<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:telota="http://www.telota.de" xml:id="RoLoArMuStatistika_2_B_27">
    <teiHeader>
        <fileDesc>
			<titleStmt>
				<title>Statistik der Oberlausitzer Sorben des Königreichs Preußen – Beschreibung der
					preußisch-oberlausitzischen Sorben – Die Weigersdorfer altlutherische
					Gemeinde</title>
			</titleStmt>
			<editionStmt>
				<edition>
					<title>Arnošt Muka – Statistik der Lausitzer Sorben 1886</title>
				</edition>
				<respStmt>
					<persName>Robert Lorenz</persName>
					<resp>Übersetzer und Herausgeber</resp>
				</respStmt>
			</editionStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Sorbisches Institut, Bautzen</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Statistika łužiskich Serbow / Ernst Muka. Budyšin 1884–86</bibl>
			</sourceDesc>
        </fileDesc>
    </teiHeader>
    <text>
		<body>
			<pb n=""/>
			<head>XXVII. (37.) Die <placeName key="ed_jdj_hcv_sfb">Weigersdorfer</placeName>
				<rs type="term" key="ed_hw2_dcv_sfb">altlutherische</rs> Gemeinde.</head>
			<p>Zur Weigersdorfer <rs type="term" key="ed_hw2_dcv_sfb">altlutherischen</rs> Gemeinde gehören
				die Lutheraner aus <placeName key="ed_jdj_hcv_sfb">Weigersdorf</placeName>,
					<placeName key="ed_edk_zcw_5fb">Dauban</placeName>, <placeName key="ed_sxd_4q1_vfb">Gross-Saubernitz</placeName>, <placeName key="ed_owg_vq1_vfb">Ober-Prauske</placeName>, <placeName key="ed_nh5_4l5_5fb">Gebelzig</placeName>, <placeName key="ed_nzx_yz1_vfb">Maltitz</placeName>,
					<placeName key="ed_rfp_qgf_5fb">Förstgen</placeName>, <placeName key="ed_xzd_p3w_5fb">Nieder-Oelsa</placeName> und <placeName key="ed_wrj_53w_5fb">Leipgen</placeName>. Die sorbische und deutsche <rs type="term" key="ed_ojz_jlh_v2b">Messe</rs> wird jeden Sonntag gehalten, die
				sorbische <rs type="term" key="ed_l5t_bcp_v2b">Beichte</rs> an jedem zweiten und die
				deutsche an jedem sechsten Sonntag abgenommen, nur an diesem sechsten Sonntag ist
				die deutsche Messe vor der sorbischen. Diese Ordnung besteht seit dem Beginn der
				Gemeinde 1843. Jeden Sonntag erscheinen durchschnittlich 200 – 300 sorbische und 25
				– 40 deutsche Kirchgänger. Der <rs type="term" key="ed_fnt_3dt_w2b">Konfirmandenunterricht</rs> erfolgt gemeinsam, zum Teil auf Sorbisch, zum Teil
				auf Deutsch. </p>
			<p>
				<rs type="term" key="ed_pl4_zvz_52b">Pfarrer</rs> waren: 1. Gossner; 2. <persName key="ed_nfk_k1b_vfb">Jan Kilian</persName>, ٭ 1811, erster ständiger Geistlicher
				1847 – 54, zog nach Texas, † 1884 in Serbin; 3. Vincenc Klein aus <rs type="term" key="ed_rpb_pb2_5fb">Böhmen</rs>; 4. Gotthold Albert; 5. G. A. Gumlich, ٭ 1828
				in Hagenau in <rs type="term" key="ed_mgw_qgw_5fb">Schlesien</rs>, 1855 – 62,
				Fortgang nach Berlin als Professor am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium; 6. Albert Ebert
				aus <placeName key="ed_rpg_sh4_v2b">Dresden</placeName>, 1862 – 65, vorher <rs type="term" key="ed_hw2_dcv_sfb">altlutherischer</rs> Pfarrer in <placeName key="ed_c3j_tjh_jfb">Döbbrick</placeName> bei Cottbus, danach in Gröditz; 7. A.
				Julius Greve, ٭ 3. März 1832 in Gütersloh, 1865 – 75, Fortgang an eine Pfarrstelle
				in Düsseldorf, jetzt Dozent in Breslau; 8. Matej Urban, ٭ 13. Jul. 1840 in
					<placeName key="ed_jft_yg5_5fb">Tauer</placeName>, seit 1875. Von diesen
				Geistlichen sind der zweite und der letzte <rs type="term" key="ed_tmp_xbn_sfb">gebürtige</rs> Sorben, die anderen gebürtige Deutsche, die aber alle Sorbisch
				lernten und <rs type="term" key="ed_kbv_vyh_v2b">predigten</rs>. </p>
			<p>
				<rs type="term" key="ed_jff_vv1_v2b">Schule</rs> in <placeName key="ed_jdj_hcv_sfb">Weigersdorf</placeName>: sie besuchen alle Kinder aus Weigersdorf und die <rs type="term" key="ed_hw2_dcv_sfb">altlutherischen</rs> aus <placeName key="ed_edk_zcw_5fb">Dauban</placeName>, <placeName key="ed_sxd_4q1_vfb">Gross-Saubernitz</placeName> und <placeName key="ed_owg_vq1_vfb">Prauske</placeName>. Diese altlutherische Schule war zunächst privat, erhielt
				allerdings im Jahre 1868 die Öffentlichkeit, und seit dieser Zeit sind ihr auch die
				landeskirchlichen Kinder aus Weigersdorf zugewiesen. Darin gebraucht man in allen
				drei Klassenstufen, besonders in der dritten, bei der Unterweisung in <rs type="term" key="ed_scm_njk_w2b">Religion</rs> auch die sorbische <rs type="term" key="ed_agp_nxh_v2b">Sprache</rs>, und alle sorbischen <rs type="term" key="ed_f32_zy1_v2b">Kinder</rs> (mit Ausnahme der
				landeskirchlichen, die zur <placeName key="ed_pc3_blw_5fb">Gross-Radischer</placeName> Gemeinde gehören) lernen den <rs type="term" key="ed_zy1_x2g_x2b">Katechismus</rs>, die Bibelverse und die <rs type="term" key="ed_ijp_jlh_v2b">Kirchenlieder</rs> in ihrer Sprache. Ebenfalls lesen sie in
				der 1. und 2. Klasse wöchentlich eine</p>
			<pb n=""/>
			<p>Stunde auf Sorbisch aus der <rs type="term" key="ed_yp3_bfg_x2b">Bibel</rs> und dem <rs type="term" key="ed_i2l_tdg_x2b">Gesangbuch</rs>. Die Eltern der Landeskirche
				geben jedoch ihren Kindern nichts Sorbisches zu lernen, „weil die <placeName key="ed_pc3_blw_5fb">Gross-Radischer</placeName> Kinder auch nichts Sorbisches
				lernen“! – Der erste <rs type="term" key="ed_lwf_bx1_v2b">Lehrer</rs> ist deutsch:
				Theodor Paulig, ٭ 15. Jun. 1830 in Wendisch-Wällnitz, seit 1875. Der zweite Lehrer
				und Kantor ist sorbisch: Handrij Dučman, ٭ 8. Aug. 1808 in <placeName key="ed_mqs_gcb_vfb">Purschwitz</placeName>, Lehrer seit der Gründung der
				altlutherischen Gemeinde. Demgegenüber waren die beiden Hilfslehrer diese zwei
				Deutschen: 1. Gustav Schwabe aus Militsch, † 1871 und 2. A. Calf, ٭ 1837 in Pinne
				1873 – 75, † 1880. – Daneben vertritt wegen Mangels an Lehrern der Herr Pfarrer seit
				anderthalb Jahren die Stelle des dritten Hilfslehrers. </p>
			<p> Zusatz. Die <placeName key="ed_lzw_jcv_sfb">Klittener</placeName>
				<rs type="term" key="ed_hw2_dcv_sfb">altlutherische</rs> Filialgemeinde. Diese ist
				völlig sorbisch und zählt an die 300 Seelen; zu ihr gehören Altlutheraner aus 15
				Dörfern. In der Klittener altlutherischen Kirche gibt es nur sorbischen <rs type="term" key="ed_qhp_wkh_v2b">Gottesdienst</rs>. Eine eigene <rs type="term" key="ed_jff_vv1_v2b">Schule</rs> hat die Gemeinde nicht; ihre rund 50
				Schulkinder sind auf fünf landeskirchliche Schulen verteilt, wo sie besonders seit
				den letzten zehn Jahren immer weniger Sorbisch lernen. </p>
			<pb n=""/>
		</body>
    </text>
</TEI>