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				<title>Assimilation</title>
				<title xml:lang="deu">Assimilation</title>
				<title xml:lang="hsb">Asimilacija</title>
				<title xml:lang="dsb">Asimilacija</title>
				<title xml:lang="eng">Assimilation</title>
				<author>
					<persName key="ed_ov4_cs5_2mb">Kunze, Peter</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Im soziologischen Sinne ein Vorgang, bei dem Angehörige einer meist kleineren
					ethnischen oder nationalen Gemeinschaft bestimmte charakteristische Merkmale wie
					Sprache, Kultur oder Mentalität verlieren und sich Merkmale einer anderen, meist
					größeren ethnischen oder nationalen Gruppe aneignen. Auf die Sorben bezogen
					bedeutet Assimilation das Aufgehen in bzw. Verschmelzen mit dem deutschen
					Volk.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>W sociologiskim zmysle zjaw, při kotrymž přisłušnicy zwjetša mjeńšeho etniskeho
					abo narodneho zhromadźenstwa wěste charakteristiske přiznamjenja kaž rěč,
					kulturu abo mentalitu zhubja a sej přiznamjenja druheje, zwjetša wjetšeje
					etniskeje abo narodneje skupiny přiswoja. Z poćahom na Serbow rěka asimilacija
					rozpušćenje w němskim ludźe resp. zjednoćenje z němskim ludom.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>W sociologiskem zmysle zjaw, pśi kótaremž pśisłušniki zwětšego małego etniskego
					abo narodnego zgromaźeństwa zgubiju wěste charakteristiske pśiznamjenja ako rěc,
					kulturu abo mentalitu a se pśiswóje pśiznamjenja drugeje, zwětšego wětšeje
					etniskeje abo narodneje kupki. Na Serbow póśěgnjone groni asimilacija
					rozpušćenje w nimskem luźe resp. zjadnośenje z nimskim ludom.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>In the sociological sense, a process in which members of a mostly smaller ethnic
					or national community lose certain characteristic features such as language,
					culture or mentality and acquire characteristics of another, usually larger
					ethnic or national group. Related to the Sorbs, assimilation means merging into,
					or merging with the German people.</p>
			</abstract>
			<textClass>
				<keywords>
					<term key="Sprachenpolitik">Sprachenpolitik</term>
					<term key="Sprachpolitik">Sprachpolitik</term>
					<term key="Sprachenfrage">Sprachenfrage</term>
					<term key="Sprachliche Minderheit">Sprachliche Minderheit</term>
					<term key="Nationale Minderheit">Nationale Minderheit</term>
				</keywords>
			</textClass>
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				<p>Im soziologischen Sinne ein Vorgang, bei dem Angehörige einer meist kleineren
					ethnischen oder nationalen Gemeinschaft bestimmte charakteristische Merkmale wie
					Sprache, Kultur oder Mentalität verlieren und sich Merkmale einer anderen, meist
					größeren ethnischen oder nationalen Gruppe aneignen. Auf die <rs type="term"
						key="Sorben">Sorben</rs> bezogen bedeutet Assimilation das Aufgehen in bzw.
					Verschmelzen mit dem deutschen Volk.</p>
				<p>Von einer Assimilation der Sorben kann man seit dem 12. Jh. sprechen. Der
					massenhafte Zuzug deutscher bäuerlicher Siedler aus Flandern, Franken, Bayern,
					Thüringen und Sachsen (→ <rs type="term" key="Kolonisation">Kolonisation</rs>)
					führte namentlich in den Randgebieten, wo die Sorben rasch in die Minderheit
					gerieten, zu einer allmählichen Assimilierung der Einheimischen. Die Zahl der
					Neusiedler, der Einfluss durch Städte, Handel und Verkehr sowie unterschiedliche
					Landesverfassungen, aber auch erzwungene Germanisierung beschleunigten den
					Prozess. So erließen die Landgrafen und Fürsten für die Gebiete um <placeName
						key="ed_kl2_cfj_vhb">Zwickau</placeName>, <rs type="term" key="Leipzig"
						>Leipzig</rs> und <placeName key="ed_ljt_hn3_vhb">Meißen</placeName> bereits
					ab Ende des 13. Jh. <rs type="term" key="Sprachverbote">Sprachverbote</rs> und
					benachteiligten die <rs type="term" key="Wenden">Wenden</rs> in rechtlicher
					Hinsicht. Die Bezeichnung „Wende“ galt dabei als beleidigendes Schimpfwort. In
						<placeName key="ed_gvm_rr3_vhb">Oschatz</placeName> zahlte 1488 ein Bürger,
					der einen Deutschen so betitelt hatte, eine Geldbuße. Im Meißnischen soll der
					Gebrauch des Sorbischen unter Androhung der Todesstrafe verboten worden sein.
					Die obrigkeitlichen Maßnahmen sowie die Majorität der deutschen Bevölkerung
					führten dazu, dass die westlich der Elbe lebenden Sorben bereits Ende des 15.
					Jh. weitestgehend assimiliert waren.</p>
				<p>Anders verlief die Entwicklung in beiden Lausitzen. Die zahlenmäßige Stärke der
					Sorben bewirkte zum einen das teilweise Aufgehen deutscher Kolonisten im
					sorbischen Volkstum, zum anderen verhinderten die Landesverfassungen der
					Markgraftümer <rs type="term" key="Oberlausitz">Oberlausitz</rs> und <rs
						type="term" key="Niederlausitz">Niederlausitz</rs> eine schnelle
					Angleichung. Zu keiner Zeit waren diese Gebiete Sitz einer eigenen
					Landesherrschaft bzw. straff geleitete, zentral verwaltete Territorien. Es
					dominierten partikulare Kräfte, denen es gelang, zentralistische Bestrebungen
					einzudämmen. Die Stände, d. h. die Vertreter der <rs type="term" key="Kloster"
						>Klöster</rs> und des <rs type="term" key="Domstift">Domstifts</rs>, der
					adligen Herrschaften und Rittergüter sowie der größeren Städte, bildeten eine
					Art kollektive Regierung, die zunächst kein Interesse an einer Zurückdrängung
					oder gar Beseitigung des <rs type="term" key="Sorbisch">Sorbischen</rs> hatte.
					Deshalb kam es hier im Mittelalter zu keiner nennenswerten Assimilation der
					sorbischen Bevölkerung (→ <rs type="term" key="Ständeherrschaft"
						>Ständeherrschaft</rs>).</p>
				<p>Das änderte sich ab dem 17. Jh. zunächst in der Niederlausitz, als behördliche
					Maßnahmen wie Verbote der sorbische Sprache im öffentlichen Leben oder der
					Einsatz deutscher Pfarrer und Lehrer die Assimilation vorantrieben (→ <rs
						type="term" key="Dezemberreskript">Dezemberreskript</rs>). Im Gegensatz dazu
					konnte sich das sorbische Element in der Oberlausitz und im <rs type="term"
						key="Cottbuser Kreis">Cottbuser Kreis</rs>, wo eine gemäßigte <rs
						type="term" key="Sprachenpolitik">Sprachenpolitik</rs> betrieben wurde, im
					18. und teilweise auch im 19. Jh. festigen. Doch durch Aufhebung der <rs
						type="term" key="Leibeigenschaft">Leibeigenschaft</rs>, den Militärdienst
					sorbischer Jugendlicher und die <rs type="term" key="Industrialisierung"
						>Industrialisierung</rs> setzte in der Moderne eine beschleunigte
					Assimilation ein. Besonders in die entstehenden Industriezentren zogen sehr
					viele fremde Arbeitskräfte. Im <rs type="term" key="Braunkohlebergbau"
						>Braunkohlenbergbau</rs> der <rs type="term" key="Senftenberger Region"
						>Senftenberger Region</rs> etwa stieg die Anzahl der Beschäftigten von 450
					im Jahr 1871 auf 3 100 im Jahr 1890 und auf 10 600 zehn Jahre darauf. Durch den
					Ausbau des Eisenbahnnetzes wurde die Isolation vieler Gebiete überwunden, was
					zur Veränderung der nationalen Struktur führte. Es kam zur Vermischung der
					Bevölkerung einschließlich ethnisch gemischter Ehen, was – zunächst in den
					evangelischen Gebieten – den Übergang der Sorben zur <rs type="term"
						key="Zweisprachigkeit">Zweisprachigkeit</rs> förderte und in der Folge zur
					Assimilation beitrug. Hinzu kam seit dem letzten Drittel des 19. Jh. ein starker
					ideologischer Druck durch Diffamierung der Sorben und ihrer Sprache, was bei
					vielen Angehörigen des Ethnikums zur Schwächung des Selbstbewusstseins und zur
					Aufgabe der Nationalität beitrug. Eine deutsch-nationalistische Welle vergiftete
					das öffentliche Leben, antisorbische Stimmungen breiteten sich aus. Allgemein
					galt es als Makel, das Sorbische zu verwenden, da die Sprache mit Armut,
					Rückständigkeit und dörflicher Enge gleichgesetzt wurde. Wer nach sozialem
					Aufstieg strebte, musste deutsch sprechen können. Dahinter stand eine Förderung
					des Deutschen im öffentlichen Leben, in Schule und Militär. Allein in der
					Niederlausitz ging die Zahl der sorbischen Kirchspiele von 49 zu Beginn des 19.
					Jh. auf 26 im Jahr 1870 zurück, bis es um 1900 noch zwölf waren. Das führte v.
					a. in der mittleren Niederlausitz in der <rs type="term"
						key="Spremberger Region">Spremberger Region</rs>, in der Senftenberger
					Region und in der <rs type="term" key="Calauer Region">Calauer Region</rs>, in
					der westlichen um <placeName key="ed_byq_qm3_vhb">Lübben</placeName>, in der
					nördlichen Niederlausitz um <placeName key="ed_ox5_fp3_vhb">Neu
						Zauche</placeName>, <placeName key="ed_zqj_4h3_vhb">Lieberose</placeName>
					und <placeName key="ed_xgh_c13_vhb">Guben</placeName> sowie in der <rs
						type="term" key="Östliche Lausitz">Östlichen Lausitz</rs> um <placeName
						key="ed_pgy_1vh_vhb">Forst</placeName>, <placeName key="ed_bxs_lcj_vhb"
						>Triebel</placeName>/heute: Trzebiel (Polen) und <placeName
						key="ed_h5w_py3_vhb">Sorau</placeName>/heute: Żary (Polen) zu einer raschen
					Assimilation</p>
				<p>In der sächsischen Oberlausitz setzte bei einer liberaleren Sprachenpolitik und
					größeren sorbische Aktivitäten auf nationalem und kulturellem Gebiet der Prozess
					der Assimilation zeitverzögert ein. Er erfasste zuerst die von der
					Industrialisierung stark betroffenen Gebiete im westlichen und südlichen Teil um
						<placeName key="ed_arz_lsh_vhb">Demitz</placeName>, <placeName
						key="ed_xyt_jx3_vhb">Schmölln</placeName>, <placeName key="ed_fpz_4vh_vhb"
						>Gaußig</placeName>, <placeName key="ed_pzr_scj_vhb">Uhyst am
						Taucher</placeName>, <placeName key="ed_a3n_cwh_vhb">Göda</placeName>,
						<placeName key="ed_u51_g23_vhb">Kirschau</placeName>, <placeName
						key="ed_qyn_c2j_vhb">Wilthen</placeName> und <placeName key="ed_wc5_hyh_vhb"
						>Großpostwitz</placeName>. Um 1900 gab es hier noch 28 evangelische
					sorbische Kirchspiele, 30 Jahre später 23. Die <rs type="term"
						key="katholische Region">katholische Region</rs> war von der Entwicklung
					zunächst nicht berührt, da einerseits die doppelte Barriere –
					sorbisch-katholisch gegenüber deutsch-evangelisch – bis 1945 Mischehen
					verhinderte, andererseits die Landwirtschaft vorherrschte und es zu keinem
					nennenswerten Aufschwung kam. Während der <rs type="term" key="NS-Zeit"
						>NS-Zeit</rs> wirkte jedoch die erzwungene Assimilation, v. a. durch das
					Verbot alles Sorbischen in der Öffentlichkeit ab 1937, besonders nachhaltig.</p>
				<p>Nach 1945 schritt die Assimilation der Sorben trotz staatlicher kultureller
					Unterstützung weiter voran. Sie wurde durch die deutschen Flüchtlinge und
					Vertriebenen, die sich auch in sorbischen Dörfern niederließen, beschleunigt
					(zeitweise über 25 %, → <rs type="term" key="Zuwanderung">Zuwanderung</rs>). Das
					betraf v. a. die protestantischen Gebiete, während in den katholischen Orten der
					Oberlausitz partiell ein umgekehrter Prozess stattfand; einige der jüngeren
					Neuankömmlinge wurden ans Sorbische assimiliert. Mitte der 1950er Jahre kam es
					erneut zu einem Zuzug deutscher Arbeitskräfte in den expandierenden
					Braunkohlenbergbau der Niederlausitz, was nicht nur zu einer weiteren
					Einschränkung des Lebensraums führte, sondern auch einen beträchtlichen Verlust
					an nationaler Substanz mit sich brachte.</p>
				<p>Die Globalisierung beschleunigt zwar einerseits die Assimilation der Sorben
					(Englisch-, nicht Sorbischkenntnisse sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt),
					andererseits vermag die Nähe der <rs type="term" key="Lausitz">Lausitz</rs> zu
					den slawischen Nachbarländern das Prestige der sorbischen Sprache zu erhöhen.
					Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass der weiteren Assimilation wirksam
					entgegengesteuert und die sorbische Identität erhalten werden kann (→ <rs
						type="term" key="Witaj-Modellprojekt">Witaj-Modellprojekt</rs>). Einen
					wichtigen Beitrag leisten Schule, <rs type="term" key="Kirche">Kirche</rs>,
					kulturelle und politische Institutionen sowie Vereine (→ <rs type="term"
						key="Vereinswesen">Vereinswesen</rs>), die sich die Pflege von sorbische
					Sprache und Kultur zum Ziel gesetzt haben.</p>
				<p>Lit.: T. Malinkowa: Narodne wuwiće ewangelskich Serbow w Sakskej w zašłym połdra
					lětstotku, in: Rozhlad 48 (1998) 7/8; P. Kunze: Die Sorben/Wenden in der
					Niederlausitz, Bautzen 2000; P. Kunze: Kurze Geschichte der Sorben, Bautzen
					2001; Der Niedersorben Wendisch. Eine Sprachreise, Bautzen 2003; I. Keller: „Ich
					bin jetzt hier und das ist gut so“. Lebenswelten von Flüchtlingen und
					Vertriebenen in der Lausitz, Lětopis Sonderheft, Bautzen 2005; M. Walde: Wie man
					seine Sprache hassen lernt. Sozialpsychologische Überlegungen zum
					deutsch-sorbischen Konfliktverhältnis, Bautzen 2010.</p>
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