgestorben.“ <placeName key="ed_tn3_m5h_v2b">Biehlen</placeName> ist ein schönes großes, reiches Dorf,
				das <rs type="term" key="ed_crx_btg_jfb">Bauerngüter</rs> wie Burgen besitzt.</p>
			<p> Sorbische <rs type="term" key="ed_kl4_vvd_rfb">Familiennamen</rs> sind dort unter
				anderem: Krokanc, Leńk, Kosak, Nowak, Šucan, Nodin (?), Drogula (d. Drokla), Hencka,
				Kubiš, Mička, Medga (?), Bar (verd. Bahr), Pysank, Huzlik, Połleńk (verd.
				Pohling).</p>
			<p> In <placeName key="ed_um2_zfh_5fb">Guteborn</placeName> sind bereits alle dort geborenen
				Sorben verstorben, nur zwei Personen, die in neuerer Zeit zugezogen sind, verstehen
				und sprechen Sorbisch. Die ältesten Leute können sich nicht erinnern, dass je in der
					<rs type="term" key="ed_vfm_ry1_v2b">Kirche</rs> sorbisch <rs type="term" key="ed_kbv_vyh_v2b">gepredigt</rs> oder in der <rs type="term" key="ed_jff_vv1_v2b">Schule</rs> unterrichtet worden wäre. Die jungen <rs type="term" key="ed_qcv_qnh_v2b">Mädchen</rs> haben vor Kurzem damit aufgehört,
				auf dem Anger Fastenlieder (freilich deutsche) zu singen, da sie dabei „frieren“. </p>
			<p> Sorbische <rs type="term" key="ed_kl4_vvd_rfb">Familiennamen</rs>: Šćěpank
				(Zschippang), Połleńk (Pohling), Brězynk, Pisang, Holling. – Flurnamen: Rohač,
				Batrwač, Łučik, Zabroz´n, Łazy, Fumingen (Wumjeńki), Dubrau (= Dubrawa).</p>
			<p>
				<placeName key="ed_kxz_hgh_5fb">Lipsa</placeName> ist völlig <rs type="term" key="ed_vxb_rvz_52b">verdeutscht</rs>, die einzige Frau, die dort Sorbisch
				versteht, ist aus sorbischer Gegend zugezogen. </p>
			<pb n=""/>
			<p>
				<rs type="term" key="ed_wwc_zsz_tfb">Feldnamen</rs>: Hunjenk (Wumjeńk), Selšk´n
				(Zelišća), Graj (Kraj), Kročic´n (Kročica), Punač (?), Lěsnzan (d. i. Lěsny zahon;
				dort war noch vor Kurzem Wald). </p>
			<p> In der <rs type="term" key="ed_v4v_5lh_v2b">Stadt</rs>
				<placeName key="ed_vwq_54h_v2b">Ruhland</placeName> selbst waren 1840: 119 und 1860:
				26 Sorben, jetzt sind ihrer dort um die 30; freilich sind sie aus sorbischen
				Gegenden als Dienstleute, <rs type="term" key="ed_rfk_rz1_v2b">Arbeiter</rs> usw.
				hergezogen. </p>
			<pb n=""/>
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