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				<title>Sorbische Volkstreffen</title>
				<title xml:lang="deu">Sorbische Volkstreffen</title>
				<title xml:lang="hsb">Serbske zjězdy</title>
				<title xml:lang="dsb">Serbske zjězdy</title>
				<author>
					<persName key="ed_efg_tqr_rjb">Bresan, Annett</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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		<profileDesc>
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				<keywords>
					<term key="Fest">Fest</term>
					<term key="Volksfest">Volksfest</term>
					<term key="Unterhaltung">Unterhaltung</term>
					<term key="Brauchtum">Brauchtum</term>
					<term key="Folklore">Folklore</term>
					<term key="Verein">Verein</term>
					<term key="Laienkunst">Laienkunst</term>
					<term key="Festumzug">Festumzug</term>
					<term key="Künstler">Künstler</term>
					<term key="Künstlerin">Künstlerin</term>
					<term key="Minderheitenpolitik">Minderheitenpolitik</term>
				</keywords>
			</textClass>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Kulturelle Großveranstaltungen mit Volksfestcharakter, die sorbische Kultur,
					Kunst und Folklore öffentlich darstellen, seit den 1920er Jahren meist von der
					Domowina organisiert.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Kulturne wulkozarjadowanja z charakterom ludoweho swjedźenja, kotrež předstajeja
					zjawnje serbsku kulturu, wuměłstwo a folkloru, wot 1920tych lět zwjetša wot
					Domowiny organizowane.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Wjelike kulturne zarědowanja z charakterom ludowego swěźenja, ako serbsku
					kulturu, wuměłstwo a folkloru zjawnje pśedstajiju, wót 1920tych lět je zwětšego
					Domowina organizěrujo.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Major cultural event with carnival characteristics, publicly displaying the
					Sorbian culture, art and folklore, since the 1920s, mostly organised by the
					Domowina.</p>
			</abstract>
		</profileDesc>
    </teiHeader>
    <text>
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			<div>
				<p>Kulturelle Großveranstaltung mit Volksfestcharakter, die sorbische Kultur, Kunst
					und Folklore öffentlich darstellt, seit den 1920er Jahren meist von der <rs type="term" key="Domowina" ref="-">Domowina</rs> organisiert. Im Sorbischen
					wurden die Bezeichnungen <ex>zjězd</ex> ›Zusammenkunft‹ und <ex>zlět</ex>
					(wörtlich ›Zusammenflug‹) verwendet, später auch <ex>festiwal</ex>.</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Volkstreffen_01.jpg"/>Festumzug beim Domowina.Treffen in Hochkirch, 1926; Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Volkstreffen_02.jpg"/>Programm zum 50. Jahrestag der Maśica Serbska in Vetschau, 1930; Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Zu über Vereinsfeste hinausgehenden Veranstaltungen kam es mit der Etablierung
					der sorbischen bürgerlichen Kultur ab Mitte des 19. Jh.; 1845 fand das erste
					Gesangsfest in <placeName key="ed_xwx_lgh_vhb">Bautzen</placeName> statt. Um
					1900 folgten zeittypische Chortreffen, die vorbildhaft wirkten. Vereinsjubiläen
					– beliebt war das Jubiläum ihrer Stiftungen oder Fahnenweihen – boten den
					Anlass, um andere Vereinigungen einzuladen und gemeinsam zu feiern. Durch die
					Domowina als Dachorganisation sorbischer Vereine konnten solche Festlichkeiten
					ab 1912 auf breiterer organisatorischer Grundlage inszeniert werden (→ <rs type="term" key="Vereinswesen" ref="-">Vereinswesen</rs>).</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Volkstreffen_03.jpg"/>Sorbisches Volkstreffen in Bautzen, 1950; Fotograf: Kurt Heine, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Das erste Gesamt-Vereinstreffen (»wšotowarstwowy zjězd/zlět«) fand 1924 in
						<placeName key="ed_jjj_ht3_vhb">Quatitz</placeName> statt. Bis 1935 folgten
					sechs weitere, jeweils als »allsorbisches Treffen« (»wšoserbski zjězd«)
					ausgerufene Domowina-Feste sowie 1930 ein Treffen unter Regie der
					niedersorbischen Maśica Serbska (→ <rs type="term" key="Maćica Serbska/Maśica Serbska" ref="-">Maćica Serbska</rs>) in
						<placeName key="ed_fz2_zcj_vhb">Vetschau</placeName>. Das Programm der
					eintägigen Veranstaltungen bestand meist aus Gottesdienst, Festumzug,
					Ansprachen, musikalisch-literarischen Darbietungen und abendlichem Tanz. Die
					Volkstreffen der 1920er Jahre waren von der <rs type="term" key="Sokoł" ref="-">Sokoł</rs>-Bewegung inspiriert. Das Schauturnen der Turnvereine gehörte
					daher bis 1933 zu den obligatorischen Programmpunkten. (Oft wurde der vom Sokoł
					benutzte Begriff »zlět« statt »zjězd« gewählt.) Im Gegensatz zur zunehmenden <rs type="term" key="Assimilation" ref="http://d-nb.info/gnd/4139304-1">Assimilation</rs> förderten derartige Begegnungen unter den Teilnehmern die
					Identifikation mit dem Sorbentum. Die Treffen zielten auf nationalpolitischen
					Prestigegewinn: Das sorbische Volk sollte sich versammeln, um »sein Sorbischsein
					zu demonstrieren« (1926) und »seinen Lebenswillen zu bezeugen« (1927). Neben den
					Volkstreffen fand im <rs type="term" key="Spreewald" ref="-">Spreewald</rs> eine
					Reihe von Trachtenfesten mit touristischer Ausrichtung statt.</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Volkstreffen_04.jpg"/>Plakat zum Sorbischen Kulturtreffen in Burg (Spreewald) von Fryco Latk, 1951; Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Nach 1945 gab es verschiedene kleinere regionale Treffen und Manifestationen: z.
					B. 1946 und 1947 Kreisverbandstreffen der Domowina in <placeName key="ed_epd_wrh_vhb">Crostwitz</placeName> und <placeName key="ed_wkb_qb3_vhb">Hoyerswerda</placeName>, 1947 Grundsteinlegung für das
					neue <rs type="term" key="Haus der Sorben" ref="-">Haus der Sorben</rs> in
					Bautzen, 1948 Treffen der Jugendbrigaden in <placeName key="ed_ac5_vcj_vhb">Uhyst (Spree</placeName>) (→ <rs type="term" key="Brigadebewegung" ref="-">Brigadebewegung</rs>). Die erste Massenveranstaltung nach dem Krieg mit 150
					000 Besuchern, war das große Volkstreffen im Juli 1950 in <placeName key="ed_xwx_lgh_vhb">Bautzen</placeName>. Als Ehrengast nahm
					DDR-Staatspräsident <persName key="ed_mtx_pmj_f3b">Wilhelm Pieck</persName>
					daran teil. Kultureller Höhepunkt waren der Auftritt eines Chors mit 500
					Sängerinnen und Sängern und eine Tanzszene mit 2 000 Schülern in sorbischer <rs type="term" key="Tracht" ref="http://d-nb.info/gnd/4060554-1">Tracht</rs>.
					Die Kultur der Massen (besonders der Arbeiter und Bauern) wurde, anknüpfend an
					national geprägte Sokoł-Ideale, unter sowjetischem Einfluss als Gegenpol zur
					individualisierten Kultur des Bürgertums und als Ausdruck der sozialen Befreiung
					betrachtet. Auch bei den nachfolgenden Volkstreffen wie 1951 in <placeName key="ed_omc_pjh_vhb">Burg (Spreewald</placeName>) und 1956 in Bautzen fanden
					derartige Programme Anklang. Ab den 1950er Jahren entstand eine differenzierte
					Festkultur, die dank der gestiegenen Mobilität der Bevölkerung überregionale
					Resonanz gewann, z. B. 1954 Domowina-Treffen in <placeName key="ed_dqg_tt3_vhb">Radibor</placeName>, seit 1956 Heidetreffen in <placeName key="ed_hq5_lkh_vhb">Commerau</placeName> (bei <placeName key="ed_jjx_txh_vhb">Großdubrau</placeName>), seit 1970 Dorffestspiele in
						<placeName key="ed_wk5_v3h_vhb">Bröthen</placeName>.</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Volkstreffen_05.jpg"/>Teilnehmer aus der Niederlausitz beim Sorbischen Volkstreffen in Bautzen, 1956; Fotograf: Kurt Heine, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut </p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Volkstreffen_06.jpg"/>Kulturprogramm beim IV. Festival der sorbischen Kultur in Bautzen, 1976; Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Das Festival der sorbischen Volkskunst in <placeName key="ed_ep1_g2j_vhb">Wittichenau</placeName> 1964 wurde zum Auslöser und zum Namensgeber für die
					sieben Festivals der sorbischen Kultur, die von 1966 bis 1989 als Großereignisse
					in Bautzen stattfanden. Den zentralen Festivals gingen Kreisfestivals in den
					regionalen Domowina-Verbänden der <placeName key="ed_e5l_q24_c3b">Ober-</placeName> und <placeName key="ed_e5l_q24_c3b">Niederlausitz</placeName> voraus. Die Festivals entwickelten sich zu
					aufwendigen, mehrtägigen Veranstaltungen mit jeweils über 100 Programmpunkten,
					Tausenden von Beteiligten und zuletzt mehr als 150 000 Besuchern. Die
					professionelle Vorbereitung oblag jeweils einem Komitee unter Leitung des
					Staatssekretärs im Ministerium für Kultur der DDR. Die Festivals der sorbischen
					Kultur boten ein Forum sowohl für Laienschaffende, die sich im Vorfeld
					qualifizierten, als auch für die Berufskunst, die neue Aufträge erhielt. Das
					kulturelle Angebot war breit gefächert: Ausstellungen bildender Künstler und
					Volkskünstler, Auftritte von in- und ausländischen Stars, Bühnenprogramme des
						<rs type="term" key="Sorbisches National-Ensemble" ref="-">Sorbischen
						National-Ensembles</rs>, Theaterinszenierungen, Filmvorstellungen, Premieren
					zeitgenössischer Musik, Kinderprogramme sowie ein buntes Markttreiben gehörten
					dazu. Für das sorbische Publikum besaßen die Aufführungen selten oder noch nie
					gespielter Stücke des klassischen Musikrepertoires einen hohen
					Identifikationswert. Gleichzeitig wurden die Festivals, wie auch schon die
					Volkstreffen in den 1950er Jahren, politisch instrumentalisiert. Nicht die
					sorbische Kultur, sondern das »sozialistische Vaterland« bestimmte die
					offiziellen Losungen – so stand 1972 das Festival unter dem Motto »Unsere Liebe,
					Treue und Kraft dem sozialistischen Vaterland – der DDR«, 1980 feierte man es
					als »Sozialistisches Volksfest und Fest der Völkerfreundschaft«. Regelmäßig
					wurde es zu runden Jahrestagen der Gründung der DDR oder des »Sieges über den
					Faschismus« in Bezug gesetzt. Zu den Ehrengästen zählten stets eine Delegation
					der Partei- und Staatsführung sowie ausländische Diplomaten, besonders aus
					slawischen Ländern. In dem umfangreichen Festgeschehen auf den Straßen und
					Plätzen Bautzens trat die sorbische Sprache in den Hintergrund.</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Volkstreffen_07.jpg"/>Festumzug beim IX. Internationalen Folklorefestival „Łužica“ in Crostwitz, 2011; Fotograf: Rafael Ledschbor</p>
				<p>Nach der <rs type="term" key="politische Wende" ref="-">politischen Wende</rs>
					von 1989/90 kam es zu einer kontroversen Bewertung dieser Aktivitäten. Die
					Domowina knüpfte nun wieder an Traditionen der kleineren Sorbentreffen an (1994
					in <placeName key="ed_trk_kt3_vhb">Raddusch</placeName>, 2000 in <placeName key="ed_z33_4w3_vhb">Schleife</placeName>). Seit 1995 findet alle zwei Jahre
					in Crostwitz sowie an anderen Orten, auch in der Niederlausitz, das
					Internationale Folklorefestival »Łužica« statt, bei dem Tanz- und Gesangsgruppen
					aus Minderheitenkulturen dem Publikum ein abwechslungsreiches Programm
					bieten.</p>
				<p>Lit.: M. Völkel: Zjězdy, zlěty, schadźowanja a festiwale, Budyšin 1979 (Pokiwy a
					literatura za Domowinske dźěło, 49); M. Wałda: Na socialno-komunikatiwnej
					kwaliće zaleži. Něšto w naležnosći masopolitiskich swjedźenjow, festiwalow a
					kwasnych ćahow, in: Rozhlad 39 (1989) 12.</p>
				<p>
					<table rows="8" cols="2">
						<row>
							<cell>29. Juli 1924</cell>
							<cell>in Quatitz</cell>
						</row>
						<row>
							<cell>5. Juli 1925</cell>
							<cell>in Wittichenau</cell>
						</row>
						<row>
							<cell>15. Juni 1926</cell>
							<cell>in Hochkirch</cell>
						</row>
						<row>
							<cell>17. Juli 1927</cell>
							<cell>in Radibor</cell>
						</row>
						<row>
							<cell>13. Juli 1930</cell>
							<cell>in Königswartha</cell>
						</row>
						<row>
							<cell>10. August 1930</cell>
							<cell>in Vetschau (50-jähriges Jubiläum der Maśica Serbska)</cell>
						</row>
						<row>
							<cell>15. Juli 1934</cell>
							<cell>in Radibor</cell>
						</row>
						<row>
							<cell>18. August 1935</cell>
							<cell>in Hoyerswerda (Domowina-Kreisverbandstreffen)</cell>
						</row>
					</table>
				</p>
				<p>
					<table rows="4" cols="2">
						<row>
							<cell>8.-9. Juli 1950</cell>
							<cell>in Bautzen (Zjězd Serbow)</cell>
						</row>
						<row>
							<cell>30. Juni-1. Juli 1951</cell>
							<cell>in Burg (Spreewald) (Serbski kulturny zjězd)</cell>
						</row>
						<row>
							<cell>7.-8. Juli 1956</cell>
							<cell>in Bautzen (Zjězd Serbow)</cell>
						</row>
						<row>
							<cell>27.-28. Juni 1964</cell>
							<cell>in Wittichenau (Festiwal serbskeho ludoweho wuměłstwa)</cell>
						</row>
					</table>
				</p>
				<p>
					<table rows="7" cols="1">
						<row>
							<cell>I. 18.-26. Juni 1966</cell>
						</row>
						<row>
							<cell>II. 12.-26. Mai 1968</cell>
						</row>
						<row>
							<cell>III. 18.-28. Mai 1972</cell>
						</row>
						<row>
							<cell>IV. 26.-30. Mai 1976</cell>
						</row>
						<row>
							<cell>V. 26. Mai-1. Juni 1980</cell>
						</row>
						<row>
							<cell>VI. 26. Mai-2. Juni 1985</cell>
						</row>
						<row>
							<cell>VII. 29. Mai-4. Juni 1989</cell>
						</row>
					</table>
				</p>
				<p>
					<table rows="2" cols="2">
						<row>
							<cell>25.-26. Juni 1994</cell>
							<cell>in Raddusch, Tage der sorbischen Kultur (Dny serbskeje
								kultury/Serbski swěźeń)</cell>
						</row>
						<row>
							<cell>30. Juni-2. Juli 2000</cell>
							<cell>in Schleife, Fest der sorbischen Kultur (Zjězd Serbow)</cell>
						</row>
					</table>
				</p>
			</div>
		</body>
    </text>
</TEI>
