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				<title>Volksmusikanten</title>
				<title xml:lang="deu">Volksmusikanten</title>
				<title xml:lang="hsb">Ludowi hercy</title>
				<title xml:lang="dsb">Ludowe gercy</title>
				<title xml:lang="eng">Folk Musicians</title>
				<author>
					<persName key="ed_i41_brr_d3b">Šołta, Měrko (1951-)</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
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				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Spielleute, die eine populäre, meist ohne Aufzeichnungen überlieferte Musik
					darboten Bei den Sorben wirkten sie als Bewahrer und Erneuerer der
					volksmusikalischen Tradition.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Hudźbnicy, kotřiž popularnu, zwjetša bjez zapiskow traděrowanu hudźbu
					předstajachu. Pola Serbow skutkowachu jako wobchowarjo a wobnowjerjo tradicije
					ludoweje hudźby.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Gerce, kenž su pśedstajali popularnu, zwětšego bźez zapisow traděrowanu muziku.
					Pla Serbow su statkowali ako wobzwarnowarje a wobnowjarje tradicije ludoweje
					muziki.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Minstrels who performed a popular music, mostly without any recordings. Among the
					Sorbs, they acted as preservers and innovators of the traditional folk
					music.</p>
			</abstract>
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				<keywords>
					<term key="Musik">Musik</term>
					<term key="Tanz">Tanz</term>
					<term key="Volkslied">Volkslied</term>
					<term key="Volkstanz">Volkstanz</term>
					<term key="Musiker">Musiker</term>
					<term key="Musikerin">Musikerin</term>
					<term key="Volksmusikinstrument">Volksmusikinstrument</term>
					<term key="Musikinstrument">Musikinstrument</term>
					<term key="Volksmusik">Volksmusik</term>
					<term key="Musikant">Musikant</term>
					<term key="Dudelsack">Dudelsack</term>
					<term key="Geige">Geige</term>
					<term key="Fidel (Instrument)">Fidel (Instrument)</term>
					<term key="Flöte">Flöte</term>
					<term key="Schalmei">Schalmei</term>
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				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Volksmusikanten_01.jpg"/>Hausmusik in Crostwitz, um 1948, Fotograf: Oscar Kaubisch; Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Spielleute, die eine populäre, meist ohne Aufzeichnungen überlieferte <rs type="term"
						key="Musik">Musik</rs> darboten (obersorb. <ex>hercy</ex>, niedersorb.
						<ex>gerce</ex>). Bei den Sorben wirkten sie als Bewahrer und Erneuerer der
					volksmusikalischen Tradition. Sie waren zugleich begehrte Unterhalter und
					Vermittler ihrer Kunst. Die jungen Volksmusikanten erlernten das Repertoire bei
					erfahrenen Vorgängern, die oft Schulen bildeten. Wichtige Pflegestätten der
					Musik waren v. a. die <rs type="term" key="Spinnstube">Spinnstuben</rs>, wo die
						<rs type="term" key="Volkslied">Volkslieder</rs> nicht nur gesungen, sondern
					auch instrumental dargeboten wurden. Gesang und Spiel begleiteten zentrale
					Ereignisse im Jahres- und Lebenslauf, so etwa beim Passions- und Ostersingen,
					bei <rs type="term" key="Hochzeit">Hochzeiten</rs> oder Beisetzungen.</p>
				<p>Früheste Erwähnungen „wendischer Spielleute“ stammen aus dem Mittelalter, nach der <rs
						type="term" key="Reformation">Reformation</rs> verdichtet sich die
					Überlieferung. So musste 1627 in <rs type="term" key="Bautzen">Bautzen</rs> „ein
					wendischer Pfeiffer während der Predigt, weil er die Nacht vor dem Sonntage in
					der Stadt herumgegangen war und Störung verursacht hatte“, am Pranger stehen.
					Zur Eröffnung eines außerordentlichen Landtags am 25.8.1695 wurden im Bautzener
					Rathaus die „churfürstliche(n) Commissarien […] durch eine wendische Musik
					überrascht, wobei sich zwei Bockpfeiffer befanden, welche die Herren sehr
					belustigten“. Für 1774 berichten die Bautzener Annalen, dass zum Johannis-
					Schießen der Schützenkönig mit einer „wendischen Musik“, bestehend aus
					Dudelsack, Schalmei und zwei sorbische Geigen (→ <rs type="term"
						key="Volksmusikinstrument">Volksmusikinstrumente</rs>), zum Schützenplatz
					geleitet wurde. Der sächsische <persName key="ed_lxj_wml_d3b">Kurfürst Friedrich
						August III.</persName> schrieb 1769 anlässlich einer Reise durch den <rs
						type="term" key="Spreewald">Spreewald</rs> über die ihm huldigende sorbische
					Bevölkerung: „Dieses Volk ist sehr fröhlich und musikliebend. Bei jeder Gruppe
					gab es wenigstens 12 Musikanten“. Bekannt ist die Existenz verschiedener
					sorbischer Musikantenvereinigungen und Innungen z. T. bis Ende des 18. Jh., so
					etwa die Zunft der „wendischen Spielleute“ der <rs type="term"
						key="Niederlausitz">Niederlausitz</rs> in und um <placeName
						key="ed_dh1_tm3_vhb">Luckau</placeName>.</p>
				<p>Hauptbetätigung der Volksmusikanten war das Aufspielen zum Tanz, bes. die
					Begleitung und Umrahmung von Hochzeiten. In den spärlichen Quellen bis zum
					Beginn des 19. Jh. finden sich selten konkrete Hinweise zur musikalischen
					Praxis. Nennungen von „wendischen Dudelsackpfeiffern“ oder „wendischer Musik“
					bezeugen jedoch eine eigenständige, von der deutschen Umwelt unterschiedene
					Musikkultur. Über die Zusammensetzung der Musikgruppen geben einige Dokumente
					Auskunft. Berichtet wird vom einfachen Solospiel auf der großen sorbischen Geige
					oder dem Dudelsack, von Duos wie Dudelsack/kleine Geige über große
					Geige/Klarinette bis hin zu variablen Gruppen wie Dudelsack/Geige/Klarinette,
					Schalmei/zwei Geigen/Dudelsack, Geige/Klarinette/Kontrabass,
					Posaune/Klarinette/große Geige etc. Das wichtigste Instrument für die
					Volksmusikanten war die Geige.</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Volksmusikanten_02.jpg"/>Volksmusikanten zum Sorbentreffen in Bautzen 1956; Fotograf: Kurt Heine, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Der Musikant intonierte das Stück, dekorierte je nach Können die Melodie, variierte sie und
					bestimmte das Tempo. Die Geiger nutzten bei ihrem Spiel auch die leeren Saiten
					als Bordunsaiten. Die besondere Bedeutung der Geige zeigt hier die Tatsache,
					dass fast alle erhaltenen oder abgeschriebenen Melodiehefte sorbischer
					Volksmusikanten Geigenspielbücher sind. Die Instrumente bauten Musikanten oder
					Dorfhandwerker selbst. In den Quellen werden über die Jahrhunderte verschiedene
					Instrumente erwähnt, derer sich die sorbischen Volksmusikanten u. a. bedienten,
					darunter Flöten, Kuhhörner, Hackbrett oder Leier. Am häufigsten nachgewiesen
					sind Dudelsack, Geigen und die Schalmei, die man Ende des 18. Jh. durch die
					Klarinette ersetzte. Im 19. Jh. wurden die meisten davon durch
					Blechblasinstrumente verdrängt, womit ein Wandel des Repertoires einherging: weg
					von der traditionellen Volks- und hin zur populären Blasmusik. Die traditionelle
					sorbische Volksmusik erlosch um Bautzen in der ersten Hälfte des 19. Jh., in der
						<rs type="term" key="katholische Region">katholischen Region</rs> (außer
						<placeName key="ed_ep1_g2j_vhb">Wittichenau</placeName>) nach 1870 und wohl
					zur selben Zeit auch in der Niederlausitz. In der Mittellausitzer Heide sowie im
					südlich angrenzenden katholischen Kirchspiel Wittichenau wurden
					volksmusikalische Traditionen, z. T. bei Nutzung der herkömmlichen Instrumente,
					bis in die 1950er Jahre gepflegt.</p>
				<p>Nur ein kleiner Teil der Unterhaltungs- und Gebrauchsmusik ist direkt überliefert. Er blieb
					dank Notenaufzeichnungen und diversen Beschreibungen erhalten. Die Zeugnisse
					reichen bis ins letzte Drittel des 18. Jh. zurück. Erste detaillierte
					Informationen bot <persName key="ed_vlc_gyx_vhb">Jan Hórčanski</persName> in
					seiner Abhandlung „Von den Sitten und Gebräuchen der heutigen Wenden“ (1782).
					Außerdem sammelten und veröffentlichten sorbische Volkslieder und Tänze
						<persName key="ed_mhc_jnv_vhb">Jan Arnošt Smoler</persName> und <persName
						key="ed_lpj_4yx_vhb">Leopold Haupt</persName> (1841/43), <persName
						key="ed_xhc_tyx_vhb">Ludvík Kuba</persName> (1887) und <persName
						key="ed_t1n_vyx_vhb">Adolf Černý</persName> (1888, 1893). Die letzten
					Aktivitäten, zugleich die ersten Feldaufnahmen sorbischer Volksmusik, führte das
					Institut für sorbische Volksforschung (→ <rs type="term"
						key="Sorbisches Institut">Sorbisches Institut</rs>) in den 1950er Jahren
					durch.</p>
				<p>Lit.: J. Raupp: Sorbische Volksmusikanten und Musikinstrumente, Bautzen 1963; Das
					Kralsche Geigenspielbuch – Kralowy huslerski spěwnik. Eine Budissiner
					Liederhandschrift vom Ende des 18. Jahrhunderts, Bautzen 1983; CD Serbska ludowa
					hudźba/Sorbische Volksmusik. Auswahl von Feldaufnahmen der 50er- und 60er- Jahre
					des 20. Jahrhunderts, Bautzen 2006.</p>
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