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				<title>Wenden</title>
				<title xml:lang="deu">Wenden</title>
				<title xml:lang="hsb">„Wenden“</title>
				<title xml:lang="dsb">„Wenden“</title>
				<title xml:lang="eng">Wends</title>
				<author>
					<persName key="ed_ncj_t4m_23b">Scholze, Dietrich (1950-)</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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				<keywords>
					<term key="Ethnonym">Ethnonym</term>
					<term key="Westslawen">Westslawen</term>
					<term key="Polaben">Polaben</term>
					<term key="Sorben">Sorben</term>
					<term key="Lausitz">Lausitz</term>
				</keywords>
			</textClass>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Im weiteren Sinne früherer deutscher Name für alle in Nord-, Mittel- und
					Ostdeutschland sowie in den Ostalpenländern ansässigen Slawen, die zu keiner
					eigenstaatlichen Entwicklung gelangt waren. Im engeren Sinne ehemalige deutsche
					Bezeichnung für die slawischen Bewohner beider Lausitzen, die jedoch vor allem
					in der Niederlausitz bis heute verwendet wird.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>W šěršim zmysle prjedawše němske mjeno za wšěch Słowjanow, kotřiž sydlachu w
					sewjernej, srjedźnej a wuchodnej Němskej kaž tež w krajach wuchodnych Alpow a
					kotřiž njeběchu swójski stat wutworili. We wušim zmysle něhdyše němske
					pomjenowanje za słowjanskich wobydlerjow wobeju Łužicow, kotrež so wosebje w
					Delnjej Łužicy hač do dźensnišeho wužiwa.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>W šyršem zmysle starše nimske mě za wšykne w pódpołnocnej, srjejźnej a
					pódzajtšnej Nimskej a w krajach na pódzajtšo Alpow sedlecych Słowjanow, ako
					njejsu swójski stat załožyli. We wušem zmysle něgajšne nimske pomjenjenje za
					słowjańskich wobydlarjow Łužyce, kótarež se wósebnje w Dolnej Łužycy do
					źinsajšnego wužywa.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>In the broader sense, a former German name for all Slavs residing in North-,
					Central- and East Germany, as well as in the Eastern Alps, which did not
					establish their own state. In the narrower sense, former German name for the
					Slavic inhabitants of both Lusatias.</p>
			</abstract>
		</profileDesc>
    </teiHeader>
    <text>
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			<div>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Wenden_01.jpg"
					/>Satirisch-essayistische Betrachtung über die Sorben/Wenden von Jürgen
					Buchmann, Reinecke &amp; Voß 2012</p>
				<p>1. Im weiteren Sinne früherer deutscher Name für alle in Nord-, Mittel- und
					Ostdeutschland sowie in den Ostalpenländern ansässigen Slawen, die zu keiner
					eigenstaatlichen Entwicklung gelangt waren (z. B. Obodriten in Mecklenburg,
					Drawehnopolaben im Hannoverschen Wendland, Main- und Regnitzwenden, Winden bzw.
					Slowenen in Kärnten und in der Steiermark, Lausitzer <rs type="term"
						key="Sorben" ref="http://d-nb.info/gnd/4055619-0">Sorben</rs>). Dabei fand
					wohl eine Namensübertragung von den im Oder-Weichsel-Raum, also zwischen
					Germanen und Slawen, siedelnden nichtslawischen Venetern bzw. Venedi statt, die
					selbst in den durchziehenden slawischen Stämmen aufgingen.</p>
				<p>2. Im engeren Sinne ehemalige deutsche Bezeichnung für die slawischen Bewohner
					beider Lausitzen. Vereinzelt trat in wissenschaftlichen Texten des 18. und 19.
					Jh. die Bezeichnung »Lausitzer Serben« auf. Nach 1945 wurde der Begriff
					»wendisch« planmäßig durch das dem Eigennamen entsprechende »Sorben« (aus
					obersorb. Serbja bzw. niedersorb. Serby) abgelöst. </p>
				<p>Seit der <rs type="term" key="Kolonisation" ref="-">Kolonisation</rs> im hohen
					Mittelalter wurden die ethnischen Unterschiede genutzt, um dem Begriff Wenden
					teilweise eine pejorative Bedeutung zu unterlegen. Nach der Reichseinigung 1871,
					in der <rs type="term" key="Weimarer Republik"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4065109-5">Weimarer Republik</rs> und v. a. in der
						<rs type="term" key="NS-Zeit" ref="-">NS-Zeit</rs> wurde eine Germanisierung
					der Sorben angestrebt – mit dem Ziel eines »Aufgehens im Deutschtum« –, z. T.
					wurde deren slawische Herkunft geleugnet. Anstelle eines Volksnamens sollten
					»Lausitzer«, »Spreewälder« o. ä. neutrale Begriffe verwendet werden.</p>
				<p>Vor diesem slawenfeindlichen Hintergrund ersetzte man bald nach 1945 in der
					Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR die Begriffe »Wenden«, »wendisch«
					offiziell durch »Sorben«, »sorbisch«, was bereits seit dem 7./8. Jh. in
					lateinischen Schriften und seit dem 19. Jh. zunehmend auch in wissenschaftlichen
					Texten anzutreffen war. Die neuen Bezeichnungen setzten sich v. a. in der
						<placeName key="ed_e5l_q24_c3b">Oberlausitz</placeName> innerhalb weniger
					Jahrzehnte durch. Dabei halfen das politische Gewicht der Massenorganisation <rs
						type="term" key="Domowina" ref="-">Domowina</rs>, der Einfluss der Schule
					und der Medien sowie das intakte nationale Bewusstsein in Teilen der
					Bevölkerung. Viele Sorben in der <placeName key="ed_ts5_p24_c3b"
						>Niederlausitz</placeName> v. a. aus der älteren Generation lehnen den
					Begriff bis heute ab und bevorzugen den Eigennamen Wenden. Nach 1989/90 wurde
					dort die deutsche Bezeichnung »Wenden«, »wendisch« mit Bedacht aufgewertet, um
					das ethnische Bewusstsein zweisprachiger Dorfbewohner wiederzubeleben bzw. zu
					stärken. Dies fand terminologisch Ausdruck u. a. im brandenburgischen
					»Sorben(Wenden)-Gesetz« von 1994 (→ <rs type="term" key="Sorbengesetze" ref="-"
						>Sorbengesetze</rs>). In der Novellierung des Sorben/Wenden-Gesetzes von
					2014 wird die Gleichberechigung der Begriffe Sorben und Wenden bzw. Sorbisch und
					Wendisch durch die Verwendung des Schrägstriches anstelle einer Klammer im
					gesamten Text deutlicher zum Ausdruck gebracht.</p>
				<p>Lit.: Ch. Lübke: Slaven zwischen Elbe/Saale und Oder: Wenden – Polaben –
					Elbslaven?, in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 41
					(1993); H. Steenwijk: Wendisch – Sorbisch: sprachliches Begriffspaar oder
					Ausdruck sozialer Gegensätze?, in: Der Niedersorben Wendisch. Eine
					Sprach-Zeit-Reise, Bautzen 2003.</p>
			</div>
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