<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:telota="http://www.telota.de" xml:id="prov_qnp_sp5_23b">
    <teiHeader>
        <fileDesc>
			<titleStmt>
				<title>Oberlausitz</title>
				<title xml:lang="deu">Oberlausitz</title>
				<title xml:lang="hsb">Hornja Łužica</title>
				<title xml:lang="dsb">Górna Łužyca</title>
				<title xml:lang="eng">Upper Lusatia</title>
				<author>
					<persName key="ed_yhg_ftv_vhb">Blaschke, Karlheinz (1927-)</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
			</sourceDesc>
        </fileDesc>
		<profileDesc>
			<textClass>
				<keywords>
					<list>
						<item>Lausitz</item>
						<item>Besiedlung</item>
						<item>Landesgeschichte</item>
						<item>Obersorben</item>
						<item>Markgraftum</item>
						<item>Milzener</item>
						<item>Bayerischer Geograph</item>
					</list>
				</keywords>
				<keywords>
					<term key="Lausitz">Lausitz</term>
					<term key="Besiedlung">Besiedlung</term>
					<term key="Landesgeschichte">Landesgeschichte</term>
					<term key="Obersorben">Obersorben</term>
					<term key="Markgraftum">Markgraftum</term>
					<term key="Milzener">Milzener</term>
					<term key="Bayerischer Geograph">Bayerischer Geograph</term>
				</keywords>
			</textClass>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Krajina pó wobyma bokoma górneje Sprjewje a łužyskeje Nyse; ako pódpołdnjowy źěł
					Łužyce lažy pśewažnje w Sakskej, pódzajtšny źěł jo pśišeł 1945 do Pólskeje.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Krajina po woběmaj bokomaj hornjeje Sprjewje a Łužiskeje Nysy; jako južny dźěl
					Łužicy leži přewažnje w Sakskej, wuchodny dźěl přińdźe 1945 k Pólskej.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Landschaft beiderseits von oberer Spree und Lausitzer Neiße; als südlicher Teil
					der Lausitz überwiegend in Sachsen gelegen, der östliche Teil kam 1945 an
					Polen.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Territory on both sides of the upper Spree and Lusatian Neisse; as the Southern
					part of the Lusatia predominantly located in Saxonia; the Eastern part went to
					Poland in 1945.</p>
			</abstract>
		</profileDesc>
    </teiHeader>
    <text>
		<body>
			<div>
				<p>Landschaft beiderseits von oberer <placeName key="ed_dzf_vy3_vhb">Spree</placeName> und
					Lausitzer Neiße; als südlicher Teil der <rs type="term" key="Lausitz" ref="-"
						>Lausitz</rs> überwiegend in Sachsen gelegen, der östliche Teil kam 1945 an
					Polen. Das Gebiet der heutigen Oberlausitz erstreckt sich vom <placeName
						key="ed_zn5_k3h_vhb">Breslau</placeName>-<placeName key="ed_lf3_zm3_vhb"
						>Magdeburger</placeName> Urstromtal im Norden bis zum Lausitzer Bergland im
					Süden. Der von Sorben bewohnte Teil umfasst heute ein Gebiet zwischen <placeName
						key="ed_xdn_3m3_vhb">Löbau</placeName>, <placeName key="ed_ic5_gc3_vhb"
						>Kamenz</placeName>, <placeName key="ed_wkb_qb3_vhb">Hoyerswerda</placeName>
					und <placeName key="ed_srx_rdj_vhb">Weißwasser</placeName>. In den ersten
					schriftlichen Nachrichten tritt um die Mitte des 9. Jh. der Gau Milska auf, als
					dessen Bewohner die <rs type="term" key="Milzener" ref="-">Milzener</rs>
					erscheinen. Die sorbische Landnahme des 7. Jh. betraf in der Oberlausitz das
					sog. Gefildeland, das zwischen Kamenz und Löbau in einer Länge von etwa 40 km
					und einer Breite von ca. 10 km um <rs type="term" key="Bautzen" ref="-"
						>Bautzen</rs> als Mittelpunkt liegt. Der fruchtbare Lößboden und das milde
					Klima im Flachland unterhalb der 200-m-Höhenlinie begünstigten die <rs
						type="term" key="Besiedlung" ref="-">Besiedlung</rs> durch das Bauernvolk,
					womit sich die Landesgeschichte der Oberlausitz von der Urgeschichte abhebt.</p>
				<p>Mit Ankunft der Slawen begann eine neue Epoche der Landeskultur. Sie wanderten in ein weithin
					menschenleeres Land ein. Die vom sog. Bayerischen Geographen um 850 genannten 30
					Burgbezirke (Civitates) können wohl eher als Mittelpunkte des Handwerks und
					Handels denn als Anlagen zur Verteidigung gelten. Die damals angelegten Sumpf-
					und Höhenburgen lassen auf eine Untergliederung des Gebiets in einer noch nicht
					herrschaftlich organisierten Ordnung schließen (→ <rs type="term" key="Burgwall"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4147023-0">Burgwälle</rs>). Womöglich kam es im
					Anschluss daran zur Ausbildung einer schwachen Herrenschicht, die sich mit dem
					Beginn der Feudalordnung deckt.</p>
				<p>Im frühen 10. Jh. setzte sich das im Frankenreich entstandene feudale Gefüge gegen die
					überholte militärische Demokratie durch. In Böhmen, Polen und im damaligen
					sächsischen Stammesgebiet (heute Niedersachsen) strebten herrschaftliche
					Ordnungen nach dem Gewinn von Macht über Land und Leute. Die herrschaftslose
					Lausitz zog diese Kräfte aus den benachbarten Gebieten an. Dabei war der
					Heereszug des ostfränkischen <persName key="ed_bvx_vtv_vhb">Königs Heinrich
						I.</persName> in das Land östlich von Elbe und Saale 928/29 der
					entscheidende Schritt. Er führte 929 zum Bau der Reichsburg <placeName
						key="ed_ljt_hn3_vhb">Meißen</placeName>, die zum Ausgangspunkt der weiteren
					Ostexpansion wurde. Drei Jahre danach brachte ein Feldzug auch das <rs
						type="term" key="Bautzener Land" ref="-">Bautzener Land</rs> unter deutsche
					Herrschaft, die sich nun bis an den Queis als neue deutsche Ostgrenze und
					zugleich Grenze der Oberlausitz ausdehnte. Zu einem allgemeinen Widerstand waren
					die Milzener nicht in der Lage. An den inneren Verhältnissen im Slawengau Milska
					änderte sich jedoch nichts, die unterworfene bäuerliche Bevölkerung stellte mit
					Abgaben und Diensten einen ökonomischen Wert dar (→ <rs type="term"
						key="Unterwerfung" ref="-">Unterwerfung</rs>). In jener Frühzeit erwähnt die
					Chronik des Bischofs <persName key="ed_enr_x4c_d3b">Thietmar von
						Merseburg</persName> den »verehrungswürdigen Ältesten Dobromir«, der
					zwischen 965 und 975 mit einer sächsischen Grafentochter verheiratet war. Es
					ergaben sich weitere eheliche Verbindungen im deutsch-slawischen Berührungsraum
					der späteren Lausitzen, die 1018 im Frieden zu Bautzen beide an den polnischen
					Herzog <persName key="ed_dlk_dtx_vhb">Bolesław Chrobry</persName> fielen, 1031
					aber wieder dem deutschen Reich zugesprochen wurden.</p>
				<p><persName key="ed_cl4_hl5_q3b">Kaiser Heinrich IV.</persName> übereignete 1071 dem Bischof
					von Meißen das Dorf <placeName key="ed_lhp_gwh_vhb">Görlitz</placeName> (villa
					Goreliz), das in der »provincia Milska« lag und dem <persName
						key="ed_c5z_yq5_23b">Markgrafen Ekbert von Meißen</persName> gehörte.
					Demnach wurde die spätere Oberlausitz als eine landschaftlich eigenständige
					Einheit angesehen, die aber politisch an die westlich benachbarte Markgrafschaft
					Meißen angeschlossen war. Nachdem das Land in das deutsche Reich einverleibt
					war, folgte die <rs type="term" key="Christianisierung"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4121091-8">Christianisierung</rs> der
					Bevölkerung.</p>
				<p>Im Gegensatz zur stets gleichbleibenden kirchlichen Einheit des Landes (→ <rs type="term"
						key="Kirche" ref="http://d-nb.info/gnd/4030702-5">Kirche</rs>) ergaben sich
					bei der weltlichen Herrschaft beträchtliche Veränderungen. Während des
					Investiturstreits entzog Kaiser Heinrich IV. dem meißnischen Markgrafen die
					Herrschaft über das Land Bautzen und übertrug es dem böhmischen <persName
						key="ed_ap1_hvt_23b">Herzog Vratislav II.</persName>, von dem es 1084 als
					Heiratsgut seiner Tochter an den <persName key="ed_axc_5mr_d3b">Grafen Wiprecht
						von Groitzsch</persName> gelangte. Er dürfte der einzige Angehörige des
					deutschen Hochadels gewesen sein, der zeitweise in Bautzen residierte und eine
					einheimische Herrschergewalt ausübte. Beim Tod seines Sohns <persName
						key="ed_hfd_ql5_q3b">Heinrich</persName> 1135 fiel das Land an den
					böhmischen König zurück. 1143 wurde es vom deutschen <persName
						key="ed_ed1_1m5_q3b">König Konrad III.</persName> an den meißnischen
						<persName key="ed_kzk_gm5_q3b">Markgrafen Konrad</persName> übertragen, von
						<persName key="ed_um4_4mg_q3b">Kaiser Friedrich I. Barbarossa</persName>
					aber 1158 als deutsches Reichslehen wieder an den böhmischen König gegeben. Aus
					dieser Periode rührt die traditionelle Vorstellung, die Oberlausitz sei ein
					königliches und böhmisches Land gewesen, denn in den Wappen der Städte Görlitz,
					Kamenz, Löbau und <placeName key="ed_hpp_x2j_vhb">Zittau</placeName> tauchte der
					böhmische Löwe auf. Nächst den meißnischen und den böhmischen Oberherren
					gelangte die Oberlausitz 1253 als Mitgift einer böhmischen Königstochter an den
					askanischen Markgrafen von Brandenburg. Nach dem Aussterben der Askanier 1319
					wurde das Land Bautzen erneut böhmisch, das Land Görlitz stand von da an bis
					1396 unter eigenen Herzögen und wurde dann wieder mit Böhmen vereinigt. Dieser
					mehrfache Wechsel der Zugehörigkeit hat jedoch nie zur Einverleibung in ein
					anderes Territorium geführt, weil jedes Mal eine Personalunion zustande kam, bei
					der ein auswärtiger Herrscher die Hoheit über die Oberlausitz innehatte und sich
					durch einen Landvogt vertreten ließ. Die wirklichen Herren im Lande waren die
					Landstände (→ <rs type="term" key="Ständeherrschaft" ref="-"
						>Ständeherrschaft</rs>).</p>
				<p>Diese setzten sich aus Angehörigen des Hochadels, der Masse des Kleinadels mit Herrensitzen
					in den Dörfern, sowie den geistlichen Grundherrschaften (→ <rs type="term"
						key="Kloster" ref="http://d-nb.info/gnd/4031225-2">Klöster</rs>) zusammen.
					Mit der Zunahme der Geldwirtschaft wuchs die Macht der Städte Bautzen, Görlitz,
					Zittau, Löbau, Kamenz und <placeName key="ed_oy3_tg3_vhb"
					>Lauban</placeName>/heute <placeName key="ed_nnk_qpq_d3b">Lubań</placeName>
					(Polen), die schon im 13. Jh. keinen adligen Gewalten, sondern nur königlichen
					Vögten unterstanden. Seit Mitte des 14. Jh. erwarben sie Landgüter, wurden damit
					zu Inhabern der Grundherrschaft und waren neben den Landständen gleichrangig in
					die Feudalordnung eingebunden. Die Städte vereinigten sich 1346 zum
					Sechsstädtebund, um einerseits den Landfrieden und andererseits ihre Einkünfte
					gegen den Adel zu sichern. Ihre Abgesandten saßen mit den adligen Grundherren
					und den Vertretern der geistlichen Stifter auf den Landtagen, wo die ständische
					Regierung in Erscheinung trat. Die landständische Verfassung beruhte auf dem
					Zusammenwirken von »Land und Städten«.</p>
				<p>Die Bedrohung aus Böhmen durch die <rs type="term" key="Hussitenkriege"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4160828-8">Hussitenkriege</rs> in den Jahren 1425
					bis 1431 wurde trotz empfindlicher Verluste überstanden. Als Folge der dabei
					ausgelösten konfessionellen Spannungen trennten sich die oberlausitzischen
					Stände 1469 vom böhmischen <persName key="ed_whn_vvc_d3b">König Georg von
						Podiebrad</persName> und wählten den <persName key="ed_btp_rj5_q3b"
						>Ungarnkönig Matthias Corvinus</persName> zu ihrem Landesherrn. Als dessen
					Nachfolger wurde der <persName key="ed_syb_zm5_q3b">Jagiellone Władysław
						II.</persName> zum König der böhmisch-ungarischen Länder erkoren. Sein Sohn
						<persName key="ed_cx2_wzx_vhb">Ludwig</persName> fiel 1526 in der Schlacht
					von <placeName key="ed_drk_kjv_23b">Mohács</placeName> gegen die Türken, worauf
					der Habsburger <persName key="ed_pcg_yzx_vhb">Ferdinand I.</persName> im Erbgang
					die Herrschaft in Böhmen und dessen Nebenländern samt den Lausitzen und
					Schlesien übernahm. Damit kamen die territorialen Wechsel für 100 Jahre zur
					Ruhe. Unter König Matthias wurde die Bezeichnung des Landes als »Oberlausitz«
					üblich, nachdem bis dahin der Name »Lausitz« nur für die Niederlausitz gegolten
					hatte. Seit der zweiten Hälfte des 15. Jh. führten die böhmischen und
					ungarischen Könige den Titel eines Markgrafen der Lausitz, seit dem frühen 16.
					Jh. wurden Oberlausitz und Niederlausitz zunehmend unterschieden. In der
					Reichsmatrikel von 1521 erschienen sie beide nicht, da sie als Nebenländer der
					Krone Böhmen ebenso wie Schlesien außerhalb der Reichsverfassung standen.</p>
				<p>Am Territorialbestand des Landes ergaben sich im späten Mittelalter einige Verschiebungen.
					Das Gebiet um <placeName key="ed_dvz_khh_vhb">Bischofswerda</placeName> und
						<placeName key="ed_vd1_cbj_vhb">Stolpen</placeName> unter bischöflich
					meißnischer Landesherrschaft hatte sich zu einem selbstständigen Territorium
					entwickelt, sodass es nicht mehr unter die Verfassung des Markgraftums
					Oberlausitz fiel. Es war ab 1559 als Amt Stolpen ein Teil des Kurfürstentums
					Sachsen, muss aber in landes- und volkskundlicher Hinsicht, nach Mundart und
					Brauchtum weiterhin zur Oberlausitz gerechnet werden. Die Stadt Zittau war
					hingegen mit ihrem Landgebiet dem Markgraftum zugewachsen, während das Gebiet um
					Friedland im 15. Jh. unter böhmische Herrschaft gekommen war.</p>
				<p>Beim Eintritt in die Neuzeit war die Oberlausitz kirchlich und kulturell ganz auf das
					benachbarte sächsisch-wettinische Gebiet ausgerichtet, weshalb sich der Einfluss
					der Wittenberger Reformation schnell durchsetzen konnte. Im Gegensatz zu Sachsen
					gab es jedoch keinen Landesherrn im Lande, der nach den Bestimmungen des
						<placeName key="ed_ph2_wjv_23b">Augsburger</placeName> Religionsfriedens von
					1555 eine einheitliche Konfession festgelegt hätte. So sank der Grundsatz des
					»Cuius regio, eius religio« (Wessen Herrschaft, dessen Bekenntnis) auf die Stufe
					der Grundherrschaft. Alle weltlichen Grundherren schlossen sich der lutherischen
					Lehre an, die geistlichen blieben beim alten Glauben. Somit entstand auf den
					Besitzungen des Klosters St. Marienstern (<placeName key="ed_b4b_zr3_vhb"
						>Panschwitz-Kuckau</placeName>) eine geschlossene sorbische <rs type="term"
						key="katholische Region" ref="-">katholische Region</rs>. Dem in <placeName
						key="ed_cfv_ys3_vhb">Prag</placeName> regierenden katholischen König
					Ferdinand I. gelang es nicht, in seinem Nebenland die Reformation zu verhindern.
					Für die Sechsstädte hatte die Entwicklung in Gestalt des Pönfalls, der 1547 als
					Strafgericht des böhmischen Königs verhängt wurde, negative Auswirkungen. Sie
					hatten im <placeName key="ed_xlg_fkv_23b">Schmalkaldischen</placeName> Krieg dem
					katholischen Landesherrn in dessen Kampf gegen ihre evangelischen
					Glaubensgenossen Truppen stellen müssen, die sie jedoch vorzeitig abzogen, wofür
					sie mit einer hohen Geldstrafe und dem Verlust ihrer Rechte bestraft wurden. Mit
					dem Pönfall erlangte der oberlausitzische Adel wieder die politisch führende
					Rolle, die er zuvor aufgrund der überlegenen Wirtschaftskraft der Sechsstädte
					verloren hatte. Die wirtschaftlichen Folgen konnten in den nächsten Jahren zu
					einem guten Teil überwunden werden, doch das Kräfteverhältnis änderte sich
					dauerhaft zugunsten des Königs und des Adels.</p>
				<p>Während des <rs type="term" key="Dreißigjähriger Krieg" ref="http://d-nb.info/gnd/4012985-8"
						>Dreißigjährigen Krieges</rs> wechselte die Landesherrschaft über die
					Oberlausitz, da der habsburgische Kaiser und König 1635 das Markgraftum dem
					Kurfürsten von Sachsen übereignete (→ <rs type="term" key="Traditionsrezess"
						ref="-">Traditionsrezess</rs>). Das bedeutete eine Personalunion mit dem
					Kurfürstentum, aber keine vollgültige Einverleibung. In den folgenden 200 Jahren
					kam es zu einer engeren Anlehnung an die staatliche Ordnung in den
					kursächsischen »Erblanden«. In der Kirchenpolitik blieb die Eigenständigkeit der
					Oberlausitz unangetastet. Von den Umwälzungen der napoleonischen Zeit wurde das
					Land stark betroffen. Im Zuge der 1815 verursachten Teilung Sachsens musste etwa
					die Hälfte des Territoriums im Nordosten an das Königreich Preußen abgetreten
					werden, seitdem gab es ein sächsisches und ein preußisches Markgraftum
					Oberlausitz mit zwei getrennten Ständeversammlungen. Auch die Obersorben waren
					nun auf beide Länder aufgeteilt. Ungeachtet dieser erzwungenen Teilung blieb in
					der Bevölkerung das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit bestehen. Die 1902
					eingeweihte Ruhmeshalle im preußischen Görlitz diente als Zeichen des
					oberlausitzischen Selbstbewusstseins. Die 1779 dort hervorgetretene <rs
						type="term" key="Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften" ref="-"
						>Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften </rs>verkörperte in der
					Gemeinschaft von Landadel und Bürgertum den Willen der kulturellen
					Führungsschicht, die Traditionen des Landes fortzuführen. Im Zeitalter der
					Romantik bildete sich im sorbischen Volk eine Bewegung, die zur <rs type="term"
						key="nationale Wiedergeburt" ref="http://d-nb.info/gnd/4361398-6">nationalen
						Wiedergeburt</rs> führte. Einer ihrer wichtigsten Vertreter war <persName
						key="ed_mhc_jnv_vhb">Jan Arnošt Smoler</persName>, der aus der preußischen
					Oberlausitz stammte, seine Aktivitäten aber in Bautzen entfaltete. 1912 wurde im
					preußischen Hoyerswerda die <rs type="term" key="Domowina" ref="-">Domowina</rs>
					als Dachverband für das sorbische <rs type="term" key="Vereinswesen" ref="-"
						>Vereinswesen</rs> gegründet.</p>
				<p>Ab Mitte des 19. Jh. wurde die Oberlausitz von der <rs type="term" key="Industrialisierung"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4026776-3">Industrialisierung</rs> erfasst, die
					auf der seit dem 17. Jh. nachweisbaren Hausweberei aufbaute. Sie hatte im
					südlichen Bergland eine entwickelte Gewerbezone hervorgebracht, sodass hier die
					Bevölkerung stark zunahm und die Waldhufendörfer zu Fabrikdörfern ausgebaut
					wurden. Dadurch wandelte sich das Siedlungsgefüge. Es wuchs ein Industriegebiet,
					in dem die Textilbranche einen hohen Stand erreichte. Der Eisenbahnbau begann
					1846 mit der Strecke von <placeName key="ed_v45_yth_vhb">Dresden</placeName>
					über Bautzen und Görlitz nach Schlesien, weitere Linien folgten zur Erschließung
					der Fabrikdörfer im Oberlausitzer Bergland. Der Waggonbau siedelte sich in
					Bautzen und Görlitz an. Nach der Reichsgründung setzte im nördlichen Heidegebiet
					(→ <rs type="term" key="Hoyerswerdaer Land" ref="-">Hoyerswerdaer Land</rs>) der
						<rs type="term" key="Braunkohlebergbau" ref="http://d-nb.info/gnd/4131791-9"
						>Braunkohlenbergbau</rs> ein. Dörfer wurden abgebaggert, Tagebaurestlöcher,
					Brikettfabriken, Großkraftwerke und Abraumhalden veränderten die Landschaft. Das
					Heidedorf <placeName key="ed_srx_rdj_vhb">Weißwasser</placeName> wurde ab 1873
					zum größten Standort der europäischen Glasindustrie.</p>
				<p>In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges wurde die Oberlausitz zum umkämpften
					Kriegsschauplatz mit schweren Zerstörungen. Der östlich der Neiße gelegene
					Landstrich musste 1945 an Polen abgetreten werden (→ <rs type="term"
						key="Östliche Lausitz" ref="-">Östliche Lausitz</rs>). Da Preußen aufgelöst
					wurde, wies die sowjetische Besatzungsmacht den westlich der Neiße gelegenen
					Teil der preußischen Oberlausitz dem Land Sachsen zu. Die Neugliederung der
					Verwaltung von 1952 schloss den nördlichen Teil an den »Energiebezirk«
						<placeName key="ed_oyh_pkh_vhb">Cottbus</placeName> an, sodass die
					Oberlausitz erneut geteilt war. Durch weitere Industrialisierung und Zuwanderung
					deutscher Arbeitskräfte wurden die Sorben endgültig zur Minderheit in ihrem <rs
						type="term" key="Siedlungsgebiet" ref="-">Siedlungsgebiet</rs>. Die
					friedliche Revolution von 1989/90 leitete auch in der Oberlausitz die <rs
						type="term" key="politische Wende" ref="-">politische Wende</rs> ein. Bei
					einer Abstimmung 1990 sprachen sich die Einwohner der Kreise Hoyerswerda und
					Weißwasser für den Anschluss an den wiedererstandenen sächsischen Freistaat aus.
					Damit ist die Oberlausitz westlich der Neiße wieder weitgehend vereinigt, sie
					bildet als eigengeprägte, vielgestaltige Region mit zwei Landkreisen (seit 2008)
					den Osten Sachsens.</p>
				<p>Lit.: J. A. E. Köhler: Die Geschichte der Oberlausitz von den ältesten Zeiten bis zum Jahre
					1815, 2. Aufl., Görlitz 1867; K. Blaschke: Beiträge zur Geschichte der
					Oberlausitz, Görlitz/Zittau 2000; Geschichte der Oberlausitz, Hg. J. Bahlcke,
					Leipzig 2001; K. Blaschke: Nachwort, in: R. Hartmetz: Die Oberlausitz. Eine
					Ortsbestimmung, Dresden 2001; K. Blaschke: Das Markgraftum Oberlausitz und das
					Amt Stolpen 1777, in: Atlas zur Geschichte und Landeskunde von Sachsen, Band 6
					III 4, Karte mit Beiheft, Leipzig/Dresden 2005; W. Müller u. a.: Oberlausitz.
					Kulturlandschaften Sachsens 4, Dresden/Leipzig 2011.</p>
			</div>
		</body>
    </text>
</TEI>