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				<title>Zuwanderung</title>
				<title xml:lang="deu">Zuwanderung</title>
				<title xml:lang="hsb">Připućowanje</title>
				<title xml:lang="dsb">Pśidrogowanje</title>
				<title xml:lang="eng">Immigration</title>
				<author>
					<persName key="ed_smj_rk5_sjb">Keller, Ines (1964-)</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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				<keywords>
					<term key="Besiedlung">Besiedlung</term>
					<term key="Assimilation">Assimilation</term>
					<term key="Kolonisation">Kolonisation</term>
					<term key="Oberlausitz">Oberlausitz</term>
					<term key="Niederlausitz">Niederlausitz</term>
					<term key="Kurmärkisch-wendischer Distrikt">Kurmärkisch-wendischer
						Distrikt</term>
					<term key="Cottbuser Kreis">Cottbuser Kreis</term>
					<term key="Braunkohlebergbau">Braunkohlebergbau</term>
					<term key="Senftenberger Region">Senftenberger Region</term>
				</keywords>
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			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Zuzug von Personen mit der Absicht, sich auf Dauer niederzulassen. Im 12./13. Jh.
					förderten die Feudalherren der Lausitzen eine innere Kolonisation, bei der sich
					deutsche Zuwanderer in großen Gruppen unweit sorbischer Dörfer ansiedelten.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Přićah wosobow ze zaměrom, so trajnje zasydlić. W 12./13. lětstotku spěchowachu
					feudalnicy Łužicow nutřkownu kolonizaciju, při kotrejž so němscy připućowarjo we
					wulkich skupinach njedaloko serbskich wsow zasydlachu.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Pśiśěgnjenje wósobow z cilom se stawnje zasedliś. W 12./13. su feudalne kněžki
					Łužycowu spěchowali nutśikownu kolonizaciju, pśi kótarejž su se wjelike kupki
					nimskich pśidrogowarjow njedaloko serbskich jsow zasedlili.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Immigration of persons with the intention of settling permanently. During the
					12th/13th centuries the Lusatian feudal lords fostered internal colonisation,
					during which German immigrants settled in large groups near Sorbian
					villages.</p>
			</abstract>
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				<p>Zuzug von Personen mit der Absicht, sich auf Dauer niederzulassen. Im 12./13. Jh.
					förderten die Feudalherren der Lausitzen eine innere <rs type="term"
						key="Kolonisation">Kolonisation</rs>, bei der sich deutsche Zuwanderer in
					großen Gruppen unweit sorbischer Dörfer ansiedelten. Infolge der
					Gegenreformation in den katholisch gebliebenen Nachbarländern kam es nach 1620
					zu mehreren Flucht- und Migrationswellen protestantischer Adliger, Stadtbürger
					und Landbewohner in die <rs type="term" key="Oberlausitz">Ober</rs>- und <rs
						type="term" key="Niederlausitz">Niederlausitz</rs>. Sowohl das
					protestantische Brandenburg als auch Kursachsen, zu dem seit dem <rs type="term"
						key="Traditionsrezess">Traditionsrezess</rs> von 1635 die Lausitzen
					gehörten, gewährten Aufenthalt; z. T. konnten damit Bevölkerungsverluste des <rs
						type="term" key="Dreißigjähriger Krieg">Dreißigjährigen Kriegs</rs>
					ausgeglichen werden, die bis zu 50 % betrugen.</p>
				<p>Schon Anfang der 1620er Jahre waren evangelische Tuchmacher aus Schlesien in
					niederlausitzische Städte wie <placeName key="ed_h5w_py3_vhb">Sorau</placeName>,
						<placeName key="ed_pgy_1vh_vhb">Forst</placeName> oder <placeName
						key="ed_xgh_c13_vhb">Guben</placeName> gekommen; ab Ende der 1640er Jahre
					erließ Brandenburg konkrete Maßnahmen. Angesiedelt wurden niederländische und
					friesische Bauern, ab den 1680er Jahren Schweizer, Hugenotten und Pfälzer. In
					Sachsen waren die ersten Zuwanderer 1623 und 1624 zu verzeichnen. Nach
					Kriegsende, besonders ab 1651, erfolgte aufgrund der Restriktionen gegen
					Protestanten die stärkste Einwanderungswelle aus Böhmen. Die Exulanten ließen
					sich in Dörfern v. a. der südlichen Lausitz und im mittleren Erzgebirge nieder.
					Im grenznahen Raum unterstützten die Feudalherren die Ansiedlung böhmischer
					Zuwanderer auf Kleinstellen und förderten die Leineweberei (→ <rs type="term"
						key="Wirtschaft">Wirtschaft</rs>). Der Anteil der böhmischen Exulanten an
					der Bevölkerung des damaligen Sachsens lässt sich mit etwa 5 % beziffern. Unter
					ihren Nachkommen finden sich Persönlichkeiten der sorbischen Kulturgeschichte,
					so der <placeName key="ed_wc5_hyh_vhb">Großpostwitzer</placeName> Pfarrer
						<persName key="ed_ndb_vrz_whb">Michał Frencel</persName> oder der <placeName
						key="ed_sns_hvh_vhb">Friedersdorfer</placeName> Pfarrer und
					Kirchenhistoriker <persName key="ed_ldq_wmv_vhb">Christian Knauthe</persName>.
					Darüber hinaus zog die Oberlausitz Personen an, deren religiöse Auffassungen
					nicht in Einklang mit den großen Konfessionen standen. 1722 ermöglichte
						<persName key="ed_cjz_fby_vhb">Nikolaus Graf von Zinzendorf</persName>
					mährischen Einwanderern die Ansiedlung auf seinen Ländereien (→ <rs type="term"
						key="Brüdergemeine">Brüdergemeine</rs>), 1742 entstand <placeName
						key="ed_dnt_dr3_vhb">Niesky</placeName> als Kolonie der Herrnhuter, und 1751
					wurde eine Gemeinschaft in <placeName key="ed_d5m_2f3_vhb"
						>Kleinwelka</placeName> gegründet.</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Zuwanderung_01.jpg"/>Kritische Bewertung der Situation des sorbischen Schulwesens nach dem Zuzug von Vertriebenen, 1946; Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut Bautzen</p>
				<p>Im Zuge der sog. Friderizianischen Kolonisation nach 1740 durch <persName
						key="ed_cjm_txc_d3b">Friedrich den Großen</persName> wurden etwa 15 000
					Zuwanderer v. a. aus Polen, Sachsen und Mecklenburg nach Brandenburg geholt.
					Kleinere Schwerpunkte waren der <rs type="term"
						key="Kurmärkisch-wendischer Distrikt">Kurmärkisch-wendische Distrikt</rs>
					und der <rs type="term" key="Cottbuser Kreis">Cottbuser Kreis</rs>. Zwischen
					1746 und 1800 gab es im Ersteren 51 Ortsneugründungen bzw. Einsiedlungen von
					Kolonisten in Altdörfer. Der überwiegende Teil der Siedler waren Deutsche aus
					Hessen und der Pfalz. Unter Friedrich II. wurden ab 1752 das im <placeName
						key="ed_xgr_ybj_vhb">Tauer</placeName>schen Forst gelegene Ackervorwerk
						<placeName key="ed_q2n_mx3_vhb">Schönhöhe</placeName>, im Jahr darauf
						<placeName key="ed_i4x_1w3_vhb">Saccasne</placeName> bei <placeName
						key="ed_jw1_jx3_vhb">Schmogrow</placeName> und <placeName
						key="ed_kr2_pt3_vhb">Radewiese</placeName> bei <placeName
						key="ed_evm_w13_vhb">Heinersbrück</placeName> besiedelt. Nach dem
					Siebenjährigen Krieg folgten <placeName key="ed_bhg_jyp_f3b"
						>Burg-Kolonie</placeName> (1765), <placeName key="ed_b2w_vr3_vhb"
						>Ottendorf</placeName> bei <placeName key="ed_nmq_cs3_vhb">Peitz</placeName>
					(1782) und <placeName key="ed_jnq_bw3_vhb">Sachsendorf</placeName> bei <rs
						type="term" key="Cottbus">Cottbus</rs> (1786). Außerdem ließen sich auf
					Betreiben der Herrschaft Cottbus im ganzen Kreis Kolonisten nieder (insgesamt
					etwa 2 800 Personen), z. B. in die Kleinstadt Peitz 360 Familien oder in
					Drachhausen 19 Familien. Die Mehrheit der Siedler, zum Teil sorbischer Herkunft,
					stammte aus der dem sächsischen Kurfürsten gehörenden Niederlausitz. Die
					Einwohnerzahl von Cottbus stieg von 2 965 Einwohnern 1763 auf 4 058 Personen im
					Jahr 1780, darunter auch französische Unternehmer. Es kam zur Gründung einer
					französischen Kolonie mit eigenem Gotteshaus. Die Immigranten brachten den
					Tabakanbau und die Tabakverarbeitung in die Stadt, dazu die Strumpfweberei und
					die Konditorei.</p>
				<p>Im 19. Jh. setzte ein demografischer Wandel ein. Die Bevölkerung wuchs stark an,
					die Einwanderungsrate auf dem Lande nahm zu. Das Königreich Sachsen war 1895 das
					dichtestbesiedelte Land Europas, die Einwohnerzahl war von 1827 bis 1910 um mehr
					als 100 % gestiegen. Es erfolgte eine Immigration von Polen und Tschechen, was
					zu einer Zunahme der katholischen Bevölkerung führte. Die Zahl der
					polnischsprachigen Bewohner in der Oberlausitz betrug 1910 vermutlich rund 4
					500, die der tschechischsprachigen rund 4 000. Die Polen kamen aus den damaligen
					östlichen Provinzen Preußens und besaßen meist die deutsche Staatsbürgerschaft,
					die Tschechen wanderten mit österreichischem Pass aus Böhmen und Mähren ein.
					Beispiel für den Zusammenhang von Industrialisierung und Zuwanderung ist die
					1866 gegründete Flachsgarnspinnerei <placeName key="ed_t15_k13_vhb"
						>Hainitz</placeName> bei <placeName key="ed_wc5_hyh_vhb"
						>Großpostwitz</placeName>. Im Laufe der folgenden Jahre siedelten sich in
					ihrem Umkreis viele katholische Arbeiter aus Nordböhmen an. Ab der zweiten
					Hälfte des 19. Jh. kam es in der Niederlausitz zu einem starken
					Bevölkerungswachstum durch den <rs type="term" key="Braunkohlebergbau"
						>Braunkohlenbergbau</rs>. Besonders betroffen waren die <rs type="term"
						key="Senftenberger Region">Senftenberger Region</rs> sowie die Städte
						<placeName key="ed_dh1_tm3_vhb">Luckau</placeName>, <placeName
						key="ed_bzp_xy3_vhb">Spremberg</placeName>, Guben und Sorau. Bedingt durch
					neue Arbeitsmöglichkeiten, wurde Brandenburg noch vor der Jahrhundertwende zum
					Zentrum der Binnenwanderung in Deutschland. Teils als Folge der Abwanderung
					deutscher Landarbeiter nach 1871 nahm die Zahl polnischer Wanderarbeiter auf
					märkischen Gütern zu.</p>
				<p>Von 1900 bis zum Ersten Weltkrieg folgte eine weitere Migrationswelle aus
					Oberschlesien und Galizien in die Bergbaugebiete. Von dieser Entwicklung zeugt
					das Beispiel <placeName key="ed_etw_b23_vhb">Kausche</placeName> bei Spremberg.
					Ab Ende des 19. Jh. entwickelte sich das Gutsdorf zu einer Bergarbeitergemeinde,
					die mit 891 Einwohnern 1910 zum größten Dorf der näheren Umgebung wurde.</p>
				<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Lausitz von massiver Zuwanderung aus den
					ehemaligen deutschen Ostgebieten betroffen. Knapp 12,5 Millionen Flüchtlinge und
					Vertriebene ergab die Volkszählung von 1950 für ganz Deutschland, wovon die
					Sowjetische Besatzungszone etwa 40 % aufgenommen hatte. Ende 1949 war es fast
					eine Million allein in Sachsen, in Brandenburg lebten im März 1949 über 700 000
					Flüchtlinge und Vertriebene. Wie aus einer Statistik der Domowina von 1946
					hervorgeht, machten sie in der Oberlausitz zeitweise bis zu 30 % der dörflichen
					Bevölkerung aus, in der Niederlausitz bis zu 50 %. Wenngleich sich diese
					Situation später wieder änderte, blieben viele Neuankömmlinge in der
					zweisprachigen Region, heirateten und gründeten Familien, was in der Regel die
					sprachliche <rs type="term" key="Assimilation">Assimilation</rs> der sorbischen
					Partner zur Folge hatte.</p>
				<p>Die Entwicklung der Lausitz zum „Kohle- und Energiezentrum der DDR“ ab den 1950er
					Jahren zog zahlreiche fremde Arbeitskräfte an. Durch den Aufbau des Kombinats
					Schwarze Pumpe ab 1955 wuchs die Bevölkerung der Stadt <placeName
						key="ed_wkb_qb3_vhb">Hoyerswerda</placeName> innerhalb von 25 Jahren auf das
					Zehnfache (1950: 7 365, 1980: 70 700 Einwohner). Seit den 1960er Jahren wurden
					überdies „ausländische Werktätige“ angeworben. So gelangten Arbeiter aus
					Algerien, Angola, Kuba, Mosambik, Polen, Ungarn und Vietnam ins sorbische
					Siedlungsgebiet, die wegen ihrer meist abgeschirmten Unterkunft wenig Kontakt
					zur einheimischen Bevölkerung unterhielten. Nach 1990 zog auch eine Anzahl von
					Personen aus der alten Bundesrepublik in die Lausitz; die Zahl der Abwanderungen
					überwog jedoch bis 2010 deutlich.</p>
				<p>Lit.: R. Lehmann: Geschichte der Niederlausitz, Berlin 1963; K. Blaschke:
					Bevölkerungsgeschichte von Sachsen bis zur industriellen Revolution, Weimar
					1967; Geschichte der Oberlausitz. Herrschaft, Gesellschaft und Kultur vom
					Mittelalter bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, Hg. J. Bahlcke, Leipzig 2001;
					Zuwanderungsland Deutschland. Migrationen 1500–2005, Hg. R. Beier-de Haan,
					Berlin 2005; F. Metasch: Exulanten in Dresden. Einwanderung und Integration von
					Glaubensflüchtlingen im 17. und 18. Jahrhundert, Leipzig 2011.</p>
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</TEI>
