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        <fileDesc>
			<titleStmt>
				<title>Senftenberger Region</title>
				<author>Franz Schön</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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        </fileDesc>
		<profileDesc>
			<textClass>
				<keywords>
					<list>
						<item>Niederlausitz</item>
						<item>Preußen</item>
						<item>Industrialisierung</item>
						<item>Braunkohlenbergbau</item>
						<item>Glasindustrie</item>
						<item>Devastierung</item>
						<item>Assimilation</item>
						<item>evangelische Sorben</item>
					</list>
				</keywords>
			</textClass>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Südwestliche Landschaft der Niederlausitz, die im Süden an die Oberlausitz
					grenzt. Zentrum ist das historische Amt Senftenberg mit der Stadt und den
					umliegenden 28 Dörfern. Seit dem hohen Mittelalter aus Norden und Süden von
					Sorben besiedelt.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Juhozapadna krajina Delnjeje Łužicy, kotraž mjezuje w juhu na Hornju Łužicu.
					Centrum je historiski hamt Zły Komorow z městom a wokolnymi 28 wjeskami. Wot
					wysokeho srjedźowěka ze sewjera a juha wot Serbow wobsydleny region.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Krajina na krotkem wjacorje Dolneje Łužyce, kenž mrokujo w pódpołdnju z Górneju
					Łužycu. Centrum jo historiski amt Zły Komorow z městom a wokolnymi 28 jsami. Wót
					wusokego srjejźowěka z pódpołnocy a pódpołdnja wót Serbow wobsedlony region.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Southwestern area of Lower Lusatia, which borders on Upper Lusatia in the South.
					Its centre is the historic Amt Senftenberg, with the city and the surrounding 28
					villages. Populated by Sorbs from the North and South, since the height of the
					Middle Ages.</p>
			</abstract>
		</profileDesc>
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    <text>
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				<p>Südwestliche Landschaft der <placeName key="ed_ts5_p24_c3b">Niederlausitz</placeName>, die im
					Süden an die <placeName key="ed_e5l_q24_c3b">Oberlausitz</placeName> grenzt.
					Zentrum ist das historische Amt <placeName key="ed_tt5_2y3_vhb"
						>Senftenberg</placeName> mit der Stadt und den umliegenden 28 Dörfern. Seit
					dem hohen Mittelalter aus Norden und Süden von <rs type="term" key="Sorben"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4055619-0">Sorben</rs> besiedelt, war die
					ertragsarme Region von der deutschen <rs type="term" key="Kolonialismus"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4073624-6">Kolonisation</rs> kaum betroffen. 1448
					wurde die Herrschaft aus dem böhmischen Markgraftum Niederlausitz aus- und
					Kursachsen angegliedert. Die <rs type="term" key="Reformation"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4048946-2">Reformation</rs> erfolgte im Amt
					Senftenberg 1539, dabei wurde es aus der Niederlausitzer Kirchenverwaltung
					herausgelöst und der Superintendentur <placeName key="ed_lcg_vxh_vhb"
						>Großenhain</placeName> unterstellt. Unter den ersten Senftenberger Pfarrern
					war 1543–1551 <persName key="ed_fn3_pw3_f3b">Wěcław Mět</persName>, als
					Wittenberger Student <persName key="ed_xtk_xn4_c3b">Martin Luthers</persName>
					„wendischer Famulus“. Die ersten Kirchenvisitationen stellten ausdrücklichden
					sorbischen Charakter der Dörfer und die Notwendigkeit der Anwendung der
					sorbischen Sprache in der <rs type="term" key="Kirche"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4030702-5">Kirche</rs> fest. Als in Senftenberg
					den Bauern der Gottesdienst in <rs type="term" key="Sorbisch"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4116533-0">Sorbisch</rs> nicht gewährt wurde,
					protestierten sie 1554 bei der Landesregierung in <placeName
						key="ed_v45_yth_vhb">Dresden</placeName> und erklärten, dass von 4 000
					Kirchgängern nur 500, d. h. die Einwohner Senftenbergs, das Deutsche
					verstünden.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Senftenberger-Region_01.jpg"/>Historische Postkarte aus Lauta, um 1920; Sorbisches
					Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Daher wurde in der Stadt nach 1555 eine zweite, <rs type="term" key="Wendische Kirchen"
						ref="-">Wendische Kirche</rs> eingerichtet. Man fasste alle sorbischen
					Kirchspiele der Großenhainer Superintendentur zu einem „wendischen Zirkel“
					zusammen, der dem Senftenberger Pfarrer unterstand. Dieser musste Sorbe sein und
					hatte im 18. Jh. bis zu elf Kirchen zu beaufsichtigen: Senftenberg mit den
					Filialen <placeName key="ed_ehl_rx3_vhb">Zschornegozda</placeName> (seit 1937
						<placeName key="ed_ehl_rx3_vhb">Schwarzheide</placeName>) und <placeName
						key="ed_yr1_xx3_vhb">Sedlitz</placeName>, <placeName key="ed_wq5_3yh_vhb"
						>Großräschen</placeName> mit <placeName key="ed_cdf_qth_vhb"
						>Dörrwalde</placeName>, <placeName key="ed_ssj_ff3_vhb"
						>Klettwitz</placeName> mit <placeName key="ed_ccj_cg3_vhb"
						>Kostebrau</placeName>, <placeName key="ed_lds_ch3_vhb">Lauta</placeName>
					mit <placeName key="ed_g25_gyh_vhb">Großkoschen</placeName> und <placeName
						key="ed_q4y_ry3_vhb">Wendisch Sorno</placeName> (seit 1937 <placeName
						key="ed_q4y_ry3_vhb">Sorno</placeName>) mit <placeName key="ed_pr1_133_vhb"
						>Lieske</placeName>.</p>
				<p>Auch außerhalb des kirchlichen Lebens dominierte die sorbische Sprache, wie Amts-
					und Huldigungseide aus dem 17. Jh. zeigen (→ <rs type="term" key="Eid" ref="-"
						>Eid</rs>). Von der Entfaltung des sorbischen <rs type="term"
						key="Buchdruck" ref="-">Buchdrucks</rs> in den benachbarten Regionen blieb
					die Senftenberger Region durch ihre administrative Zugehörigkeit ausgeschlossen.
					So wurden z. B im 18. Jh. in Lauta die aus gedruckten und ungedruckten ober- und
					niedersorbischen Gesangbüchern stammenden <rs type="term" key="Kirchenlied"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4120567-4">Kirchenlieder</rs> in angepasster
					Version weiterhin handschriftlich verwendet und noch 1752–1756 von einem Lehrer
					erneut abgeschrieben. Auch <persName key="ed_kng_gx3_f3b">Jurij
					Dumiš</persName>, 1726–1753 Pfarrer in Großräschen, Senftenberg und Lauta und
					selbst Herausgeber von obersorbischen religiösen Schriften, vermochte weder das
					obersorbische noch ein niedersorbisches Gesangbuch einzuführen. Sorbische Bücher
					kamen in der kirchlichen Praxis kaum vor; die Handschriften wurden erst Ende des
					18. Jh. von deutschen Gesangbüchern verdrängt.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Senftenberger-Region_02.jpg"/>Handschriftliches evangelisches Gesangbuch aus Lauta, 1756;
					Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Senftenberger-Region_03.jpg"/>Senftenberger Region um 1790; Karte: Iris Brankatschk</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Senftenberger-Region_04.jpg"/>Kirchgangstracht aus Dörrwalde; Fotograf: Lotar Balke,
					Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Nach dem Wiener Kongress fiel die Senftenberger Region an Preußen und wurde
					kirchlich dem Spremberger Superintendenten unterstellt (bis 1927). Das bewirkte
					einschneidende Veränderungen v. a. für das Sorbische in der Öffentlichkeit. 1818
					wurden alle Pastoren und Lehrer ermahnt, für die intensive Verbreitung des
					Deutschen zu sorgen. Anfangs konnten in den Elementarschulen Schulanfänger die
					Muttersprache benutzen, ab 1840 durfte nur noch auf Deutsch gelehrt werden. Die
					Predigt sollte an keinem Ort allein sorbisch gehalten werden. Vielfältige
					Mischformen führten allmählich zur Abschaffung der sorbischen Predigt – in
					Sedlitz sporadisch ab 1820 und gänzlich 1864, in Wendisch Sorno 1830, in
					Klettwitz 1831 und gänzlich 1840, in Großräschen zwischen 1830 und 1868,
					gänzlich nach dem Tod des Pfarrers und Herausgebers eines
					niedersorbisch-deutschen Wörterbuchs <persName key="ed_lxs_4x3_f3b">Johann Carl
						Friedrich Zwahr</persName>. Als radikaler Germanisator ist <persName
						key="ed_gt2_sx3_f3b">Jan Křesćan Rychtar</persName> aus <placeName
						key="ed_oh5_cf3_vhb">Kleinräschen</placeName>, Pfarrer in Sorno und Lauta,
					in die Annalen eingegangen. In jungen Jahren Hauslehrer bei <persName
						key="ed_dgz_2y3_f3b">Otto von Manteuffel</persName> in <placeName
						key="ed_byq_qm3_vhb">Lübben</placeName>, kam er mit den antisorbischen
					Ansichten des Lausitzer Adels in Berührung und forderte später den rigorosen
					Ausschluss der sorbischen Sprache aus <rs type="term" key="Schule"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4053474-1">Schule</rs>, Kirche und Gerichten, er
					bezeichnete die Sorben als Feinde der Deutschen. Im noch durchweg sorbischen
					Kirchspiel Lauta führte er 1846 den Gottesdienst abwechselnd in Sorbisch und
					Deutsch ein. Seinen zwei Nachfolgern, darunter Jan Boguchwał Markus, der als
					Student sorbische <rs type="term" key="Volkslied"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4063852-2">Volkslieder</rs> sammelte, folgte 1876
					ein deutscher Pastor nach, mit dem die sorbische Predigt endete. Am längsten
					(bis 1878) wurde die sorbische Sprache in der Wendischen Kirche Senftenbergs
					respektiert, was dem Oberpfarrer <persName key="ed_lfq_ly3_f3b">Jurij
						Libuš</persName> sowie dessen Archidiakon <persName key="ed_cq4_5y3_f3b"
						>Hanzo Kózlik</persName> zu verdanken war.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Senftenberger-Region_05.jpg"/>Mädchen in Fastnachtstrachten (mit Kuschauka) aus Sorno, um
					1975; Fotograf: Lotar Balke, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Mit Feudalablösung und Separation wandelten sich oft die Formen der sorbischen
						<rs type="term" key="Volksbauweise" ref="-">Volksbauweise</rs> und
					Volkskultur. Die strohgedeckten Blockhäuser wurden – nach einer Zwischenphase
					mit Fachwerkbauten – ab 1860 durch Rohziegelbauten ersetzt, wobei für die
					Senftenberger Region der Vierseithof typisch blieb. Auch die <rs type="term"
						key="Tracht" ref="http://d-nb.info/gnd/4060554-1">Tracht</rs> verlor mit dem
					wirtschaftlichen Aufschwung viele Sonderformen (z. B. die Kuschaua, eine kleine
					Haube) und glich sich nach 1880 der herrschenden Mode an; sie wurde aber von den
					Mädchen noch bis 1950 zur <rs type="term" key="Fastnacht"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4016518-8">Fastnacht</rs> getragen. Aufgrund der
					fehlenden Lesefähigkeit im Volk besaß die sorbische <rs type="term"
						key="Nationalbewegung" ref="-">Nationalbewegung</rs> kaum Einfluss. In den
					um 1880 noch weitgehend sorbischen Dörfern entstanden nur deutsche Krieger- und
					ähnliche Vereine. Sehr lange hielten sich <rs type="term" key="Sage" ref="-"
						>Sagen</rs> (z. B. um den Koschenberg) und <rs type="term" key="Bräuche"
						ref="-">Bräuche</rs>, die Volkskundler noch Ende des 19. Jh.
					aufzeichneten.</p>
				<p>Die nach 1871 einsetzende <rs type="term" key="Industrialisierung"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4026776-3">Industrialisierung</rs> veränderte die
					Senftenberger Region massiv. Funde von Lehm und Ton brachten die Glasindustrie
					hervor. Der massenhafte Zuzug deutscher und polnischer Arbeiter, der zur
					Entstehung zahlreicher Werkssiedlungen führte, veränderte die nationale
					Zusammensetzung der Bevölkerung. Mehrere Dörfer wurden durch den <rs type="term"
						key="Braunkohlebergbau" ref="http://d-nb.info/gnd/4131791-9"
						>Braunkohlenbergbau</rs> devastiert. Die sorbische Sprache verschwand in der
					ersten Hälfte des 20. Jh., die letzten Sprecher dienten um 1960
					Sprachwissenschaftlern zu Dialektaufnahmen (→ <rs type="term" key="Dialekt"
						ref="-">Dialekte</rs>).</p>
				<p>Lit.: R. Lehmann: Zur Geschichte des Wendentums im Bereich des ehemaligen Amtes Senftenberg,
					in: Ders.: Bilder aus Senftenbergs Vergangenheit, [1932]; L. Balke:
					Sorno-Rosendorf, [Senftenberg] 1972; P. Kunze: Sorbische Reminiszenzen aus
					Senftenberg und Umgebung, in: Pratyja 2005, Bautzen 2004; H. Ruhland: Als unser
					Gebiet noch „wendisch“ war, in: Kippensand. Heimatkalender für das Senftenberger
					Revier 2013, Werben 2012.</p>
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