<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:telota="http://www.telota.de" xml:id="prov_lnm_s4k_d3b">
    <teiHeader>
        <fileDesc>
			<titleStmt>
				<title>Grammatiken</title>
				<author>
					<persName key="ed_rgb_stb_f3b">Wölkowa, Sonja (1956-)</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
			</sourceDesc>
        </fileDesc>
		<profileDesc>
			<textClass>
				<keywords>
					<term key="Sorbisch">Sorbisch</term>
					<term key="Sprachlehrbuch">Sprachlehrbuch</term>
					<term key="Grammatikschreibung">Grammatikschreibung</term>
					<term key="Niedersorbisch">Niedersorbisch</term>
					<term key="Obersorbisch">Obersorbisch</term>
					<term key="Morphologie (Lingustik)">Morphologie (Lingustik)</term>
					<term key="Syntax">Syntax</term>
				</keywords>
			</textClass>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Monografische Darstellungen des Systems einer Sprache auf
					phonetisch-phonologischer, morphologischer und syntaktischer Ebene. Sie dienen
					einerseits der Beschreibung und Erklärung der sprachlichen Erscheinungen
					(deskriptiv) und andererseits ihrer Kodifizierung (präskriptiv), womit sie zur
					Herausbildung und Stabilisierung der Sprachsysteme beitragen.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Monografiske předstajenje systema wěsteje rěče na fonetisko-fonologiskej,
					morfologiskej a syntaktiskej runinje. Wone słuži na jednej stronje wopisowanju a
					wujasnjenju rěčnych zjawow (deskriptiwnje) a na druhej stronje jich kodifikaciji
					(preskriptiwnje), z čimž přinošuje k tworjenju a stabilizaciji rěčnych
					systemow.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Monografiske pśedstajenje systema wěsteje rěcy na fonetisko-fonologiskej,
					morfologiskej a syntaktiskej rowninje. Gramatiki słuže na jadnom boce
					wopisowanju a wujasnjowanju rěcnych zjawow (deskriptiwnje) a na drugem boce jich
					kodifikaciji (preskriptiwnje), z cymž pśinosuju wutwórjenju a stabilizaciji
					rěcnych systemow.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Monographic representations of a language-system at a phonetic-phonological,
					morphological and syntactic level. On the one hand, they serve the description
					and explanation of linguistic phenomena (descriptive), and on the other hand,
					the codification of these (prescriptive), with which they contribute to the
					formation and stabilisation of the language systems.</p>
			</abstract>
		</profileDesc>
    </teiHeader>
    <text>
		<body>
			<div>
				<p>Monografische Darstellungen des Systems einer Sprache auf
					phonetisch-phonologischer, morphologischer und syntaktischer Ebene. Sie dienen
					einerseits der Beschreibung und Erklärung der sprachlichen Erscheinungen
					(deskriptiv) und andererseits ihrer Kodifizierung (präskriptiv), womit sie zur
					Herausbildung und Stabilisierung der Sprachsysteme beitragen.</p>
				<p>Die Anfänge der Grammatikschreibung bei den <rs type="term" key="Sorben"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4055619-0">Sorben</rs> sind eng mit der
					Entwicklung des religiösen Schrifttums im 17. Jh. verknüpft. Dabei sind drei
					schriftsprachliche Traditionslinien zu unterscheiden: eine in der <placeName
						key="ed_ts5_p24_c3b">Niederlausitz</placeName> und zwei durch konfessionelle
					Unterschiede bedingte Varianten in der <placeName key="ed_e5l_q24_c3b"
						>Oberlausitz</placeName> (→ <rs type="term" key="Obersorbisch"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4120294-6">Obersorbisch</rs>, → <rs type="term"
						key="Niedersorbisch" ref="http://d-nb.info/gnd/4120286-7"
						>Niedersorbisch</rs>). Die drei ersten sorbischen Grammatiken sind die
					niedersorbische Grammatik von <persName key="ed_vsh_nkc_d3b">Jan
						Chojnan</persName> „Linguae Vandalicae / ad dialectum districtus Cotbusiani
					formandae aliqualis / conatus […]“ (Handschrift, 1650), die nur in einer
					unvollständigen Abschrift erhaltene obersorbische Arbeit von <persName
						key="ed_gbt_npk_d3b">Jurij Ludovici</persName> „Rudimenta grammaticae
					sorabo-vandalicae idiomatis Budissinatis“ (vor 1673) und die für den Gebrauch im
					katholischen obersorbischen Schrifttum gedachten „Principia linguae Wendicae
					quam aliqui Wandalicam vocant“ (1679) des Jesuiten <persName
						key="ed_hrn_spk_d3b">Jakub Xaver Ticin</persName> – die erste gedruckte
					sorbische Grammatik. Methodologischer Ausgangspunkt waren die Grammatik der
					klassischen Sprachen, insbesondere des Lateinischen, deren Begriffe und
					Kategorien kritisch verarbeitet wurden. Erkannt und beschrieben wurden auch vom
					Lateinischen abweichende Phänomene wie Dual, Sieben-Kasus-System, Belebtheit und
					Rationalität. Erst im 18. Jh. folgten die ersten gedruckten Grammatiken für die
					obersorbische evangelische Schriftsprachenvariante (<persName
						key="ed_ep4_4r4_c3b">Jurij Matej</persName>, „Wendische Grammatica“, 1721)
					und für das Niedersorbische (<persName key="ed_aqz_vlp_c3b">Johann Gottlieb
						Hauptmann</persName>, „Nieder-Lausitzsche Wendische Grammatica“, 1761).</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Grammatiken_01.jpg"/>Abschrift der ersten obersorbischen Grammatik von Jurij
					Ludovici, vor 1673; Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Grammatiken_02.jpg"/>Obersorbische Grammatik von Jakub Xaver Ticin, 1679; Repro:
					Sorbische Zentralbibliothek am Sorbischen Institut</p>
				<p>Außer den o. g. Drucken entstanden im Laufe des 18. Jh. fünf handschriftliche Grammatiken
					(davon eine niedersorbische). Zwei sind von besonderem Interesse: <persName
						key="ed_okw_xpk_d3b">Johann Friedrich Gottfried Schmutz</persName> verfasste
					als erster Deutscher eine obersorbische Grammatik („Neue Probe einer
					Oberlausitzisch-Wendischen Grammatic“, 1743). Seine Arbeit bietet eine
					Neubearbeitung des Stoffs, der die Sprache der 1728 erschienenen obersorbischen
					Übersetzung der Lutherbibel zugrunde liegt. Schmutz’ Handschrift war eine
					wesentliche Anregung für <persName key="ed_vkv_nwx_vhb">Handrij
						Zejler</persName>, den Autor der letzten Grammatik der evangelischen
					Variante der obersorbischen Schriftsprache („Kurzgefaßte Grammatik der
					Sorben-Wendischen Sprache nach dem Budissiner Dialekte“, 1830). Zur katholischen
					Schriftsprachentradition gehört die Handschrift von <persName
						key="ed_fh4_cqk_d3b">Jan Jurij Prokop Hančka</persName> („Grammatica linguae
					serbicae“, 1768). Sie widerspiegelt einerseits den Wandel der Dialektbasis vom
						<placeName key="ed_ep1_g2j_vhb">Wittichenauer</placeName> zum weiter
					südlichen <placeName key="ed_epd_wrh_vhb">Crostwitzer</placeName> Dialekt im 18.
					Jh., andererseits ist sie ein erster Versuch, Kompromisse zwischen den beiden
					obersorbischen Schriftsprachenvarianten zu finden.</p>
				<p>Im 19. Jh. brach eine neue Phase der sorbischen Grammatikschreibung an. An die Stelle der
					rein praktischen, meist mit religiösen Argumenten verbundenen Beschäftigung mit
					sorbischer Grammatik traten das durch die Entwicklung der Slawistik ausgelöste
					wissenschaftliche Interesse an der Struktur des Sorbischen und die durch die
					„slawische Wiedergeburt“ im 19. Jh. angeregte Aufwertung der Sprache als
					nationales Identifikationsmerkmal (→ <rs type="term"
						key="nationale Wiedergeburt" ref="http://d-nb.info/gnd/4361398-6">Nationale
						Wiedergeburt</rs>). Als Grammatiker, die vorher fast ausnahmslos Geistliche
					waren, traten nun auch linguistisch ausgebildete Autoren auf (<persName
						key="ed_ns2_5wx_vhb">Jan Pětr Jordan</persName>, <persName
						key="ed_mhc_jnv_vhb">Jan Arnošt Smoler</persName>, <persName
						key="ed_wbl_5bl_d3b">Křesćan Bohuwěr Pful</persName>, <persName
						key="ed_y2w_ybl_d3b">Mjertyn Moń</persName>, <persName key="ed_dgv_mnv_vhb"
						>Arnošt Muka</persName>). Bemerkenswert ist der direkte und prägende Kontakt
					fast aller sorbischen Grammatiker des 19. Jh. mit bedeutenden Vertretern der
					Slawistik (<persName key="ed_s5q_2cl_d3b">Josef Dobrovský</persName>, <persName
						key="ed_o1p_hcl_d3b">Václav Hanka</persName>, Martin Hattala, <persName
						key="ed_ry4_mcl_d3b">František Ladislav Čelakovský</persName>, August
					Leskien). Für die theoretische Bearbeitung wurden andere slawische Grammatiken
					als Vorbilder herangezogen und Methoden der historisch-vergleichenden
					Sprachwissenschaft, bei Muka später auch der junggrammatischen Schule,
					angewandt.</p>
				<p>Mit Jan Pětr Jordan („Grammatik der wendisch-serbischen Sprache in der Oberlausitz. Im
					Systeme Dobrovsky’s abgefaßt“, Prag 1841) setzte das Bemühen um eine
					Vereinheitlichung der obersorbischen schriftsprachlichen Norm ein. Als Kriterium
					für die Auswahl von Formen aus der katholischen bzw. der evangelischen Tradition
					wählte Jordan die Übereinstimmung mit anderen slawischen Sprachen; seine Arbeit
					enthält den ersten Versuch einer Neufassung der <rs type="term"
						key="Rechtschreibung" ref="http://d-nb.info/gnd/4048780-5">Orthografie</rs>
					nach dem Vorbild des Tschechischen und Polnischen. Křesćan Bohuwěr Pful
					kodifizierte dann in einem grammatischen Abriss („Hornjołužiski serbski prawopis
					z krótkim ryčničnym přehladom“, ČMS 1848) die von der <rs type="term"
						key="Maćica Serbska/Maśica Serbska" ref="-">Maćica Serbska</rs> propagierte
					sog. (im Verhältnis zu den anderen slawischen Sprachen) analoge Orthografie, die
					der heute gültigen obersorbischen Rechtschreibung zugrunde liegt, sowie eine
					einheitliche obersorbische grammatische Norm, die verschiedene Eigenheiten der
					evangelischen und der katholischen Tradition vereinigt.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Grammatiken_03.jpg"/>Niedersorbische Grammatik von Johann Gottlieb Hauptmann, 1761;
					Repro: Sorbische Zentralbibliothek am Sorbischen Institut</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Grammatiken_04.jpg"/>Preisgekrönte niedersorbische Grammatik von Arnošt Muka, 1891;
					Repro: Sorbische Zentralbibliothek am Sorbischen Institut</p>
				<p>Theoretische Fortschritte brachten im 19. Jh. insbesondere die „Laut- und Formenlehre der
					oberlausitzisch-wendischen Sprache. Mit besonderer Rücksicht auf das
					Altslawische“ von Pful (1867) und die „Syntax der wendischen Sprache in der
					Oberlausitz“ von <persName key="ed_e2m_vcl_d3b">Jurij Libš</persName> (1884).
					Pful setzte in seiner historisch-vergleichenden Beschreibung der obersorbischen
					Morphologie systematisch das obersorbische Material zum Formenbestand des
					Altkirchenslawischen in Beziehung und kam so zu einer völlig neuen,
					diachronischen Sicht. Sein größtes theoretisches Verdienst ist die neuartige
					Beschreibung der Aspektkategorie als Dichotomie, unabhängig von der Einteilung
					nach der „Zeitdauer der Handlung“ in Durativa, Momentanea, Iterativa und
					Frequentativa. Die o. g. Arbeit von Libš war die erste ausführliche Monografie
					zur sorbischen Syntax überhaupt. Sie stützte sich v. a. auf Hattalas „Mluvnica
					jazyka slovenského“ (1864/65) und war auf die Beschreibung des Satzbaus
					gerichtet. Die Materialgrundlage wurde in der Volkssprache gesucht, wobei eine
					puristische, gegen deutsche Einflüsse gerichtete Grundhaltung vorherrschte. Als
					Ergänzung zu der Syntax von Libš war die obersorbische Grammatik von Jurij Kral
					gedacht („Grammatik der Wendischen Sprache in der Oberlausitz“, Bautzen 1895,
					Nachauflagen 1919, 1925), ein praktisches, nach didaktischen Gesichtspunkten
					erarbeitetes Lehrbuch, das sich eng an die „Böhmische Schulgrammatik“ von Josef
					Masařík (1878) anlehnt. Kral strebte in seiner Grammatik eindeutige Festlegungen
					ohne Formdubletten an. Die Arbeit prägte mehr als ein halbes Jahrhundert die
					Ausbildung der obersorbischen Intelligenz und übte großen Einfluss auf die
					Entwicklung der Schriftsprache aus.</p>
				<p>Für das Niedersorbische ist im 19. Jh. zunächst die handschriftliche „Wortlehre der
					niederwendischen Grammatik“ von <persName key="ed_sy4_3dl_d3b">Moritz Hermann
						Albert Ebert</persName> (1864) zu nennen. Sie beschreibt hauptsächlich die
					Bibelsprache, stützt sich jedoch auch auf eine fundierte Kenntnis der
					Volkssprache. Mit Mukas „Historischer und vergleichender Laut- und Formenlehre
					der niedersorbischen (niederlausitzisch-wendischen) Sprache“ (1891) war ein
					Höhepunkt der sorbischen Grammatikschreibung erreicht. Gestützt auf eine Fülle
					sprachlicher Daten aus den Dialekten, aus älteren nieder- und obersorbischen
					Grammatiken und Sprachdenkmalen sowie im Vergleich mit dem Polnischen,
					Tschechischen und Altkirchenslawischen verfolgte er systematisch das Ziel, die
					Sprache nicht nur in ihrer gegenwärtigen Gestalt zu beschreiben, sondern den
					Hergang, die Regeln und die Ursachen ihrer Entwicklung aufzudecken. Diesen
					Anspruch verband Muka mit gewissen präskriptiven Zügen. Mukas Grammatik hat bei
					der Standardisierung und Normierung der niedersorbischen Schriftsprache eine
					herausragende Rolle gespielt, da sie der praktischen Grammatik von <persName
						key="ed_cmt_2dy_vhb">Bogumił Šwjela</persName> („Lehrbuch der
					Niederwendischen Sprache“, Erster Teil: Grammatik, 1906) zugrunde gelegt
					wurde.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Grammatiken_05.jpg"/>Obersorbische Grammatik von Helmut Faska, Domowina-Verlag
					1981</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Grammatiken_06.jpg"/>Darstellung der sorbischen Grammatikschreibung vom 17. bis 19.
					Jh. von Sonja Wölkowa, Domowina-Verlag 2005</p>
				<p>Eine Zäsur in der sorbischen Grammatikschreibung bildet das Verbot des Schrifttums in der <rs
						type="term" key="NS-Zeit" ref="-">NS-Zeit</rs> (→ <rs type="term"
						key="Sprachverbote" ref="-">Sprachverbote</rs>). Da die Restbestände der
					ober- und niedersorbischen Grammatik von Kral und Šwjela vernichtet wurden,
					waren nach dem Zweiten Weltkrieg für den Aufbau des sorbischen Schulwesens (→
						<rs type="term" key="Schule" ref="http://d-nb.info/gnd/4053474-1"
						>Schule</rs>) rasch entsprechende Lehrbücher zu schaffen. Dem entsprach für
					das Obersorbische die Grammatik von Pawoł Wowčerk („Kurzgefaßte obersorbische
					Grammatik“, drei wenig veränderte Auflagen 1951, 1954, 1955), die zumeist die
					kodifikatorischen Entscheidungen von Kral übernahm, sowie für das
					Niedersorbische die von Frido Mětšk bearbeitete Neuauflage der Grammatik von
					Šwjela („Grammatik der niedersorbischen Sprache“, 2. Aufl., 1952). 20 Jahre
					später veröffentlichte <persName key="ed_i2l_ktv_vhb">Hinc
						Schuster-Šewc</persName> seine in obersorbischer Sprache verfasste
					zweibändige „Gramatika hornjoserbskeje rěče“ (1968, 1976; Nachauflage des 1.
					Bandes 1984). Er stützte sich auf umfangreiche Exzerptionen aus der Literatur
					und Publizistik des 19. und 20. Jh. Der erste Band enthält neben Phonologie,
					Phonetik und Flexionsmorphologie auch ein Kapitel zur Wortbildung, im zweiten
					Band wird in Anlehnung an die „Skladba spisovné češtiny“ von <persName
						key="ed_odh_12l_d3b">Jaroslav Bauer</persName> und <persName
						key="ed_z42_d2l_d3b">Miroslav Grepl</persName> die sorbische Syntax nach den
					Methoden der funktionalen Grammatik behandelt. Einen theoretischen Neuansatz auf
					dem Gebiet der Morphologie bildete die „Grammatik der obersorbischen
					Schriftsprache der Gegenwart“ von <persName key="ed_bd3_vjj_d3b">Helmut
						Faska</persName> (unter Mitarbeit von <persName key="ed_m54_nhj_d3b">Frido
						Michałk</persName>, 1981). Ihr Konzept orientiert sich am Strukturalismus
					der „Prager Schule“, bei der Behandlung der Verben wurden mit den Methoden von
					Valenztheorie und Prädikatenlogik auch syntaktische Aspekte einbezogen. Außer
					schriftsprachlichen Texten wurde systematisch dialektales Material mit
					ausgewertet. 22 Jahre später veröffentlichte Faska für den Schulgebrauch als
					gekürzte und popularisierte Fassung dieser Grammatik seinen „Pućnik po
					hornjoserbšćinje“ (Wegweiser für das Obersorbische, 2003, 22012). Auf die
					methodologischen und theoretischen Positionen Faskas stützt sich auch die
					„Niedersorbische Grammatik für den Gebrauch der Sorbischen Erweiterten
					Oberschule“ von <persName key="ed_afw_h2l_d3b">Pětš Janaš</persName> (1976).
					Eine detaillierte moderne Darstellung der niedersorbischen Grammatik ist darüber
					hinaus in den Sprachlehrbüchern von <persName key="ed_akf_m2l_d3b">Manfred
						Starosta</persName> enthalten („Niedersorbisch schnell und intensiv“,
					1991/92).</p>
				<p>Neu war im 20. Jh., dass infolge des gewachsenen Interesses der internationalen Slawistik
					sorbische Grammatiken (nur zum Obersorbischen) auch von ausländischen Autoren
					verfasst wurden. Die ersten, sehr knapp gehaltenen Arbeiten erschienen noch vor
					dem Zweiten Weltkrieg auf Tschechisch (<persName key="ed_fmy_kzx_vhb">Josef
						Páta</persName>, „Krátka přiručka hornolužické srbštiny“, 1920) und Polnisch
						(<persName key="ed_p5y_rhj_d3b">Zdzisław Stieber</persName>, „Krótka
					gramatyka języka górnołużyckiego“, 1938); bald nach dem Kriegsende folgte
						<persName key="ed_lfq_s2l_d3b">Vladimir Mohelskýs</persName> „Mluvnice
					hornolužické srbštiny a slovník hornosrbsko-český“ (1948). Seit den 1960er
					Jahren des 20. Jh. erschienen zumeist praktische Grammatiken des Obersorbischen
					in ukrainischer (Konstantin K. Trofimowič, 1964), russischer (<persName
						key="ed_ol3_cfl_d3b">Maja I. Ermakova</persName> 1974; Trofimowič 1989),
					englischer (<persName key="ed_agb_gfl_d3b">Charles Wukasch</persName> 1991,
					1993) und bulgarischer Sprache (<persName key="ed_m4b_jfl_d3b">Elena
						Ljubenova</persName> 2003), ins Englische übertragen wurde darüber hinaus
					Band 1 der Grammatik von Schuster-Šewc (übersetzt von <persName
						key="ed_oxh_mfl_d3b">Gary Toops</persName>, 1996, 21999).</p>
				<p>Lit.: H. Schuster-Šewc: Das Sorbische und der Stand seiner Erforschung, Berlin
					1991; W. Zeil: Sorabistik in Deutschland. Eine wissenschaftsgeschichtliche
					Bilanz aus fünf Jahrhunderten, Bautzen 1996; S. Wölke: Geschichte der sorbischen
					Grammatikschreibung. Von den Anfängen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, Bautzen
					2005.</p>
			</div>
		</body>
    </text>
</TEI>
