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			<titleStmt>
				<title>Witaj-Modellprojekt</title>
				<title xml:lang="deu">Witaj-Modellprojekt</title>
				<title xml:lang="hsb">Witaj-projekt</title>
				<title xml:lang="dsb">Witaj-projekt</title>
				<title xml:lang="eng">Witaj Pilot Project</title>
				<author>
					<persName key="ed_itb_y4c_r3b">Budarjowa, Ludmila (1949-)</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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		<profileDesc>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Konzept zur Förderung und Revitalisierung der sorbischen Sprache bei Kindern
					unter Anwendung der Immersionsmethode; das sorbische Wort <ex>Witaj</ex> heißt
					,Willkommen‘.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Koncept za spěchowanje a rewitalizowanje serbskeje rěče pola dźěći z nałožowanjom
					metody imersije. Mjeno je wot serbskeho słowa <ex>witaj</ex> wotwodźene.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Koncept za spěchowanje a rewitalizaciju serbskeje rěcy pla źiśi z nałožowanim
					metody imersije. Pomjenjenje jo wótwóźone wót serbskego słowa
					<ex>witaj</ex>.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Concept for the promotion and revitalisation of the Sorbian language in children
					using the immersion method; the Sorbian word “Witaj” means Welcome.</p>
			</abstract>
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				<keywords>
					<term key="Spracherwerb">Spracherwerb</term>
					<term key="Sorbisch">Sorbisch</term>
					<term key="Obersorbisch">Obersorbisch</term>
					<term key="Niedersorbisch">Niedersorbisch</term>
					<term key="Zweisprachigkeit">Zweisprachigkeit</term>
					<term key="Domowina">Domowina</term>
					<term key="Revitalisierung">Revitalisierung</term>
					<term key="Immersion (Fremdsprachenlernen)">Immersion
						(Fremdsprachenlernen)</term>
					<term key="Kindergarten">Kindergarten</term>
					<term key="Schule">Schule</term>
					<term key="Erstsprache">Erstsprache</term>
					<term key="Zweitsprache">Zweitsprache</term>
					<term key="Sprache">Sprache</term>
					<term key="Muttersprache">Muttersprache</term>
				</keywords>
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    <text>
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				<p>Konzept zur Förderung und Revitalisierung der sorbischen Sprache bei Kindern
					unter Anwendung der Immersionsmethode; das sorbische Wort <ex>Witaj</ex> heißt
					,Willkommen‘. Immersion (auch „Sprachbad“) ist eine Form des frühen
					Zweitspracherwerbs unter institutionellen Bedingungen (→ <rs type="term"
						key="Spracherwerb">Spracherwerb</rs>). Die Methode wurde zuerst in Kanada
					erprobt und von den Bretonen in Frankreich in den 1970er Jahren übernommen,
					woraus dort die DIWAN-Bewegung hervorging. Der Sorbische Schulverein e. V. griff
					die Idee des immersiven Lernens in den 1990er Jahren auf und schuf die
					Konzeption für das Witaj-Modellprojekt. Es ist vorrangig für Kinder aus
					Elternhäusern gedacht, deren Muttersprache nicht <rs type="term" key="Sorbisch"
						>Sorbisch</rs> ist. Dabei wird das Rollenprinzip „eine Person – eine
					Sprache“ angewandt; die Bezugsperson in der Kindertagesstätte spricht mit den
					Kindern Sorbisch, unabhängig davon, ob die Eltern Deutsch oder eine andere
					Sprache sprechen. Die Kinder werden so auf natürliche Weise zweisprachig
					sozialisiert.</p>
				<p>Bei der vollständigen Immersion sprechen alle Erzieherinnen während der gesamten
					Betreuungszeit Sorbisch. In Witaj-Kindertagesstätten gilt dieses Prinzip
					durchweg. Bei der partiellen oder teilweisen Immersion lernen einige Kinder in
					einer oder mehreren Gruppen Sorbisch. Dabei beherrschen meist nur die für die
					Witaj-Gruppen verantwortlichen Erzieherinnen die sorbische Sprache.</p>
				<p>Der Sorbische Schulverein führte 1998 in der Witaj-Kindertagesstätte „Mato Rizo“
					in <placeName key="ed_y3d_3y3_vhb">Sielow</placeName> (<rs type="term"
						key="Cottbus">Cottbus</rs>) erstmalig im sorbischen <rs type="term"
						key="Siedlungsgebiet">Siedlungsgebiet</rs> das Witaj-Modellprojekt bei einer
					Gruppe von zwölf Kindern ein. Es folgten 1999 die Witaj-Kindertagesstätten in
						<placeName key="ed_kfg_pth_vhb">Dörgenhausen</placeName> und <placeName
						key="ed_tv3_4v3_vhb">Rohne</placeName>, 2000 in <placeName
						key="ed_ts5_bn3_vhb">Malschwitz</placeName> und 2002 in <placeName
						key="ed_oyh_pkh_vhb">Cottbus</placeName>-Mitte. Da nicht jedes Kind aus
					einer sorbischen oder gemischtsprachigen Ehe in der Familie das Sorbische
					erlernt, gewinnt die institutionelle Anwendung der vollständigen Immersion an
					Bedeutung. Sie wird daher auch in den sorbischen Kindergärten <placeName
						key="ed_epd_wrh_vhb">Crostwitz</placeName>, <placeName key="ed_lvr_5t3_vhb"
						>Ralbitz</placeName> und <placeName key="ed_udz_tr3_vhb">Ostro</placeName>
					für einzelne Kinder mit nicht sorbischer Muttersprache angewendet. Ein ähnliches
					Prinzip des Spracherwerbs hat in diesen Einrichtungen bereits Tradition. Seit
					1999 gründeten weitere freie und kommunale Träger Witaj-Gruppen in deutschen
					bzw. sorbischen Kindertagesstätten (u. a. in <placeName key="ed_fz2_zcj_vhb"
						>Vetschau</placeName>, <placeName key="ed_uzl_gbj_vhb"
					>Straupitz</placeName>, <placeName key="ed_omc_pjh_vhb">Burg
						(Spreewald)</placeName> und <placeName key="ed_wwy_vb3_vhb"
						>Jänschwalde</placeName> in der <rs type="term" key="Niederlausitz"
						>Niederlausitz</rs>; in <rs type="term" key="Bautzen">Bautzen</rs>,
						<placeName key="ed_b4b_zr3_vhb">Panschwitz-Kuckau</placeName>, <placeName
						key="ed_bht_2b3_vhb">Hochkirch</placeName> und <placeName
						key="ed_d2j_yf3_vhb">Königswartha</placeName> in der <rs type="term"
						key="Oberlausitz">Oberlausitz</rs>).</p>
				<p>In den Witaj-Kindertagesstätten und Witaj-Gruppen lernen die Kinder <rs
						type="term" key="Obersorbisch">Ober</rs>- bzw. <rs type="term"
						key="Niedersorbisch">Niedersorbisch</rs> zeitlich versetzt zur Erstsprache
					Deutsch. Zwecks altersgerecht ausgewogener sorbisch-deutscher <rs type="term"
						key="Zweisprachigkeit">Zweisprachigkeit</rs> bis zum Schuleintritt wird für
					muttersprachlich sorbische Kinder in den Kindertagesstätten Ralbitz und
					Crostwitz die deutsche Sprache punktuell und personengebunden vermittelt. In
					Sachsen ist das Witaj-Modellprojekt auf die vorschulische Bildung und Erziehung
					beschränkt. In der Schule wird das Sorbische im Rahmen der
					schulartübergreifenden Konzeption 2plus als Unterrichtssprache bzw. durch
					bilinguale Module im Sach-/Fachunterricht vermittelt. In Brandenburg hat sich
					der Begriff Witaj auch in der Schule etabliert: Witaj-Klasse, Witaj-Unterricht,
					Witaj-Schüler.</p>
				<p>Lehr- und Lernmittel sowie Projekte zur Unterstützung des sorbisch-deutschen
					Spracherwerbs werden u. a. vom WITAJ-Sprachzentrum der <rs type="term"
						key="Domowina">Domowina</rs>, vom <rs type="term" key="Domowina-Verlag"
						>Domowina-Verlag</rs>, von der Arbeitsstelle für sorbische (wendische)
					Bildungsentwicklung Cottbus, dem Sächsischen Bildungsinstitut in <placeName
						key="ed_vdd_lt3_vhb">Radebeul</placeName> und dem Sorbischen Schulverein
					entwickelt und herausgegeben. Zur Qualifikation der Erzieherinnen in
					Witaj-Kindergärten und Witaj-Gruppen werden auch regionale Angebote genutzt.
					Elterntreffen, Ganztagsangebote an den Schulen, Feriensprachlager, Sprach- und
					Kulturwettbewerbe sowie Familienfeste schaffen zusätzliche sorbische Sprachräume
					und dienen zugleich dem Erfahrungsaustausch.</p>
				<p>Entscheidend für den Erfolg des frühkindlichen sorbisch-deutschen
					Zweitspracherwerbs sind Intensität, Konsequenz, Dauer und Kontinuität der
					Sprachvermittlung. Der Lernerfolg ist einerseits von den individuellen
					Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder, andererseits von den gegebenen
					Rahmenbedingungen abhängig.</p>
				<p>Lit.: 20 Jahre Sorbischer Schulverein e. V., Hg. L. Budarjowa, Bautzen 2010; Das
					bilinguale Sprachprogramm WITAJ in der Kindertagesstätte und in der Schule in
					der Niederlausitz. Einblicke und Ausblicke, Hg. M. Norberg, Bautzen 2006; Das
					WITAJ-Projekt in Kindertagesstätten im Freistaat Sachsen – Zwischenbilanz und
					Ausblick in die Zukunft, Hg. J. Kaulfürstowa, Bautzen 2008; L. Budar/J. Schulz:
					Sorbisch lernen und lehren. Sprachstandsanalyse in ausgewählten
					Kindertagesstätten der Ober- und Niederlausitz, in: Witaj und 2plus – eine
					Herausforderung für die Zukunft, Hg. L Budarjowa, Bautzen 2009.
					www.witaj-sprachzentrum.de; J. Schulz, Bilingualer Spracherwerb im
					Witaj-Projekt, Bautzen 2015; J. Schulz: Sorbisch, in: Handbuch
					Fremdsprachenunterricht, Hgg. Grit Burwitz-Melzer, Grit Mehlhorn u. a., Tübingen
					62016; 20 Jahre Witaj, Hg. L. Budarjowa, Bautzen 2018.</p>
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