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			<titleStmt>
				<title>DDR-Zeit</title>
				<title xml:lang="deu">DDR-Zeit</title>
				<title xml:lang="hsb">NDRski čas</title>
				<title xml:lang="dsb">NDRski cas</title>
				<title xml:lang="eng">Period of GDR</title>
				<author>
					<persName key="ed_nl3_gyb_vmb">Nuck, Michael</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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        </fileDesc>
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			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Epoche zwischen 1949 und 1990, die mit der Gründung eines sozialistischen Staates
					nach sowjetischem Vorbild im Osten Deutschlands begann. Ihr ging die
					Machtübernahme der Kommunisten in der Sowjetischen Besatzungszone zwischen 1945
					und 1949 voraus. Sie endete 1989/90 mit der politischen Wende.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Doba mjez 1949 a 1990, kotraž zahaji so ze załoženjom socialistiskeho stata po
					sowjetskim přikładźe we wuchodźe Němskeje. Jej předchadźeše přewzaće mocy přez
					komunistow w Sowjetskim wobsadniskim pasmje mjez 1945 a 1949. Wona so 1989/90 z
					politiskim přewrótom skónči.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Doba mjazy 1949 a 1990, kótaraž jo se zachopiła ze załoženim socialistiskego stata pó
					sowjetskem pśikłaźe na pódzajtšu Nimskeje. Do togo su w Sowjetskej wobsadniskej
					conje mjazy 1945 a 1949 komunisty móc pśewzeli. Skóńcył jo se NDR-ski cas
					1989/90 z politiskim pśewrośenim.</p>
			</abstract>
			<textClass>
				<keywords>
					<term key="Braunkohlebergbau">Braunkohlebergbau</term>
					<term key="Diktatur">Diktatur</term>
					<term key="Domowina">Domowina</term>
					<term key="Institution">Institution</term>
					<term key="Kirche">Kirche</term>
					<term key="Kollektivierung">Kollektivierung der Landwirtschaft</term>
					<term key="Kultur">Kultur</term>
					<term key="Kulturpolitik">Kulturpolitik</term>
					<term key="Minderheitenpolitik">Minderheitenpolitik</term>
					<term key="Siedlungsgebiet">Siedlungsgebiet</term>
					<term key="Sorbenpolitik">Sorbenpolitik</term>
					<term key="Sozialismus">Sozialismus</term>
					<term key="Geschichte 1945–1989">Geschichte 1945–1989</term>
				</keywords>
			</textClass>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>The era between 1949 and 1990, which began with the establishment of a socialist
					state based on the Soviet model in Eastern Germany, set off by the seizure of
					power by the communists in the Soviet occupation zone, between 1945 and 1949. It
					ended in 1989/90 with the political change.</p>
			</abstract>
		</profileDesc>
    </teiHeader>
    <text>
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				<p>Epoche zwischen 1949 und 1990, die mit der Gründung eines sozialistischen Staates
					nach sowjetischem Vorbild im Osten Deutschlands begann. Ihr ging die
					Machtübernahme der Kommunisten in der Sowjetischen Besatzungszone zwischen 1945
					und 1949 voraus. Sie endete 1989/90 mit der <rs type="term"
						key="politische Wende" ref="-">politischen Wende</rs>. Für die Sorben war es
					eine ambivalente Periode, einerseits durch gesetzliche Sicherungen, öffentliche
					Förderung und den Aufbau von Institutionen, andererseits durch Unterordnung
					nationaler Bestrebungen zugunsten ideologischer Vorgaben der herrschenden SED
					und fortschreitende <rs type="term" key="Assimilation"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4139304-1">Assimilation</rs>.</p>
				<p>Nach der deutschen Kapitulation am 8.5.1945 kam es in der <rs type="term" key="Oberlausitz"
						ref="-">Oberlausitz</rs> früh zu einer Revitalisierung des nationalen und
					kulturellen Lebens der Sorben. Ausdruck der anfänglichen Euphorie waren die
					Gründung des „Serbski narodny wuběrk“ (Sorbischer Nationalausschuss) in <rs
						type="term" key="Prag" ref="-">Prag</rs> am 9.5.1945 sowie die
					Wiederbelebung der <rs type="term" key="Domowina" ref="-">Domowina</rs> einen
					Tag später. Vor allem der Nationalausschuss bemühte sich um eine Angliederung
					der Lausitzen an die Tschechoslowakei oder zumindest um eine größere
					politisch-administrative Autonomie (→ <rs type="term"
						key="Autonomiebestrebungen" ref="-">Autonomiebestrebungen</rs>). Die
					Sowjetische Militäradministratur und die SED standen solchen Plänen jedoch
					ablehnend gegenüber. So passte sich die Domowina unter Pawoł Nedo zunehmend den
					politischen Gegebenheiten an. Zahlreiche Sorben traten aufgrund ihrer
					Erfahrungen mit der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten der SED bei, in die
					sie Hoffnungen bezüglich ihrer nationalen und kulturellen Belange setzten. In
					der <rs type="term" key="Brigadebewegung" ref="-">Brigadebewegung</rs> der
					späten 1940er Jahre konnten viele junge Sorben für die Beseitigung von
					Kriegsschäden und den Wiederaufbau der Infrastruktur (darunter in Jugoslawien)
					mobilisiert werden.</p>
				<p>In der <rs type="term" key="Niederlausitz" ref="-">Niederlausitz</rs> verzögerte
					sich die Neuentfaltung des sorbischen kulturellen Lebens. Die Domowina wurde
					1946 in Werben unter Vorsitz von Měto Laški wiedergegründet, ihre Aktivitäten
					jedoch von staatlichen Organen als illegal verfolgt. Erst 1949 wurde sie
					behördlich anerkannt. Zudem war ihre Akzeptanz in der Bevölkerung gering.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-DDRZeit_01.jpg"/>Sorbische Delegation beim Präsidenten der DDR Wilhelm Pieck,
					1950; Fotograf: Kurt Heine, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-DDRZeit_02.jpg"/>Zeugnisausgabe an die erste Abiturklasse der Sorbischen
					Oberschule, 1951; Fotograf: Kurt Heine, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen
					Institut</p>
				<p>In den 1940er und 1950er Jahren stand der Aufbau des Schulwesens und eines
					Institutionennetzes im Vordergrund der sorbischen Bemühungen. Am 6.1.1946 wurde
					in Radibor das erste sorbische <rs type="term" key="Lehrerseminar" ref="-"
						>Lehrerseminar</rs> gegründet und in zahlreichen Schulen der Oberlausitz
					sorbischer Sprachunterricht eingeführt. Aufgrund des Fehlens höherer
					Bildungseinrichtungen wurden in tschechischen Gymnasien (Česká Lípa, später
					Varnsdorf, Liberec) sorbische Klassen eingerichtet, die dort eine rege
					kulturelle wie politische Aktivität entfalteten. </p>
				<p>Seit 1947 arbeitete wieder eine sorbische Druckerei (bis 1956 als private Genossenschaft), ab
					Juli 1947 erschien die obersorbische Tageszeitung „Nowa doba“; die
					niedersorbische Wochenzeitung „Nowy Casnik“ folgte ab Dezember 1947 zunächst als
					monatliche Beilage (→ <rs type="term" key="Zeitung"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4067510-5">Zeitungen</rs>). Zudem wurden 1948
					erste obersorbische, seit 1950 niedersorbische Rundfunksendungen ausgestrahlt (→
						<rs type="term" key="Rundfunk" ref="-">Rundfunk</rs>). Ein professionelles
						<rs type="term" key="Theater" ref="http://d-nb.info/gnd/4059702-7"
						>Theater</rs> entstand 1948.</p>
				<p>Noch vor Gründung der DDR erreichten Mitglieder der Domowina nach einem Vorschlag
					von Korla Janak, dass am 23.3.1948 vom Sächsischen Landtag das Gesetz zur
					Wahrung der Rechte der sorbischen Bevölkerung erlassen wurde, das als Grundlage
					des späteren Minderheitenschutzartikels 11 der DDR-Verfassung von 1949 diente (→
						<rs type="term" key="Sorbengesetze" ref="-">Sorbengesetze</rs>). In diesem
					Zusammenhang wurde 1948 das <rs type="term"
						key="Sorbisches Kultur- und Volksbildungsamt" ref="-">Sorbische Kultur- und
						Volksbildungsamt</rs> in <rs type="term" key="Bautzen" ref="-">Bautzen</rs>
					geschaffen, womit die Sorben erstmals ein eigenes staatliches Verwaltungsorgan
					bekamen. Das Amt übernahm von der Domowina die Aufgabenbereiche
					Schule/Erwachsenenbildung, Presse/Funk/ Film, Öffentliches Leben,
					Kunst/Kultur/Wissenschaft, Jugend, Frauen und Finanzen. Bis zur Angliederung an
					das Ministerium des Innern der DDR 1955 wurden einige Bereiche wieder
					abgegeben.</p>
				<p>Der politisch-ideologische Einfluss auf die sorbischen Entwicklungen nahm seit
					dem Zusammengehen der Domowina mit der SED stetig zu. Damit einher ging der
					Bruch mit dem Sorbischen Nationalausschuss im Oktober 1946. Nach einer Beratung
					führender Domowina-Vertreter mit dem Parteivorstand der SED im November 1947
					wurde die Domowina als alleinige Interessenvertreterin in der zweisprachigen
					Region anerkannt und entsprechend ausgerichtet. Mitglieder des
					Nationalausschusses wurden diskreditiert, in den folgenden Jahren kam es zu
					politisch motivierten Verhaftungen wie 1950 von Jurij Rjenč und Bjarnat Rachel.
					Seit Beginn des offenen Konflikts zwischen Jugoslawien und der Sowjetunion 1948
					gerieten weitere Sorben unter dem Verdacht des Titoismus ins Visier der
					Staatssicherheit.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-DDRZeit_03.jpg"/>Wahlplakat von Horst Šlosar, 1958; Repro: Sorbisches
					Kulturarchiv am Sorbischen Institut </p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-DDRZeit_04.jpg"/>Margot Honecker besucht den Festakt zum 10. Jahrestag des
					Sorbischen Instituts für Lehrerbildung, 1956; Fotograf: Kurt Heine, Sorbisches
					Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Die sorbische Jugend versuchte im Zuge der Brigadebewegung mit der Schaffung der „Serbska
					młodźina“ am 13.7.1946 eine eigenständige Organisation aufzubauen, sie wurde
					jedoch bald sukzessive in die Freie Deutsche Jugend (FDJ), der einzig staatlich
					anerkannten Jugendorganisation der DDR, überführt. Ebenso misslangen Bemühungen,
					in anderen Parteien wie CDU oder der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands
					(DBD) nationale und kulturelle Belange der Sorben unabhängig zu behandeln, da
					alle Parteien bis Ende der 1940er Jahre den Vorgaben der herrschenden SED
					unterworfen wurden. Einzelne dort engagierte Sorben wie Pawoł Šołta (DBD)
					gerieten in Haft.</p>
				<p>Durch Reorganisierung und Zentralisierung der Domowina wurden zwischen 1949 und
					1956 in der Niederlausitz vier, in der Oberlausitz sechs Kreisverbände sowie ein
					Hochschulverband geschaffen. Gleichzeitig kam es zu personellen Veränderungen.
					Der bisherige Vorsitzende Pawoł Nedo wurde 1950 vom SED-Funktionär Kurt Krjeńc
					abgelöst, weitere Vorstandsposten wurden mit kaderpolitisch geschulten Personen
					besetzt, die bisher kaum in der sorbischen Bewegung aktiv gewesen waren. Krjeńc
					(bis 1973) und nach ihm der 1. Sekretär des Bundesvorstands Jurij Grós leiteten
					während der DDR-Zeit die Geschicke der Domowina und somit das offizielle
					sorbische nationale und kulturelle Leben. Die Kreisverbände in der Niederlausitz
					und in der östlichen Oberlausitz verzeichneten bis 1989 steigende
					Mitgliederzahlen, während die anfänglich hohen Zahlen in den Verbänden Bautzen,
					Crostwitz/Kamenz und Hoyerswerda stagnierten oder zurückgingen.</p>
				<p>Auf Landesebene bestand seit 1946/47 in Sachsen ein Sekretariat für sorbische
					Fragen beim Bezirksvorstand Lausitz der SED. In Brandenburg gab es zunächst kein
					solches Gremium. Erst als durch eine Regierungsverordnung vom 12.9.1950, die
					inhaltlich weitgehend dem sächsischen Sorbengesetz entsprach, auch in
					Brandenburg eine gesetzliche Grundlage für die Förderung der Sorben geschaffen
					war, wurde in <rs type="term" key="Cottbus" ref="-">Cottbus</rs> ein Sorbisches
					Referat der Landesregierung eingerichtet. Staatlicherseits wurde die
					Sorbenpolitik anfangs direkt durch das Büro des Parteivorsitzenden Wilhelm Pieck
					geleitet. Nach Gründung der DDR war ab 1951 die Abteilung Staatliche Verwaltung
					im Zentralkomitee der SED für sorbische Angelegenheiten zuständig, die 1955 zur
					Abteilung Staatliche Organe (seit 1957 unter der Bezeichnung Staats- und
					Rechtsfragen) umstrukturiert wurde. Die jeweils übergeordneten
					Politbüromitglieder übten meist nur einen geringen Einfluss auf die
					Sorbenpolitik aus, sodass die Abteilung selbst die entscheidende Schnittstelle
					zwischen der Domowina und der SED war. Hier beeinflussten v. a. Klaus Sorge-
					nicht (seit 1954 Leiter der Abteilung) und dessen Mitarbeiter Erwin Jurisch
					maßgeblich die Entscheidungen der Parteispitze. Bildungs-, Forschungs- und
					kulturelle Angelegenheiten wurden auch von anderen ZK-Abteilungen behandelt. In
					den regionalen Parteistrukturen waren keine Verantwortungsbereiche für
					Sorbenfragen vorgesehen. Nur die SED-Kreisleitung in Bautzen befasste sich
					kontinuierlich mit sorbischen Fragen.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-DDRZeit_05.jpg"/>Kinder eines sorbischen Kindergartens beglückwünschen Soldaten
					der Nationalen Volksarmee der DDR (NVA), um 1966; Fotograf: Kurt Heine,
					Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-DDRZeit_06-scaled.jpg"/>Bühnenprogramm zum III. Festival der sorbischen Kultur 1972 in
					Bautzen; Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Bis 1958 versuchte Fred Oelßner, Mitglied des SED-Politbüros, eine staatlich
					streng gesteuerte, jedoch auf breite sprachliche und kulturelle Förderung
					ausgerichtete Sorbenpolitik durchzusetzen. Unter diesen Bedingungen schritt die
					Institutionalisierung des sorbischen Kulturlebens voran. 1951 und 1952
					entstanden die wissenschaftlichen Institute in Bautzen (→ <rs type="term"
						key="Sorbisches Institut" ref="-">Sorbisches Institut</rs>) und <rs
						type="term" key="Leipzig" ref="-">Leipzig</rs> (→ <rs type="term"
						key="Institut für Sorabistik" ref="-">Institut für Sorabistik</rs>), 1952
					das <rs type="term" key="Sorbisches National-Ensemble" ref="-">Sorbische
						National-Ensemble</rs>, 1958 der <rs type="term" key="Domowina-Verlag"
						ref="-">Domowina-Verlag</rs>. Auch die Orts- und Straßenbeschilderung im <rs
						type="term" key="Siedlungsgebiet" ref="-">Siedlungsgebiet</rs> wurde
					sukzessive zweisprachig. Im Gegenzug kanalisierte man die gesamte kulturelle
					Arbeit innerhalb der Domowina, die inzwischen als Massenorganisation der
					Nationalen Front angehörte. Als kulturelle Höhepunkte wurden zunächst <rs
						type="term" key="Sorbische Volkstreffen" ref="-">Sorbische Volkstreffen</rs>
					veranstaltet, ab 1966 sieben Festivals der sorbischen Kultur. Weitere politische
					und kulturelle Veranstaltungen wurden auf Kreisebene oder von den
					Domowina-Ortsgruppen organisiert. Außerhalb dieser Strukturen war mit Ausnahme
					der kirchlichen Sphäre unabhängige Kulturarbeit kaum mehr möglich.</p>
				<p>Im Bereich der <rs type="term" key="Schule" ref="http://d-nb.info/gnd/4053474-1">Schule</rs>
					bot die „Anweisung zur Regelung der Schulverhältnisse in den sorbischen
					Sprachgebieten der Länder Sachsen und Brandenburg“ vom 9.4.1952 durch das
					Ministerium für Volksbildung die gesetzliche Grundlage für die Einrichtung
					zweier Schultypen. In Schulen des Typs A (1955: 11 Schulen, ausschließlich in
					der Oberlausitz) wurde der Unterricht in Sorbisch abgehalten, während in
					Typ-B-Schulen Sorbisch als Fremdsprache gelehrt wurde. In der Niederlausitz
					begann der Sorbischunterricht an den Grundschulen 1952. Zudem wurden zwei
					sorbische Oberschulen (heute Gymnasien) in Bautzen und Cottbus gegründet und in
					der Oberlausitz sorbische Kindergärten eingerichtet. Zur sprachlichen Ausbildung
					von Lehrern und Erziehern gab es ab 1953 in der Oberlausitz in Milkel und seit
					1954 in der Niederlausitz in Dissenchen <rs type="term"
						key="Sorbische Sprachschulen" ref="-">sorbische Sprachschulen</rs>. Ab 1958
					wurde das zweisprachige Bildungsprinzip jedoch schrittweise relativiert.
					Einschneidend war die 7. Durchführungsbestimmung zum Schulgesetz der DDR 1964,
					die praktisch die Freiwilligkeit jeglichen sorbischsprachigen Unterrichts
					festlegte. Sie rief zum Teil Proteste der sorbischen Bevölkerung hervor,
					ungeachtet dessen sank die Teilnahme am Sorbischunterricht von ca. 12 000 auf
					ca. 3 000 Schüler innerhalb eines Jahres. Durch Schulschließungen, Lehrermangel
					und fehlendes Interesse am Sorbischunterricht nahm die Zahl von ca. 110 Schulen
					mit Sorbischunterricht seit den 1960er Jahren kontinuierlich ab (1980: ca. 60
					Schulen).</p>
				<p>In <rs type="term" key="Literatur" ref="http://d-nb.info/gnd/4035964-5"
						>Literatur</rs>, Medien und Kunst setzte ein quantitativer wie qualitativer
					Aufschwung ein. Mit Jurij Brězan, Jurij Koch und Kito Lorenc erreichten erstmals
					sorbische Literaten größere Bekanntheit in der deutschen Öffentlichkeit. Sowohl
					Schriftsteller als auch Musikschaffende und bildende Künstler hatten sich in
					Arbeitskreisen (→ <rs type="term" key="Komponistenvereinigung" ref="-"
						>Komponistenvereinigung</rs>, → <rs type="term"
						key="Schriftstellervereinigung" ref="-">Schriftstellervereinigungen</rs>, →
						<rs type="term" key="Vereinigung bildender Künstler" ref="-">Vereinigungen
						bildender Künstler</rs>) eigene Organisationen geschaffen, die später in die
					jeweiligen DDR-Verbände aufgenommen wurden und nach deren künstlerischen und
					politischen Vorgaben arbeiteten.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-DDRZeit_07.jpg"/>XI. Bundeskongress der Domowina 1987 in Cottbus; Fotograf:
					Rainer Weisflog, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-DDRZeit_08.jpg"/>Dokumentation zur politischen Verfolgung von Sorben in der
					DDR-Zeit, Domowina-Verlag 2004</p>
				<p>Die Gründung eines staatlich geförderten Verlagswesens, die Institutionalisierung der
					Wissenschaft sowie die materielle Absicherung schriftstellerischer Tätigkeit
					boten günstige Rahmenbedingungen für eine kontinuierliche Literaturproduktion.
					Neben vielen Einzelveröffentlichungen konnten zahlreiche große Editionsprojekte
					realisiert werden, etwa die „Stawizny serbskeho pismowstwa“ (Geschichte des
					sorbischen Schrifttums, ab 1954), die Reihe „Sorbische Volkstrachten“ (ab 1954),
					der „Sorbische Sprachatlas“ (1965–1996) oder Gesamtausgaben namhafter sorbischer
					Autoren. Jedoch waren auch dem publizistischen Betrieb politisch-ideologische
					Grenzen gesetzt, Kontrolle und Zensur wirkten – wie in der gesamten DDR – in
					allen sorbischen Medien repressiv auf die freie Literaturentwicklung und
					Meinungsbildung ein.</p>
				<p>Obwohl die strukturellen Bedingungen für die Sorben in der Lausitz besser als je zuvor waren,
					gab es aufgrund systembedingter Beschränkungen ständig Konflikte. Zwischen 1952
					und dem sog. „Sozialistischen Frühling“ 1960 kam es durch die <rs type="term"
						key="Kollektivierung" ref="-">Kollektivierung</rs> der Landwirtschaft zu
					Auseinandersetzungen zwischen der sorbischen Landbevölkerung und der Domowina,
					welche die staatlichen Interessen vertrat. Aus Protest gegen diese Haltung
					traten v. a. in der ethnisch gefestigten <rs type="term"
						key="katholische Region" ref="-">katholischen Region</rs> viele Mitglieder
					aus der Domowina aus. Im Zuge der Kollektivierung wurden einige Landwirte
					verhaftet, andere verließen die DDR.</p>
				<p>Trotz kultureller und schulischer Förderung schritt die <rs type="term"
						key="Assimilation" ref="http://d-nb.info/gnd/4139304-1">Assimilation</rs>
					weiter voran. Zwei Faktoren wirkten sich dabei am stärksten auf die nationale
					Substanz aus: Zum einen veränderte der massive Zuzug von Flüchtlingen und
					Vertriebenen in den 1940er Jahren die ethnische Struktur der Lausitzer Dörfer
					nachhaltig. Binnen kurzer Zeit waren ehemals sorbische Dörfer zu über 20 %,
					teilweise über 50 % mit deutschen Ankömmlingen bewohnt. Zum anderen hatte der
					forcierte <rs type="term" key="Braunkohlebergbau"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4131791-9">Braunkohlenbergbau</rs> zahlreiche
					Ortsabbrüche sowie eine starke Zuwanderung deutscher Arbeitskräfte in die
					Lausitz zur Folge, wodurch sich das Bevölkerungsverhältnis weiter zuungunsten
					der Sorben verschob. Mehr als 70 Dörfer in der nördlichen Oberlausitz und der
					Niederlausitz verschwanden zwischen 1974 und 1989, während Kleinstädte und Orte
					wie Hoyerswerda, Weißwasser oder Boxberg teilweise stark anwuchsen. Auch in
					nicht vom Bergbau betroffenen Ortschaften kam es durch den Aufbau von Industrie
					und Wohnkomplexen (z. B. Wetro) zu einer Veränderung der Siedlungsstrukturen.
					Vonseiten der Domowina gab es kaum Widerstand gegen diese Entwicklungen, deren
					negative Folgen in der Öffentlichkeit weitgehend tabuisiert waren. Erst in den
					1970er und 1980er Jahren brachten vereinzelt Schriftsteller und Medien diese
					Probleme zur Sprache.</p>
				<p>Noch wenig erforscht ist, in welchem Ausmaß sorbische Institutionen an der
					politisch-ideologischen Überwachung von Angehörigen der Minderheit und der
					sorbischen Kultur beteiligt waren. Das Ministerium für Staatssicherheit hatte in
					allen Einrichtungen inoffizielle Mitarbeiter angeworben, die oft selbst Sorben
					waren. Diese observierten sowohl die eigenen Kollegen als auch sorbische
					kulturelle Aktivitäten, die nicht von der Domowina ausgingen. So wurden
					einerseits politisch missliebig gewordene Sorben durch Verhaftung (so 1958 der
					sorbische Zeitungsredakteur Hinc Šołta), Entlassung, Versetzung und
					Diskreditierung aus der sorbischen Öffentlichkeit gedrängt und andererseits
					unabhängige Versuche kultureller Betätigung unterbunden (z. B. 1988 Verbot der
					Zeitung „Serbski Student“).</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-DDRZeit_09.jpg"/>Studie über die Infiltration des sorbischen Kulturlebens durch
					die Staatssicherheit, Domowina-Verlag 2016 </p>
				<p>Das Verhältnis der christlichen <rs type="term" key="Kirche"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4030702-5">Kirchen</rs> zur Domowina blieb über
					die gesamte DDR-Zeit gespannt. Einerseits gehörte der Großteil der
					Domowina-Mitglieder stets zur evangelischen oder katholischen Konfession.
					Andererseits wurden während der Annäherung der Domowina an die SED und ihrer
					zentralistischen Umstrukturierung Geistliche aus leitenden Positionen der
					Organisation verdrängt oder verließen sie. Ab 1950 konnten die religiösen <rs
						type="term" key="Zeitschrift" ref="http://d-nb.info/gnd/4067488-5"
						>Zeitschriften</rs> „Katolski Posoł“ und „Pomhaj Bóh“ wieder regelmäßig
					erscheinen, jedoch unter Aufsicht des Domowina-Verlags. Wesentliche
					Konfliktpunkte zwischen beiden Seiten waren die Einführung der Jugendweihe 1955,
					der Streit um die Entfernung von Kruzifixen in Schulen, antikirchliche Beiträge
					in sorbischen Zeitungen sowie die Kollektivierung der Landwirtschaft. Vereinzelt
					waren sorbische Geistliche Ziel öffentlicher Angriffe, so etwa der Radiborer
					Pfarrer Józef Nowak 1957 durch Fred Oelßner. Zudem gab es innerhalb der
					katholischen Kirche Konflikte zwischen sorbischen Geistlichen und der
					Kirchenobrigkeit, besonders während der Amtszeit des Bischofs von Dresden-Meißen
					Gerhard Schaffran (1970–1987).</p>
				<p>Auf evangelischer Seite konnten weder in der Ober- noch in der Niederlausitz
					Vereine etabliert werden, was auch durch die Zugehörigkeit der evangelischen
					Sorben zu drei verschiedenen Landeskirchen bedingt war. Vereinzelte Bemühungen
					zur Stärkung des öffentlichen kirchlichen Lebens blieben bis in die 1980er Jahre
					hinein weitgehend erfolglos und gingen auch danach nur von privaten Initiativen
					aus.</p>
				<p>1987 wurde zwischen Domowina und sorbischen Christen ein Dialog eingeleitet. Dies
					widerspiegelte sich in gegenseitigen Einladungen zu Feierlichkeiten, der
					Einrichtung sorbischer kirchlicher Rundfunksendungen, Möglichkeiten von
					Meinungsäußerungen in sorbischen Medien sowie Gesprächen zwischen Funktionären
					und Geistlichen.</p>
				<p>In der Zeit der politischen Wende waren es meist jüngere Intellektuelle und
					Vertreter der Kirchen, die im Rahmen der <rs type="term"
						key="Sorbische Volksversammlung (1989-1990/91)" ref="-">Sorbischen
						Volksversammlung</rs> und des Sorbischen Runden Tischs einen
					Erneuerungsprozess in der Domowina und im sorbischen öffentlichen Leben
					überhaupt forderten und einleiteten. Darin kündigte sich ein Elitenwechsel an,
					der nach der deutschen Wiedervereinigung einsetzte.</p>
				<p>Lit.: Serbja pod stalinistiskim socializmom (1945–1960), Bautzen 1992; P.
					Schurmann: Die sorbische Bewegung 1945–1948 zwischen Selbstbehauptung und
					Anerkennung, Bautzen 1998; E. Pech: Die Sorbenpolitik der DDR 1949–1970.
					Anspruch und Wirklichkeit, Bautzen 1999; D. Kotsch: Minderheitenpolitik in der
					SBZ/DDR nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Sorben, sowjetische Besatzungsherrschaft
					und die staatliche Sorbenpolitik, Potsdam 2000; L. Elle: Die Domowina in der
					DDR, Bautzen 2010. T. Meškank: Sorben im Blick der Staatssicherheit. Die Akten
					der K 5 und des MfS der DDR 1949–1989, Bautzen 2016. P. Schurmann: Sorbische
					Interessen und staatliche Minderheitenpolitik in der DDR. Quellenedition
					(1947–1961), Bautzen 2016. M: Richter: Deutsche Parteien in der sorbischen
					Oberlausitz 1945–1953. Die politische Entwicklung in den zweisprachigen Kreisen
					nach dem Zweiten Weltkrieg, Bautzen 2017.</p>
			</div>
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    </text>
</TEI>
