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				<title>Fastnacht</title>
				<title xml:lang="deu">Fastnacht</title>
				<title xml:lang="hsb">Zapust</title>
				<title xml:lang="dsb">Zapust</title>
				<title xml:lang="eng">Carnival</title>
				<author>
					<persName key="ed_rjf_wtb_f3b">Hose, Susanne (1961-)</persName>
				</author>
				<author>
					<persName key="ed_e2y_5r4_2mb">Kliem, Christina</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Vor der österlichen Bußzeit gelegene Zeit der Heiterkeit und Ausgelassenheit, die
					mit dem Dreikönigstag (6. Januar) beginnt und in katholischen Gegenden mit dem
					Aschermittwoch, laut bäuerlichem Festkalender nach dem ersten Sonntag in der
					Passionszeit endet. In der Niederlausitz finden bis heute das Zampern und die
					sog. Zapustumzüge bis vier Wochen vor Ostern statt.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Před jutrownym póstom ležacy čas wjesela a rozwólnosće, kotryž so započnje Třoch
					kralow (6. januara) a so w katolskich kónčinach z popjelnej srjedu, po burskej
					swjedźenskej protyce po prěnjej njedźelu w póstnym času zakónči. W Delnjej
					Łužicy wotměwaja so camprowanje a zapustowe přećahi do štyrjoch tydźenjow před
					jutrami hač do dźensnišeho.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Pśed jatšownym spótnym casom lažecy cas wjasela a rozluštowanja, kótaryž se
					zachopijo Tśoch kralow (6. januara) a se skóńcyjo w katolskich stronach ze
					šwigawu, pó buŕskej swěźeńskej pratyji pak pó prědnej njeźeli śichego casa. W
					Dolnej Łužycy wótměwaju se až do źinsajšnego camprowanje a zapustojske pśeśěgi
					až do styrich tyźenjow do jatš.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>The time of merriment and exuberance before the Lent, which begins with the
					Epiphany (January 6) and ends in Catholic areas with Ash Wednesday, according to
					the peasant festival calendar after the first Sunday during Lent. In Lower
					Lusatia, the “camprowanje” (Zampern, a traditional Carnival custom depicting the
					driving out of Winter) and the so-called Zapust-parade still take place, until
					four weeks before Easter.</p>
			</abstract>
			<textClass>
				<keywords>
					<term key="Fasching">Fasching</term>
					<term key="Karneval">Karneval</term>
					<term key="Masken">Masken</term>
					<term key="Winter">Winter</term>
					<term key="Bräuche">Brauch</term>
					<term key="Brauchtum">Brauchtum</term>
					<term key="Umzug">Umzug</term>
					<term key="Festumzug">Festumzug</term>
					<term key="Geselligkeit">Geselligkeit</term>
					<term key="Tanz">Tanz</term>
					<term key="Kostümierung">Kostümierung</term>
					<term key="Zapust">Zapust</term>
					<term key="Heischebrauch">Heischebrauch</term>
					<term key="Fest">Fest</term>
					<term key="Lausitz">Lausitz</term>
				</keywords>
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				<p>Vor der österlichen Bußzeit gelegene Zeit der Heiterkeit und Ausgelassenheit, die mit dem
					Dreikönigstag (6. Januar) beginnt und in katholischen Gegenden mit dem
					Aschermittwoch, laut bäuerlichem Festkalender nach dem ersten Sonntag in der
					Passionszeit endet. In der <rs type="term" key="Niederlausitz"
						>Niederlausitz</rs> finden bis heute das <ex>camprowanje</ex> (Zampern) und
					die sog. Zapustumzüge bis vier Wochen vor Ostern statt. Die Fastnacht wird hier
					auch als Fest zum Austreiben des Winters und der Begrüßung des herannahenden
					Frühlings gedeutet.</p>
				<p>Einer der Hintergründe für die <rs type="term" key="Bräuche">Bräuche</rs> zur Fastnacht ist
					der Verzicht auf Fleisch, Wurst und Eier während der vierzigtägigen Fastenzeit,
					was sich auch in den sorbischen Bezeichnungen für die Fastnacht, niedersorb.
						<ex>zapust</ex>, obersorb. <ex>póstnicy</ex>, widerspiegelt. Um die
					verderblichen Nahrungsmittel aufzubrauchen, wurde zum Festessen geladen, woran
					die Dorf- bzw. Stadtarmut lediglich durch das traditionelle Volksrecht des
					Heischens zu den Jahresfesten (z. B. zum Martinstag, → <rs type="term"
						key="Weihnachtsbräuche">Weihnachtsbräuche</rs>, oder zur <rs type="term"
						key="Kirmes">Kirmes</rs>) Anteil nehmen konnte. Mit der Öffnung für
					Angehörige anderer Volksschichten und der Aufnahme spielerischer Elemente wie
					Verkleidung, Musik und Tanz wurde aus dem Heischen das Zampern, Zempern bzw.
					Sempern, das in ländlichen Regionen wie der <rs type="term" key="Lausitz"
						>Lausitz</rs> ein Bestandteil des Abschlussfests in den <rs type="term"
						key="Spinnstube">Spinnstuben</rs> war. In der <rs type="term"
						key="Oberlausitz">Oberlausitz</rs> sprach man vom „Wurstsingen“, obersorb.
						<ex>po kołbasu chodźić</ex>, mit anschließendem Fastnachtstanz, das bis ins
					19. Jh. verbreitet war. Die später rückläufige Tendenz ist u. a. dem
					Einschreiten der Kirche, der Gutsherrschaften und Behörden gegen das sieben Tage
					dauernde, oft mit Schlägereien verbundene Treiben geschuldet.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Fastnacht_01.jpg"
					/>Fastnacht in Groß Partwitz, 1968; Fotograf: Albrecht Lange, Sorbisches
					Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Eine handschriftliche Chronik von <rs type="term" key="Bautzen">Bautzen</rs> (1447)
					beschreibt das „Semperlaufen“ am Donnerstag vor Fasching (Weiberfasching), bei
					dem Frauen von Haus zu Haus gingen, Possen rissen und Bratwürste und
					Rauchfleisch erbaten: „Semper, Semper, Donnerstag; / morgen haben wir Freitag. /
					Oben in der Firste / hängen die Bratwürste. / Gebet uns Stangen, / dass wir sie
					erlangen. / Wir können nicht lange stille steh’n; / wir müssen ein Haus weiter
					geh’n.“ Bischof Johannes IV. von Meißen verbot den Umzug 1442 und ordnete
					stattdessen die Feier eines Marienfestes an. <persName key="ed_clc_f5x_vhb"
						>Abraham Frencel</persName> (ca. 1720) bezeichnete die Fastnacht in der
					Oberlausitz als großes „Fress-, Tanz- und Sauffest“, für das die Bauernsöhne und
					Knechte Rosenmontag und Faschingsdienstag im Dorf Eier, Wurst und Geld
					sammelten. Dudelsackspieler und Geiger (→ <rs type="term" key="Volksmusikant"
						>Volksmusikanten</rs>, → <rs type="term" key="Volksmusikinstrument"
						>Volksmusikinstrumente</rs>) führten den Zug an, auf den Höfen wurde mit
					jeder Frau getanzt. Die „ehrbaren“ Mädchen erhielten eine Einladung zum Essen
					und zum Tanz. Einem Bericht über die Fastnacht in <placeName
						key="ed_gyf_sr3_vhb">Oßling</placeName> Mitte des 19. Jh. zufolge fand der
					Tanz am Donnerstag danach statt. Die Bauerntöchter und Mägde wurden dem Vermögen
					nach platziert und „hinter den Tisch gebunden“ („Binden und Lösen“, vgl. <rs
						type="term" key="Erntebrauch">Erntebräuche</rs>), wovon sie sich loskaufen
					mussten, um auf die Tanzfläche zu dürfen. Pfarrer <persName key="ed_gc1_tqz_whb"
						>Jaroměr Hendrich Imiš</persName> beklagte die unverhältnismäßig hohen
					Lösegelder, für die eine Magd bis zu einem Fünftel ihres Jahreslohns einsetzen
					musste.</p>
				<p>In <placeName key="ed_ep1_g2j_vhb">Wittichenau</placeName> (→<rs type="term"
						key="katholische Region"> Katholische Region</rs>) hatte sich im ausgehenden
					18. Jh. die Tradition maskierter Tanzveranstaltungen herausgebildet. Der
					ansässige Katholische Gesellenverein führte Ende des 19. Jh. den Umzug nach
					rheinischem Vorbild ein, von dem wandernde Handwerksburschen berichtet hatten.
					Mit einigen Unterbrechungen in Kriegs- und Notzeiten wird in Wittichenau als dem
					einzigen Ort im sorbischen <rs type="term" key="Siedlungsgebiet"
						>Siedlungsgebiet</rs> bis heute Fastnacht unter dem Begriff „Karneval“
					gefeiert.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Fastnacht_02.jpg"/>
					Zampern in Schleife, 1960; Fotograf: Wilfried Rabovsky, Sorbisches Kulturarchiv
					am Sorbischen Institut</p>
				<p>Die Verbreitung des Zamperns oder Zemperns in der Mark Brandenburg dokumentiert <persName
						key="ed_sr5_nh3_cmb">Adalbert Kuhns</persName> Sammlung „Märkische Sagen und
					Märchen“ (1843), in der auch das Umherführen der traditionellen „Masken“
					Schimmel, Strohbär und Storch beschrieben wird, die in der Niederlausitz nicht
					nur zur Fastnacht, sondern auch bei den Weihnachtsbräuchen eine Rolle spielten.
					Die Vermummung mit Stroh zu einer bärenähnlichen Heischegestalt war in ganz
					Europa verbreitet. In den <rs type="term" key="Sage">Sagen</rs> reitet der
					Anführer des Wilden Heers „Dyterbjarnat“ oder der Tod auf einem Schimmel (→ <rs
						type="term" key="Mythologie">Mythologie</rs>). Beim Zampern neckte er die
					Mädchen und trieb Naturalien ein. Das Kostüm wurde aus großen Sieben oder
					Holzreifen, einer „Kriebatsche“ (Wockenstock, d. h. Werkzeug zum Zwirnen) für
					Hals und Kopf und weißer Leinwand hergestellt. <persName key="ed_km4_xyx_vhb"
						>Wilibald von Schulenburg</persName> (1882) beschrieb darüber hinaus die
					Eierfrau (ein Mann in Frauenkleidern mit Eierkiepe) und den Doppelmenschen,
					niedersorb. <ex>medły žywego nosy</ex> (,Der Ohnmächtige trägt den Lebenden’ –
					ein Mann mit einer Strohpuppe zusammengebunden) als traditionelle Figuren. Zur
					Verkleidung dienten mit Ruß geschwärzte Gesichter und Flachsbärte; meist wurden
					Weiden- oder Birkenruten mitgeführt. Die Heischeverse, die Schulenburg für
						<placeName key="ed_omc_pjh_vhb">Burg (Spreewald)</placeName> und <placeName
						key="ed_z33_4w3_vhb">Schleife</placeName> (in deutscher Sprache) und
					zeitgleich <persName key="ed_b3q_c33_cmb">Hugo Jentsch</persName> in <placeName
						key="ed_b4p_wg3_vhb">Lauchhammer</placeName>, <placeName
						key="ed_dh1_tm3_vhb">Luckau</placeName>, <placeName key="ed_byq_qm3_vhb"
						>Lübben</placeName>, <placeName key="ed_i1k_yjh_vhb">Calau</placeName> und
						<placeName key="ed_zqj_4h3_vhb">Lieberose</placeName> notierten, ähneln
					denen der Bautzener Frauen aus dem 15. Jh.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Fastnacht_03.jpg"
					/>Zapust in Saspow, 2020; Fotografin: Stefanie Krautz, Nowy Casnik</p>
				<p>Die neue Kreisverordnung für den <rs type="term" key="Cottbuser Kreis">Cottbuser Kreis</rs>
					1874 begrenzte die Dauer der Fastnacht auf drei Tage. Schulenburg und <persName
						key="ed_jfl_zyx_vhb">Ewald Müller</persName> (1893) machten in ihren
					Aufzeichnungen kaum einen Unterschied zwischen der Fastnacht und dem
					Spinnstubenabschluss, der spätestens vier Wochen vor Ostern lag. Analog zur
					Oberlausitz war das Zampern Sache der jungen Männer; gegen Ende des 19. Jh.
					beteiligten sich in der Niederlausitz auch die Mädchen der Spinnstuben daran.
					Eine große Bedeutung wurde dem Fastnachtstanz (→ <rs type="term" key="Volkstanz"
						>Volkstanz</rs>) zugeschrieben, der für die Jugend und die Verheirateten
					getrennt stattfand und an dem selbst diejenigen teilnehmen durften, die
					ansonsten davon ausgeschlossen waren – alte Frauen und ledige Mütter. Vielfach
					überliefert ist der Aberglaube, je höher die Frauen zum Fastnachtstanz springen,
					desto besser gedeihe der Flachs. Da das Springen beim Tanzen als unsittlich galt
					und eigentlich verboten war, bot die Fastnacht Gelegenheit, sich über diese
					Regel hinwegzusetzen.</p>
				<p>In den 1880er Jahren wurde der Festumzug der ledigen Paare eingeführt, der die
					Dorfhonoratioren besuchte, um auch sie in den Brauch einzubeziehen. Dem Anlass
					entsprechend trug die Jugend keine Kostüme, sondern Festkleider. Diese
					„Zapustzüge“ entwickelten sich im Laufe des 20. Jh., begünstigt vom steigenden
					Prestige der Festtrachten (→ <rs type="term" key="Tracht">Tracht</rs>), zum
					eigentlichen Höhepunkt der Fastnacht. <persName key="ed_ogc_dzx_vhb">Edmund
						Schneeweis</persName> berichtete, dass in den 1920er Jahren am Sonntag der
					Festumzug der Jugend mit Tanz stattfand, am folgenden Montag die Ledigen und am
					Dienstag die verheirateten Männer zamperten. Beide Abende endeten mit
					„Eieressen“ und Tanz in der Schenke.</p>
				<p>In der Gegenwart wird an einem Samstag zwischen Mitte Januar und Mitte März gezampert, am
					folgenden Sonntag treffen sich die ledigen, in einigen Orten zusätzlich die
					jungen verheirateten Paare zum Zapustumzug. Das gemeinsame „Eieressen“ findet
					meist am Wochenende danach statt, mancherorts parallel zur sog. Männerfastnacht,
					einer Tanzveranstaltung, die den verheirateten Paaren vorbehalten ist.
					Teilnehmen darf, wer mindestens 14 Jahre alt ist und die entsprechende Kleidung
					besitzt. Die jungen Frauen legen die Festtracht an, zu der je nach Ortstradition
					wie in <placeName key="ed_dhb_ydj_vhb">Werben</placeName> die Haube, niedersorb.
						<ex>lapa</ex>, gehört. Die Männer tragen Anzug und Hut, den bei den Ledigen
					bunte Kunstblumen, Federn und Bänder zieren. Die zum Zug geordneten Paare werden
					von einer Blaskapelle angeführt; das vorderste trägt einen bunt geschmückten
					Rutenbesen oder einen Schellenbaum. Besucht werden Dorfbewohner mit besonderen
					Verdiensten um das Gemeinwohl, die sich für die Ehre mit einem Imbiss oder einer
					Spende in die Jugendkasse bedanken. Mit jedem Familienangehörigen wird auf dem
					Hof eine Ehrenrunde getanzt, ein Schnaps getrunken und schließlich das
					Fastnachtssträußchen überreicht. Der Umzug endet im Gasthaus, wo abends der Tanz
					für alle Einwohner des Dorfes stattfindet.</p>
				<p>Lit.: E. Müller: Das Wendentum in der Niederlausitz, Kottbus 1893; J. Matschie/H.
					Fascyna: Sorbische Bräuche, Bautzen 1992.</p>
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    </text>
</TEI>
