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				<title>Hussitenkriege</title>
				<title xml:lang="deu">Hussitenkriege</title>
				<title xml:lang="hsb">Hustiske wójny</title>
				<title xml:lang="dsb">Husitske wójny</title>
				<title xml:lang="eng">Hussite Wars</title>
				<author>
					<persName key="ed_dgc_tt5_2mb">Bahlcke, Joachim</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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		<profileDesc>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Kämpfe zwischen Hussiten und Reichstruppen, die infolge des Aufrufs zum Kreuzzug durch Papst
					Martin V. vom 1.3.1420 gegen die „Ketzer“ in Böhmen einsetzten und erst 1436 im
					Frieden mit Papst und Kaiser endeten. Die Hussiten bildeten eine
					kirchenreformerische bzw. revolutionäre Bewegung in Böhmen, die schon im Namen
					an den Reformer Jan Hus anknüpfte.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Wojowanja mjez husitami a wójskami mócnarstwa, kotrež so po namołwje bamža Měrćina V. dnja
					1.3.1420 na křižnu wójnu přećiwo „kecarjam“ w Čěskej započachu a so hakle 1436 z
					měrom mjez bamžom a kejžorom zakónčichu. Husića tworjachu cyrkwju reformowace
					resp. rewolucionarne hibanje w Čěskej, kotrež hižo z mjenom na reformera Jana
					Husa nawjaza.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Wójowanja mjazy husitami a wójskami mócnaŕstwa. Wóni su se chopili pó napominanju bamža
					Mjertyna V. do kśicneje wójny pśeśiwo „kjacarjam“ w Českej (1.3.1420) a su se
					akle skóńcyli 1436 z měrom mjaz bamžom a kejžorom. Husity su byli cerkwju
					reforměrujuce resp. rewolucionarne gibanje w Českej, kótarež jo južo pó mjenju
					nawězało na reformarja Jana Husa.</p>
			</abstract>
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				<keywords>
					<term key="Belagerung">Belagerung</term>
					<term key="Reformbewegung" ref="-">Reformbewegung</term>
					<term key="Kirchengeschichte" ref="-">Kirchengeschichte</term>
					<term key="Kreuzzug" ref="-">Kreuzzug</term>
					<term key="Krieg" ref="http://d-nb.info/gnd/4033114-3">Krieg</term>
					<term key="Verteidigung" ref="-">Verteidigung</term>
					<term key="Militär" ref="-">Militär</term>
				</keywords>
			</textClass>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Battles between Hussites and imperial troops, which began following Pope Martin
					V. March 1st, 1420 appeal for the cru-sade against the “heretics” of Bohemia and
					ended only in 1436 through a peace treaty with Pope and Emperor. The Hussites
					formed a church-reforming or revolutionary move-ment in Bohemia, which already
					in its name expressed an affiliation with reformer Jan Hus.</p>
			</abstract>
		</profileDesc>
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    <text>
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				<p>Kämpfe zwischen Hussiten und Reichstruppen, die infolge des Aufrufs zum Kreuzzug durch
						<persName key="ed_uts_ttc_r3b">Papst Martin V.</persName> vom 1.3.1420 gegen
					die wyclifitischen und hussitischen „Ketzer“ in Böhmen einsetzten und erst 1436
					– nach Niederlage des radikalen Flügels (Taboriten) gegen den
					verständigungsbereiten Adel – im Frieden mit Papst und Kaiser endeten. Die
					Hussiten bildeten eine kirchenreformerische bzw. revolutionäre Bewegung in
					Böhmen, die im Namen an den Reformer <persName key="ed_ftp_ztc_r3b">Jan
						Hus</persName> anknüpfte. Die Hussitenkriege umfassen einerseits die fünf in
					ihrer Gesamtheit gescheiterten Feldzüge der aus Deutschen, Ungarn, Italienern
					und Holländern gebildeten Kreuzzugsheere (1420, 1421, 1422, 1427, 1431) sowie
					Initiativen einzelner Reichsfürsten wie den Vorstoß des Meißener Markgrafen 1426
					zur Unterstützung der nordböhmischen Stadt <placeName key="ed_b2c_tfh_vhb"
						>Aussig</placeName>/heute: <placeName key="ed_b2c_tfh_vhb">Ústí nad
						Labem</placeName> (Tschechien), andererseits die weiträumigen
					Militäraktionen der böhmischen Gottesstreiter selbst, die mit ihren „herrlichen
					Heerfahrten“ (tschech. „vspanilé jízdy“) zwischen 1426 und 1434 die
					Nachbarländer überzogen und dabei bis zur Ostsee vordrangen. Die hussitische
					Bewegung wurde offensiv, um ihre Anerkennung innerhalb der Christenheit zu
					erzwingen und gleichzeitig innere Spannungen durch äußere Erfolge zu überwinden.
					Ihre Überlegenheit verdankte sie einer neuen Militärtaktik, talentierten
					Feldherren und nicht zuletzt dem religiös-revolutionären Kampfgeist der meist
					aus ärmeren Unterschichten stammenden taboritischen Krieger. Auf ihren Heerzügen
					und in Manifesten verbreiteten die Hussiten ihr religiös-soziales Reformprogramm
					und gewannen dadurch auch außerhalb Böhmens eine in ihrer Größenordnung schwer
					abschätzbare Anhängerzahl.</p>
				<p>In den Nebenländern der Böhmischen Krone, wo die Reformbewegung zunächst kaum Resonanz fand,
					erklärte man sich beim Thronwechsel 1419 für <persName key="ed_ept_2dc_d3b"
						>Kaiser Sigismund</persName>, der allerdings von den Aufständischen in <rs
						type="term" key="Prag" ref="-">Prag</rs> für den Tod von Jan Hus (1415 in
						<placeName key="ed_ivm_zf3_vhb">Konstanz</placeName> hingerichtet)
					verantwortlich gemacht und daher abgelehnt wurde. Auch die Stände der <rs
						type="term" key="Oberlausitz" ref="-">Oberlausitz</rs> huldigten Sigismund
					auf dem <placeName key="ed_zn5_k3h_vhb">Breslauer</placeName> Reichstag Anfang
					1420 und stellten ihm für den ersten „Ketzer“-Kreuzzug gegen Böhmen ein
					Truppenkontingent zur Verfügung. Danach waren lausitzische Truppen wiederholt an
					Kriegshandlungen in Böhmen beteiligt. Im Januar 1425 erörterten
					Ständeversammlungen in <placeName key="ed_lhp_gwh_vhb">Görlitz</placeName> und
						<rs type="term" key="Bautzen" ref="-">Bautzen</rs> erstmals konkrete
					Vorbereitungen, um einem Einfall der „Ketzer“ in die Oberlausitz zu begegnen.
					Abgesehen von kleineren Zusammenstößen im Grenzraum kam es im Mai 1427 zu einem
					Angriff der Hussiten, die zunächst einen breiten Landstrich zwischen <placeName
						key="ed_qy4_jvh_vhb">Friedland</placeName> und Görlitz verwüsteten und dann
					ostwärts Richtung <placeName key="ed_oy3_tg3_vhb">Lauban</placeName>/heute:
						<placeName key="ed_nnk_qpq_d3b">Lubań</placeName> (Polen) zogen, das erobert
					und zerstört wurde. Während eines weiteren Eroberungszugs im November 1428 wagte
					das Aufgebot des Sechsstädtebunds in der Umgebung von <placeName
						key="ed_oqs_2g3_vhb">Kratzau</placeName>/heute: <placeName
						key="ed_oqs_2g3_vhb">Chrastava</placeName> (Tschechien) und <placeName
						key="ed_tyh_ym3_vhb">Machendorf</placeName>/heute: <placeName
						key="ed_tyh_ym3_vhb">Machnín</placeName> (Tschechien) erstmals eine offene
					Feldschlacht, in der man die Angreifer erfolgreich zurückdrängen und große Teile
					der Beute zurückerobern konnte. Besonders grausam war der Zug zweier
					hussitischer Feldheere im Herbst 1429, die nach glaubwürdigen Lausitzer Quellen
					an die 6 000 Fußsoldaten, 800 Reiter und über 200 Wagen umfassten. Neben dem
					flachen Land und den unbefestigten Landstädten waren es v. a. die drei kleineren
					Sechsstädte <placeName key="ed_ic5_gc3_vhb">Kamenz</placeName>, <placeName
						key="ed_xdn_3m3_vhb">Löbau</placeName> und Lauban, die von den bis Mitte
					1431 fortgesetzten Einfällen mehrfach schwer getroffen wurden. Während
						<placeName key="ed_hpp_x2j_vhb">Zittau</placeName> und <placeName
						key="ed_xwx_lgh_vhb">Bautzen</placeName> Überfälle und Belagerungen
					abzuwehren vermochten, ist das am besten befestigte Görlitz nie direktes
					Angriffsziel der Taboriten gewesen.</p>
				<p>Die rigorosen antiketzerischen Maßnahmen konnten das Eindringen hussitischer Überzeugungen in
					die Nachbarländer nicht verhindern. Auch in der Oberlausitz fanden sich Anhänger
					nonkonformistischer Positionen, namentlich in den größeren Städten, und zwar
					sowohl unter Deutschen als auch unter Sorben. Zum hussitischen Vorbild bekannte
					man sich in der Regel nicht, denn dadurch wären alle kirchlichen
					Reformbemühungen von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen. Es fällt auf,
					dass sich ab 1427, als offenbar eine größere Wachsamkeit gegen innere Gegner
					einsetzte, Nachrichten über Sympathisanten der Hussiten und „Verräter“ in den
					Stadtchroniken von Zittau, Bautzen und Görlitz mehren. Besonders dicht sind die
					Berichte über den Fall des <persName key="ed_hvn_k5c_r3b">Pětr z
						Přišec</persName> (<persName key="ed_hvn_k5c_r3b">Peter von
						Preischwitz</persName>), der freilich nicht der „lausitzisch-sorbische
					Hussitenmärtyrer“ (<persName key="ed_sbh_5dl_d3b">Frido Mětšk</persName>) war,
					zu dem ihn die marxistische Geschichtsschreibung stilisierte. Der Bautzener
					Stadtschreiber, dem als Sorbe ein beachtlicher sozialer Aufstieg gelungen war,
					wurde am 3.2.1430 nach einem durch Folter erzwungenen Geständnis zum Tode
					verurteilt. Pětr z Přišec soll 1429 mit den Hussiten in enger Verbindung
					gestanden und die Verteidigungsmaßnahmen behindert haben. Die hussitischen
					Manifeste, die sich z. T. in glühendem Patriotismus gegen alle Feinde der
					tschechischen wie der slawischen Zunge richteten, fanden unter der sorbischen
					Bevölkerung kein nachhaltiges Echo (eine Ausnahme war <persName
						key="ed_yyq_s5c_r3b">Nikolaus von Dresden</persName>). Dass die
					Hussitenkriege gleichwohl andere ständisch-gesellschaftliche Konflikte
					verstärken konnten, zeigt der Fall des <persName key="ed_tl1_x5c_r3b">Georg von
						Biberstein</persName>, dessen prohussitische Sympathien vor dem Hintergrund
					oftmals jahrelanger Fehden zwischen einzelnen Adligen und den seit dem 14. Jh.
					immer mächtiger gewordenen Städten zu betrachten sind.</p>
				<p> </p>
				<p>Lit.: R. Jecht: Der Oberlausitzer Hussitenkrieg und das Land der Sechsstädte
					unter Kaiser Sigmund, Band 1–2, Görlitz 1911–1916; F. Mětšk: Petr z Príšec,
					lužickosrbský husitský mučedník, in: Kostnické jiskry 36 (1955); F. Šmahel: Die
					Hussitische Revolution, Band 1–3, Hannover 2002; N. Kersken: Die Oberlausitz von
					der Gründung des Sechsstädtebundes bis zum Übergang an das Kurfürstentum Sachsen
					(1346–1635), in: Geschichte der Oberlausitz. Hg. J. Bahlcke, Leipzig 2001; M.
					Ruske: Verrat an den Feind? Die Bekenntnisse des Peter Preischwitz (1430/31),
					in: Eide, Statuten und Prozesse. Ein Quellen- und Lesebuch zur Stadtgeschichte
					von Bautzen (14.–19. Jahrhundert),</p>
				<p>Hg. G. Schwerhoff/M. Völker, Bautzen 2002.</p>
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