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				<title>Reformation</title>
				<title xml:lang="deu">Reformation</title>
				<title xml:lang="hsb">Reformacija</title>
				<title xml:lang="dsb">Reformacija</title>
				<title xml:lang="eng">Reformation</title>
				<author>
					<persName key="ed_kmn_l1s_rjb">Teichmann, Doris (1933-)</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Seit Ende des 17. Jh. Bezeichnung für die 1517 von Martin Luther in Deutschland
					ausgelöste religiöse Erneuerungsbewegung, die zur Bildung neuer, vom Papst
					unabhängiger Kirchen führte und den Beginn des sorbischen Schrifttums zur Folge
					hatte.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Wot kónca 17. lětstotka sem pomjenowanje za 1517 wot Martina Luthera nastorčene
					nabožne wobnowjenske hibanje, kotrež wjedźeše k tworjenju nowych, wot bamža
					njewotwisnych cyrkwjow a k spočatkam serbskeho pismowstwa.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Wót kóńca 17. stolěśa pomjenjenje za 1517 wót Martina Luthera póstarconego
					nabóžnego wobnowjeńskego gibanja, ako jo wjadło k twórjenju nowych, wót bamža
					njewótwisnych cerkwjow a k zachopjeńku serbskego pismojstwa.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Since the end of the 17th century. designation for the 1517 religious renewal
					movement initiated by Martin Luther in Germany, which led to the formation of
					new, churches independent of the Pope, and elicited the dawn of the Sorbian
					literature, as a consequence.</p>
			</abstract>
			<textClass>
				<keywords>
					<term key="Ablass">Ablass</term>
					<term key="Religiöse Erneuerung">Religiöse Erneuerung</term>
					<term key="Katholizismus">Katholizismus</term>
					<term key="Kirche">Kirche</term>
					<term key="Klerus">Klerus</term>
					<term key="Kontroverse">Kontroverse</term>
					<term key="Protestantismus">Protestantismus</term>
					<term key="Religion">Religion</term>
					<term key="evangelische Sorben">evangelische Sorben</term>
				</keywords>
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				<p>Seit Ende des 17. Jh. Bezeichnung für die 1517 von <persName key="ed_xtk_xn4_c3b"
						>Martin Luther</persName> in Deutschland ausgelöste religiöse
					Erneuerungsbewegung, die zur Bildung neuer, vom Papst unabhängiger Kirchen
					führte und in der zweisprachigen Lausitz die religiöse Spaltung der Bevölkerung
					(in der → <rs type="term" key="Oberlausitz">Oberlausitz</rs>) sowie den Beginn
					des sorbischen Schrifttums zur Folge hatte. Die Kritik richtete sich gegen
					Einrichtungen und Autoritäten, gegen die Vernachlässigung des geistlichen Amtes,
					die Verweltlichung und mangelhafte Ausbildung des Klerus und die Finanzpraktiken
					der <rs type="term" key="Kirche">Kirche</rs> (Ablasshandel). Entgegen Luthers
					ursprünglicher Absicht bewirkte das Streben nach einer dem Evangelium gemäßen
					Organisation die Entstehung eigenständiger lutherischer und reformierter
					Kirchen. Es bildete sich der Protestantismus als neue christliche Konfession
					heraus, in der Schriftlesung und Predigt in der Volkssprache an die Stelle der
					lateinischen Messe traten. In der Ober- und <rs type="term" key="Niederlausitz"
						>Niederlausitz</rs>, die den katholischen Habsburgern gehörten, setzte sich
					die Reformation trotz geografischer Nähe <placeName key="ed_yvk_f2j_vhb"
						>Wittenbergs</placeName> nur langsam durch. Sie wurde jedoch von den Städten
					und dem Landadel zunehmend gefördert. In der Oberlausitz war der Einfluss der
					Stadträte stärker als in der Niederlausitz; in <rs type="term" key="Bautzen"
						>Bautzen</rs> drängten auch die Gemeinden auf den Einsatz evangelischer
					Prediger.</p>
				<p>Seit der <rs type="term" key="Christianisierung">Christianisierung</rs>
					existierte auf deutscher Seite eine latente Geringschätzung der Sorben . Sie
					standen als Hörige und Nichtdeutsche auf der untersten Stufe der
					Standeshierarchie. In den protestantischen Regionen Deutschlands wurden Schulen
					und Universitäten infolge der Reformation von Luther und <persName
						key="ed_hx1_jpq_d3b">Melanchthon</persName> umgestaltet. Da die Obrigkeiten
					auf ein Verlöschen des Sorbischen bauten, beachtete auch Wittenberg bei der
					Ordinierung evangelischer Geistlicher oft nicht, dass die sorbische Bevölkerung
					der Lausitzen einsprachig und somit auf die Glaubensvermittlung in ihrer Sprache
					angewiesen war. Andererseits findet sich im Wittenberger Ordiniertenbuch z. B.
					der Hinweis darauf, dass der Cottbuser Lateinlehrer <persName
						key="ed_hks_kcb_jmb">Simon Kśink (Kshink)</persName> am 9.11.1561 nach
						<placeName key="ed_i4d_xv3_vhb">Ruhland</placeName> „ad docendum Euangelium
					lingua vandalica loco diaconi “ beordert wurde. Adlige Patronatsherren wie die
						<persName key="ed_shm_rcb_jmb">von Mielen</persName>, <persName
						key="ed_ov4_jdw_q3b">von Minkwitz</persName> oder <persName
						key="ed_km4_xyx_vhb">von Schulenburg</persName> in der Niederlausitz,
						<persName key="ed_hkv_jby_vhb">von Gersdorff</persName>, <persName
						key="ed_kz3_xcb_jmb">von Maltitz</persName> oder <persName
						key="ed_zlq_qxh_cmb">von Nostitz</persName> in der Oberlausitz bemühten sich
					um den Einsatz muttersprachlicher Geistlicher in ihren Patronatsdörfern. Im 16.
					und 17. Jh. gingen zahlreiche evangelische Prediger aus der Niederlausitz an
					Pfarrstellen in der sorbischen Oberlausitz: <persName key="ed_wjq_cdb_jmb"
						>Gregor Stuhlschreiber</persName> aus <placeName key="ed_bzp_xy3_vhb"
						>Spremberg</placeName> wurde 1554 Pfarrer in <placeName key="ed_e5g_5s3_vhb"
						>Pohla</placeName>, <persName key="ed_v2q_qdb_jmb">Martin Breslo</persName>
					aus <placeName key="ed_zbx_fwh_vhb">Golßen</placeName> 1569 Diakon in <placeName
						key="ed_wkb_qb3_vhb">Hoyerswerda</placeName>, <persName key="ed_h1q_5db_jmb"
						>Matthäus Dobry</persName> aus der Niederlausitz wirkte Mitte des 16. Jh.
					als Pfarrer in <placeName key="ed_wc5_hyh_vhb">(Groß-)Postwitz</placeName>.</p>
				<p>In den ersten Jahrzehnten der Reformation waren überwiegend schreibkundige ehemalige
					Klosterangehörige, Lehrer und Handwerker deutscher und sorbischer Abstammung
					Multiplikatoren des lutherischen Glaubens. Für Postwitz ist schon 1521 ein
						<persName key="ed_igx_ydb_jmb">Paul Boßack</persName> als evangelischer
					Prediger bezeugt; sein sorbischer Name (deutsch „Barfüßer“) verweist auf die
					Herkunft aus einem Franziskanerkloster. Im Ostteil der Niederlausitz (→ <rs
						type="term" key="Östliche Lausitz">Östliche Lausitz</rs>) hatte sich der aus
						<placeName key="ed_h5w_py3_vhb">Sorau</placeName>/heute: Żary (Polen)
					stammende, früh konvertierte ehemalige Abt des <placeName key="ed_ojc_dw3_vhb"
						>Saganer</placeName> Augustinerklosters <persName key="ed_ojy_d2b_jmb">Paul
						Lemberg</persName> für die evangelische Konfession entschieden und wurde zum
					Wegbereiter des Protestantismus im Einzugsbereich des Klosters. Im Kirchenkreis
					Sorau waren von 24 Pfarrkirchen neun bereits vor der offiziellen Einführung der
					Reformation mit evangelischen Pfarrern besetzt. In dieser Region vollendete
						<persName key="ed_bnl_b24_c3b">Mikławš Jakubica</persName> 1548 die erste
					(ost)niedersorbische Übersetzung des Neuen Testaments (→ <rs type="term"
						key="Bibelübersetzung">Bibelübersetzungen</rs>). Der etwa zur gleichen Zeit
					in einen (west)niedersorbischen Dialekt übertragene <placeName
						key="ed_pml_32j_vhb">Wolfenbütteler</placeName> Psalter war ebenfalls das
					Werk eines ehemaligen Klosterangehörigen. Luther hatte schon 1522 den Cottbuser
						Franziskaner<persName key="ed_p4l_fsx_vhb"> Johannes Briesmann (Jan
						Brĕzan)</persName> in dessen Geburtsstadt gesandt. Dort predigte Briesmann
					von März bis Anfang Dezember 1522 in der Oberkirche. Nach seiner Vertreibung aus
						<rs type="term" key="Cottbus">Cottbus</rs> verfasste er die älteste
					überlieferte reformatorische Schrift der damaligen Mark Brandenburg: „Unterricht
					und Ermahnung – an die Christliche Gemeyn zu Cottbus “ (1523). Wie Briesmann
					wurden der 1525 in <placeName key="ed_xgh_c13_vhb">Guben</placeName> wirkende
					Augustiner <persName key="ed_mrt_w2b_jmb">Leonhard Beyer-Reiff</persName> und
					andere evangelische Prediger auf kurfürstlichen Druck hin wieder vertrieben. Die
					Reformation setzte sich offiziell erst in <placeName key="ed_oyh_pkh_vhb"
						>Cottbus</placeName> durch , nachdem <persName key="ed_xxl_cfb_jmb">Johann
						von Küstrin</persName> 1535 die brandenburgische Neumark geerbt hatte. Am
					Fronleichnamstag 1537 fand in der Cottbuser Oberkirche evangelischer
					Gottesdienst statt. Johanns Bruder <persName key="ed_znd_rmr_kmb">Joachim
						II.</persName>, Erbe der anderen brandenburgischen Regionen, stand aufseiten
					des Kaisers. Am 1.11.1539 fand in der <placeName key="ed_i2m_tqp_f3b"
						>Spandauer</placeName> Nikolaikirche ein evangelischer Gottesdienst unter
					Teilnahme Joachims II. statt. Dieses Datum gilt allgemein als Beginn der
					Reformation in Brandenburg. Joachim war 1548 auch an der Ausarbeitung des
						<placeName key="ed_ph2_wjv_23b">Augsburger</placeName> Interims beteiligt,
					das dem Luthertum – jedoch nicht dem Calvinismus – die reichsrechtliche
					Anerkennung gewährte. Sein Bruder Johann von Küstrin lehnte das Gesetz ab, das
					den Territorialherren das Recht zusprach, die Religion ihrer Untertanen zu
					bestimmen.</p>
				<p>Die Lehrstreitigkeiten zwischen den Anhängern und den Gegnern Melanchthons führten nach
					Luthers Tod (1546) zur interkonfessionellen Spaltung. In Kursachsen kam es zur
					Verurteilung des an der Spitze der Melanchthonianer stehenden, aus <placeName
						key="ed_xwx_lgh_vhb">Bautzen</placeName> stammenden Mediziners <persName
						key="ed_y14_jfj_d3b">Caspar Peucer</persName> (→ <rs type="term"
						key="Humanist">Humanisten</rs>); Theologieprofessoren wurden aus ihren
					Ämtern entfernt, Studenten von der Universität Wittenberg relegiert. Zahlreiche
					deutsche und sorbische Geistliche mussten ihre Pfarrstellen verlassen. Einer der
					wenigen sorbischstämmigen Offiziale (Superintendenten) der Niederlausitz,
						<persName key="ed_wln_zmr_kmb">Gregor Perlicius</persName> aus Lübben, wurde
					1593 amtsentsetzt; <persName key="ed_imz_cnr_kmb">Matthias
						Deutschmann</persName>, Archidiakon der Cottbuser Klosterkirche, in die
					sorbischen Dörfer eingepfarrt waren, wurde wegen angeblich kryptocalvinistischer
					Haltung entlassen. Nach den heftigen theologischen Auseinandersetzungen am Ende
					des 16. Jh. rief 1613 der Übertritt des brandenburgischen Kurfürsten <persName
						key="ed_imz_3nr_kmb">Johann Sigismund</persName> zur reformierten Kirche
					neue Kontroversen hervor. Wegen starken Widerstands verzichtete der Kurfürst auf
					sein „ius reformandi“, verbot jedoch seinen Untertanen den Besuch der
					Wittenberger Hochschule. Zu den sorbischen Pfarrern, die gegen die reformierte
					Kirche polemisierten, gehörte <persName key="ed_dbw_x3p_c3b">Handroš Tara
						(Andreas Tharaeus Muscoviensis)</persName>, seinerzeit tätig im unweit von
						<placeName key="ed_vfz_pf3_vhb">Königs Wusterhausen</placeName> gelegenen
						<placeName key="ed_sns_hvh_vhb">Friedersdorf</placeName> .</p>
				<p>Bald nach Luthers Thesenanschlag begann sich das reformatorische Gedankengut auch in der
					Oberlausitz durchzusetzen. In <placeName key="ed_lhp_gwh_vhb"
						>Görlitz</placeName>, <placeName key="ed_hpp_x2j_vhb">Zittau</placeName> und
					Bautzen wurden die ersten evangelischen Predigten 1520/21 gehalten. In Görlitz
					und Bautzen gaben die Stadträte dem Druck der Bevölkerung nach und führten 1523
					bzw. 1524 die Reformation ein. Teile des Adels wie auch einige Stadtobere
					standen der neuen Bewegung anfangs ablehnend gegenüber und versuchten ihre
					Ausbreitung zu verhindern; auch der König in <rs type="term" key="Prag"
						>Prag</rs> erließ Mandate gegen die reformatorischen Bestrebungen in den
					Lausitzen. Dennoch wandten sich adlige Grundherren verstärkt der Reformation zu;
					so führte beispielsweise <persName key="ed_uzt_vnr_kmb">Caspar von
						Nostitz</persName> mit seinen Brüdern 1525 die Reformation in <placeName
						key="ed_mpp_tv3_vhb">Rothenburg</placeName> ein. Der Durchsetzungs- und
					Festigungsprozess dauerte Jahrzehnte. Erst in der zweiten Hälfte des 16. Jh.
					waren in beiden Lausitzen Pfarrstellen mit evangelischen Predigern besetzt.</p>
				<p>Angaben zu den ersten evangelischen Pfarrern und den nach der Reformation durchgeführten
					Kirchen- und Schulvisitationen sind für beide Lausitzen spärlich. Informationen
					zu sorbischen Predigern in der Oberlausitz enthält ein „Kurzer Entwurf einer
					Oberlausitz-wendischen Kirchenhistorie“ (1767). Evangelische Pfarrer gab es 1527
					an St. Petri in Bautzen, 1540 in Ruhland, 1546 in <placeName
						key="ed_dmv_jhj_d3b">Muskau</placeName>, 1548 in <placeName
						key="ed_uqf_4dj_vhb">Weißenberg</placeName>, um 1550 in <placeName
						key="ed_ic5_gc3_vhb">Kamenz</placeName> und Hoyerswerda sowie 1565 an der
					St. Johanniskirche in <placeName key="ed_xdn_3m3_vhb">Löbau</placeName>. Die
					Reformation förderte die Entfaltung des sorbischen Kirchenlebens und sorbischer
					Kirchenliteratur, die fehlende Einbeziehung der Minderheitensprachen in das
					Bildungssystem verzögerte aber die Entwicklung der sorbischen
					Schriftsprachen.</p>
				<p>In der Oberlausitz kam es durch den 1559 berufenen Bautzener Domdekan <persName
						key="ed_uhn_21y_vhb">Johann Leisentrit</persName>, den <persName
						key="ed_pcg_yzx_vhb">Kaiser Ferdinand I.</persName> zum Kommissar für
					Religionsangelegenheiten in beiden Lausitzen ernannt hatte, zur Stabilisierung
					der katholischen Institutionen und der beim alten Glauben verbliebenen
					Gemeinden. Als 1618 mit den Unruhen in Böhmen der <rs type="term"
						key="Dreißigjähriger Krieg">Dreißigjährige Krieg</rs> begann, verhielten
					sich die Stände der Oberlausitz bis zum Tod von <persName key="ed_pnz_m4r_kmb"
						>Kaiser Matthias</persName> (März 1619) passiv und traten erst danach der
					Böhmischen Konföderation bei. Sie waren an der Absetzung <persName
						key="ed_isr_hrc_r3b">Ferdinands II.</persName> und der Wahl <persName
						key="ed_lns_w4r_kmb">Friedrichs V. von der Pfalz</persName> zum König von
					Böhmen beteiligt. Die Stände des Markgraftums Oberlausitz beabsichtigten die
					Schließung des Bautzener <rs type="term" key="Domstift">Domstifts</rs>, die
					Einführung evangelischer Pfarrer in den katholischen gebliebenen Dörfern und die
					Gründung einer eigenen Landeskirche. Wegen der Besetzung der Oberlausitz durch
					den mit Ferdinand II. verbündeten <persName key="ed_lgb_12c_d3b">Kurfürsten
						Johann Georg von Sachsen</persName> kam es jedoch nicht dazu.</p>
				<p>In den beiden Lausitzen fand die Reformation relativ spät Eingang in die kirchliche Praxis,
					zudem meist als administrativer Akt der einheimischen Obrigkeit. In der
					Oberlausitz kam es zu einer konfessionellen Spaltung v. a. bei den Sorben. Das
					Gedankengut der Reformation ermunterte die evangelischen Geistlichen dazu, die
					Volkssprache zur religiösen Schriftsprache auszubauen, da nur über sie den
					einsprachigen Gemeinden die neue Lehre in sorbischer Muttersprache nahegebracht
					werden konnte. Die Gegenreformation blieb, da es den wenigen katholischen
					Einrichtungen an Autorität fehlte, in den Lausitzen folgenlos. Nur in der zum
					Kloster St. Marienstern gehörenden Kleinstadt <placeName key="ed_ep1_g2j_vhb"
						>Wittichenau</placeName> gelang trotz Protests die Rekatholisierung der
					Bürgerschaft. Dennoch haben sich gegenreformatorische Aktivitäten und die damit
					einhergehende Zuwendung zur Volkssprache positiv auf die sorbische
					Kulturentwicklung ausgewirkt.</p>
				<p>Lit.: F. Mětšk: Die brandenburgisch-preußische Sorbenpolitik im Kreise Cottbus.
					Vom 16. Jahrhundert bis zum Posener Frieden (1806), Berlin 1962; K. Blaschke/S.
					Seifert: Reformation und Konfessionalisierung in der Oberlausitz, in: Welt –
					Macht – Geist. Das Haus Habsburg und die Oberlausitz 1526–1635, Hg. J.
					Bahlcke/V. Dudeck, Görlitz/Zittau 2002; J. Bulisch: Die gebremste Reformation.
					Beobachtungen zur Einführung eines evangelischen Kirchenwesens in der
					Oberlausitz, in: Stätten und Stationen religiösen Wirkens, Hg. L.-A. Dannenberg/
					D. Scholze, Bautzen 2009.</p>
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