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			<titleStmt>
				<title>Legendenlied</title>
				<title xml:lang="deu">Legendenlied</title>
				<title xml:lang="hsb">Pokěrluš</title>
				<title xml:lang="dsb">Bamžycka</title>
				<author>
					<persName key="ed_fvg_2wm_23b">Udolph, Ludger (1953-)</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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        </fileDesc>
		<profileDesc>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Geistliches, erzählendes Volkslied oder Märchen mit biblischen, apokryphen oder
					legendenhaften Inhalten; obersorb. <ex>pokěrluški</ex> (abgeleitet von griech.
						<ex>Kyrie eleison</ex> ,Herr, erbarme dich’), niedersorb. <ex>bamžycki</ex>
					(von sorb. <ex>bamž</ex> ,Papst’).</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Duchowny, powědacy ludowy spěw abo bajka z bibliskim, apokryfiskim abo legendarnym wobsahom;
					hornjoserbske pomjenowanje <ex>pokěrluš</ex> je wotwodźene wot grjekskeho
						<ex>Kyrie eleison</ex> ,Božo, smil so’, delnjoserbske <ex>bamžycka</ex> wot
					serbskeho <ex>bamž</ex>.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Duchowny, powědajucy ludowy spiw abo bajka z bibliskim, apokryfiskim abo legendarnym
					wopśimjeśim; górnoserbski <ex>pokěrluš</ex> (wót grich. <ex>Kyrie eleison</ex>,
					,Kněžo zmil se’), dolnoserbski <ex>bamžycka</ex> (wót słowa <ex>bamž</ex>).</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Spiritual, narrative folk song or fairy tale with biblical, apocryphal or legendary content;
					in Upper Sorbian <ex>pokěrluški</ex> (derived from the Greek <ex>Kyrie
						eleison</ex>, ‘Lord, have mercy’), Lower Sorbian <ex>bamžycki</ex> (from the
					Sorbian <ex>bamž</ex>, ‘Pope’).</p>
			</abstract>
			<textClass>
				<keywords>
					<term key="Volkslied">Volkslied</term>
					<term key="Kirchenlied">Kirchenlied</term>
					<term key="Frömmigkeit">Frömmigkeit</term>
					<term key="Glaube">Glaube</term>
					<term key="Christentum">Christentum</term>
					<term key="Katholische Kirche">Katholische Kirche</term>
				</keywords>
			</textClass>
		</profileDesc>
    </teiHeader>
    <text>
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				<p>Geistliches, erzählendes <rs type="term" key="Volkslied">Volkslied</rs> oder <rs type="term"
						key="Märchen">Märchen</rs> mit biblischen, apokryphen oder legendenhaften
					Inhalten; obersorb. <ex>pokěrluški</ex> (abgeleitet von griech. <ex>Kyrie
						eleison</ex> ,Herr, erbarme dich’), niedersorb. <ex>bamžycki</ex> (von sorb.
						<ex>bamž</ex> ,Papst’). Bei den Sorben hat erstmals <persName
						key="ed_vkv_nwx_vhb">Handrij Zejler</persName> 1830 Texte von Legendliedern
					aufgezeichnet (Druck 1937 im „Časopis Maćicy Serbskeje“). <persName
						key="ed_mhc_jnv_vhb">Jan Arnošt Smoler</persName> veröffentlichte
					„pokěrluški“ in den „Volksliedern der Wenden in der Ober- und Niederlausitz“
					(1841/43). „Bamžycki“ erschienen in <rs type="term" key="Zeitschrift"
						>Zeitschriften</rs> und Sammelbänden; später ergänzten<persName
						key="ed_jd2_mx4_c3b"> Michał Hórnik</persName>, <persName
						key="ed_qpp_ygr_d3b">Hendrich Jordan</persName>, <persName
						key="ed_dgv_mnv_vhb">Arnošt Muka</persName>, <persName key="ed_y3c_whw_cmb"
						>Michał Róla</persName>, <persName key="ed_t1n_vyx_vhb">Adolf
						Černý</persName> und <persName key="ed_y2w_ybl_d3b">Mjertyn Moń</persName>
					den Bestand, der häufig mit lokalen religiösen Traditionen verknüpft ist.</p>
				<p>Eine spezielle Sammlung von ober- und niedersorbischen Legendenliedern erschien 1997 in der
					Lyrikreihe „Serbska poezija“, historisch-kritische Untersuchungen stehen noch
					aus. (Die folgenden Erläuterungen beziehen sich auf die genannte Ausgabe.) Die
					Legendenlieder über Jesus zeigen Verbindungen zu mittelalterlichen
					Passionsspielen, die in der Gegenreformation erneuert wurden und antijudaische
					Züge aufweisen. Hierher gehören die Texte von Jesus in Getsemani, vom Verrat des
					Judas, von den Nägeln für die Kreuzigung und von der Kreuzigung selbst. Marias
					Begegnung mit einem Apostel oder mit einem Engel, den sie nach den Leiden ihres
					Sohns befragt, hat ihren Ursprung im lateinischen „Planctus ante nescia“ (um
					1150), aus dem sich die Tradition der Marienklagen entwickelte. In „Pod Róžantom
					leži łučka zelena“ (Bei Rosenthal liegt eine grüne Wiese) ist die Begegnung von
					Maria und Elisabeth in den sorbischen Wallfahrtsort <placeName
						key="ed_yyf_sv3_vhb">Rosenthal</placeName> verlegt; schon Smoler verband den
					Text mit dem dortigen Marienbild. Ein über Nacht gewachsenes Kornfeld schützt
					die heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten vor den Verfolgern. Maria tritt
					mehrfach als Fürsprecherin und Helferin auf, wie sie bereits in der griechischen
					„Theophiluslegende“ gestaltet wurde. Das Lied „Wandrowachu, wandrowachu duški
					tři“ (Wanderten einmal drei Seelchen) verbindet das Motiv von der Fürbitte
					Marias mit der Lehre vom Fegefeuer, die erstmals in Texten der <persName
						key="ed_ps1_d3w_cmb">Hildegard von Bingen</persName> belegt ist. Auf
					Gleichnisse Jesu gehen die Legendenlieder über den verlorenen Sohn (nach Lukas
					15,11–32) und den armen Lazarus (Lukas 16,19–31) zurück; beide Stoffe waren seit
					dem 16. Jh. als biblische Dramen mit didaktischer Tendenz beliebt. Die „Braut
					Christi“, die sich der Ehe verweigert, um mit Christus verbunden zu sein, ist
					Thema eines im 18. Jh. weit verbreiteten deutschen Zeitungsliedes, von dem fünf
					sorbische Fassungen existieren. Als „Braut Christi“ verweigert auch Katharina
					von Alexandria die Ehe mit einem Heiden, wofür sie hingerichtet wird (bereits
					Hórnik hat die Aufzeichnung des Liedes in <placeName key="ed_lvr_5t3_vhb"
						>Ralbitz</placeName> mit dem dortigen Katharinen-Patrozinium assoziiert).
					Legendenlieder über Heilige sind das Lied über Augustinus als Lehrer der
					Dreifaltigkeit, über den Drachentöter Georg, der sich für seinen Sieg den Bau
					einer Kirche ausbittet, und über den Schutzpatron der Fuhrleute Christophorus,
					der den Jesusknaben auf seiner Schulter nach Gegenständen befragt, die für die
					Messfeier notwendig sind. Christophorus, Georg und Katharina gehören zu den 14
					Nothelfern der katholischen Volksfrömmigkeit.</p>
				<p>Lit.: P. Nedo: Sorbische Volksmärchen, Bautzen. 1956; P. Nedo: Grundriß der
					sorbischen Volksdichtung, Bautzen 1966; Serbska poezija 40 – Pokěrluški a
					bamžycki, zsgst. v. L. Udolph, Budyšin 1997.</p>
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