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				<title> Cottbus </title>
				<title xml:lang="deu">Cottbus</title>
				<title xml:lang="hsb">Choćebuz</title>
				<title xml:lang="dsb">Chóśebuz</title>
				<title xml:lang="eng">Cottbus</title>
				<author>
					<persName key="ed_twt_lzr_rjb">Schurmann, Peter (1961-)</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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		<profileDesc>
			<textClass>
				<keywords>
					<term key="Wenden">Wenden</term>
					<term key="Niederlausitz">Niederlausitz</term>
					<term key="Minderheit">Minderheit</term>
					<term key="Westslawen">Westslawen</term>
					<term key="Cottbuser Kreis">Cottbuser Kreis</term>
					<term key="Stadt">Stadt</term>
					<term key="Brandenburg">Brandenburg</term>
					<term key="Deutschland">Deutschland</term>
				</keywords>
			</textClass>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Bźezwokrejsne město na pódpołdnju Bramborskeje a jadnučke nimsko-serbske wjelike
					město, někak 100 000 wobydlarjow (2018); centrum Dolneje Łužyce a sedło wjele
					serbskich institucijow.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Bjezwokrjesne město w juhu Braniborskeje a jeničke němsko-serbske wulkoměsto,
					někak 100 000 wobydlerjow; centrum Delnjeje Łužicy a sydło mnohich serbskich
					institucijow.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Kreisfreie Stadt im Süden Brandenburgs und einzige deutsch-sorbische Großstadt,
					ca. 100 000 Einwohner (2018); Zentrum der Niederlausitz und Sitz zahlreicher
					sorbischer Einrichtungen.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Independent town in the south of Brandenburg, and the only German-Sorbian city,
					with approx. 100,000 inhabitants (2018); centre of lower Lusatia and the seat of
					many Sorbian institutions.</p>
			</abstract>
		</profileDesc>
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    <text>
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			<div>
				<p>Kreisfreie Stadt im Süden Brandenburgs und einzige deutsch-sorbische Großstadt,
					ca. 100 000 Einwohner (2018); Zentrum der Niederlausitz und Sitz zahlreicher
					sorbischer Einrichtungen.</p>
				<p>Spätestens um 900 erbauten die <rs type="term" key="Lusizer" ref="-">Lusizer</rs> auf einer
					Talsandinsel am Westufer der Spree – an der Stelle des späteren Schloss- und
					heutigen Gerichtsbergs – einen großen <rs type="term" key="Burgwall"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4147023-0">Burgwall</rs>. Im Schutz der Burg
					entstand im 11./12. Jh. ein Suburbium mit einem Burggrafen. 1156 wurde erstmals
					„Heinricus castellanus de chotibuz“ urkundlich erwähnt, der zu den Gefolgsleuten
					des Markgrafen zu Meißen gehörte. Bis Mitte des 15. Jh. beherrschte ein
					fränkisches Rittergeschlecht die Stadt und das nähere Umland. 1445 bzw. 1455
					erwarben die Hohenzollern die Herrschaft Cottbus mit <placeName
						key="ed_nmq_cs3_vhb">Peitz</placeName> (→ Cottbuser Kreis). Diese bildete
					bis 1806 eine brandenburgische bzw. preußische Enklave in der ab 1635
					sächsischen Niederlausitz. Ab 1806 gehörte Cottbus zum Königreich Sachsen; nach
					dem Wiener Kongress von 1815 wurde das gesamte ehemalige Markgraftum preußisch.
					Bis 1945 gehörte Cottbus zum Regierungsbezirk <placeName key="ed_p3q_2vh_vhb"
						>Frankfurt (Oder)</placeName>. Nach Auflösung Preußens war die Stadt
					Bestandteil der Mark bzw. des Landes Brandenburg, 1952–1990 Zentrum des
					DDR-Bezirks Cottbus.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2019/11/SKL-Cottbus_01.jpg"
					/>Undatierte Stadtansicht von Cottbus von Johann Gottfried Krügner, Reproduktion
					aus: JGORichters Sammlung Einiger Nachrichten Von Der […] Stadt Cotbus […],
					Cottbus 1730</p>
				<p>Als letzte Möglichkeit, die Spree südlich des <rs type="term" key="Spreewald" ref="-">Spreewalds</rs> zu überqueren, wurde Cottbus zum
					verkehrsgeografischen und strategischen Ort. Hier kreuzten sich zwei zentrale
					Handelswege: die Salzstraße, die den Westen – von <placeName key="ed_lf3_zm3_vhb">Magdeburg</placeName> und <placeName key="ed_q3s_3h3_vhb">Leipzig</placeName> her – mit Schlesien verband, mit
					der von Frankfurt (Oder) nach <placeName key="ed_v45_yth_vhb">Dresden</placeName> führenden Route. Die <rs type="term" key="Sorben" ref="http://d-nb.info/gnd/4055619-0">Sorben</rs> bzw. <rs type="term" key="Wenden" ref="-">Wenden</rs> erhielten volle Stadtrechte, wenn sie sich
					zum Deutschen bekannten. Im 15. Jh. gab es in Cottbus Zunftverbote (→ <rs type="term" key="Zunftordnung" ref="-">Zunftordnungen</rs>), u. a. bei den
					Tuchmachern, die 1525 durch den brandenburgischen Kurfürsten wieder außer Kraft
					gesetzt wurden. 1544 waren unter den brauberechtigten Bürgern der Stadt 41 %
					Sorben. Sie gehörten vereinzelt zur städtischen Oberschicht, einige übten
					Funktionen in der Verwaltung aus.</p>
				<p>Erste schriftliche Belege zur sorbischen Kirchenzugehörigkeit finden sich in der Meißener
					Bistumsmatrikel von 1495, in der für Cottbus eine sorbische Kapelle („capella
					Sclavorum“) erwähnt ist. Dem katholischen Erzpriester waren in der Herrschaft
					Cottbus 17 Pfarrkichen zugeordnet, in denen auch sorbische Kapläne für die
					Beichte zuständig waren. Unter <persName key="ed_j1y_csx_vhb">Markgraf Johann
						V.</persName> setzte sich ab 1536/37 die <rs type="term" key="Reformation"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4048946-2">Reformation</rs> in der Niederlausitz
					durch. In Cottbus verkündeten auch sorbische Geistliche die lutherische Lehre,
					so 1522 kurzzeitig <persName key="ed_p4l_fsx_vhb">Jan Brězan</persName>
					(Johannes Briesmann). Ab 1537 war die Klosterkirche des ehemaligen
					Franziskanerordens evangelische Pfarrkirche für die Sorben in Cottbus und
					einigen benachbarten Dörfern. In dieser <rs type="term" key="Wendische Kirchen"
						ref="-">Wendischen Kirche</rs> wurde mindestens bis Ende 1933 regelmäßig
					niedersorbisch gepredigt. Seit 1989 wird am 1. Weihnachtsfeiertag wieder
					sorbischer Gottesdienst gefeiert.</p>
				<p>Pestepidemien und Stadtbrände, aber auch eine jahrelange Besetzung nach Ausbruch
					des <rs type="term" key="Dreißigjähriger Krieg" ref="http://d-nb.info/gnd/4012985-8">Dreißigjährigen Kriegs</rs> brachten
					Zerstörung, Not und Elend für die Stadt. Der Anteil der sorbischen Bevölkerung
					in der Niederlausitz verringerte sich zwischen 1618 und 1648 durchschnittlich um
					die Hälfte. In Cottbus ging die Anzahl der Bürger mit Stadtrecht von 490 (1599)
					auf 243 (1652) zurück. Erst im 18. Jh. konnte die Region durch die Ansiedlung
					französischer Hugenotten und v. a. von Bauern, Handwerkern und Kaufleuten aus
					dem benachbarten Sachsen wirtschaftlich aufholen. Letztere gründeten neue
					Siedlungen, darunter den Ort Sachsendorf bei Cottbus, dessen Bevölkerung
					mehrheitlich die sorbische Sprache erlernte. 1843 tauchte erstmals die heute
					geläufige niedersorbische Bezeichnung Chóśebuz auf. Um 1900 lag der Anteil der
					Sorben in Cottbus bei 16 %, in vielen umliegenden Dörfern noch bei über 90
					%.</p>
				<p>
					<graphic
						url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2019/11/SKL-Cottbus_02.jpg"
					/>Verkaufsstelle für Trachtenstoffe im Warenhaus in Cottbus, 1956; Fotograf:
					Kurt Heine, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Die Lateinschule, 1435 erstmals erwähnt, bildete Knaben aus Cottbus und Umgebung
					für den Universitätsbesuch aus. Im 17. Jh. wurde die Anstalt auch als Akademie
					der Sorben bezeichnet („Academia dicta Wandaliae“, später „Universitas
					Serborum“), deren Anteil in der Stadt damals bei etwa 30 % lag. 1856 erlaubte
					der preußische Kultusminister am städtischen Gymnasium (seit 1820) die
					Einführung des „fakultativen Wendischunterrichts“, der auch Prüfungsfach war und
					bis 1888 bestand. Dadurch wurden Bücher in niedersorbischer Sprache angeschafft
					und gesammelt („Bibliotheca Wendica“), die meist aus dem Nachlass sorbischer
					Lehrer und Pfarrer stammten. 1857 veröffentlichte der Sorbischlehrer des
					Gymnasiums und Dolmetscher am Kreisgericht <persName key="ed_qtp_jsx_vhb">Karlo
						Kito Dalej</persName> ein „Kleines Lehrbuch zur leichten Erlernung der
					niederlausitzisch-wendischen Sprache“, das im Unterricht eingesetzt wurde.
					Druckereien bzw. Verlage in Cottbus publizierten bis Ende des 19. Jh. Schriften
					in niedersorbischer Sprache (→ <rs type="term" key="Buchdruck" ref="-"
						>Buchdruck</rs>), so die Druckerei F. W. Brandt von 1864 bis 1884 den
					„Bramborski Serbski Casnik“ (→ <rs type="term" key="Zeitung"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4067510-5">Zeitungen</rs>).</p>
				<p>1849 wurde der erste sorbische Verein in Cottbus durch Gymnasiasten gegründet,
					ein Jahr später der Wendische Verein der Niederlausitz. Letzterer setzte sich
					das Ziel, nützliche Schriften in niedersorbischer Sprache herauszugeben und zu
					verbreiten. Dies gelang jedoch erst der 1880 in Cottbus gegründeten <rs
						type="term" key="Maćica Serbska/Maśica Serbska" ref="-">Maśica Serbska</rs>.
					Dieser „wendische Buchverein“ richtete 1928 in der neu erbauten Filiale der <rs
						type="term" key="Wendische Volksbank" ref="-">Wendischen Volksbank</rs> (ab
					1921) seine Bibliothek ein (→ <rs type="term" key="Bibliothek"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4006439-6">Bibliotheken</rs>). In den 1930er
					Jahren war der Buchbestand der Maśica in der städtischen Hochschule für
					Lehrerbildung (seit 1907) untergebracht, wo auch Kandidaten sorbischer Herkunft
					studierten, die jedoch keine Ausbildung in Sorbisch erhielten. Überregionale
					Bedeutung erlangte der 1891 erneut durch Gymnasiasten gegründete Bund wendischer
					Freunde, der sorbischen kulturellen Aktivitäten in der Niederlausitz Auftrieb
					gab und 1893 hier die Tradition sorbischer Gesangsfeste begründete. 1912 wurde
					am Cottbuser Theater das Stück „Die Spreewälder“ von <persName
						key="ed_umw_czs_whb">Mato Rizo</persName> uraufgeführt, in dem auch auf <rs
						type="term" key="Niedersorbisch" ref="http://d-nb.info/gnd/4120286-7"
						>Niedersorbisch</rs> gesungen wurde. </p>
				<p>1946 nahm in der Niederlausitz eine regionale Vertretung der Domowina ihre Arbeit auf, die
					1949 ein Sekretariat in Cottbus einrichtete. Später war dort der Sitz des
					Regional- bzw. Kreisverbands („župa“). 1957 fand erstmals ein Bundeskongress der
					Domowina in Cottbus statt, dem ab 1977 weitere folgten. Das ab 1984 im
					Stadtzentrum erbaute Wendische Viertel mit konsequent deutsch-sorbisch
					beschrifteten Straßenschildern war ein Schwerpunkt städtebaulicher Erneuerung in
					der späten DDR.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2019/11/SKL-Cottbus_03.jpg"
					/>Niedersorbisches Gymnasium, 2013; Fotografin: Hana Schön, Sorbisches
					Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Nach der <rs type="term" key="politische Wende" ref="-">politischen Wende</rs>
					schuf Cottbus eine Stelle für sorbische Angelegenheiten in der Stadtverwaltung,
					die die Tätigkeit der Arbeitsgruppe Sorbenfragen (seit 1961) weiterführt. Eine
					Vielzahl sorbischer Institutionen hat ihren Sitz im 1990 eingerichteten
					Wendischen Haus. Ferner sind in der Stadt das Niedersorbische Gymnasium (seit
					1952, bis 1990 Sorbische Erweiterte Oberschule „<persName key="ed_ml5_4sx_vhb"
						>Marjana Domaškojc</persName>“), die Redaktion der niedersorbischen
					Wochenzeitung. „Nowy Casnik“ (seit 1955), das Sorbische Studio beim heutigen <rs
						type="term" key="Rundfunk" ref="-">Rundfunk</rs> Berlin-Brandenburg (seit
					1957), das <rs type="term" key="Wendisches Museum Cottbus" ref="-">Wendische
						Museum</rs> (seit 1994), die Arbeitsstelle für sorbische/wendische
					Bildungsentwicklung, die Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur (beide
					seit 1992) und die niedersorbische Filiale des <rs type="term"
						key="Witaj-Modellprojekt" ref="-">WITAJ-Sprachzentrums </rs>(seit 2001)
					ansässig. </p>
				<p>Lit.: G. Krüger: Die Geschichte der Stadt Cottbus, Cottbus 1930; R. Lehmann:
					Geschichte der Niederlausitz, Berlin 1963; Autorengemeinschaft: Geschichte der
					Stadt Cottbus, Cottbus 1994; A. und S. Kohlschmidt, T. Kläber: Cottbus
					1156–2006. 850 Jahre, Cottbus 2005; Das Wendische Cottbus – Serbski Chóśebuz,
					Hg. S. Krestin, in: Cottbuser Blätter 2011.</p>
			</div>
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	</text>
</TEI>
