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			<titleStmt>
				<title>Handwerk</title>
				<title xml:lang="deu">Handwerk</title>
				<title xml:lang="hsb">Rjemjesło</title>
				<title xml:lang="dsb">Rucnikaŕstwo</title>
				<title xml:lang="eng">Craft</title>
				<author>
					<persName key="ed_rr4_n31_jmb">Hartstock, Erhard (1939-)</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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		<profileDesc>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Manuelle Warenproduktion, die sich durch die naturräumlichen, sozialen und
					wirtschaftlichen Gegebenheiten entwickelte. Je nach ethnischer Struktur der
					Kommunen hatten auch Sorben Zugang zu den Gilden, Zechen und Zünften.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Ručna produkcija tworow, kotraž je so z přirodorumowych, socialnych a
					hospodarskich wobstejnosćow wuwiła. Cyle po etniskej strukturje komunow mějachu
					tež Serbja přistup ke gildam a cecham.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Rucna produkcija wórow, kótaraž jo se wuwiła z wobstojnosćow pśirodnego ruma a ze
					socialnych a góspodaŕskich wobstojnosćow. Wótwisujucy wót etniskeje struktury
					komunow su Serby teke měli pśistup ku gildam a cecham.</p>
			</abstract>
			<textClass>
				<keywords>
					<term key="Gilde">Gilde</term>
					<term key="Handwerker" ref="-">Handwerker</term>
					<term key="Handwerkerin" ref="-">Handwerkerin</term>
					<term key="Industrialisierung" ref="http://d-nb.info/gnd/4026776-3"
						>Industrialisierung</term>
					<term key="Landwirtschaft" ref="-">Landwirtschaft</term>
					<term key="Produktion" ref="-">Produktion</term>
					<term key="Warenproduktion" ref="-">Warenproduktion</term>
					<term key="Wirtschaft" ref="-">Wirtschaft</term>
					<term key="Zunft" ref="-">Zunft</term>
				</keywords>
			</textClass>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Manual production of goods, which developed through the natural, social and
					economic conditions. Depending on the ethnic structure of the communities, Sorbs
					also had access to the guilds, collieries and fraternities.</p>
			</abstract>
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    <text>
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				<p>Manuelle Warenproduktion, die sich durch die naturräumlichen, sozialen und
					wirtschaftlichen Gegebenheiten entwickelte. Mit der Konsolidierung der
					königlichen bzw. landesherrlichen Städte erfolgte auch in der Lausitz eine
					Spaltung des Handwerks. In den vier unabhängigen Städten der <rs type="term"
						key="Niederlausitz" ref="-">Nieder-</rs> und den sechs der <rs type="term"
						key="Oberlausitz" ref="-">Oberlausitz</rs> konzentrierte sich bereits zu
					Beginn des 14. Jh. das Gros der zunehmend innungsgebundenen Meister. Je nach
					ethnischer Struktur der Kommunen hatten auch Sorben Zugang zu den Gilden, Zechen
					und Zünften, wenn sie in den Besitz des Bürger- und des Meisterrechts gelangen
					konnten (→ <rs type="term" key="Zunftordnung" ref="-">Zunftordnungen</rs>). Von
					Kaisern, Königen und anderen Landesherren sanktionierte Stadtordnungen und
					Innungsartikel waren für die Landbevölkerung allgemein schwer überwindbare
					Hürden. Häufig scheiterte die Aufnahme daran, dass Innungen Lehrlinge vom Lande
					nur sehr beschränkt ausbildeten. Gleichzeitig sicherten sich die Städte für ihr
					Weichbild (Bannmeile) umfassende Verbietungsrechte, womit jegliche Konkurrenz
					auf dem Dorf oder in den grundherrschaftlichen Landstädtchen eliminiert bzw.
					bedeutend eingeschränkt war.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Handwerk_02.jpg"
					/>Böttcher in Lübbenau, 1979; Fotograf: Eberhard Joppich, Sorbisches
					Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Entsprechend den Bedürfnissen im Umland hatte sich in den großen Städten bis Anfang des 16.
					Jh. ein vielfältiges Handwerk angesiedelt. In <rs type="term" key="Bautzen"
						ref="-">Bautzen</rs>, <rs type="term" key="Cottbus" ref="-">Cottbus</rs>,
						<placeName key="ed_i1k_yjh_vhb">Calau</placeName>, <placeName
						key="ed_lhp_gwh_vhb">Görlitz</placeName> oder <placeName
						key="ed_xgh_c13_vhb">Guben</placeName> waren in bis zu 20 Innungen 200 bis
					800 Meister aus 60 bis 90 Gewerken vereinigt. Von besonderer wirtschaftlicher
					Bedeutung war die leistungsstarke Tuchmacherei, deren Erzeugnisse in großen
					Mengen im Fernhandel abgesetzt wurden. Neben einer Vielzahl von Berufen in den
					Gewerbesteuerlisten, die nur durch einen bis zwei Meister vertreten waren,
					gehörten zu den großen Zünften des Weiteren die Bäcker, Fleischer, Händler aller
					Kategorien, Leineweber, Schmiede und Schlosser, Schneider, Schuhmacher sowie
					Zimmerleute. In den späteren Jahrhunderten bis zum Ende der Feudalzeit kamen
					noch Berufe wie Buchdrucker und -händler, Strumpf- und Handschuhmacher,
					Musikanten, Steinmetze u. a. hinzu. In einzelnen Städten wird die „wendische
					Schneiderin“ als eigener Beruf ausgewiesen. Die streng geregelte
					Berufsausbildung und die Qualitätsgarantie für Waren in den Innungssatzungen,
					die sich anfangs bewährten, erwiesen sich jedoch später als
					Innovationshemmnis.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Handwerk_03.jpg"
					/>Holzkohleherstellung in Rietschen, 1961; Fotograf: Eberhard Blume, Sorbisches
					Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Das privilegierte städtische Handwerk vermochte die dörflichen Handwerker aber nicht gänzlich
					zu verdrängen, obwohl sie – ungeachtet ihrer Nationalität – als „Störer“ oder
					„Pfuscher“ verleumdet und oft mit legalen und illegalen Mitteln bekämpft wurden.
					Die wirtschaftlichen Notwendigkeiten insbesondere nach der Herausbildung der
					zahlreichen Gutswirtschaften bedingten die Entstehung bestimmter Gewerke auf dem
					Lande. Überwiegend am Ort der herrschaftlichen Verwaltung befanden sich Mahl-
					und Brettmühlen, Schmieden und Schenken, Letztere gehäuft und in kurzen
					Entfernungen voneinander entlang der Fern- und Handelsstraßen. Ab der Mitte des
					17. Jh. errichteten die Rittergüter zwecks Nebenproduktion zahlreiche
					Brauereien, Schnapsbrennereien, Ziegeleien und Kalköfen. Lausitztypische
					Berufsgruppen wie Kahnbauer oder Korbmacher konzentrierten sich auf den <rs
						type="term" key="Spreewald" ref="-">Spreewald</rs> und die ausgedehnten
					Teichgebiete. Die Teichwirtschaft erforderte den Berufsstand der Teichbauer.
					Noch Ende des 19. Jh. genossen die „wendischen Teichgräber“ wegen ihrer
					Kenntnisse und Leistungen bei preußischen und sächsischen Verwaltungsbehörden
					hohes Ansehen.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Handwerk_05.jpg"
					/>Schilfflechterei im Spreewald, um 1953; Fotograf: Kurt Heine, Sorbisches
					Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Die dörflichen Handwerker waren fast sämtlich konzessionierte feudale Untertanen
					ihrer Herrschaften, die das Konzessionsrecht besaßen. Eine Anzahl fähiger
					Landbewohner eignete sich dennoch stets handwerkliche Fertigkeiten an und
					stellte Waren, Geräte und Werkzeuge für den speziellen Bedarf der Landwirtschaft
					meist nebenberuflich her oder nahm Reparaturen vor. Dazu gehörten auch die
					Schneiderin oder der Stellmacher, die im Sinne der strengen
					Ausbildungsvorschriften der Innungen keine Handwerker waren.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Handwerk_06.jpg"
					/>Kahnbau im Spreewald, um 1953; Fotograf: Erich Rinka, Sorbisches Kulturarchiv
					am Sorbischen Institut</p>
				<p>Nach dem <rs type="term" key="Dreißigjähriger Krieg"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4012985-8">Dreißigjährigen Krieg</rs> siedelten
					Städte, <rs type="term" key="Kloster" ref="http://d-nb.info/gnd/4031225-2"
						>Klöster</rs>, Grund- und Gutsherrschaften im Süden der Oberlausitz in einem
					Streifen von <placeName key="ed_oy3_tg3_vhb">Lauban</placeName>/heute:
						<placeName key="ed_nnk_qpq_d3b">Lubań</placeName> (Polen) bis <placeName
						key="ed_frr_wf3_vhb">Königsbrück</placeName> in ihren Dörfern Tausende
					Leinen-, Damast- und Bandweber an. Um 1750 liefen in diesem Raum über 25 000
					Webstühle. Die Tuchproduktion beider Lausitzen benötigte jährlich enorme Mengen
					Wollgarne. Der Bedarf an Garn aus Flachs (→ <rs type="term" key="Spinnstube"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4271535-0">Spinnstube</rs>) wuchs stark. Der
					Bedarf der bäuerlichen Familie an Leinwand und Strickwaren wurde in der Regel in
					Eigenproduktion gedeckt. Die Patrimonialherrschaften nutzten die Nachfrage nach
					Garnen aus, um sich im Rahmen der Frondienste von ihren Untertanen v. a. im
					Winter große Mengen Garn spinnen zu lassen. Die gemeinschaftliche Arbeit der
					Jugend, die sogenannte Spinn- oder Rockenstuben, wurden lokal seit 1667 immer
					wieder verboten. Garnsammler (sorb. <hi rend="italic">předźenak</hi>) kauften
					das Gespinst bei Herrschaften und Untertanen auf. Für viele Häusler- und
					Gärtnerfamilien trug das Spinnen wesentlich zum Lebensunterhalt bei. Ab Mitte
					des 18. Jh. drängten Staat und Stände im Zusammenhang mit dem Bau von Armen-,
					Arbeits-, Waisen- und Zuchthäusern auf die Einrichtung von Spinnschulen.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Handwerk_07.jpg"/>Frau
					am Webstuhl in der Hoyerswerdaer Region, um 1954; Fotograf: Kurt Heine,
					Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Handwerk_09.jpg"
					/>Töpferei in Göda, 1979; Fotograf: Eberhard Joppich, Sorbisches Kulturarchiv am
					Sorbischen Institut</p>
				<p>Erst die bürgerlichen Reformen in Preußen und Sachsen zu Beginn des 19. Jh.
					gewährten in den Lausitzen die allgemeine Berufs- und Gewerbefreiheit und
					setzten dem herkömmlichen Innungswesen ein Ende. Im Zuge der <rs type="term"
						key="Industrialisierung" ref="http://d-nb.info/gnd/4026776-3"
						>Industrialisierung</rs> verloren viele Handwerksberufe durch die
					Massenfertigung in den Fabriken ihre Bedeutung, einige verschwanden ganz. Mit
					der Technisierung der Produktion gewannen manche Gewerke, so die Schmiede,
					Schlosser oder Sattler, ein völlig neues Profil und andere Arbeitsbereiche. Ein
					Großteil der Handwerker fand sein Auskommen als Arbeiter, Meister oder Techniker
					in der Fabrik, andere waren mit der Wartung, Instandhaltung und Reparatur von
					technischen Anlagen, Maschinen und Werkzeugen beschäftigt. Es entstanden neue
					Berufe wie Lokheizer oder Elektriker. Bekleidungs-, Schuh- und Möbelindustrie
					konnten trotz hoher Produktivität das Handwerk bis in die Gegenwart nicht völlig
					verdrängen.</p>
				<p> </p>
				<p>Lit.: R. Lehmann: Geschichte des Markgraftums Niederlausitz, Dresden 1937; E.
					Schäfer: Die Lausitz und ihr Handwerk, Berlin 1964; Autorenkollektiv: Geschichte
					der Sorben, Band 1–3, Bautzen 1974–1977.</p>
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