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			<titleStmt>
				<title>Maćica Serbska / Maśica Serbska</title>
				<title xml:lang="deu">Maćica Serbska/Maśica Serbska</title>
				<title xml:lang="hsb">Maćica Serbska/Maśica Serbska</title>
				<title xml:lang="dsb">Maćica Serbska/Maśica Serbska</title>
				<title xml:lang="eng">Maćica Serbska/Maśica Serbska</title>
				<author>
					<persName key="ed_kyx_w4m_23b">Völkel, Měrćin (1934-2007)</persName>
				</author>
				<author>
					<persName key="ed_f3q_34n_23b">Pernak, Měto (1938-)</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
			</sourceDesc>
        </fileDesc>
		<profileDesc>
			<textClass>
				<keywords>
					<term key="Sorabistik">Sorabistik</term>
					<term key="Wissenschaft">Wissenschaft</term>
					<term key="Wissenschaftliche Gesellschaft">Wissenschaftliche Gesellschaft</term>
					<term key="Wissenschaftliche Literatur">Wissenschaftliche Literatur</term>
					<term key="Verein">Verein</term>
					<term key="Kulturpolitik">Kulturpolitik</term>
				</keywords>
			</textClass>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Nejstaršy a nadkonfesionelny wědomnostno-kulturny zwězk Serbow w Górnej a Dolnej
					Łužycy. Maśica Serbska jo nastała na wjerašku narodnego wózroźenja pó pśikłaźe
					pódobnych organizacijow pla drugich słowjańskich ludow a jo lětźasetki dłujko
					duchno-kulturne žywjenje mjeńšyny wobwliwował.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Najstarše cyłonarodne a nadkonfesionelne wědomostno-kulturne zjednoćenstwo Serbow
					w Hornjej a Delnjej Łužicy. Maćica Serbska nasta na wjeršku narodneho
					wozrodźenja po přikładźe podobnych organizacijow pola druhich słowjanskich ludow
					a wobwliwowaše lětdźesatki dołho duchowno-kulturne žiwjenje serbskeje
					mjeńšiny.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Älteste gesamtnationale und überkonfessionelle wissenschaftlich-kulturelle
					Vereinigung der Sorben in der Ober- und Niederlausitz. Sie entstand auf dem
					Höhepunkt der nationalen Wiedergeburt nach dem Vorbild ähnlicher Organisationen
					bei anderen slawischen Völkern und beeinflusste über Jahrzehnte das
					geistig-kulturelle Leben der Minderheit.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>The oldest national and supra-denominational scientific-cultural association of the Sorbs in
					Upper and Lower Lusatia. It emerged at the height of national rebirth, modelled
					after similar organisations among other Slavic peoples, and for decades, it
					influenced the spiritual and cultural life of the minority.</p>
			</abstract>
		</profileDesc>
    </teiHeader>
    <text>
		<body>
			<div>
				<p>Älteste gesamtnationale und überkonfessionelle wissenschaftlich-kulturelle Vereinigung der
						<rs type="term" key="Sorben" ref="http://d-nb.info/gnd/4055619-0"
						>Sorben</rs> in der <rs type="term" key="Oberlausitz" ref="-">Ober</rs>- und
						<rs type="term" key="Niederlausitz" ref="-">Niederlausitz</rs>. Sie entstand
					auf dem Höhepunkt der <rs type="term" key="nationale Wiedergeburt"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4361398-6">nationalen Wiedergeburt</rs> nach dem
					Vorbild ähnlicher Organisationen bei anderen slawischen Völkern und beeinflusste
					über Jahrzehnte das geistig-kulturelle Leben der Minderheit. Die obersorbische
					Maćica Serbska wurde auf Vorschlag von <persName key="ed_mhc_jnv_vhb">Jan Arnošt
						Smoler</persName> am 18.4.1845 in <rs type="term" key="Bautzen" ref="-"
						>Bautzen</rs> gegründet; die endgültige Konstituierung erfolgte unter
					Vorsitz von <persName key="ed_vkv_nwx_vhb">Handrij Zejler</persName> am 7.4.1847
					mit der Annahme der behördlich genehmigten Statuten und der Wahl eines
					Vorsitzenden. Die niedersorbische Maśica Serbska wurde 1880 auf Initiative des
					polnischen Rechtsanwalts und Sorbenfreunds <persName key="ed_ix5_2kn_23b">Alfons
						Parczewski</persName> in <rs type="term" key="Cottbus" ref="-">Cottbus</rs>
					ins Leben gerufen. Beide Eigennamen enthalten das sorbische Wort für »Mutter«
					(obersorb. <ex>mać</ex>, niedersorb. <ex>maś</ex>).</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Macica-Serbska_01.jpg"/>Porträtfotografien von Mitgliedern der Maćica Serbska; Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Das Hauptziel der <hi rendition="#u">Maćica Serbska</hi>, die anfangs ca. 120 jüngere
					sorbische Lehrer und Geistliche sowie Studenten vereinte, bestand in der
					Herausgabe wissenschaftlicher und populärer Schriften (→ <rs type="term"
						key="Buchgemeinschaften" ref="-">Buchgemeinschaften</rs>) sowie in
					Forschungen zur Geschichte, Sprache, Literatur und Volkskunde der Sorben (→ <rs
						type="term" key="Sorabistik" ref="http://d-nb.info/gnd/4201439-6"
						>Sorabistik</rs>). Sie festigte durch patriotische Aktivitäten Bildung und
					Bewusstsein des kleinen Volkes, für einige historische Phasen übernahm sie auch
					die politische Repräsentation. In der ersten Hälfte der 1840er Jahre waren
					Voraussetzungen für ein organisiertes nationales Leben geschaffen worden, u. a.
					mit dem Erscheinen einer <rs type="term" key="Zeitung"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4067510-5">Zeitung</rs> (seit 1842), einem ersten
					Sorbischlektorat an der Universität <rs type="term" key="Leipzig" ref="-"
						>Leipzig</rs> (ab 1843) oder den groß angelegten Gesangsfesten in Bautzen
					(ab 1845). Mitglieder der Maćica Serbska veranlassten 1848 die Übergabe einer
					Petition an die königlich-sächsische Regierung, in der die Gleichberechtigung
					des <rs type="term" key="Sorbisch" ref="http://d-nb.info/gnd/4116533-0"
						>Sorbischen</rs> in <rs type="term" key="Schule"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4053474-1">Schule</rs>, <rs type="term"
						key="Kirche" ref="http://d-nb.info/gnd/4030702-5">Kirche</rs>, Verwaltung
					und vor Gericht verlangt wurde. Die Bittschrift unterzeichneten fast 5 000
					»Haushaltungsvorstände« aus der sächsischen Oberlausitz. Damit wurden gewisse
					sprachliche Zugeständnisse für Unterricht und Gottesdienst erreicht.</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Macica-Serbska_02.jpg"/>Schriften der Maćica Serbska, erschienen zwischen 1848 und 1937; Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Macica-Serbska_05.jpg"/>Grußkarte von der Hauptversammlung 1905; Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Gemäß den Statuten förderte der Vorstand der Maćica Serbska das Erscheinen
					preiswerter volksbildender Schriften, darunter sorbisch-deutscher Wörterbücher.
					Für diese wurde eine einheitliche <rs type="term" key="Rechtschreibung"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4048780-5">Orthografie</rs> des <rs type="term"
						key="Obersorbisch" ref="http://d-nb.info/gnd/4120294-6">Obersorbischen</rs>
					erarbeitet, die sich als sogenannte analoge bzw. Maćica-Rechtschreibung
					durchsetzte und die Edition literarischer Werke in allen Gattungen und Genres
					erleichterte (→ <rs type="term" key="Literatur"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4035964-5">Literatur</rs>). Eine populäre
					Schriftenreihe erreichte 122 Ausgaben. Mit dem ersten Buchkalender »Předźenak«
					(→ <rs type="term" key="Kalender" ref="-">Kalender</rs>) für 1855 wurde eine
					Lektüretradition eröffnet, die bis zur Gegenwart fortbesteht. Das Periodikum der
					Maćica Serbska war die <rs type="term" key="Zeitschrift"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4067488-5">Zeitschrift</rs> »Časopis [Towarstwa]
					Maćicy Serbskeje« (Zeitschrift der [Gesellschaft] Maćica Serbska, kurz ČMS), die
					zwischen 1848 und 1937 kontinuierlich mit insgesamt 170 Heften erschien. Sie
					bilden eine wichtige Quelle für alle Bereiche der sorabistischen Forschung. Eine
					neue Reihe »Wissenschaftliche Berichte« gelangte nur bis zur zweiten Ausgabe
					(1929, 1933).</p>
				<p>Zwecks effektiver wissenschaftlicher Arbeit berief die Maćica Serbska zehn
					Sektionen: u. a. 1853 für Sprache, 1856 für <rs type="term"
						key="Geschichtsschreibung" ref="http://d-nb.info/gnd/4020531-9"
						>Geschichtsschreibung</rs> (Altertümer), 1857 für Naturwissenschaften, 1858
					für Belletristik, später auch für <rs type="term" key="Volkskunde"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4078937-8">Volkskunde</rs>, <rs type="term"
						key="Musik" ref="http://d-nb.info/gnd/4040802-4">Musik</rs> und Pädagogik.
					Die historische Sektion sammelte Exponate für ein sorbisches Museum, die
					belletristische unterhielt eine Literaturbeilage in der einzigen Wochenzeitung.
					Angesichts von Tendenzen der <rs type="term" key="Assimilation"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4139304-1">Assimilation</rs> und Germanisierung
					erstellte <persName key="ed_dgv_mnv_vhb">Arnošt Muka</persName> eine
					umfangreiche Statistik der Sorben beider Lausitzen (in ČMS 1884–1886). 1894, als
					er Chefredakteur der Maćica-Zeitschrift wurde (bis 1932), formulierte er für die
					Maćica Serbska ein komplettes Forschungsprogramm, das sich auf mehrere
					Disziplinen bezog: Geschichte, Ethnografie, Demografie, <rs type="term"
						key="Sprachwissenschaft" ref="-">Sprachwissenschaft</rs>,
					Literaturgeschichte, Kunst, Musik und Wirtschaft.</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Macica-Serbska_06-scaled.jpg"/>Vortragsreihe im Rahmen der Maćična akademija, 2014; Fotografin: Trudla Malinkowa</p>
				<p>Erste Ideen für ein eigenes Vereinshaus mit Bibliothek (→ <rs type="term"
						key="Bibliothek der Maćica Serbska" ref="-">Bibliothek der Maćica
						Serbska</rs>) und Museum (→ <rs type="term" key="Wendisches Museum Bautzen"
						ref="-">Wendisches Museum in Bautzen</rs>) datieren aus den 1850er Jahren,
					aber erst 1873 konnte in Bautzen ein Gebäude erworben werden. Es erwies sich
					bald als zu klein, weshalb 1897 der Grundstein für das repräsentative <rs
						type="term" key="Wendisches Haus" ref="-">Wendische Haus</rs> am Lauengraben
					gelegt wurde, das 1904 errichtet war. An Spendenaktionen für den Bau beteiligten
					sich auch ausländische Maćica-Mitglieder.</p>
				<p>Nachdem in der <rs type="term" key="Weimarer Republik"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4065109-5">Weimarer Republik</rs> die <rs
						type="term" key="Nationalbewegung" ref="-">Nationalbewegung</rs> einen
					Aufschwung erfahren hatte, nahm die Gesellschaft zunehmend politische und
					kulturelle Aufgaben wahr; sie zählte damals über 400 Mitglieder. 1925 gründete
					sie gemeinsam mit der <rs type="term" key="Domowina" ref="-">Domowina</rs> und
					der <rs type="term" key="Wendische Volkspartei" ref="-">Wendischen
						Volkspartei</rs> den Wendischen Volksrat, der gegenüber den staatlichen
					Stellen als »oberste Vertretung« die Gleichberechtigung der Sorben einforderte.
					Im Wesentlichen beschränkten sich die Sektionen jedoch auf wissenschaftliche
					Aktivitäten, darunter wegweisende Studien zur Entwicklung des Schrifttums.
					Während der <rs type="term" key="NS-Zeit" ref="-">NS-Zeit</rs> weigerte sich der
					Vorstand, den Namen »Lausitzer Literaturgesellschaft« anzunehmen. Vom generellen
					Tätigkeitsverbot für sorbische Vereine 1937 war auch die Maćica Serbska
					betroffen, obgleich sie nicht der Domowina angehörte. Lediglich Versammlungen im
					Zusammenhang mit der Verwaltung des Maćica-Hauses waren unter polizeilicher
					Aufsicht erlaubt. Die für 1938 geplante Zeitschrift der Maćica durfte nicht mehr
					erscheinen. Im August 1937 wurde das Wendische Haus von der Gestapo besetzt, die
					sich im Gebäude befindliche Druckerei geschlossen. Bibliothek und Archiv waren
					seitdem nicht mehr zugänglich, das Museum konnten noch bis 1941 besucht werden.
					Nach der Enteignung 1941 übernahm die Stadt das Wendische Haus; die
					Bibliotheks-, Archiv- und Museumsbestände wurden beschlagnahmt. Das Gebäude fiel
					1945 einer strategischen Brandlegung zum Opfer.</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Macica-Serbska_07.jpg"/>Verleihung des Michał-Hórnik-Förderpreises in Bautzen, 2018</p>
				<p>Um unter den politischen Verhältnissen in der sowjetischen Besatzungszone tätig
					sein zu können, versammelten sich die Mitglieder seit 1946 als
					»Wissenschaftliche Abteilung« der Domowina. Im Kontext des 100. Jahrestags der
					Maćica-Gründung, am 24.8.1947, konnte der Grundstein für das neue <rs
						type="term" key="Haus der Sorben" ref="-">Haus der Sorben</rs> auf dem
					Postplatz in Bautzen gelegt werden, woran auch Vertreter der sowjetischen
					Besatzungsmacht sowie von Militärmissionen slawischer Länder teilnahmen. Als in
					der Sowjetischen Besatzungszone die Volksbildungsvereine aufgelöst und in die
					sog. Massenorganisationen überführt wurden, beschloss die Hauptversammlung der
					Maćica Serbska am 7.6.1949, der Domowina beizutreten. Ihre bisherige Tätigkeit
					wurde nach und nach von neuen Institutionen wie dem 1948 gegründeten <rs
						type="term" key="Sorbisches Kultur- und Volksbildungsamt" ref="-">Sorbischen
						Kultur- und Volksbildungsamt </rs>und dem 1951 gegründeten Institut für
					sorbische Volksforschung (→ <rs type="term" key="Sorbisches Institut" ref="-"
						>Sorbisches Institut</rs>) übernommen. Dem Institut wurden auch die
					geretteten Bücher und Archivalien übergeben, wo sie seither als eigene Bestände
					in der <rs type="term" key="Sorbische Zentralbibliothek" ref="-">Sorbischen
						Zentralbibliothek</rs> bzw. dem <rs type="term"
						key="Sorbisches Kulturarchiv" ref="-">Sorbischen Kulturarchiv</rs> geführt
					werden. Gemälde u. a. Exponate besitzt das <rs type="term"
						key="Sorbisches Museum/Serbski muzej" ref="-">Sorbische Museum</rs>.</p>
				<p>Als 1990 eine Wiederbelebung der Maćica Serbska in Form eines eingetragenen
					Vereins möglich wurde, war die Forschungs- und Verlagstätigkeit längst auf
					eigenständige Institutionen übergegangen. Die neue Satzung knüpfte an die
					Ursprünge von 1847 an und bekundete wiederum die Absicht, die Beschäftigung mit
					Geschichte, Sprache und Kultur der Sorben zu fördern sowie Kenntnisse über das
					slawische Volk zu verbreiten. Neben den Hauptversammlungen und der internen
					Arbeit in den Sektionen Geschichte, Literatur und Kunst, Sprache,
					Volkskunde/Museen und Musik organisierte der eingetragene Verein von nun an
					Tagungen über die jüngere Vergangenheit, über historische Persönlichkeiten und
					kulturelle Gedenktage, z. T. in Kooperation mit weiteren in- und ausländischen
					Einrichtungen. Seit 1993 ist die Maćica Serbska Trägerin der Obersorbischen,
					seit 1994 der Niedersorbischen Sprachkommission und seit 2004 eines Ausschusses
					für sorbische Kulturdenkmale, der Vereine, Kommunen, Kirchen oder Privatpersonen
					bei Aufstellung und Erneuerung von Denkmalen berät und eigene Vorschläge dafür
					vorlegt. Der Maćica Serbska gehören über 100 Mitglieder an, davon etwa 20 aus
					dem Ausland; sie hat ihren Sitz im Bautzener Haus der Sorben.</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Macica-Serbska_08.jpg"/>Mitgliedskarte von Arnošt Muka, 1881; Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Die <hi rendition="#u">Maśica Serbska</hi> wurde am 27.5.1880 in Cottbus als relativ
					selbstständige »Niederlausitzer wendische Sektion« der gleichnamigen
					obersorbischen Gesellschaft gegründet, der bereits mehrere engagierte
					Niedersorben beigetreten waren. 1909 erfolgte die Namensänderung in Maśica
					Serbska/Wendischer Buchverein, 1933/34 in Wissenschaftlicher Verein wendischer
					Bücherfreunde. Frühere Versuche, eine eigene literarische oder kulturelle
					Vereinigung für die Niederlausitz zu bilden, waren gescheitert. Von den bei der
					Gründungsversammlung anwesenden 72 Personen wurden 65 sofort Mitglied, zwei
					Drittel davon waren Landwirte; 1882 gab es bereits 224 Mitglieder, davon 171
					Sorben aus der Niederlausitz, in ihrer Mehrheit aus dem <rs type="term"
						key="Cottbuser Kreis" ref="-">Cottbuser Kreis</rs>. Entsprechend dem
					»Reglement« bestand der Vereinszweck in der »Pflege der niederlausitzisch-
					wendischen Sprache und Herausgabe guter in dieser Sprache verfasster Bücher für
					das Volk«.</p>
				<p>Auf der Grundlage der erneuerten niedersorbischen Schriftsprache begann eine rege
					verlegerische Aktivität, die sich an den Bedürfnissen der ländlichen, noch
					streng religiösen Leserschaft orientierte. Das betraf neue oder überarbeitete
					Gebet-, Gesang- und Predigtbücher, vielfältige Erbauungsschriften, aber auch
					Lehr- und Liederbücher sowie vereinzelt Werke der schönen Literatur. In den
					ersten 25 Jahren ihres Bestehens brachte die niedersorbische Maśica Serbska im
					Schnitt zwei Titel pro Jahr heraus, deren Auflage zwischen 500 und 4 000
					schwankte; insgesamt erschienen in dieser Phase etwa 50 Ausgaben mit ca. 70 000
					Exemplaren, wobei die Mitglieder kostenfrei jeweils eines erhielten. Die
					Finanzierung erfolgte vorrangig durch private Spenden, Mitgliedsbeiträge sowie
					Honorarverzicht. Hervorzuheben ist der Buchkalender »Pratyja« für die
					Niedersorben, der – bei einigen Unterbrechungen – seit 1880 jährlich
					erscheint.</p>
				<p>Trotz enger Verbindungen zur Muttergesellschaft in Bautzen war die
					niedersorbische Maśica Serbska als »Wendischer Buchverein« organisatorisch und
					finanziell selbstständig. Neue Impulse erwuchsen ihr aus der <rs type="term"
						key="Jungsorbische Bewegung" ref="-">Jungsorbischen Bewegung</rs> (in der
					Niederlausitz besonders 1888–1908), die sich im Streit um die Wiederaufnahme des
					Sorbischunterrichts am Cottbuser Gymnasium festigte. Aus diesem Kreis gingen
					auch jene Personen hervor, die die Geschicke der Gesellschaft in der ersten
					Hälfte des 20. Jh. lenkten. Auf Anregung von <persName key="ed_qpp_ygr_d3b"
						>Hendrich Jordan</persName> wurde 1904 die »Philologische Abteilung«
					ausgegliedert, die einzige Sektion der Maśica Serbska, die unter Leitung von
						<persName key="ed_cmt_2dy_vhb">Bogumił Šwjela</persName> über einige Jahre
					sorabistische Studien betrieb. Mehrere ihrer Mitglieder wirkten an der
					evangelischen Monatsschrift »Wósadnik« mit, die bei beachtlichem sprachlichem
					Niveau etwa 1 000 Abonnenten erreichte. Der Bildung und Erziehung des Volkes
					dienten sorbische Kultur- und Heimatabende. Am 25. Gründungsjubiläum 1905 in
					Cottbus nahmen mehrere hundert Mitglieder und Gäste aus beiden Lausitzen sowie
					dem Ausland teil, doch hatte die Organisation ihren Zenit bereits überschritten.
					Nach der Jahrhundertwende ging die Mitgliederzahl infolge fortschreitender
					Assimilation, aber auch wegen des Drucks der preußischen Behörden in Schule und
					Kirche allmählich zurück. Der Analphabetismus in der Muttersprache nahm zu.
					Damit sank das Interesse an sorbischsprachiger Lektüre. Die Maśica Serbska
					verfiel in Stagnation, wovon sie sich erst nach dem 1. Weltkrieg und der
					Inflation erholte.</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Macica-Serbska_09.jpg"/>Porträtfotografien von Mitgliedern der Maśica Serbska; Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Mit ihrem Status als eigenständige Abteilung war die Maśica Serbska in der
					Weimarer Republik beinahe die einzige und sicher die wichtigste Organisation der
					Sorben in der Niederlausitz. Ihre Verlagstätigkeit richtete sich nun auch auf
					weltliche, belletristische Editionen, nahm jedoch insgesamt ab. Zu den
					Veranstaltungen gehörten Vorträge, Musik- und Theateraufführungen, z. T.
					getragen durch Gäste aus der Oberlausitz. Einen Aufschwung erlebten solche
					Unternehmungen nach Erwerb eines festen Domizils in der Cottbuser Filiale der
						<rs type="term" key="Wendische Volksbank" ref="-">Wendischen Volksbank</rs>
					(1928) mit eigener Bibliothek. Ein letzter Höhepunkt war der 50. Jahrestag der
					Sektion, der am 10.8.1930 als Volksfest mit Trachtenschau in <placeName
						key="ed_fz2_zcj_vhb">Vetschau</placeName> begangen wurde und bei dem 25
					000–30 000 Besucher zugegen waren. Verschiedene Verleumdungen von deutscher
					Seite steigerten sich in der NS-Zeit zu einer Kampagne gegen die Maśica Serbska
					bzw. einzelne ihrer Mitglieder, besonders Lehrer und Geistliche. Im April 1933
					wurde als Konkurrenz ein »Verein für die Pflege des Spreewälder Volkstums«
					geschaffen, der den Begriff »Spreewald« bzw. »spreewäldisch« anstatt »wendisch«
					propagierte und damit eine spätere geheime Anordnung der NS-Behörden vorwegnahm.
					Unter der veränderten Selbstbezeichnung »Wissenschaftlicher Verein wendischer
					Bücherfreunde« durfte die Maśica Serbska noch bis 1936 wirken. Mit dem
					Tätigkeitsverbot für die Domowina, der die niedersorbische Abteilung seit 1912
					als Gründungsmitglied angehört hatte, endete im Frühjahr 1937 jegliche
					Initiative. Es folgte die Beschlagnahme des Vermögens, das 1941 offiziell
					eingezogen wurde.</p>
				<p>Im Unterschied zur Oberlausitz kam es nach 1945 in der Niederlausitz nicht zur
					Wiederbelebung der Maśica Serbska. Diese fand erst nach der <rs type="term"
						key="politische Wende" ref="-">politischen Wende</rs> statt. Am 13.5.1993
					gründeten einige Niederlausitzer Sorben abermals eine niedersorbische Sektion in
					Cottbus. Die früheren Aufgaben lagen inzwischen bei anderen sorbischen
					Einrichtungen, die Anzahl potenzieller Mitglieder war gering. Ihren primären
					Wirkungsbereich erkannte die neue niedersorbische Maśica Serbska bei der
					Kulturgeschichte, wo nach wie vor erheblicher Forschungs- und Informationsbedarf
					besteht. Die Vereinsarbeit konzentriert sich gegenwärtig auf Erkundung und
					Beschreibung von Leben und Werk namhafter Niedersorben. Es werden Symposien und
					Jahrestage veranstaltet, historische Studien veröffentlicht und Gedenkstätten
					eingeweiht. Die Niederlausitzer Sektion hat ca. 25 Mitglieder.</p>
				<p>Vorsitzende: <hi rendition="#u">a) Maćica Serbska</hi>: <persName key="ed_xzl_hmn_23b"
						>Bjedrich Adolf Klin</persName> (1847–1855), <persName key="ed_smp_lmn_23b"
						>Ernst Rychtar</persName> (1856–1872), Jan Arnošt Smoler (1872–1882),
						<persName key="ed_jd2_mx4_c3b">Michał Hórnik</persName> (1882–1894),
						<persName key="ed_ymy_pmn_23b">Korla Awgust Kalich</persName> (1894–1895),
						<persName key="ed_xd5_vx4_c3b">Jurij Łusčanski</persName> (1895–1905),
						<persName key="ed_i42_vmn_23b">Jan Pawoł Křižan</persName> (1905–1923),
						<persName key="ed_kyl_x55_c3b">Jakub Skala</persName> (1923–1925), <persName
						key="ed_eg1_2nn_23b">Arnošt Herman</persName> (1925–1934), <persName
						key="ed_q5d_hnn_23b">Beno Symank</persName> (1934–1938), <persName
						key="ed_gnn_knn_23b">Gustaw Alwin Mjerwa</persName> (1938–1941 als
					Stellvertreter), <persName key="ed_ezr_jtx_vhb">Jakub Wjacsławk</persName>
					(1946–1949), <persName key="ed_sbq_pnn_23b">Gerhard Wirth</persName>
					(1990–1991), <persName key="ed_kyx_w4m_23b">Měrćin Völkel</persName>
					(1991–2007), <persName key="ed_p4w_tnn_23b">Jan Malink</persName> (2008–2016),
						<persName key="ed_wy4_xnn_23b">Jurij Łušćanski</persName> (seit 2016); <hi
						rendition="#u">b) Maśica Serbska</hi>: <persName key="ed_dck_3dy_vhb">Jan
						Bjedrich Tešnaŕ</persName> (1880–1898), <persName key="ed_dfs_b4n_23b">Měto
						Korjeńk</persName> (1899–1913), <persName key="ed_orz_24n_23b">Wylem
						Nowy</persName> (1913–1933), Bogumił Šwjela (1933–1937), <persName
						key="ed_f3q_34n_23b">Měto Pernak</persName>(1993–2006), <persName
						key="ed_wd5_l4n_23b">Pětš Šurman</persName> (seit 2006).</p>
				<p>Lit.: J. Šołta/P. Kunze: Die Maćica Serbska in Bautzen. Ihre Stellung in der
					nationalen Bewegung der Lausitzer Sorben im 19. Jahrhundert, in: Lětopis B 26
					(1979); Časopis Maćicy Serbskeje – Zeitschrift der Gesellschaft Maćica Serbska,
					Hg. J. Petr, Bände 1, 2, Budyšin/Bautzen 1986/87; M. Völkel: Trać dyrbi
					Serbstwo, Budyšin 1997; S. Musiat: Maćica Serbska w Budyšinje/Maćica Serbska in
					Bautzen, in: Sorbische/Wendische Vereine 1716–1937, Bautzen 2001; M. Noack/P.
					Schurmann: Maśica Serbska – 130 Jahre Bestrebungen zum Erhalt der
					niedersorbischen Sprache und Kultur, Cottbus 2010.</p>
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