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				<title>Dialekte</title>
				<title xml:lang="deu">Dialekte</title>
				<title xml:lang="hsb">Dialekty</title>
				<title xml:lang="dsb">Dialekty</title>
				<title xml:lang="eng">Dialects</title>
				<author>
					<persName key="ed_rgb_stb_f3b">Wölkowa, Sonja (1956-)</persName>
				</author>
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			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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			<textClass>
				<keywords>
					<term key="Dialekt">Dialekt</term>
					<term key="Dialektologie">Dialektologie</term>
					<term key="Sorbisch">Sorbisch</term>
					<term key="Obersorbisch">Obersorbisch</term>
					<term key="Niedersorbisch">Niedersorbisch</term>
					<term key="Mundart">Mundart</term>
					<term key="Übergangsdialekt">Übergangsdialekt</term>
				</keywords>
			</textClass>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Sprachformen, die in einer bestimmten Landschaft von der ansässigen Bevölkerung
					im täglichen Umgang benutzt werden. Sie unterscheiden sich durch phonologische,
					grammatische und lexikalische Eigenheiten von der Schriftsprache und der lokalen
					Sprache der Nachbarterritorien. Trotz eines begrenzten Sprachgebiets ist das
					Sorbische dialektal stark differenziert.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Rěčne formy, kotrež we wěstej krajinje sydlace wobydlerstwo we wšědnym žiwjenju
					wužiwa. Wone so na zakładźe fonologiskich, gramatiskich a leksikaliskich
					wosebitosćow wot spisowneje rěče a lokalneje rěče susodnych teritorijow
					rozeznawaja. Najebać wobmjezowaneho rěčneho ruma je serbšćina dialektalnje
					sylnje diferencowana.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Rěcne formy, kenž wobydlaŕstwo wěsteje krajiny wšedny źeń wužywa. Dialekty
					rozeznawaju se pśez fonologiske, gramatiske a leksikaliske wósebnosći wót
					pisneje rěcy a lokalneje rěcy susednych teritorijow. Njeglědajucy na
					wobgranicowany rěcny teritorium jo serbšćina dialektalnje mócnje
					diferencěrowana.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Speech forms that are used in a particular geographic area by the resident
					population, in everyday interactions. They are distinguished by phonological,
					grammatical and lexical peculiarities of the written language and the local
					language of neighbouring territories. Despite a limited language area, the
					Sorbian dialect is strongly differentiated.</p>
			</abstract>
		</profileDesc>
    </teiHeader>
    <text>
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			<div>
				<p>Sprachformen, die in einer bestimmten Landschaft von der ansässigen Bevölkerung
					im täglichen Umgang benutzt werden. Sie unterscheiden sich durch phonologische,
					grammatische und lexikalische Eigenheiten von der Schriftsprache und der lokalen
					Sprache der Nachbarterritorien. Für die Sprachform eines einzelnen Ortes hat
					sich in der sorabistischen <rs type="term" key="Dialektologie"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4040728-7">Dialektologie</rs> die Bezeichnung
					Mundart durchgesetzt.</p>
				<p>Trotz eines begrenzten Sprachgebiets ist das <rs type="term" key="Sorbisch"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4116533-0">Sorbische</rs> dialektal stark
					differenziert. Die Unterschiede lassen sich z. T. auf die Stammesdialekte der
						<rs type="term" key="Milzener" ref="-">Milzener</rs> und <rs type="term"
						key="Lusizer" ref="-">Lusizer</rs> zurückführen. Andererseits sind sie
					bedingt durch die abweichende Verbreitung sprachlicher Neuerungen. Die Anwendung
					dialektgeografischer Methoden bei der Erforschung und Beschreibung der
					sorbischen Dialekte brachte seit den 1930er Jahren neue Erkenntnisse über die
					Verteilung der dialektalen Besonderheiten in der Region. Das umfassendste
					Material auf allen Ebenen des Sprachsystems berücksichtigt der „Sorbische
					Sprachatlas“ (15 Bände); seine Grundlage bilden Erhebungen aus den 1950er und
					1960er Jahren.</p>
				<p>Die sorbischen Dialekte sind grundsätzlich in zwei Kernlandschaften gegliedert: eine südliche
					um <placeName key="ed_xwx_lgh_vhb">Bautzen</placeName> (obersorbische Dialekte)
					und eine nördliche um <placeName key="ed_oyh_pkh_vhb">Cottbus</placeName>
					(niedersorbische Dialekte) sowie eine Zone von Übergangsdialekten, in denen
					obersorbische und niedersorbische Sprachmerkmale in jeweils verschiedenem Maße
					ausgeprägt sind bzw. waren. Die Grenzlinien der Verbreitung sprachlicher
					Eigenheiten (Isoglossen) häufen sich besonders in zwei Bereichen: nördlich einer
					Linie zwischen <placeName key="ed_bzp_xy3_vhb">Spremberg</placeName> und
						<placeName key="ed_dmv_jhj_d3b">Muskau</placeName> und südlich einer Linie
					zwischen <placeName key="ed_wkb_qb3_vhb">Hoyerswerda</placeName> und <placeName
						key="ed_srx_rdj_vhb">Weißwasser</placeName>; sie markieren die nördliche und
					die südliche Grenze der Übergangszone. Dabei ist die südliche Grenze der
					Übergangsdialekte deutlicher ausgeprägt als die nördliche. Eine
					sozialhistorische Interpretation der dialektalen Gliederung des sorbischen
					Sprachgebiets bietet <persName key="ed_m54_nhj_d3b">Frido Michałk</persName>
					(Lětopis 1982). Er lehnt die Hypothese von <persName key="ed_p5y_rhj_d3b"
						>Zdzisław Stieber</persName> (1934) ab, nach der die Nordgrenze des
					Hoyerswerdaer und des <placeName key="ed_bss_wy3_vhb">Spreewitzer</placeName>
					Dialekts sowie im weiteren Verlauf die Südgrenze des <rs type="term"
						key="Schleifer Dialekt" ref="-">Schleifer Dialekts</rs> und des Muskauer
					Dialekts die Sprachgrenze zwischen <rs type="term" key="Obersorbisch"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4120294-6">Obersorbisch</rs> und <rs type="term"
						key="Niedersorbisch" ref="http://d-nb.info/gnd/4120286-7"
						>Niedersorbisch</rs> bilden. Auch <persName key="ed_cy1_zhj_d3b">Pawoł
						Wirths</persName> Annahme eines ostsorbischen Dialektgebiets (Muskauer und
					Schleifer Dialekt), an das sich die Nordgrenze des Spreewitzer und Hoyerswerdaer
					Dialekts als obersorbisch-niedersorbische Sprachgrenze anschließt, wird dort
					verworfen. Ausgehend von den im „Sorbischen Sprachatlas“ gewonnenen Daten, von
					historischen Belegen zur <rs type="term" key="Besiedlung" ref="-"
						>Besiedlung</rs> der <placeName key="ed_b4p_wg3_vhb">Lausitz</placeName> und
					von überlieferten Bezeichnungen der Bewohner der Übergangszone sieht Michałk in
					der Südgrenze der Übergangsdialekte die Linie, bis zu der im Hochmittelalter die
					Besiedlung des Heidegebiets von Norden her durch niedersorbische Siedler
					erfolgte. Erst später wurde dieses Gebiet auch von Süden her besiedelt, jedoch
					wohl nur bis zur Nordgrenze der Übergangsdialekte, die praktisch mit der
					historischen Nordgrenze des Markgraftums <placeName key="ed_e5l_q24_c3b"
						>Oberlausitz</placeName> übereinstimmt.</p>
				<p>Charakteristische Unterschiede zwischen ober- und niedersorbischen Dialekten sind z. B. der
					Erhalt von *<ex>č</ex> im Obersorbischen gegenüber dem Wandel zu <ex>c</ex> im
					Niedersorbischen (obersorb. <ex>čisty</ex> – niedersorb. <ex>cysty</ex>
					,sauber‘), der Wandel von urslawisch *<ex>g</ex> zu <ex>h</ex> im Obersorbischen
					gegenüber seinem Erhalt im Niedersorbischen (obersorb. <ex>hora</ex> –
					niedersorb. <ex>góra</ex> ,Berg‘), der Erhalt von weichem *<ex>š</ex>,
						<ex>ž</ex> im Obersorbischen und ihre Erhärtung im Niedersorbischen
					(obersorb. <ex>šija</ex>, <ex>žiwy</ex> – niedersorb. <ex>šyja</ex>,
						<ex>žywy</ex> ,Hals‘, ,lebend‘), der Erhalt von <ex>ć</ex>, <ex>dź</ex> im
					Obersorbischen und ihr Wandel zu <ex>ś</ex>, <ex>ź</ex> im Niedersorbischen
					(obersorb. <ex>ćichi</ex>, <ex>dźěło</ex> – niedersorb. <ex>śichy</ex>,
						<ex>źěło</ex> ,still‘, ,Arbeit‘), der Erhalt von <ex>o</ex> nach Labialen
					und Velaren im Obersorbischen (<ex>woda</ex>, <ex>koza</ex> ,Wasser‘, ,Ziege‘)
					gegenüber ihrem Wandel zu <ex>ó</ex>, <ex>y</ex>, <ex>ε</ex> (nicht vor Labial
					oder Velar) im Niedersorbischen (<ex>wóda</ex>, <ex>wyda</ex>, <ex>kóza</ex>,
						<ex>kyza</ex> u. Ä.), die Aufgabe der i-Deklination im Obersorbischen
						(<ex>kosće</ex> ,Knochen‘) und ihr weitgehender Erhalt im Niedersorbischen
						(<ex>kósći</ex>), der Erhalt des einfachen Präteritums im Obersorbischen
					gegenüber seinem Verlust im Niedersorbischen, der Verlust des Supinums (Variante
					des Infinitivs nach Verben der Bewegung) im Obersorbischen und seine Bewahrung
					in einem Teil der niedersorbischen Dialekte (obersorb. <ex>du spać</ex> –
					niedersorb. <ex>źom spat</ex> ,ich gehe schlafen‘) sowie zahlreiche Unterschiede
					im Bereich des Wortschatzes (z. B. obersorb. <ex>kwas</ex> – niedersorb.
						<ex>swajźba</ex> ,Hochzeit‘, obersorb. <ex>dźećel</ex> – niedersorb.
						<ex>kwiśina</ex> ,Klee‘, obersorb. <ex>kocht</ex> – niedersorb.
						<ex>wósć</ex> ,Granne‘).</p>
				<p>Im obersorbischen Gebiet werden laut „Sorbischem Sprachatlas“ sechs Dialekte unterschieden.
					Davon nimmt der Bautzener Dialekt (gesprochen im südöstlichen Teil der
					Oberlausitz) das größte Territorium ein, er bildet die Basis der evangelischen
					Variante der obersorbischen Schriftsprache. Typische Besonderheiten gegenüber
					der heutigen einheitlichen obersorbischen Schriftsprache sind u. a. der Wandel
					von unbetontem *<ex>ě</ex> zu <ex>i</ex> (z. B. im Lok. Sg. <ex>w domi</ex> ,im
					Haus‘ gegenüber schriftsprachlichem <ex>w domje</ex>), der Rückgang des Duals,
					die Verallgemeinerung der Deklinationsformen der Adjektive bei den Pronomina
					(Gen. Sg. <ex>teho</ex> ,des‘, Dat. Sg. <ex>temu</ex> ,dem‘ gegenüber
					schriftsprachlichem <ex>toho</ex>, <ex>tomu</ex>). Im Westen schließt sich der
					sog. katholische Dialekt an, der die Grundlage einer eigenen Variante der
					obersorbischen Schriftsprache war. Zu seinen Charakteristika zählen die Senkung
					des unbetonten *<ex>ě</ex> zu <ex>e</ex> (<ex>w domje</ex>), die Expansion der
					pronominalen Deklination auf die Adjektive (Gen. Sg. <ex>rjanoho</ex> ,des
					schönen‘, Dat. Sg. <ex>rjanomu</ex> ,dem schönen‘ gegenüber schriftsprachlichem
						<ex>rjaneho</ex>, <ex>rjanemu</ex>). Nördlich des katholischen Dialekts sind
					der <placeName key="ed_ep1_g2j_vhb">Wittichenauer</placeName> und der <placeName
						key="ed_gyf_sr3_vhb">Oßlinger</placeName> Dialekt zu lokalisieren, nördlich
					des Bautzener Dialekts der Heidedialekt mit mehreren Varianten. Der <placeName
						key="ed_bdx_gr3_vhb">Nochtener</placeName> Dialekt wurde früher zu den
					Übergangsdialekten gerechnet. Die Erhebungen des „Sorbischen Sprachatlasses“
					haben jedoch gezeigt, dass er mehr Übereinstimmungen mit den obersorbischen
					Dialekten aufweist.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2019/11/SKL-Dialekte_Karte.jpg"/>Übersichtskarte der Dialekte im sorbische Sprachraum; Karte: Iris
					Brankatschk</p>
				<p>Im niedersorbischen Kerngebiet nimmt unter den sechs sorbischen Dialekten der Cottbuser
					Dialekt den größten Raum ein, dabei sind mehrere Varietäten zu unterscheiden: So
					sind im östlichen und südlichen Gebiet ähnlich wie im weiter südlich gelegenen
					Spremberger Dialekt die Konsonantengruppen <ex>pr</ex>, <ex>kr</ex> erhalten und
					nur <ex>tr</ex> wandelt sich zu <ex>tš</ex> (<ex>prawy</ex> ,recht‘,
						<ex>kruška</ex> ,Birne‘, aber <ex>tšawa</ex> ,Gras‘). Der zentrale und der
					westliche Cottbuser Dialekt wandeln dagegen in allen genannten Lautgruppen das
						<ex>r</ex> zu <ex>š</ex> (<ex>pšawy</ex>, <ex>kšuška</ex>, <ex>tšawa</ex>).
					Für den nordwestlichen und nordöstlichen niedersorbischen Dialekt ist der Erhalt
					des harten und weichen <ex>l</ex> bzw.<ex> l’</ex> charakteristisch
						(<ex>glowa</ex> ,Kopf‘ gegenüber südlich <ex>gwowa</ex> bzw. <ex>l’uby</ex>
					,lieb‘ gegenüber <ex>luby</ex>). An der westlichen Peripherie der
					niedersorbischen Dialekte liegt das Gebiet des <placeName key="ed_fz2_zcj_vhb"
						>Vetschauer</placeName> Dialekts, für den z. B. weiches <ex>-ch</ex> im
					Auslaut (<ex>much’i</ex> ,Fliegen‘ gegenüber östlich <ex>muchy</ex>) und der
					Erhalt des betonten <ex>ě</ex> (<ex>měso</ex> ,Fleisch‘) gegenüber häufigem
					Ersatz durch <ex>-’e</ex> (<ex>mjeso</ex>) typisch sind. Eine monografische
					Beschreibung dieses Dialekts bietet <persName key="ed_bd3_vjj_d3b">Helmut
						Faska</persName> (1964). Mit der Mundart von <placeName key="ed_m52_nb3_vhb"
						>Horno</placeName> wurde im SSA ein Rest des ehemals weiter nach Osten
					reichenden <placeName key="ed_xgh_c13_vhb">Gubener</placeName> Dialekts
					beschrieben.</p>
				<p>Auch im Gebiet der Übergangsdialekte gibt es sechs verschiedene Varietäten. Dabei stehen der
					Hoyerswerdaer und der Spreewitzer Dialekt sowie die Mundart von <placeName
						key="ed_g25_gyh_vhb">Großkoschen</placeName> dem Obersorbischen näher,
					während für den Muskauer und den Schleifer Dialekt sowie für den mittleren
					Grenzdialekt mehr Gemeinsamkeiten mit dem Niedersorbischen feststellbar sind. So
					ist im Schleifer und Muskauer Dialekt wie im Niedersorbischen <ex>g</ex>
					erhalten (<ex>góra</ex>),<ex> č</ex> zu <ex>c</ex> (<ex>čas</ex> > <ex>cas</ex>
					,Zeit‘) und <ex>o</ex> nach Velaren und Labialen zu <ex>ó</ex> gewandelt
						(<ex>wóda</ex>, <ex>kóza</ex>); wie im Niedersorbischen lauten die
					Dualformen der Substantive im Nominativ der Maskulina auf <ex>-a</ex>, im Dativ,
					Instrumental und Lokativ auf <ex>-oma</ex> aus (<ex>kónja</ex>, Instr. Du. <ex>z
						kónjoma</ex> ,zwei Pferde, mit zwei Pferden‘). Andererseits haben sich in
					diesen Dialekt wie im Obersorbischen <ex>ć</ex>, <ex>dź</ex> erhalten
						(<ex>ćicho</ex> ,leise‘, <ex>dźělo</ex> ,Arbeit‘), die Lautgruppen
						<ex>pr</ex>, <ex>kr</ex>, <ex>tr</ex> bleiben unverändert (<ex>prawy</ex>,
						<ex>kruška</ex>, <ex>trawa</ex>). Als Besonderheit gegenüber den
					benachbarten Dialekten ist hier z. B. der Erhalt der Lautgruppe <ex>str</ex>
						(<ex>sostra</ex>, <ex>strup</ex> – obersorb. <ex>sotra</ex>, <ex>trup</ex> –
					niedersorb. <ex>sotša</ex>, <ex>tšup</ex> ,Schwester‘, ,Grind‘) zu nennen. Im
					Spreewitzer Dialekt – als Beispiel eines Übergangsdialekts mit größerer
					Ähnlichkeit zum Obersorbischen – ist dagegen <ex>č</ex>, <ex>ć</ex> und
						<ex>dź</ex> bewahrt (<ex>čas</ex>, <ex>ćicho</ex>, <ex>dźěło</ex>) und
						<ex>g</ex> zu <ex>h</ex> geworden (<ex>hólica</ex> – obersorb.
						<ex>holca</ex> ,Mädchen‘) – wie im Niedersorbischen sind <ex>š</ex>,
						<ex>ž</ex> erhärtet (<ex>šyja</ex>, <ex>žywy</ex>) und <ex>o</ex> nach
					Labialen und Velaren meist zu <ex>ó</ex> gewandelt (<ex>hólica</ex>).</p>
				<p>Heute ist infolge der sprachlichen <rs type="term" key="Assimilation"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4139304-1">Assimilation</rs> die Zahl der
					Dialektsprecher erheblich zurückgegangen. Verschiedene Dialekte werden nur noch
					von der ältesten Generation gesprochen, andere sind ausgestorben (z. B. die
					Hornoer und Großkoschener Mundart, Oßlinger Dialekt). Doch auch im Gebiet des
					katholischen und des Wittichenauer Dialekts, wo noch eine größere Zahl an
					sorbischen Muttersprachlern aufwächst, unterliegt der Dialekt zunehmend den
					Einflüssen der obersorbischen Schriftsprache und der Interferenz mit dem
					Deutschen. Der Status der von jungen Sorben in diesem Gebiet im täglichen Umgang
					gesprochenen Varietät ist umstritten: <persName key="ed_kvt_ykj_d3b">Lenka
						Šołćic</persName> und <persName key="ed_l3y_blj_d3b">Walter Breu</persName>
					ordnen sie als (regionale) Umgangssprache mit dialektalem Substrat ein. Denkbar
					ist auch eine Interpretation als Entwicklungsform des katholischen bzw.
					Wittichenauer Dialekts mit den o. g. Einflüssen.</p>
				<p>Lit.: Z. Stieber: Stosunki pokrewieństwa języków łużyckich, Kraków 1934; F.
					Michałk: Die mundartliche Gliederung der sorbischen Sprache, in: Makedonski
					jazik 32–33 (1982); S. Michalk: Wo socialnohistoriskim pozadku dialektalneje
					diferenciacije serbšćiny, in: Lětopis A 29 (1982) 2; L. Scholze: Das
					grammatische System der obersorbischen Umgangssprache im Sprachkontakt, Bautzen
					2008.</p>
			</div>
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    </text>
</TEI>
