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				<title>Statistik der Oberlausitzer Sorben des Königreichs Preußen – Beschreibung der
					preußisch-oberlausitzischen Sorben – Die Gemeinden Gross-Radisch und
					Collm</title>
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				<edition>
					<title>Arnošt Muka – Statistik der Lausitzer Sorben 1886</title>
				</edition>
				<respStmt>
					<persName>Robert Lorenz</persName>
					<resp>Übersetzer und Herausgeber</resp>
				</respStmt>
			</editionStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Sorbisches Institut, Bautzen</authority>
			</publicationStmt>
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				<bibl>Statistika łužiskich Serbow / Ernst Muka. Budyšin 1884–86</bibl>
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    <text>
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			<pb n=""/>
			<head>XXVI. (37. 38.) Die Gemeinden <placeName key="ed_pc3_blw_5fb">Gross-Radisch</placeName> und
					<placeName key="ed_t2n_mk1_vfb">Collm</placeName>.</head>
			<p>Diese beiden Gemeinden sind wegen Mangels an Geistlichen seit dem Jahre 1876 bis auf Weiteres
				zu einer vereinigt. Der gemeinsame Geistliche lebt in <placeName key="ed_pc3_blw_5fb">Gross-Radisch</placeName>.</p>
			<p> Zur Gemeinde Gross-Radisch zählen die Dörfer: <placeName key="ed_pc3_blw_5fb">Radšow</placeName> (Gross-Radisch), <placeName key="ed_oft_jv1_vfb">Drěnow</placeName> (Thräna) und zum Teil <placeName key="ed_jdj_hcv_sfb">Wukrančicy</placeName> (Weigersdorf), zur Gemeinde Collm: <placeName key="ed_t2n_mk1_vfb">Khołm</placeName> (Collm) und <placeName key="ed_uzd_pv1_vfb">Kamjeńtna Wólšinka</placeName> (Steinölsa). – In beiden
				Gemeinden wird schon längere Zeit, vor allem seit dem Jahr 1876, sehr stark deutsch
				gesprochen und <rs type="term" key="ed_vxb_rvz_52b">verdeutscht</rs>, sodass es
				schwer ist, ihren jetzigen Zustand in Bezug auf das <rs type="term" key="ed_xhw_5rh_v2b">Sorbentum</rs> genau zu beschreiben, vor allem da ich über
				beide verschiedene zum Teil gegenläufige Berichte erhielt. </p>
			<p> A. <placeName key="ed_pc3_blw_5fb">Gross-Radisch</placeName> und <placeName key="ed_oft_jv1_vfb">Thräna</placeName> haben etwas über 1/5 Deutsche und 4/5
				Sorben, von denen allerdings zumindest 1/5, sich nach den gegebenen Umständen
				richtend, sogar zu Hause in der <rs type="term" key="ed_p3z_krh_v2b">Familie</rs>
				Deutsch spricht. Jedoch verstehen noch alle <rs type="term" key="ed_tmp_xbn_sfb">gebürtigen</rs> Sorben Sorbisch und etwa 1/10 kann nicht flüssig Deutsch
				sprechen. Zudem beherrschen etwa 1/5 der <rs type="term" key="ed_tmp_xbn_sfb">gebürtigen</rs>
				<rs type="term" key="ed_hzf_rv1_v2b">Deutschen</rs> (zumeist in den <rs type="term" key="ed_cpd_srh_v2b">Mischehen</rs>), ja in <placeName key="ed_oft_jv1_vfb">Thräna</placeName> beinahe alle, auch Sorbisch, sprechen es aber nicht. Jahr
				für Jahr drängen mehr Deutsche in die Gemeinde, mal kaufen sie einen sorbischen Hof
				auf, mal heiraten sie in eine sorbische Familie ein, sodass etwa der vierte Teil
				aller Familien aus Mischehen besteht. In diesen <rs type="term" key="ed_cpd_srh_v2b">Mischfamilien</rs> redet man in beinahe allen deutsch. Wenn auch zwischen den
				erwachsenen Sorben meist noch das sorbische Gespräch vorherrscht, <rs type="term" key="ed_rqd_jz1_v2b">schämen</rs> sich leider die Schulkinder, da der <rs type="term" key="ed_prd_5dj_w2b">Schulunterricht</rs> völlig deutsch ist, oft
				ihrer <rs type="term" key="ed_g5n_jq4_v2b">Muttersprache</rs>, was auch diese
				Unterhaltung aus <placeName key="ed_pc3_blw_5fb">Gross-Radisch</placeName> bezeugt:
				Vater: „Wohin sind denn die Gänse?“ Mutter: „Das Mädchen sagt, sie sind selbst
				dorthin gelaufen!“</p>
			<pb n=""/>
			<p>Kind: „Ich ho sä hiehar ´trieb´n!“ [wie im Original; R.L.] Vater: „Nun, so geh nach ihnen!“
				Kind: „Ich war sä schun hul´n!“ [wie im Original; R.L.] – In Gegenwart von <rs type="term" key="ed_hzf_rv1_v2b">Deutschen</rs> sprechen die Sorben deutsch. –
					<placeName key="ed_jdj_hcv_sfb">Weigersdorf</placeName> mit 625 Einwohnern, von
				denen mehr als 400 zur <rs type="term" key="ed_hw2_dcv_sfb">altlutherischen</rs>
				Kirche gehören (siehe Nr. XXVII.), ist ein beinahe völlig sorbisches Dorf, deutsch
				wird dort wenig gesprochen, zumeist nur von einem geringen Teil der Mitarbeiter der
				Landeskirche in <placeName key="ed_pc3_blw_5fb">Gross-Radisch</placeName>. Es gibt
				an die 70 <rs type="term" key="ed_tmp_xbn_sfb">gebürtige</rs> Deutsche, an die 25
					<rs type="term" key="ed_j1f_zwj_w2b">Deutschler</rs>, zusammen an die 95; nach
				der Aussage des Gemeindevorstehers ist kein Sorbe vollständig <rs type="term" key="ed_vxb_rvz_52b">verdeutscht</rs>; die anderen 530 Einwohner sind Sorben und
				sprechen sorbisch, 13 von ihnen sowie die kleinen <rs type="term" key="ed_f32_zy1_v2b">Kinder</rs> verstehen gar kein Deutsch. Es gibt 14 deutsche
				Familien und 10 <rs type="term" key="ed_cpd_srh_v2b">gemischte</rs>, in denen die
				deutsche <rs type="term" key="ed_agp_nxh_v2b">Sprache</rs> herrscht, wenn sie auch
				Sorbisch verstehen. In den beiden <rs type="term" key="ed_bh1_rz1_v2b">Schenken</rs>
				(eine sorbische und eine deutsche) spricht man deutsch und sorbisch. </p>
			<p>
				<rs type="term" key="ed_vfm_ry1_v2b">Kirche</rs>: Im Jahre 1848 war noch an jedem
				Sonntag zunächst sorbische <rs type="term" key="ed_ojz_jlh_v2b">Messe</rs> und
				danach die deutsche und nur dann, wenn die deutsche <rs type="term" key="ed_l5t_bcp_v2b">Beichte</rs> abgenommen wurde, war auch der deutsche <rs type="term" key="ed_qhp_wkh_v2b">Gottesdienst</rs> vor dem sorbischen (vergl.
				Jakub, Sorbische Oberlausitz, Seite 48). Jetzt jedoch ist (wahrscheinlich seit dem
				Jahr 1874) nur noch an jedem zweiten Sonntag sorbische Messe und dies nach der
				deutschen, vor der deutschen nur an jedem vierten Sonntag. Daher kommt es auch, dass
				die sorbischen Messen weniger besucht sind als die deutschen, nicht etwa daher, dass
				dort viel weniger Sorben seien. Die deutsche <rs type="term" key="ed_l5t_bcp_v2b">Beichte</rs> wird jeden zweiten Sonntag abgenommen, die sorbische jedoch jeden
				vierten, manchmal auch noch seltener (nach einem anderen Bericht zehnmal im Jahr).
				Sorbische <rs type="term" key="ed_l35_5fk_w2b">Begräbnisse</rs> sind in <placeName key="ed_pc3_blw_5fb">Gross-Radisch</placeName> selten, in <placeName key="ed_t2n_mk1_vfb">Collm</placeName> noch seltener. – Der <rs type="term" key="ed_fnt_3dt_w2b">Konfirmandenunterrich</rs> ist völlig deutsch. – Den <rs type="term" key="ed_tzn_xm2_5fb">Missionski Posoł</rs> liest niemand, es gibt
				dort ein Mitglied der sorbischen ev.-luth. Buchgesellschaft. </p>
			<p>
				<rs type="term" key="ed_pl4_zvz_52b">Pfarrer</rs> waren seit dem Ende des
				vergangenen Jahrhunderts: Renč, Janko, Mišnaŕ, Mrózak I., Haessler (geb. Deutscher
				aus der Niederlausitz, der aber Sorbisch erlernte).</p>
			<p>
				<rs type="term" key="ed_jff_vv1_v2b">Schule</rs>: In der höheren Klasse unterrichtet
				man seit dem Jahr 1875 alles auf Deutsch, in der unteren jedoch lernt man noch die
				ersten drei Hauptstücke, einige Bibelverse und <rs type="term" key="ed_ijp_jlh_v2b">Kirchenlieder</rs> auf Sorbisch und dies derart, dass man sie den <rs type="term" key="ed_f32_zy1_v2b">Kindern</rs> vorspricht. Dass die Kinder
				Sorbisch lesen lernen würden, ist angeblich nicht erlaubt! Die Kinder bekommen in
				der Schule nicht ein einziges sorbisches Büchlein zu sehen. Wegen dieser
				Verhältnisse reden viele von ihnen deutsch: sie halten die deutsche <rs type="term" key="ed_agp_nxh_v2b">Sprache</rs> für besonderer als die sorbische <rs type="term" key="ed_g5n_jq4_v2b">Muttersprache</rs>. – Die <rs type="term" key="ed_lwf_bx1_v2b">Lehrer</rs> waren bisher sorbisch: zuletzt Bergmann und
				Šimjenc.</p>
			<pb n=""/>
			<p>Dorfgemeinschaft: Es gibt <rs type="term" key="ed_bjt_xhg_x2b">Spinnstuben</rs>, aber in ihnen
				wird deutsch gesungen, Fastenlieder werden auf dem Anger überhaupt nicht mehr
				gesungen. – <rs type="term" key="ed_ygz_bsz_tfb">Kriegervereine</rs> gibt es in
					<placeName key="ed_pc3_blw_5fb">Gross-Radisch</placeName> und <placeName key="ed_oft_jv1_vfb">Thräna</placeName>, beinahe die Hälfte der Mitglieder ist
				sorbisch, aber man spricht deutsch.</p>
			<p>
				<rs type="term" key="ed_lz1_r3g_x2b">Brauch</rs> und <rs type="term" key="ed_b5m_fbb_v2b">Tracht</rs>: Zu Pfingsten werden kleine Birken vor die
				Haustür gestellt; am Heiligabend umwinden die Leute die Obstbäumchen mit Strohseilen
				und schütteln sie, damit sie im nächsten Jahr recht viel <rs type="term" key="ed_tp5_kwn_v2b">Obst</rs> tragen; an Walpurgis isst jeder, der Vieh
				besitzt, Milchsuppe, damit sich die Kühe gut melken lassen. – Die <rs type="term" key="ed_b5m_fbb_v2b">Tracht</rs> ist nach der neuen Mode, nur in der Fastenzeit
				gehen die sorbischen Frauen noch in schwarzer Tracht. – Hier gibt es die
				Nostitz-Lossaksche Stiftung für <rs type="term" key="ed_uv1_51b_v2b">arme</rs>
				Sorben. </p>
			<p> B. <placeName key="ed_t2n_mk1_vfb">Collm</placeName> und <placeName key="ed_uzd_pv1_vfb">Steinölsa</placeName>. Diese kleine Gemeinde wurde vor allem mithilfe der <rs type="term" key="ed_jff_vv1_v2b">Schule</rs> in den letzten 25 Jahren mit Gewalt
					<rs type="term" key="ed_vxb_rvz_52b">verdeutscht</rs>, sodass dort jetzt unter
				den Sorben völlige Indifferenz gegenüber der sorbischen <rs type="term" key="ed_ech_ztm_sfb">Nationalität</rs> und ebenso gegenüber der <rs type="term" key="ed_vfm_ry1_v2b">Kirche</rs> herrscht, wie ein benachbarter deutscher <rs type="term" key="ed_pl4_zvz_52b">Pfarrer</rs> bezeugte, der unter anderem sagte:
				„In der <placeName key="ed_t2n_mk1_vfb">Collmer</placeName> Gemeinde haben es die
				früheren <rs type="term" key="ed_lwf_bx1_v2b">Lehrer</rs> durch gewaltsame
				Unterdrückung der sorbischen <rs type="term" key="ed_agp_nxh_v2b">Sprache</rs> auf
				ihrem Gewissen, dass dort jetzt zumeist ein grobes und gottloses <rs type="term" key="ed_jgx_4vz_52b">Volk</rs> ist, welches von der Kirche nichts hält.“ – Nach
				Aussage des Buches: Mischke, Markgrafthum Oberlausitz, ٭ Görlitz 1861, hatten sie
				noch 1858 in 80 Häusern 477 Häuser mit meist sorbischen Einwohnern. So übertreibt
				mein Nachrichtengeber wohl, wenn er schreibt: „In <placeName key="ed_t2n_mk1_vfb">Collm</placeName> wird fast gar kein Sorbisch mehr gesprochen, bis auf wenige
				alte Leute; die <rs type="term" key="ed_f32_zy1_v2b">Kinder</rs> sprechen es
				überhaupt nicht und verstehen auch wenig Sorbisch. In einer Bauernfamilie, wo die
				Eltern nur in die sorbische Messe gehen, versteht von fünf Kindern nur die älteste
				Tochter Sorbisch.“</p>
			<p>
				<rs type="term" key="ed_vfm_ry1_v2b">Kirche</rs>: Bis zum Jahre 1875 gab es an jedem
				Sonntag und jedem Feiertag sorbischen und deutschen <rs type="term" key="ed_qhp_wkh_v2b">Gottesdienst</rs>; ihre Reihenfolge hat sich stets
				abgewechselt. Seit dem Jahre 1876 ist die sorbische <rs type="term" key="ed_ojz_jlh_v2b">Messe</rs> nur an jedem zweiten Sonntag und dies immer nach
				der deutschen, jedoch vor der deutschen, wenn die sorbische <rs type="term" key="ed_l5t_bcp_v2b">Beichte</rs> erteilt wird; diese findet im Jahr 4 – 5mal
				statt. Die gesamte sorbische Gemeinde besteht angeblich nur aus ungefähr 30 Seelen.
				Oft kommen zur sorbischen Messe lediglich fünf alte Leute. Man singt aber noch aus
				den sorbischen <rs type="term" key="ed_i2l_tdg_x2b">Gesangbüchern</rs>, was in
				dieser Gemeinde ein Wunder ist. Mein Gewährsmann beendet seinen Bericht so: „In drei
				oder vier Jahren wird der sorbische Gottesdienst in <placeName key="ed_t2n_mk1_vfb">Collm</placeName> von selbst </p>
			<pb n=""/>
			<p>aufhören.“ Man arbeitete allerdings daran schon lange.</p>
			<p>
				<rs type="term" key="ed_pl4_zvz_52b">Pfarrer</rs>: 1. Łahoda, † 16. Aug. 1871; 2. O.
				Mrózak 1872 – 1875; 3. Haessler (vergl. Gross-Radisch).</p>
			<p>
				<rs type="term" key="ed_jff_vv1_v2b">Schule</rs>: In der Schule wird nach einem
				Bericht seit 20, nach einem anderen seit 40 Jahren nicht mehr auf Sorbisch
				unterrichtet. In den <rs type="term" key="ed_f32_zy1_v2b">Kindern</rs> ist das
				Sorbische ausgetilgt. Vor einigen Jahren hat der <rs type="term" key="ed_lwf_bx1_v2b">Lehrer</rs> Malink sorbische Gebetbücher in der Schule
				angeboten und von 130 Kindern hat sich ein einziges Mädchen schließlich um eines
				beworben.</p>
			<pb n=""/>
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