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				<title>Industrialisierung</title>
				<title xml:lang="deu">Industrialisierung</title>
				<title xml:lang="hsb">Industrializacija</title>
				<title xml:lang="dsb">Industrializacija</title>
				<title xml:lang="eng">Industrialisation</title>
				<author>
					<persName key="ed_ahd_j31_jmb">Förster, Frank (1937-2011)</persName>
				</author>
				<author>
					<persName key="ed_dtq_ws5_2mb">Pech, Edmund</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
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			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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				<keywords>
					<term key="Eisenbahn">Eisenbahn</term>
					<term key="Textilgewerbe">Textilgewerbe</term>
					<term key="Granitabbau">Granitabbau</term>
					<term key="Glasindustrie">Glasindustrie</term>
					<term key="Kohlekraftwerk">Kohlekraftwerk</term>
					<term key="Maschinenbau">Maschinenbau</term>
					<term key="Lebensmittelindustrie">Lebensmittelindustrie</term>
					<term key="Brikettfabrik">Brikettfabrik</term>
					<term key="Deindustrialisierung">Deindustrialisierung</term>
					<term key="Braunkohleindustrie">Braunkohleindustrie</term>
					<term key="Energiewirtschaft">Energiewirtschaft</term>
					<term key="Bevölkerungsentwicklung">Bevölkerungsentwicklung</term>
					<term key="Strukturwandel">Strukturwandel</term>
					<term key="Abwanderung">Abwanderung</term>
				</keywords>
			</textClass>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Durchsetzung der industriellen Produktion in einer Region, in der zuvor
					Landwirtschaft und Handwerk vorherrschten. In der Lausitz wurde diese v. a.
					durch die Textil- und Braunkohlenindustrie geprägt. </p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Přesadźenje industrielneje produkcije w regionje, w kotrymž stej do toho
					ratarstwo a rjemjesło přewažowałoj. We Łužicy dominowaštej předewšěm tekstilna a
					brunicowa industrija.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Pśesajźenje industrielneje produkcije w regionje, w kótaremž stej do togo
					pśewažowałej rolnikaŕstwo a rucnikaŕstwo. We Łužycy jo była industrializacija
					pregowana pśedewšym wót tekstilneje a brunicoweje industrije.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Implementation of industrial production in a region previously dominated by
					agriculture and handicrafts. In Lusatia, this was influenced, among others, by
					the textile and brown coal industry.</p>
			</abstract>
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    <text>
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				<p>Durchsetzung der industriellen Produktion in der <rs type="term" key="Lausitz" ref="-"
						>Lausitz</rs>, in der zuvor Landwirtschaft und <rs type="term"
						key="Handwerk" ref="http://d-nb.info/gnd/4023299-2">Handwerk</rs>
					vorherrschten. Die Ablösung der feudalen Verhältnisse durch Landabtretungen,
					Kapital- und Rentenzahlung zog sich hier über Jahrzehnte hin; in den preußischen
					Gebieten begann sie 1819 bzw. 1821, in Sachsen 1832. Sie setzte
					landwirtschaftliche Beschäftigte frei, die in den Dörfern weder eine bäuerliche
					Existenz gründen noch auskömmliche Lohnarbeit finden konnten. Im sorbischen <rs
						type="term" key="Siedlungsgebiet" ref="-">Siedlungsgebiet</rs> war im
					Unterschied zu benachbarten Landstrichen (etwa dem Berliner Raum) der Stand von
					Industrialisierung bzw. Mechanisierung zunächst sehr niedrig. Bis in die zweite
					Hälfte des 19. Jh. waltete in den ländlichen Regionen von <placeName
						key="ed_e5l_q24_c3b">Ober-</placeName> und <placeName key="ed_ts5_p24_c3b"
						>Niederlausitz</placeName> Armut, besonders in Dörfern mit Rittergütern oder
					herrschaftlichen Vorwerken. Hinzu trat bei der sorbischen Bevölkerung ein
					Bildungsnotstand. Wo zudem eine religiöse Unterdrückung empfunden wurde – etwa
					bei den Altlutheranern in der preußischen Oberlausitz –, kam es neben der
					allgemeinen Landflucht zu einer starken <rs type="term" key="Auswanderung"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4003920-1">Auswanderung</rs>.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Industrialisierung_01.jpg"/>Steinbruch in Horka b. Räckelwitz, 1977; Fotograf: Kurt Heine,
					Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p><graphic
						url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Industrialisierung_02.jpg"
					/>Kraftwerk in Lübbenau, um 1967; Fotograf: Kurt Heine, Sorbisches Kulturarchiv
					am Sorbischen Institut</p>
				<p>Den bescheidenen Anfängen der Industrialisierung vor 1840 folgte eine positive Entwicklung,
					die sich allerdings regional unterschiedlich gestaltete. In der Leinen- und
					Baumwollweberei des Oberlausitzer Berglands bewies die Fabrikproduktion bis
					Mitte des 19. Jh. ihre Dominanz über Handwerks- und Manufakturbetriebe. Die
					Eröffnung der Bahnstrecke zwischen <placeName key="ed_v45_yth_vhb"
						>Dresden</placeName> und <placeName key="ed_lhp_gwh_vhb">Görlitz</placeName>
					über <rs type="term" key="Bautzen" ref="-">Bautzen</rs> und <placeName
						key="ed_xdn_3m3_vhb">Löbau</placeName> (1847) förderte das Textilgewerbe und
					gab u. a. den Anstoß zur Erschließung der Granitvorkommen bei <placeName
						key="ed_xyt_jx3_vhb">Schmölln</placeName>. Der Deutsch-Französische Krieg
					und die Gründung des Deutschen Reiches (1870/71) führten zu einem weiteren
					Industrialisierungsschub. In Bautzen, Löbau und <placeName key="ed_hpp_x2j_vhb"
						>Zittau</placeName> etablierte sich die Metallindustrie, aus dem Umland
					strömten Arbeitskräfte in die Städte. Zugleich betrieben die meisten sorbischen
					und deutschen Landbewohner ihre kleine Landwirtschaft weiter. So entstand der
					Typ des ländlichen Industriearbeiters, der an Sprache und Tradition lange
					festhielt. Bis Anfang des 20. Jh. wurde auch die sächsische Oberlausitz zu einem
					Territorium mit überwiegend industriell tätiger Bevölkerung. Die Niederlausitz
					war davon durch das ökonomisch rückständige Heidegebiet der
					preußisch-schlesischen Kreise <placeName key="ed_mpp_tv3_vhb"
						>Rothenburg</placeName> und <placeName key="ed_wkb_qb3_vhb"
						>Hoyerswerda</placeName> getrennt. Im südlichen Niederlausitzer Raum
					erfolgte nahezu zeitgleich ein Aufschwung dank der Textilindustrie, die in <rs
						type="term" key="Cottbus" ref="-">Cottbus</rs>, <placeName
						key="ed_pgy_1vh_vhb">Forst</placeName>, <placeName key="ed_bzp_xy3_vhb"
						>Spremberg</placeName> und <placeName key="ed_dlg_y5h_vhb"
						>Finsterwalde</placeName> konzentriert war. Mit wachsender Zahl und Stärke
					der Dampfmaschinen im Tuchgewerbe stieg der Brennstoffbedarf. Damit wurde der
						<rs type="term" key="Braunkohlebergbau" ref="http://d-nb.info/gnd/4131791-9"
						>Braunkohlenbergbau</rs> in der Niederlausitzer Heide attraktiv. In den
					Gründerjahren nach 1871 nahm auch der Verkehrswegebau zu, der die allgemeine
					Wirtschaftsentwicklung begleitete. Die Bahnstrecke zwischen <placeName
						key="ed_cc4_1hh_vhb">Berlin</placeName> und Görlitz über Cottbus und
					Spremberg war 1868 fertiggestellt worden. Es folgten die Strecken zwischen
					Cottbus und <placeName key="ed_lcg_vxh_vhb">Großenhain</placeName> (1870) sowie
					zwischen <placeName key="ed_xmk_rm3_vhb">Lübbenau</placeName> und <placeName
						key="ed_ic5_gc3_vhb">Kamenz</placeName> (1874). Das Gebiet um <placeName
						key="ed_tt5_2y3_vhb">Senftenberg</placeName> wurde in den folgenden
					Jahrzehnten zum Kern des Lausitzer Braunkohlenreviers. (→ <rs type="term"
						key="Senftenberger Region" ref="-">Senftenberger Region</rs>) In der
					Glaserzeugung, die bis dahin auf wenige kleine Hütten beschränkt war, bewirkte
					die Kohlefeuerung einen Fortschritt; sie griff von der südlichen Niederlausitz
					auf den Kreis Rothenburg über (v. a. <placeName key="ed_srx_rdj_vhb"
						>Weißwasser</placeName>). Dort entstanden infolge des Bergbaus, der Glas-
					und Ziegelproduktion neue Industriezweige, die gewerbliche Arbeitsplätze für die
					Dorfbevölkerung boten. So wurde die Niederlausitzer Heide zum zweitstärksten
					Wirtschaftsraum der Lausitzen, der ländliche Industriearbeiter zum typischen
					Vertreter des sorbischen Proletariats. Die weitere Industrialisierung der Region
					wurde im Wesentlichen durch Braunkohle- und Energiegewinnung bestimmt. Im und
					kurz nach dem Ersten Weltkrieg entstanden die ersten modernen Kohlekraftwerke.
					Gleichzeitig wurde in <placeName key="ed_lds_ch3_vhb">Lauta</placeName> ein
					Aluminium- und Chemiewerk von überregionaler Bedeutung errichtet. Zudem hatte
					sich mit dem Bau von Textil- und Landmaschinen samt Zulieferern ein eigener
					Wirtschaftszweig etabliert, hinzu kamen Waggon- und Maschinenbau. Besonders in
					den 1930er Jahren gab es zusätzliche Investitionen, da in der <rs type="term"
						key="NS-Zeit" ref="-">NS-Zeit</rs> Autarkie angestrebt wurde. Zu den
					wichtigsten zählten der Neubau eines Treibstoffsynthesewerks bei <placeName
						key="ed_ehl_rx3_vhb">Schwarzheide</placeName> sowie mehrere
					elektrotechnische Unternehmen. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs verlagerten
					einige Industriebetriebe aus bombengefährdeten deutschen Gebieten ihre
					Produktion in die Ober- oder Niederlausitz.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Industrialisierung_03.jpg"/>Abraumbagger im Tagebau bei Lohsa, 1952; Fotograf: Kurt Heine,
					Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Industrialisierung_04.jpg"/>Kühltürme im Kraftwerk Schwarze Pumpe, 1958; Fotograf: Erich
					Rinka, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Während der deutschen Teilung 1949–1990 wurden die traditionellen Industriezweige der
					Lausitzen wie Tuchherstellung, Fahrzeug- und Maschinenbau sowie Glas- und
					Lebensmittelindustrie ausgebaut. Für die rohstoffarme DDR rückte die Gewinnung
					von Braunkohle zunehmend in den Mittelpunkt. Die reichen Lausitzer
					Kohlevorkommen wurden systematisch ausgebeutet. Über viele Jahre galt der Bezirk
					als „Kohle- und Energiezentrum“. Im Verbund mit der Errichtung von
					Brikettfabriken und Kraftwerken sowie weiteren Industriebetrieben – so der
					Chemie- und Kunststoffindustrie – führte der Braunkohlenbergbau zu einem hohen
					Bedarf an Arbeitskräften und einem schnellen Wachstum der Einwohnerzahlen in den
					Industrieorten. Industrielle Schwerpunkte waren ferner die Glas- und
					Ziegelproduktion sowie in der Oberlausitz die Granitindustrie. Für den
					umfangreichen Industrie- und Wohnungsbau entstanden u. a. in Bautzen,
					Hoyerswerda und Cottbus große Betonwerke sowie ein Metall-Leichtbau-Kombinat in
						<placeName key="ed_ol2_pb3_vhb">Hosena</placeName>. Die Industrialisierung
					der Lausitz zog noch bis 1989 einen Strom von Menschen in das zweisprachige
					Gebiet. Trotz des Zuzugs wurde der Arbeitskräftebedarf immer auch aus dem Umland
					gedeckt. In vielen Betrieben arbeiteten vornehmlich landsässige Beschäftigte aus
					der Umgebung, Deutsche wie <rs type="term" key="Sorben"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4055619-0">Sorben</rs>. In traditioneller
					dörflicher Umgebung konnte sich das sorbische Element weitaus besser behaupten
					als in einer „sozialistischen Wohnstadt“ wie Hoyerswerda.</p>
				<p><graphic
						url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Industrialisierung_05-1.jpg"
					/>Anzeige einer Glashütte in Muskau (geg. 1898), Repro aus: Weißwasser in der
					Oberlausitz mit Muskau und Umgegend nebst Industrie in Wort und Bild, 1908</p>
				<p>Der <rs type="term" key="politische Wende" ref="-">politischen Wende</rs> folgte
					in den 1990er Jahren eine weitreichende Deindustrialisierung der Lausitz,
					Tausende von Arbeitsplätzen gingen verloren. Die Textil- und Glasindustrie, der
					Fahrzeugbau, Teile des Maschinenbaus und der Lebensmittelindustrie waren in der
					Marktwirtschaft nicht mehr konkurrenzfähig. Auch die Braunkohlenindustrie und
					die Energiegewinnung waren betroffen. Städte wie Hoyerswerda und Weißwasser
					gerieten durch den abrupten Rückgang der Produktion in eine demografische Krise,
					die sich aus Arbeitslosigkeit und Abwanderung ergab. An einigen Standorten
					konnten sich jedoch wirtschaftlich und technologisch optimierte
					Industriebetriebe etablieren. Dazu gehören Unternehmen der Braunkohlenindustrie,
					so das neue Kraftwerk <placeName key="ed_i5f_qx3_vhb">Schwarze Pumpe</placeName>
					oder das modernisierte Synthesewerk in Schwarzheide, dazu verschiedene Bereiche
					wie der Schienenfahrzeugbau durch Bombardier in Bautzen und Görlitz. Darüber
					hinaus wurde das Baugewerbe durch die einsetzenden Sanierungsmaßnahmen zu einem
					bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Trotzdem bildet die insgesamt strukturschwache
					Lausitz seit 1990 ein Abwanderungsgebiet sowie eine Region mit relativ hoher
					Arbeitslosigkeit und Überalterung. Dies wirkt sich auf die sorbische Sprache und
					Kultur negativ aus, da v. a. junge Menschen bzw. Familien ihre Heimat verlassen
					(→ <rs type="term" key="Assimilation" ref="http://d-nb.info/gnd/4139304-1"
						>Assimilation</rs>). Der industrielle Umstrukturierungsprozess bleibt auch
					für die Zukunft eine große Herausforderung, zumal der Kohleausstieg im Jahr 2038
					voraussichtlich abgeschlossen sein soll.</p>
				<p>Lit.: F. Förster: Verschwundene Dörfer. Die Ortsabbrüche des Lausitzer Braunkohlenreviers bis
					1993, 2. Aufl., Bautzen 1996; Niederlausitzer Industriearbeiter 1935 bis 1970.
					Studien zur Sozialgeschichte, Hg. P. Hübner, Berlin 1995; E. Pech: Die
					Sorbenpolitik der DDR 1949–1970. Anspruch und Wirklichkeit, Bautzen 1999; E.
					Hartstock: Wirtschaftsgeschichte der Oberlausitz 1547–1945, Bautzen 2007.</p>
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</TEI>
