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				<title>Czorneboh</title>
				<title xml:lang="deu">Czorneboh</title>
				<title xml:lang="hsb">Čornobóh</title>
				<title xml:lang="dsb">Carnobog</title>
				<title xml:lang="eng">Czorneboh</title>
				<author>
					<persName key="ed_wz5_mq4_2mb">Jentsch, Helmut</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Mit 561 m höchste Erhebung des nördlichen Gebirgszugs im Oberlausitzer
					Bergland.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Z 561 m najwyše wuhorbjenje sewjernych horow hornjołužiskeho hórskeho kraja.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Z 561 m nejwuše wuzgjarbjenje pódpołnocneje górskeje smugi Górnołužyskich
					górow.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>The highest elevation of the northern mountain range in the Oberlausitzer
					Bergland (Mountains of Upper Lusatia), with 561 m.</p>
			</abstract>
			<textClass>
				<keywords>
					<term key="Berg">Berg</term>
					<term key="Lausitzer Bergland">Lausitzer Bergland</term>
					<term key="Oberlausitz">Oberlausitz</term>
					<term key="Mythologie">Mythologie</term>
				</keywords>
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				<p>Mit 561 m höchste Erhebung des nördlichen Gebirgszugs im Oberlausitzer Bergland. Der
					Czorneboh bildet mit den Nachbarbergen eine 12 km lange Bergkette südlich der
					Bundesstraße 6 zwischen <rs type="term" key="Bautzen">Bautzen</rs> und
						<placeName key="ed_xdn_3m3_vhb">Löbau</placeName>. Diese bildet seit jeher
					die Grenze zwischen dem sorbischen Siedlungsgebiet im Norden und den im
					Mittelalter entstandenen deutschen Kolonistendörfern im Süden. </p>
				<p>Der Czorneboh besteht aus feinkörnigem Zweiglimmergranodiorit, der v. a. im Gipfelbereich in
					mehreren Felsen und Felstürmen zutage tritt; Einschlüsse von Grauwacke sind
					teilweise herausgewittert und haben zu verschiedenen Vertiefungen geführt. Der
					Berg wurde relativ früh touristisch erschlossen. 1851 stand hier der erste
					Aussichtsturm der <rs type="term" key="Oberlausitz">Oberlausitz</rs>, 1852
					folgte ein Gasthaus. Über Wege und Straßen ist der Gipfel von allen Seiten gut
					erreichbar. Der Czorneboh ist einer der meistbesuchten Berge der Oberlausitz,
					wozu in hohem Maße zahlreiche <rs type="term" key="Sage">Sagen</rs> und die
					Mythisierung zum Opfer- und Orakelberg beigetragen haben.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Czorneboh_01-scaled.jpg"
					/> Ansichtskarte von der Bergbaude auf dem Czorneboh, um 1900; Sorbisches
					Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Der Name <ex>Čorny Bóh</ex> ,der Schwarze Gott’ für den Berg tritt nach bisherigen
					Erkenntnissen gleichzeitig mit dem Bergnamen <ex>Běły Bóh</ex> ,der Weiße Gott’
					(→ <rs type="term" key="Bieleboh">Bieleboh</rs>) Anfang des 18. Jh. im Werk des
					Polyhistors <persName key="ed_clc_f5x_vhb">Abraham Frencel</persName> auf.
					Ältere Namenbelege für den Berg fehlen. Lediglich für die Südseite ist um 1600
					die Benennung <ex>Schleifberg</ex> dokumentiert, deren erster Teil gewöhnlich
					als ,Gleitbahn für Baumstämme’, wie sie die Holzfäller benutzten, gedeutet wird.
					In der <rs type="term" key="NS-Zeit">NS-Zeit</rs> versuchte man den sorbischen
					Namen Czorneboh gänzlich durch <ex>Schleifberg</ex> zu ersetzen. Speziell für
					die Nordseite ist bei Frencel der sorbische Name <ex>Praš(w)ica</ex> oder
						<ex>Prašiwa (hora)</ex> belegt, was der Autor fälschlich vom Verb <ex>so
						prašeć</ex> ,fragen’ ableitet und als Frageberg übersetzt. Auszugehen ist
					stattdessen vom sorbischen Adjektiv <ex>prašiwy</ex> ,räudig, verkommen,
					krüppelhaft’, womit offenbar die schlechte Nutzbarkeit der Nordhänge gemeint
					war. Heute ist dieser Name kaum noch bekannt. In den sorbischen Dialekten der
					Dörfer nordwärts ist für den Berg noch vereinzelt der Name <ex>Čorny bok</ex>
					,die schwarze Seite’, also ,die im Schatten liegende dunkle Seite’,
					gebräuchlich. Trotz der weitgehenden lautlichen Übereinstimmung mit Čorny Bóh
					lassen sich allerdings beide Benennungen etymologisch kaum verknüpfen.
					Unterdessen hat sich deutsch und sorbisch der Name <ex>Czorneboh</ex> bzw.
						<ex>Čornobóh</ex> durchgesetzt.</p>
				<p>Ergänzend zum Czorneboh muss der westlich vorgelagerte, 514 m hohe <ex>Hromadnik</ex>
					(gleicher Name sorbisch und deutsch), nach dem unterhalb gelegenen Dorf
						<placeName key="ed_j5y_cth_vhb">Döhlen</placeName> auch als <ex>Döhlener
						Berg</ex> bekannt, erwähnt werden. Er zeichnet sich durch eine stattliche
					Reihe von Felstürmen aus. Der Name <ex>Hromadnik</ex> gehört etymologisch zu
					obersorb. <ex>hromadźe</ex> ,zusammen, gemeinsam’ und bezeichnet den
					Gemeindewald der Bauern. In früherer Zeit wurde der Berg in den Kreis der
					Czorneboh-Mythen einbezogen und sein Name als ,Versammlungsort’ gedeutet; es
					hieß, hier versammle sich das Volk, bevor es zum Nachbarberg ziehe.</p>
				<p>Der vermeintliche Kult um den Schwarzen Gott, dem von den Sorben in heidnischer Zeit geopfert
					worden sein soll, sowie die Übersetzung des alten Namens <ex>Prašica</ex> als
					Frage- bzw. Orakelberg haben im 18./19. Jh. zu mythologischen Deutungen
					bestimmter Naturerscheinungen und zur Sagenbildung geführt (<persName
						key="ed_fz5_513_cmb">Heinrich Gottlob Gräve</persName>: „Volkssagen und
					volksthümliche Denkmale der Lausitz“, 1839; <persName key="ed_u5s_x13_cmb">Karl
						Haupt</persName>: „Sagenbuch der Lausitz“, 1862/63). Unweit des Gipfels
					befindet sich an einem der Felstürme eine ausgewitterte Öffnung, Teufelsfenster
					oder Koboldkammer genannt, an der man angeblich Fragen an die Zukunft stellen
					konnte, worauf man geheimnisvolle Antworten erhielt. Am Bergsattel westlich des
					Czorneboh liegt das Opferbecken oder Teufelswaschbecken, eine schalenartige
					Vertiefung im Gestein, die ständig mit Wasser gefüllt ist; laut Sage haben sich
					hier die heidnischen Priester vor und nach dem Opfergang gewaschen. Von den
					großen Gipfelklippen sollen sie zu den Menschen gesprochen haben. Anderen
					Überlieferungen zufolge sind die Felsen in Stein verwandelte Überreste eines
					Schlosses des Schwarzen Gottes, der nach der Annahme des Christentums durch die
					Sorben seine Macht verlor. Die Sage vom Goldkeller unter den Felsen, dessen
					Schatz ein Kuhhirt heben wollte und dabei ums Leben kam, wird in ähnlicher Form
					auch von anderen Oberlausitzer Bergen erzählt.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Czorneboh_02-scaled.jpg"
					/>Blick aus Richtung Meschwitz auf den Czorneboh; Fotograf: Rafael Ledschbor</p>
				<p>Für die sorbische kulturelle Überlieferung birgt der Czorneboh seit dem beginnenden 19. Jh.
						<rs type="term" key="nationale Symbole">nationale Symbole</rs>, was sich in
					der Literatur widerspiegelt. In <persName key="ed_vkv_nwx_vhb">Handrij
						Zejlers</persName> Gedicht „Na serbsku Łužicu“ (Auf die sorbische Lausitz,
					1827), das später zur sorbischen Nationalhymne wurde, erscheint das Reich des
					Schwarzen Gottes als einst bedeutsame Stätte, die mittlerweile ganz der Natur
					überlassen ist. Im Vormärz bei <persName key="ed_vxp_w3l_d3b">Mikławš
						Jacsławk</persName> dient die Besinnung auf die berühmten Kultstätten
					„Prašica a Hromadnik“ als Ansporn, das nationale Schicksal in die eigenen Hände
					zu nehmen. In <persName key="ed_bmm_gt5_c3b">Jan Ćěslas</persName> historischem
					Epos aus legendärer Vergangenheit „Kral Přibysław“ (König Pribislav, 1868) wird
					„Prašica“ zur Prophetin, die man vor dem Waffengang befragt und die zum Ringen
					für die Freiheit rät. Ähnlich fordern in <persName key="ed_ek4_jbp_c3b">Jakub
						Bart-Ćišinskis</persName> Gedicht „Na Prašicy“ die alten Priester auf zum
					Kampf, um den Boden der Väter gegen die fränkischen Eindringlinge zu behaupten.
					In dem Gedicht „Na wěži Čornoboha“ (Auf dem Turm des Czorneboh, 1891) von
					Bart-Ćišinski weckt der Blick vom Berg Freude über die Schönheit der
					heimatlichen Erde.</p>
				<p>In der Zeit der <rs type="term" key="Weimarer Republik">Weimarer Republik</rs> war der
					Czorneboh Ziel von Volkstreffen jeweils zu Himmelfahrt, was in der Literatur
					gleichfalls seinen Ausdruck fand, so z. B. in <persName key="ed_clh_4wz_whb"
						>Měrćin Nowak-Njechorńskis</persName> Prosaskizze „Bože spěće na Čornoboze“
					(Himmelfahrt auf dem Czorneboh, 1950) und etwas ausführlicher in einer
					gleichnamigen Kurzgeschichte bei <persName key="ed_d1w_wjr_d3b">Pawoł
						Grojlich</persName> (1986). In <persName key="ed_tb1_3b3_cmb">Korla Bohuwěr
						Šěcas</persName> „Čłowjek w přirodźe“ (Der Mensch in der Natur, 1925)
					erscheint der Czorneboh wiederum als Ort biologischer Exkursionen, die der Autor
					literarisch zu gestalten weiß. Die Bedeutung des Bergs und seines Namens äußert
					sich auch darin, dass eine Reihe von Vereinen diesen Namen trug bzw. trägt (so
					in <placeName key="ed_v45_yth_vhb">Dresden</placeName>, <placeName
						key="ed_bht_2b3_vhb">Hochkirch</placeName> und <placeName
						key="ed_myb_ry3_vhb">Soritz</placeName>).</p>
				<p>Lit.: P. Nedo: Czorneboh und Bieleboh zwei angebliche Kultstätten in der
					Oberlausitz, in: Lětopis C 6/7 (1963/64); Th. Schütze: Zwischen Strohmberg,
					Czorneboh und Kottmar, Werte unserer Heimat, Band 24, Berlin 1974; H.
					Schuster-Šewc: Die beiden sorbischen Götterberge Czorneboh und Bieleboh – ein
					kulturhistorisches Phänomen der Oberlausitz, in: Lětopis 47 (2000) 2; A. Gerth:
					Götter, Glücksritter und Gelehrte: Auf den Spuren großer Mythen der Oberlausitz,
					Spitzkunnersdorf 2009; M. Donath: Czorneboh und Bieleboh, in: Oberlausitzer
					Mythen, Hg. L.-A. Dannenberg/M. Donath/D. Scholze, Meißen 2012.</p>
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