<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:telota="http://www.telota.de" xml:id="prov_ecm_glj_r3b">
    <teiHeader>
        <fileDesc>
			<titleStmt>
				<title>Schriftstellervereinungen</title>
				<title xml:lang="deu">Schriftstellervereinigungen</title>
				<title xml:lang="hsb">Zjednoćenstwa spisowaćelow</title>
				<title xml:lang="dsb">Zjadnośeństwa spisowaśelow</title>
				<title xml:lang="eng">Writers' Associations</title>
				<author>
					<persName key="ed_k33_3bs_rjb">Schön, Franz (1950-)</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
			</sourceDesc>
        </fileDesc>
		<profileDesc>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Zusammenschlüsse von Schriftstellern, Herausgebern, Nachwuchsautoren und
					Literaturkritikern zwecks Förderung von Literatur, hier der sorbischen.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Zjednoćenja spisowaćelow, wudawaćelow, dorostowych awtorow a literarnych
					kritikarjow ze zaměrom spěchowanja literatury, tu serbskeje.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Zjadnośeństwa spisowaśelow, wudawarjow, dorostowych awtorow a literarnych
					kritikarjow z cilom spěchowanja literatury, how serbskeje.</p>
			</abstract>
			<textClass>
				<keywords>
					<term key="Autor">Autor</term>
					<term key="Autorin" ref="-">Autorin</term>
					<term key="Buch" ref="-">Buch</term>
					<term key="Literatur" ref="http://d-nb.info/gnd/4035964-5">Literatur</term>
					<term key="Literaturkritik" ref="-">Literaturkritik</term>
					<term key="Verlag" ref="http://d-nb.info/gnd/4063004-3">Verlag</term>
					<term key="Zeitschrift" ref="http://d-nb.info/gnd/4067488-5">Zeitschrift</term>
				</keywords>
			</textClass>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Association of writers, publishers, young authors and literary critics for the
					promotion of literature, here, the Sorbians.</p>
			</abstract>
		</profileDesc>
    </teiHeader>
    <text>
		<body>
			<div>
				<p>Zusammenschlüsse von Schriftstellern, Herausgebern, Nachwuchsautoren und
					Literaturkritikern zwecks Förderung von <rs type="term" key="Literatur"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4035964-5">Literatur</rs>, hier der
					sorbischen.</p>
				<p>Die erste Form einer solchen Vereinigung entstand 1858 auf Anregung von <persName
						key="ed_jd2_mx4_c3b">Michał Hórnik</persName> in der Belletristischen
					Abteilung der <rs type="term" key="Maćica Serbska/Maśica Serbska" ref="-">Maćica
						Serbska</rs> mit dem Ziel, »höhere Unterhaltungsliteratur zu mehren«, indem
					sie die Mitglieder zu Übersetzungen und literarischen Auftragsarbeiten in <rs
						type="term" key="Zeitschrift" ref="http://d-nb.info/gnd/4067488-5"
						>Zeitschriften</rs> und Büchern animierte. Wirksam war die von <persName
						key="ed_vkv_nwx_vhb">Handrij Zejler</persName> geleitete Abteilung etwa ein
					Jahrzehnt.</p>
				<p>Die literarischen Auseinandersetzungen der Jungsorben (→ <rs type="term"
						key="Jungsorbische Bewegung" ref="-">Jungsorbische Bewegung</rs>) führten in
					den 1880er Jahren zu mehreren Treffen jüngerer sorbischer Autoren in <placeName
						key="ed_v45_yth_vhb">Dresden</placeName>, die in den 1890er Jahren als
					Jahrestreffen von Autoren der Zeitschrift »Łužica« fortgeführt wurden und deren
					Bemühungen um neue bürgerliche Kunstformen begleiteten.</p>
				<p>Im März 1900 versammelten sich auf Einladung von <persName key="ed_dgv_mnv_vhb"
						>Arnošt Muka</persName> 25 sorbische Autoren und gründeten einen
					Arbeitskreis sorbischer Schriftsteller (Koło serbskich spisowaćelow). Zu dessen
					Zielen gehörten neben der Durchsetzung einer einheitlichen obersorbischen <rs
						type="term" key="Rechtschreibung" ref="http://d-nb.info/gnd/4048780-5"
						>Orthografie</rs> die Förderung von jungen Talenten und die Herausgabe einer
					populären Buchreihe, die Muka mit der »Serbska ludowa knihownja« (Sorbische
					Volksbibliothek) schuf. 1907 endeten die Treffen dieses Interessenkreises.</p>
				<p><graphic
						url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Schriftstellervereinigungen_01.jpg"
					/>Seminar sorbischer Schriftsteller mit Jurij Brězan (links), Michał Nawka
					(Mitte), Marja Kubašec und Jurij Kubaš in Burg (Spreewald), 1953; Sorbisches
					Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Im Juni 1921 schlossen sich auf Anregung von <persName key="ed_wk4_w4n_q3b">Jurij
						Wićaz</persName> in <rs type="term" key="Prag" ref="-">Prag</rs> lebende
					Sorben und maßgebliche Vertreter der dortigen <rs type="term"
						key="Freundesgesellschaften" ref="-">Freundesgesellschaft</rs> zusammen und
					erneuerten den Arbeitskreis sorbischer Schriftsteller; <persName
						key="ed_bps_zvz_whb">Vladimír Zmeškal</persName> übernahm die Herausgabe
					einer neuen, anspruchsvollen Buchreihe, »Knihownja Dom a swět« (Bibliothek Heim
					und Welt), in der in den folgenden Jahren gesammelte Werke sorbischen
					literarischen Erbes, Übersetzungen aus slawischen Literaturen und Texte
					zeitgenössischer sorbischer Autoren veröffentlicht wurden. Die formale und
					satzungsmäßige Erneuerung des Arbeitskreises fand 1924 in <rs type="term"
						key="Bautzen" ref="-">Bautzen</rs> statt. Neben der Verbandsarbeit widmete
					sich die Vereinigung erneut sprachlichen Fragen, förderte die Entstehung neuer
					Werke und kooperierte mit der relativ selbstständigen, herausgeberisch tätigen
					Prager Abteilung.</p>
				<p>Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 endete die Tätigkeit des
					Arbeitskreises in der Lausitz; von dessen Prager Abteilung wurden bis 1937 noch
					sorbische und sorabistische Schriften verlegt. Überwacht von der Bautzener <rs
						type="term" key="Wendenabteilung" ref="-">Wendenabteilung</rs>, durften
					diese in der Lausitz nicht mehr vertrieben werden und die gesamte Buchreihe
					wurde nach der Besetzung des <rs type="term" key="Wendisches Haus in Bautzen"
						ref="-">Wendischen Hauses in Bautzen</rs> 1937 sofort aus dem Sortiment der
					Schmaler’schen Buchhandlung entfernt.</p>
				<p>Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde 1946 auf Initiative des damaligen
					Jugendfunktionärs <persName key="ed_q1p_jxz_whb">Jurij Brězan</persName> der
					Arbeitskreis sorbischer Schriftsteller erneuert. Neben der Schaffung von
					Publikationsmöglichkeiten standen Fragen der »fortschrittlichen« politischen
					Ausrichtung sorbischer Autoren, die Förderung von Nachwuchstalenten sowie
					übersetzerische Aktivitäten im Vordergrund. Durch Brězan, der 1952 in den
					Vorstand des Deutschen Schriftstellerverbandes der DDR gewählt wurde, suchte der
					Arbeitskreis schon 1951 die Zusammenarbeit mit diesem und erreichte 1969 als
					selbstständiger Verband, ähnlich den Bezirksverbänden, in diesen aufgenommen zu
					werden. Wichtigste Ziele dieses Zusammengehens waren, gleiche
					Schaffensmöglichkeiten wie deutsche Autoren zu erhalten, die bisherige
					Provinzialität der sorbischen Literatur zu überwinden und sorbische Werke auch
					dem deutschen Leser bekannt zu machen. Letzterem dienten z. B. zwei der
					sorbischen Literatur gewidmete Hefte der Monatsschrift »Neue Deutsche Literatur«
					(1967; 1970). Neben der Teilnahme sorbischer Autoren an Schriftstellerkongressen
					entwickelten sich fruchtbare Kontakte zwischen deutschen und sorbischen
					Autoren.</p>
				<p>Im Rahmen der Institutionalisierung des sorbischen Kulturlebens fand der
					Arbeitskreis nach 1951 zu einer systematischen Tätigkeit, die sich in Form von
					mehrtägigen Bildungs- und Diskussionsseminaren zeigte. Obgleich
					schriftstellerische Schaffensprobleme und sprachpflegerische Fragen im
					Mittelpunkt standen, kamen sehr bald ideologische Schulungen durch Funktionäre
					der <rs type="term" key="Domowina" ref="-">Domowina</rs> hinzu. Letztere maßen
					der literarischen Arbeit eine so große Bedeutung zu, dass sie sich von 1953 an
					immer massiver in die Verbandsarbeit einmischten (Bildung einer literarischen
					Kommission beim Sekretariat des Bundesvorstandes der Domowina). Als sich einige
					aus dem Kreis der jungen Autoren, inspiriert durch die »Tauwetterperiode« 1956,
					in der sorbischen Presse kritisch mit der Situation auseinandersetzten, kam es
					1957 auf dem Bundeskongress der Domowina zu Vorwürfen des »pessimistischen
					Nationalismus« auch gegenüber Schriftstellern. Brězan als Vorsitzender entzog
					sich daraufhin der Bevormundung durch die Domowina und beschränkte sich nur noch
					auf die Patenschaft über den Kreis der jungen Autoren; die organisatorische
					Tätigkeit des Arbeitskreises selbst kam zum Erliegen.</p>
				<p><graphic
						url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Schriftstellervereinigungen_02.jpg"
					/>Programm für den »Tag der Poesie« 1972; Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen
					Institut</p>
				<p>Anfang 1960 wählten die sorbischen Autoren den Literaturwissenschaftler <persName
						key="ed_dtn_rvx_vhb">Jurij Młynk</persName> zum neuen Vorsitzenden, der
					Arbeitskreis erneuerte seine Seminare zur literarischen Analyse entstandener
					Werke und fand zu einer produktiven Zusammenarbeit mit dem belletristischen
					Lektorat des <rs type="term" key="Domowina-Verlag" ref="-"
					>Domowina-Verlags</rs>. Durch Młynk kam es zu direkten Kontakten v. a. mit
					polnischen Schriftstellern in <placeName key="ed_rfc_123_vhb"
						>Katowice</placeName>, nach und nach auch mit tschechischen, jugoslawischen,
					ukrainischen, weißrussischen und russischen. Verstärkt organisierte der
					Arbeitskreis jetzt auch Leseveranstaltungen in Städten und Dörfern der Lausitz
					und außerhalb, hinzu kamen Basare auf Festivals (→ Volkstreffen). Zwecks
					Förderung des Nachwuchses wurde 1969 unter der Leitung von <persName
						key="ed_m45_hyz_whb">Kito Lorenc</persName> erneut ein Kreis junger Autoren
					gebildet, aus dem eine neue Schriftstellergeneration hervorging.</p>
				<p>Ab 1977 organisierte der Arbeitskreis zusammen mit dem Leipziger Germanisten
						<persName key="ed_n2g_3nj_r3b">Walfried Hartinger</persName> regelmäßig
					Seminare für Literaturkritik und veranstaltete seit 1978 das jährlich
					stattfindende Fest der sorbischen Poesie. Seit den 1970er Jahren delegierte er
					mehrere talentierte Autoren an das Literaturinstitut »Johannes R. Becher« in <rs
						type="term" key="Leipzig" ref="-">Leipzig</rs>.</p>
				<p>In der ersten Hälfte der 1980er Jahre schwand zunehmend das Vertrauen zwischen
					einem Teil der Schriftsteller und dem Vorstand. Grund dafür waren die zu Recht
					vermutete Beobachtung des Arbeitskreises durch die Staatssicherheit und
					Differenzen in literaturtheoretischen Fragen, die zum Rückzug einiger Autoren
					führten.</p>
				<p>Nach der <rs type="term" key="politische Wende" ref="-">politischen Wende</rs>
					schlossen sich 1991 sorbische Schriftsteller, mit Ausnahme von Autoren wie Kito
					Lorenc oder <persName key="ed_akb_zck_d3b">Róža Domašcyna</persName>, mit
					anderen sorbischen Künstlern zum Sorbischen Künstlerbund zusammen, der heute im
					Rahmen des Dachverbandes Domowina wirkt und von der <rs type="term"
						key="Stiftung für das sorbische Volk" ref="-">Stiftung für das sorbische
						Volk</rs> Unterstützung erhält.</p>
				<p>Vorsitzende des Arbeitskreises sorbischer Schriftsteller: 1924–1933 <persName
						key="ed_ex1_1fs_d3b">Jakub Lorenc-Zalěski</persName>, (1934/35 vermutlich
						<persName key="ed_ogf_4gs_d3b">Romuald Domaška</persName>), 1946–1952 Jurij
					Brězan und <persName key="ed_clh_4wz_whb">Měrćin Nowak-Njechorński</persName>,
					1952–1960 Jurij Brězan, 1960–1967 Jurij Młynk, 1967–1976 <persName
						key="ed_vnk_kyz_whb">Jurij Koch</persName>, 1976–1987 <persName
						key="ed_q5t_2xz_whb">Jurij Krawža</persName>, 1987–1990 <persName
						key="ed_b44_n3r_d3b">Jan Wornar</persName>, 1990/91 Jurij Koch.</p>
				<p>Betreuer des Kreises junger Autoren: 1956–1960 Jurij Brězan, 1961/62 Jurij
					Krawža, 1969–1976 Kito Lorenc, 1976–1990 Jurij Koch.</p>
				<p>Lit.: J. Młynk: 65 Jahre Arbeitskreis sorbischer Schriftsteller, in: Neue
					Deutsche Literatur 15 (1967) 3; J. Wornar: 90 Jahre im Dienste der sorbischen
					Literatur, in: Bautzener Kulturschau 40 (1990) 3; S. Musiat: Sorbische/Wendische
					Vereine 1716–1937, Bautzen 2001.</p>
			</div>
		</body>
    </text>
</TEI>
