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                <title>Lebenslauf Agnese Kschieschanck, geb. Schmidt</title>
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            <editionStmt>
                <edition>
                    <title>Lebensläufe aus der sorbischen Diaspora</title>
                 </edition>
                <respStmt>
                    <name>Lubina Mahling</name>
                    <resp>Herausgeberin</resp>
                </respStmt>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <authority>Sorbisches Institut, Bautzen</authority>
            </publicationStmt>
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                <msDesc type="concept">
                    <msIdentifier>
                        <institution>Unitätsarchiv Herrnhut</institution>
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                            <idno type="shelfmark">R.22.63.69</idno>
                        </idno>
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                    <persName key="ed_yv3_fd5_lgb">Kschieschanck, Agnese (1734-1785)</persName>
                </person>
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                    <term key="Brüdergemeine">Brüdergemeine</term>
                    <term key="Frühe Neuzeit" ref="-">Frühe Neuzeit</term>
                    <term key="Brauer und Mälzer" ref="http://d-nb.info/gnd/4244818-9">Brauer und
                        Mälzer</term>
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            <langUsage>
                <language ident="deu">German</language>
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                <p>Die selige Schwester <persName key="ed_yv3_fd5_lgb">Agnese
                        Kschieschanck</persName>
                    <lb/>hat folgendes von ihrem LebensUmständen <lb/>aufschreiben laßen. <lb/>
                    <lb/>Ich bin den 19<hi rendition="#sup">ten </hi> Oct<ex>ober</ex> : 1734 zu
                        <placeName key="ed_n4r_3gl_5fb">Thumitz</placeName>
                    <lb/>bey <placeName key="ed_qqf_dyl_zcb">Bischofswerde</placeName> geboren,
                    woselbst <lb/>meine Eltern, <persName key="ed_qqq_xgl_5fb">Johann</persName>
                        u<ex>nd</ex>. <persName key="ed_xlf_ygl_5fb">Elisabeth Schmidt</persName>
                    <lb/>wohnten. <lb/>Von meinen <rs type="term" key="Kindheit" ref="-">Kinder=Jahren</rs> weiß ich <lb/>nichts besonders zu sagen, als daß ich
                    <lb/>von meinen Eltern nach ihrer Einsicht zu <lb/>einem frommen Leben
                        u<ex>nd</ex>. zu allem <lb/>Guten angehalten wurde; und weil <lb/>ich meinen
                    Eltern zärtlich liebte, so <lb/>war ich ihnen auch in allem Gehorsam, <lb/>ob
                    ich gleich oftmals dachte: wenn <lb/>doch meine Eltern auch so wären, wie
                    <lb/>ander Leute, die mit ihren <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">Kindern</rs>
                    <lb/>in die Lustbarkeiten gehen. <lb/>Ich lernte in meiner <rs type="term" key="Jugend" ref="-">Jugend</rs> viele<rs type="term" key="Lieder" ref="-">
                        Lieder</rs>. <lb/>Und als ich heranwuchs, hatte ich Gabe <lb/>und
                    Geschicklichkeit zu allem was mir <lb/>unter den Händen kam; welches ich jedoch
                    <lb/>nicht mir selber, sondern dem lieben <lb/>Gott zu schrieb: und ich seufzte
                    und <lb/>
                    <pb n="2"/>betete alle Abend zu Ihm auf den Knien: <lb/>daß Er mich wollte in
                    der Welt ehrlich <lb/>und treu durchkommen, und niemand <lb/>zur Beschwerde seyn
                    laßen. <lb/>Ich wurde auch von allen mit denen <lb/>ich Umgang hatte geliebt.
                    Und als <lb/>ich von meinen Eltern in <rs type="term" key="Magd" ref="http://d-nb.info/gnd/4114481-8">
                        <rs type="term" key="Dienst" ref="-">Diensten</rs>
                    </rs>
                    <lb/>kam, wurde ich von jedermann wegen <lb/>meiner Treue und Fleiß sehr
                    geliebt. <lb/>In meinem 27<hi rendition="#sup">ten </hi>Jahr wurde ich
                    <lb/>gründlich erweckt und ging in die <rs type="term" key="Versammlung" ref="http://d-nb.info/gnd/4133550-8">
                        <lb/>Versamlung</rs> der dortigen Erweckten; <lb/>Da lernte ich einsehen,
                    wie blind ich <lb/>in der Vergangenen Zeit gewesen; <lb/>und der
                        h<ex>ei</ex>l<ex>ige</ex>. Geist drückte mirs tief <lb/>ins Herz hinin: wie
                    gnädig und <lb/>barmherzig der liebe H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d ist, gegen
                    <lb/>arme, verlorne und verdamte Sün<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>der, die gar nichts Gutes aufzu<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>weisen haben. <lb/>Ich wurde sehr vergnügt, und übergab
                    <lb/>mich dem l<ex>ieben</ex>. H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d. mit Leib und Seele
                    Seine <lb/>zu seyn. <lb/>Im Jahr <date from="1763-01-01" to="1763-12-24" cert="high" calendar="#Gregorian">
                        <date from="1763-01-01" to="1763-12-31" cert="high" calendar="#Gregorian">1763</date>
                    </date> wurde ich mit meinem <lb/>l<ex>ieben</ex>. Mann, der gleiches Sinnes mit
                    mir war, <lb/>
                    <rs type="term" key="Heirat" ref="-">
                        <pb n="3"/>verheyrathet</rs>, und wir
                    ließen uns in <lb/>
                    <placeName key="ed_ww2_w4h_ycb">Postwitz</placeName> nieder. Zu Ostern deßelben
                    <lb/>Jahres, thaten wir einen Besuch in <placeName key="ed_q5q_cz1_ycb">Klein<g ref="#typoHyphen"/>
                        <lb break="no"/>welcke</placeName>. Ich hatte vorhin nie eine <lb/>
                    <rs type="term" key="Brüdergemeine" ref="http://d-nb.info/gnd/4134444-3">Gemeine
                    </rs>gesehen und hörte da zum <lb/>erstenmal einen Bruder <rs type="term" key="Predigt" ref="-">predigen</rs>, und <lb/>seine Worte gingen mir tief zu
                    Herzen. <lb/>Wir hatten auch die Gnade beym <lb/>Anbeten der<rs type="term" key="Diaspora" ref="-"> Diaspora </rs>Geschwister zu<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>zusehen, wovon wir so hingenommen <lb/>wurden, daß wir sogleich
                    im Herzen <lb/>beschloßen, bey diesem Volcke zu bleiben. <lb/>Unsere Ehe wurde
                    mit 8 <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">Kindern</rs>
                    <lb/>gesegnet, nemlich: 3 Söhnen und 4 Töchtern, <lb/>davon noch 2 Söhne und. 1
                    Tochter am Leben <lb/>und in der Gemeine sind: <lb/>Anfänglich ging es uns im
                    Äußern <lb/>etwas schwer, aber der treue Heiland <lb/>half uns immer gnädig
                    durch. <lb/>Wir besuchten oft in <placeName key="ed_q5q_cz1_ycb">Kleinwelcke</placeName> und <lb/>wir holten uns immer daselbst einen
                    <lb/>aparten Segen für unsere Herzen. <lb/>Ich wäre wohl gern da geblieben, aber <lb/>
                    <pb n="4"/>die äußere Umstände hielt mich eine <lb/>Zeitlang davon ab, denn der
                        l<ex>iebe</ex>. H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d <lb/>segnete uns die lezten Jahre
                    in <placeName key="ed_ww2_w4h_ycb">Postwitz</placeName>
                    <lb/>auf eine ausnehmende Weiße. <lb/>Im <date from="1778-11-01" to="1778-11-30" cert="high" calendar="#Gregorian">Nov</date>
                    <ex>ember</ex> : 1778 kriegten wir auf <lb/>Ansuchen Erlaubniß zur Gemeine nach <lb/>
                    <placeName key="ed_q5q_cz1_ycb">Kleinwelcke</placeName>. Wir brachten also un<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>ere äußere Sachen in Ordnung, ver<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>ließen unsre vortheilhafte <rs type="term" key="Nahrungsbesitzer" ref="-">Nahrung</rs>
                    <lb/>in <placeName key="ed_ww2_w4h_ycb">Postwitz</placeName>, und zogen im
                    September: 1779. <lb/>nach <placeName key="ed_q5q_cz1_ycb">Kleinwelcke</placeName>, wo ich im <date from="1779-11-01" to="1779-11-30" cert="high" calendar="#Gregorian">Nov</date>
                    <ex>ember</ex>
                    <date from="1779-11-01" to="1779-11-30" cert="high" calendar="#Gregorian">:</date> in <lb/>die Gemeine aufgenommen wurde. <lb/>Hier nahm mich der
                        l<ex>iebe</ex>. H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d in eine neue <rs type="term" key="Schule" ref="http://d-nb.info/gnd/4053474-1">
                        <lb/>Schule</rs>, worin meine Selbstfrömmigkeit <lb/>mir viel zu schaffen
                    machte. <lb/>
                    <date when="1780-09-07" calendar="#Gregorian">1780. den 7</date>
                    <hi rendition="#sup">
                        <date when="1780-09-07" calendar="#Gregorian">ten</date>
                    </hi>
                    <date when="1780-09-07" calendar="#Gregorian"> Sept</date>
                    <ex>ember</ex>: wurde ich zum <lb/>erstenmal mit der Gemeine des
                        h<ex>ei</ex>l<ex>igen</ex>. <rs type="term" key="Abendmahl" ref="http://d-nb.info/gnd/4000081-3">
                        <lb/>Ab<ex>end</ex>m<ex>a</ex>hls</rs> theilhaftig. Von der Zeit <lb/>an
                    wurde mir die Gnade in der Ge- <lb/>meine zu seyn immer größer. <lb/>So weit aus
                    ihrer Erzehlung: <lb/>Ihr l<ex>ieber</ex>. Mann, welcher mit ihr den 25<hi rendition="#sup"> ten </hi>
                    <lb/> 8b<ex>e</ex> r: 1781 in <placeName key="ed_lch_xmb_ycb">Berthelsdorf</placeName> in die Herr<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>schaftl<ex>iche</ex>. <rs type="term" key="Brauer und Mälzer" ref="http://d-nb.info/gnd/4244818-9">Brauerrey</rs> einzog, thut noch hinzu: <lb/>
                    <pb n="5"/>Sie hatte den H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d zärtlich lieb, und sag<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>te ofte zu mir: Ach, wenn ich doch den <lb/>l<ex>ieben</ex>.
                        H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d noch mehr lieben konnte! <lb/>Sie war mir eine
                    rechte Stütze und <lb/>treue Gehülfin und suchte mir alles zu <lb/>erleichtern,
                    wo sie nur konte; und wenn <lb/>was schweres vorkam, ging sie, so bald <lb/>sie
                    nur konte auf die Seite, und bat <lb/>ihren treuen Heiland um Beystand <lb/>und
                    Hülfe. <lb/>Seit ihrem letzten <rs type="term" key="Geburt" ref="http://d-nb.info/gnd/4019589-2">Niederkunft</rs> hat sie <lb/>sehr viel
                    an <rs type="term" key="Krankheit" ref="-">Krampfartigen u<ex>nd</ex>. sehr
                        <lb/>schmerzhaften Zufällen</rs> ausgestanden, <lb/>und obschon sehr viel
                    Mittel dagegen <lb/>gebraucht wurden, so hat doch nichts <lb/>anschlagen wollen;
                    sie ist auch seit der <lb/>Zeit, sonderlich in den drey lezten Jahren <lb/>wenig
                    gesund und mehrmalen ihr Ende <lb/>nahe gewesen. Sie war aber bey allen
                    <lb/>Schmerzen gedultig u<ex>nd</ex>. gelaßen u<ex>nd</ex>. dem
                        <lb/>l<ex>ieben</ex>. H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d. kindlich ergeben; besorgte
                    jedoch <lb/>ihre <rs type="term" key="Wirtschaft" ref="-">Wirthschaft</rs>,
                        u<ex>nd</ex>. half mir wo sie konnte <lb/>oft über Vermögen. <lb/>
                    <pb n="6"/>Ihre drey <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">Kinder</rs> lagen ihr
                    sehr am <lb/>Herzen. Ach! sagte sie ofte zu mir: wenn <lb/>ich doch noch das
                    erlebte, daß ich mich <lb/>recht über sie freuen könte, daß sie nur für <lb/>den
                        l<ex>ieben</ex>. H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d gedeyhen möchten! sie seuf<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>zete oft für sie zum l<ex>ieben</ex>. H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d
                    und Er trö<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>tete sie auch darüber, so kräftig, daß <lb/>Er sie, wie von
                    allem; auch zulezt von <lb/>ihren l<ex>ieben</ex>. <rs type="term" key="Kind" ref="http://d-nb.info/gnd/4030550-8">Kindern</rs>, welche ihr sehr am <lb/>Herzen lagen, gantz losmachte,
                    daß sie <lb/>sie Ihm gänzlich anvertrauen u<ex>nd</ex>. über<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>laßen konte, wofür sie Ihm aparte danckte. <lb/>Sie freute sich
                    herzlich mit ihnen, wenn <lb/>sie sie besuchten; u<ex>nd</ex>. sie hatte das
                    Vergnügen <lb/>sie noch alle drey vor ihrem Ende beysam<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>men zu sehen; u<ex>nd</ex>. bat sie mit Thränen: <lb/>gebt euch
                    doch dem l<ex>ieben</ex>. H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d ganz zum Eigen<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>thum hin u<ex>nd</ex>. habt Ihn recht lieb! es ist <lb/>doch
                    nichts beßeres auf Erden als wenn man <lb/>Ihn zum Freunde hat: Verlaßt euch
                    sonst <lb/>auf nicht! ich habs sehr oft erfahren, wenn <lb/>man sich auf Ihn
                    verläßt, was das austrägt; <lb/>es liegt mir doch nichts so sehr am Herzen
                    <lb/>als ihr! ihr seyd mein Schaz, welchen ich zum <lb/>
                    <pb n="7"/>H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d. bringe! gedenckt an meine Worte, <lb/>und
                    vergeßet das nicht, was ich euch so ofte <lb/>gesagt habe: Verlaßt euch auf Ihn,
                    so <lb/>wirds euch wohl gehen! <lb/>Ueber ihre Tochter, daß sie <add place="superlinear">nicht </add>alleine in <lb/>der <rs type="term" key="Brüdergemeine" ref="http://d-nb.info/gnd/4134444-3">Gemeine</rs>
                    aufgenommen wurde, sondern <lb/>daß sie auch Hofnung hatte, sie bald mit
                    <lb/>zum <rs type="term" key="Abendmahl" ref="http://d-nb.info/gnd/4000081-3">Ab<ex>end</ex>m<ex>a</ex>hl</rs> gehen zu sehen /: welches <lb/>am
                    Grünen Donnerstag geschahe, da sie <lb/>schon 4 Tage verschieden:/ freute sie
                    <lb/>sich sehr. <lb/>Seit dem neuen Jahr ist sie beständig <lb/>bettlägerig
                    gewesen, u<ex>nd</ex>. zuletz wurde sie <lb/>an allen Gliedern gelähmt, <rs type="term" key="Krankenpfleger" ref="http://d-nb.info/gnd/4165516-3">daß
                        sie <lb/>sich gar nicht mehr helfen könte, sondern <lb/>mußte von mir
                        gepflegt, gehoben und <lb/>getragen werden</rs>. <lb/>Dieses lezte viertel
                    Jahr war uns beyden <lb/>zu überaus großem Segen für unsre Herzen; <lb/>so wie
                    auch die h<ex>ei</ex>l<ex>igen</ex>. <rs type="term" key="Abendmahl" ref="http://d-nb.info/gnd/4000081-3">Ab<ex>end</ex>m<ex>a</ex>hle</rs>, die
                    sie auf ihrem <lb/>Kranckenlager genoß, ihr zum wahren Segen waren. <lb/>Sie
                    sagte ofte zu mir, wenn ich weinte: <lb/>Mein l<ex>ieber</ex>. Mann weine nicht!
                    der l<ex>iebe</ex>. H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d wird <lb/>dir Beystehen,
                        u<ex>nd</ex>. es beßer mit dir und dei<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>nen Kindern machen, als dus erwarten kanst. <lb/>
                    <pb n="8"/> Sie redte ofte <subst>
                        <del rendition="#s">davon</del>
                        <add place="superlinear">vom Heimgehen</add>
                    </subst> mit besonderem Ver<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>gnügen, und es war ihr sehr lieb, wenn <lb/>man mit ihr davon
                    redte, u<ex>nd</ex>. sie sagte <lb/>mit thränenden Augen: O wie wirds mir
                    <lb/>so wohl thun an Seinen Wunden; nach allen <lb/>schmerzlichen überstandenen
                    Stunden, sanft <lb/>auszuruhen. Weil sie nun bey mir be<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>merckte, daß ich noch immer hofte u<ex>nd</ex>. wünschte
                    <lb/>daß sie sich noch erholen würde; so war sie stille; <lb/>bat mich aber, ja
                    nicht um ihr Aufkommen <lb/>zu bitten; sondern bitte lieber den l<ex>ieben</ex>.
                        H<ex>ei</ex>l<ex>an</ex>d daß <lb/>Er mich balde Auflöse, denn du siehest ja
                    meine <lb/>Schmerzen u<ex>nd</ex>. mein Elend. <lb/>Zu verschiedenen Schwestern,
                    die sie zu ihrer <lb/>Freude besuchten, äußerte sie positiv, daß <lb/>sie nicht
                    mehr aufkommen würde, u<ex>nd</ex>. sonderlich <lb/>zu ihrer Chorhelferin aus
                        <placeName key="ed_rg3_cz1_ycb">Herrnhut</placeName>, von der <lb/>sie die
                    lezte Zeit verschiedene mal besucht wur<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>de, u<ex>nd</ex>. mit der sie noch über manches ausredte.
                    <lb/>Von der Zeit an erwartete sie mit Sehnsucht ihr <lb/>leztes Stündlein, war
                    sich in der ganzen <rs type="term" key="Krankheit" ref="-">Krank <lb/>heit</rs>
                    völlig gegenwärtig u<ex>nd</ex>. ordinirte al<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>les was in der Wirthschaft vorkam, bis <lb/>wenige Stunden vor
                    ihrem Verscheiden, da <lb/>sie merklich schwächer wurde u<ex>nd</ex>. von keiner
                    Sache <lb/>mehr Notiz nahm; sie wurde am <date when="1785-03-20" calendar="#Gregorian">20</date>
                    <hi rendition="#sup">
                        <date when="1785-03-20" calendar="#Gregorian">ten</date>
                    </hi>
                    <date when="1785-03-20" calendar="#Gregorian"> Merz</date> Abends <lb/>gegen 8
                    Uhr von ihrem l<ex>ieben</ex>. Mann zu ihrer Heimfahrt <lb/>eingesegnet
                        u<ex>nd</ex>. ihrem Erlöser unter vielen Thränen über<g ref="#typoHyphen"/>
                    <lb break="no"/>geben. Ihr Alter hat sie gebracht auf 50 Jahr u<ex>nd</ex>. 5.
                    Monate <lb/>u<ex>nd</ex>. gegen 10 Uhr blieb ihr Athem stehen. <lb/>
                    <lb break="no"/>
                </p>
            </div>
        </body>
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