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				<title>Brigadebewegung</title>
				<title xml:lang="deu">Brigadebewegung</title>
				<title xml:lang="hsb">Brigadowanje</title>
				<title xml:lang="dsb">Brigadowanje</title>
				<title xml:lang="eng">Brigade Movement</title>
				<author>
					<persName key="ed_efg_tqr_rjb">Bresan, Annett (1969-)</persName>
				</author>
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			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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					<term key="Geschichte 1945–1949">Geschichte 1945–1949</term>
					<term key="Jugendbewegung">Jugendbewegung</term>
					<term key="Hilfsaktion">Hilfsaktion</term>
					<term key="Jugoslawien">Jugoslawien</term>
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			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Freiwillige Arbeitseinsätze obersorbischer Jugendlicher, die sich im Juli 1946 als „Serbska
					młodźina“ (Sorbische Jugend) innerhalb der Domowina konstituierten.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Dobrowólne zasadźowanje dźěłoweje mocy hornjoserbskich młodostnych, kotrež so w juliju 1946
					jako „Serbska młodźina“ w Domowinje konstituowachu.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Dobrowólne zasajźenje źěłowych mócow górnoserbskich młodostnych, kótarež su se w juliju 1946
					ako „Serbska młodźina“ w Domowinje konstituěrowali.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Voluntary work of Upper Sorbian youth, which assembled in July 1946 as “Serbska młodźina”
					(Sorbian Youth) within Domowina.</p>
			</abstract>
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				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Brigadebewegung_01.jpg"/>Jugendbrigade aus Höflein beim Bau des Hauses der Sorben, 1948;
					Fotograf: Kurt Heine, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Freiwillige Arbeitseinsätze obersorbischer Jugendlicher, die sich im Juli 1946 als „Serbska
					młodźina“ (Sorbische Jugend) innerhalb der <rs type="term" key="Domowina"
						ref="-">Domowina</rs> konstituierten. In den sorbischen Dörfern der
						<placeName key="ed_e5l_q24_c3b">Oberlausitz</placeName> bildeten sie
					Arbeitsbrigaden, die von 1946 bis 1949 nachbarschaftliche Hilfe für Kriegsopfer
					leisteten – z. B. beim Wiederaufbau zerstörter Wohnhäuser, beim Einbringen der
					Ernte alleinstehender Bäuerinnen oder durch Sammlungen für Waisen. Die manuelle
					Arbeit ergänzten kulturelle Aktivitäten und Bildungsmaßnahmen. Die Bezeichnung
					„Brigade“ ging wohl auf das jugoslawische Vorbild zurück. Im Sorbischen wurde
					sogar ein eigenes Verb „brigadować“ gebildet, das ,sich an Arbeitsbrigaden
					beteiligen‘ bedeutet. Die jungen Leute arbeiteten meist im Urlaub, nach
					Feierabend oder am Wochenende, motiviert durch das Gefühl eines Neuanfangs nach
					dem Krieg und des Wiederauflebens der sorbischen <rs type="term"
						key="Nationalbewegung" ref="-">Nationalbewegung</rs>. Die „Serbska młodźina“
					(Sorbische Jugend, eine lockere Verbindung ohne Satzung und Mitgliedsbuch) wurde
					durch den Domowina-Jugendfunktionär und späteren Schriftsteller <persName
						key="ed_q1p_jxz_whb">Jurij Brězan</persName> geleitet.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Brigadebewegung_02.jpg"/>Arbeitseinsatz beim Bau des Hauses der Sorben, 1948; Fotograf:
					Kurt Heine, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Im Zeichen „slawischer Brüderlichkeit“ wurden 1946, 1947 und 1948 neben Vertretern anderer
					nationaler Jugendverbände auch sorbische Jugendliche als Aufbauhelfer nach
					Jugoslawien eingeladen. Dort waren sie für jeweils ca. einen Monat zusammen mit
					180 000 Freiwilligen (1947) als Brigaden beim Bau zweier Eisenbahnlinien (von
						<placeName key="ed_yps_23h_vhb">Brčko</placeName> nach <placeName
						key="ed_fjt_bgh_vhb">Banovići</placeName>, von <placeName
						key="ed_nmv_5hh_vhb">Bosanski Šamac</placeName> nach <placeName
						key="ed_dvz_3w3_vhb">Sarajevo</placeName>) und einer Autobahntrasse (von
						<placeName key="ed_vrj_sgh_vhb">Belgrad</placeName> nach <placeName
						key="ed_omr_q2j_vhb">Zagreb</placeName>) eingesetzt. Einige der sorbischen
					Teilnehmer standen aufgrund des Titoismusverdachts unter Beobachtung staatlicher
					Behörden oder erhielten Gefängnisstrafen. Diese Auslandseinsätze rückten erst
					nach 1966 wieder ins Licht der sorbischen Öffentlichkeit, da sie lange Zeit
					nicht in das Konzept der stalinistischen Jugoslawienpolitik passten. In der
					Lausitz standen die Aktionen unter Losungen wie „Natwarjamy Koslow“ (Wir bauen
						<placeName key="ed_wj3_ckh_vhb">Caßlau</placeName> wieder auf, 1946:
					Trümmerbeseitigung und Aufbauhilfe), „Wo naš wšědny chlěb“ (Um unser täglich
					Brot, 1946: Landwirtschaftliche Arbeiten), „Dopjelnjamy plan“ (Wir erfüllen den
					Plan, 1947: Landwirtschaftliche Arbeiten) und „Płuh zabiwa nuzu“ (Der Pflug
					schlägt die Not bzw. Aus eigener Kraft, 1948: Landwirtschaftliche Arbeiten). Am
					bekanntesten wurden die Arbeitseinsätze beim Bau des neuen <rs type="term"
						key="Haus der Sorben" ref="-">Hauses der Sorben</rs> am Postplatz in
						<placeName key="ed_xwx_lgh_vhb">Bautzen</placeName> unter dem Motto „Twarimy
					Serbski dom“ (Wir bauen das Haus der Sorben, 1947–1949: Trümmerbeseitigung und
					Aufbau). Nachdem im Vorfeld der Grundsteinlegung von 1947 in freiwilliger
					Feierabendarbeit die Trümmer des Vorgängerbaus beseitigt und Mittel gesammelt
					worden waren, begann im Februar 1948 nach dem Beispiel der Brigade um <persName
						key="ed_scl_xgp_c3b">Pawoł Šenkar</persName> aus <placeName
						key="ed_x3y_vdj_vhb">Wendischbaselitz</placeName> eine Aktion, an der sich
					insgesamt ca. 580 Jugendliche aus der gesamten sorbischen Oberlausitz für
					jeweils eine Woche beteiligten. In der Freizeit hörten sie Vorträge zur
					sorbischen Kultur und Geschichte. Für die Jugendlichen, die in der <rs
						type="term" key="NS-Zeit" ref="-">NS-Zeit</rs> ohne derartige Kenntnisse
					aufgewachsen waren, war es oft der erste Kontakt mit dem über die dörfliche
					Alltagskultur hinausreichenden sorbischen Kulturerbe. Es entstanden u. a.
					populäre Lieder, die den Geist des Neuanfangs, der sozialen Befreiung und der
					slawischen Brüderlichkeit beschworen. Vom Massencharakter der Bewegung zeugt die
					hohe Zahl von ca. 50 Brigaden, in denen jeweils 50–100 junge Sorben
					mitarbeiteten. Insgesamt wurden mehr als eine Million Arbeitsstunden
					geleistet.</p>
				<p>Vom 19. bis zum 22.8.1948 fand als erste sorbische Nachkriegsmanifestation das Treffen der
					Arbeitsbrigaden in <placeName key="ed_ac5_vcj_vhb">Uhyst (Spree</placeName>)
					statt. Dort sprachen sich die führenden Köpfe der „Serbska młodźina“ für eine
					engere Zusammenarbeit mit der durch die SED geführten Organisation „Freie
					Deutsche Jugend“ aus, in der die sorbische Vereinigung im Folgejahr aufging. Die
					Brigadebewegung hat unter den Sorben einen nahezu legendären Ruf und ein hohes
					Prestige. Als 1949 die Sorbische Oberschule (heute Sorbisches Gymnasium) in
					Bautzen eröffnet wurde, erhielt das Jugendensemble den Ehrennamen „1. Serbska
					kulturna brigada“ (1. Sorbische Kulturbrigade), den es bis heute trägt.</p>
				<p>Lit.: J. Handrik: Tu dźěła serbska młodźina! 20 lět po zahajenju brigadowanja
					serbskeje młodźiny, in: Rozhlad 16 (1966) 8, 9; J. Handrik: Serbscy brigadnicy w
					Juhosłowjanskej, in: Rozhlad 17 (1967) 8; B. Rječka: Serbske młodźinske
					brigadowanje 1945–1948/49, in: Nowa Doba 41 (12.12.1987) 292 – 42 (5.3.1988) 55,
					Beilage Předźenak; P. Pałys: Die Arbeitsbrigaden der sorbischen Jugend in
					Jugoslawien (1946–1948), in: Lětopis 54 (2007) 2.</p>
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