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				<title>Kinder- und Jugendliteratur</title>
				<title xml:lang="deu">Kinder- und Jugendliteratur</title>
				<title xml:lang="hsb">Dźěćaca a młodźinska literatura</title>
				<title xml:lang="dsb">Źiśeca a młoźinska literatura</title>
				<title xml:lang="eng">Children’s and Youth Literature</title>
				<author>
					<persName key="ed_dty_4cc_vmb">Schön, Sylvia</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
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				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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					<term key="Literatur">Literatur</term>
					<term key="Kinderbuch">Kinderbuch</term>
					<term key="Sorben">Sorben</term>
					<term key="Sorbisch">Sorbisch</term>
					<term key="Zweisprachigkeit">Zweisprachigkeit</term>
					<term key="Lausitz">Lausitz</term>
					<term key="Schriftsteller">Schriftsteller</term>
					<term key="Schriftstellerin">Schriftstellerin</term>
					<term key="Jugendbuch">Jugendbuch</term>
				</keywords>
			</textClass>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Gesamtheit der für Kinder und Jugendliche verfassten oder empfohlenen sowie von
					diesen gemeinhin rezipierten künstlerischen Texte. Die Anfänge einer sorbischen
					Kinder- und Jugendliteratur sind in der Aneignung von Teilen der Volksdichtung
					durch Kinder und Jugendliche zu sehen.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Cyłk za dźěći a młodostnych spisanych abo poručenych tekstow kaž tež wot nich
					recipowanych wuměłskich tekstow. Spočatki serbskeje dźěćaceje a młodźinskeje
					literatury maja so w přiswojenju dźělow ludoweho basnistwa přez dźěći a
					młodostnych widźeć.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Cełk za źiśi a młodostnych pisanych abo póruconych a powšyknje wót nich
					recipěrowanych wuměłskich tekstow. Zachopjeńki serbskeje źiśeceje a młoźinskeje
					literatury maju se wiźeś w pśiswójenju źěłow ludowego basnistwa pśez źiśi a
					młodostnych.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>The entirety of the artistic texts written or recommended for children and
					adolescents, as well as those commonly received by them. The beginnings of a
					Sorbian literature for children and young people are to be seen in the
					acquisition of parts of the folk poetry by children and adolescents.</p>
			</abstract>
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    <text>
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				<p>Gesamtheit der für Kinder und Jugendliche verfassten oder empfohlenen sowie von diesen
					gemeinhin rezipierten künstlerischen Texte. Die Anfänge einer sorbischen Kinder-
					und Jugendliteratur sind in der Aneignung von Teilen der <rs type="term"
						key="Volksdichtung" ref="-">Volksdichtung</rs> durch Kinder und Jugendliche
					zu sehen (→ <rs type="term" key="Märchen" ref="-">Märchen</rs>, → <rs
						type="term" key="Sage" ref="-">Sage</rs>, → <rs type="term" key="Volkslied"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4063852-2">Volkslied</rs>), die zu eigenen
					Schöpfungen wie Sprachspielen und Kinderreimen inspirierte. Parallel dazu
					dienten im 18. Jh. übersetzte religiöse Schriften (z. B. „Dźěćaca postila“, die
					Kinderpostille von <persName key="ed_rth_hgr_d3b">Johann Ludwig
						Langhans</persName>, 1717) und in der zweiten Hälfte des 19. Jh. schulische
					Lese- und Lehrbücher als Lesestoffe für die Altersgruppe (→ <rs type="term"
						key="Schule" ref="http://d-nb.info/gnd/4053474-1">Schule</rs>).</p>
				<p>Zeitgleich mit der Herausbildung der sorbischen <rs type="term" key="Literatur"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4035964-5">Literatur</rs> schufen namhafte Autoren
					auch belehrende und unterhaltsame Gedichte und Erzählungen für Kinder, an erster
					Stelle <persName key="ed_vkv_nwx_vhb">Handrij Zejler</persName> mit seinen
					Fabeln sowie <persName key="ed_dbh_ngr_d3b">Jan Wjela-Radyserb</persName> mit
					seinen Gedichten, Reimen, Liedern und Erzählungen „für brave Kinder“. Diese und
					weitere Texte fanden Eingang in <persName key="ed_jd2_mx4_c3b">Michał
						Hórniks</persName> „Čitanka – mały wuběrk z narodneho a nowišeho pismowstwa
					hornjołužiskich Serbow“ (Lesebuch – kleine Auswahl nationalen und neueren
					Schrifttums der Oberlausitzer Sorben, 1863). Weniger literarischen, dafür mehr
					moralisierenden Stoff boten die zweisprachigen Schullesebücher von Lehrern wie
						<persName key="ed_uyv_qgr_d3b">Křesćan Kulman</persName>, <persName
						key="ed_pks_5gr_d3b">Jan Bartko</persName> und <persName
						key="ed_qpp_ygr_d3b">Hendrich Jordan</persName>. Spezielle sorbische
					Kinderbücher erschienen wegen des schwach entwickelten <rs type="term"
						key="Verlagswesen" ref="-">Verlagswesens</rs> erst Ende des 19. Jh., z. B.
					zwei „Struwwelpeteriaden“ in freien Nachdichtungen.</p>
				<p>Die bewusste Entwicklung sorbischer Kinder- und Jugendliteratur setzte im 20. Jh. ein. Der
					Seminarist <persName key="ed_gz1_25j_d3b">Franc Kral</persName> gab ab 1906 als
					Zeitungsbeilage ein obersorbisches Blatt für Kinder heraus: „Raj“ (Paradies) (→
						<rs type="term" key="Zeitschrift" ref="http://d-nb.info/gnd/4067488-5"
						>Zeitschriften</rs>). Der junge Lehrer <persName key="ed_tls_35j_d3b">Michał
						Nawka</persName> stellte 1914 unter dem Titel „Baje, bajki a basnički“
					(Sagen, Märchen, Fabeln) sorbische Märchen für das erste Heft der „Rajowa
					knihownja“ (Bibliothek des „Raj“) zusammen. In der <placeName
						key="ed_ts5_p24_c3b">Niederlausitz</placeName> veröffentlichte <persName
						key="ed_mr1_hhr_d3b">Fryco Rocha</persName> Kindergedichte in der
					Zeitschrift „Wosadnik“ (Pfarrgemeindeblatt). Der Erste Weltkrieg unterbrach
					diese Bemühungen.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Kinder-und-Jugendliteratur_01.jpg"/>Niedersorbisches Lesebuch für Kinder von Bogumił Šwjela, 1907;
					Repro: Sorbische Zentralbibliothek am Sorbischen Institut</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Kinder-und-Jugendliteratur_02.jpg"/>Jan Wjela-Radyserb; Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen
					Institut</p>
				<p>In den 1920er Jahren gelang es der evangelischen und katholischen Lehrerschaft, mit dem
					Schulbuch „Kwětki“ (Blumen, 1921), ein grundlegendes Lesebuch für die oberen
					Klassen herauszugeben. Darauf folgten mit dem Lesebuch „Zahrodka“ (Der Garten,
					1925) und besonders der Fibel „Na wsy“ (Auf dem Dorf, 1925), verfasst von Michał
					Nawka und illustriert von <persName key="ed_clh_4wz_whb">Měrćin
						Nowak-Njechorński</persName>, spezifische Kinderbücher für die unteren
					Schulklassen. Beide Autoren brachten 1928 auch das erste originäre farbige
					Bilderbuch heraus: „Dźěćatka hladajće, kajke to rjanosće“ (Kinderchen, schaut,
					welche Schönheiten). Neben Nawka schrieb <persName key="ed_sgq_l2j_d3b">Marja
						Kubašec</persName> Bühnenstücke für Kinder („Tři hodowne hry za dźěći“,
					1923, Drei Weihnachtsspiele für Kinder), geprägt vom Pathos der
					„Sonnenliteratur“ des 19. Jh. Der Lehrer <persName key="ed_jzs_qhr_d3b">Jan
						Lajnert </persName>schrieb Gedichte, Kindererzählungen und Wiegenlieder.
					Thematisch bewegte sich die sorbische Kinder- und Jugendliteratur vorwiegend im
					Kreis von Sagen und Märchen.</p>
				<p>Nach der Konfiskation des Vermögens sorbischer Vereine in der <rs type="term"
						key="NS-Zeit" ref="-">NS-Zeit</rs> wurden 1941 noch vorhandene Lagerbestände
					an Kinder- und Lesebüchern eingestampft.</p>
				<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg verhinderte zunächst die sich verzögernde Erneuerung des
					Verlagswesens sichtbare Aktivitäten. Erst die beim Berliner Verlag Volk und
					Wissen 1951 in <placeName key="ed_xwx_lgh_vhb">Bautzen</placeName> gebildete
					sorbische Redaktion konnte sich neben der Entwicklung von Lehrbüchern auch der
					Kinder- und Jugendliteratur annehmen. In ansprechender, mit deutschen Büchern
					vergleichbarer Ausstattung erschienen erstmals für Kinder bearbeitete Sagen und
					Märchen: obersorbisch „Serbske baje“ (Sorbische Sagen, 1951), „Serbske ludowe
					bajki“ (Sorbische Volksmärchen, 1955), die Anthologie „Klepam, klepam pišćałku“
					(Ich klopfe mir eine Flöte, 1957) und niedersorbisch „Wužowy kral a źěśe a druge
					bajki z Łužyce“ (Der Schlangenkönig und das Kind und andere Märchen aus der
					Lausitz, 1958) und schließlich 1964 das reich illustrierte Märchenbuch „Der
					Kienpeter“ („Łučlany Pětr“, 1966). </p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Kinder-und-Jugendliteratur_03.jpg"/>Obersorbisches Lesebuch von Michał Hórnik, 1863; Repro:
					Sorbische Zentralbibliothek am Sorbischen Institut</p>
				<p><graphic
						url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Kinder-und-Jugendliteratur_05.jpg"
					/>Obersorbische Fibel von Michał Nawka mit Illustrationen von Měrćin
					Nowak-Njechorński, 1925; Repro: Sorbische Zentralbibliothek am Sorbischen
					Institut</p>
				<p>An Neuschöpfungen sorbischer Kinder- und Jugendliteratur erschien in den 1950er Jahren nur
					wenig. Erwähnt seien die Bearbeitung der Sage von <rs type="term" key="Krabat"
						ref="-">Krabat </rs>durch Nowak- Njechorński („Mištr Krabat“, 1954; „Meister
					Krabat“, Berlin 1954), <persName key="ed_clr_xhr_d3b">Ben Budars</persName>
					Novelle über die <placeName key="ed_rhp_nm3_vhb">Lohsaer</placeName>
					Bauernunruhen „Rebel Jan Cuška“ (1955) und <persName key="ed_q1p_jxz_whb">Jurij
						Brězans</persName> Mädchenroman „Christa“ (1958) über die Suche eines vom
					Vater zur NS-Zeit verstoßenen jüdischen Mädchens nach der eigenen Identität. Mit
					systematischer Förderung nahm sich ab 1958 der <rs type="term"
						key="Domowina-Verlag" ref="-">Domowina-Verlag</rs> des Genres an. Fühlten
					sich bis dahin fast nur Lehrer für die Kinder- und Jugendliteratur zuständig,
					wurden nun alle Autoren dazu animiert. Das erste Verlagsjahrzehnt zeichnete sich
					besonders durch Experimentierfreude aus – die Literatur für Kinder und
					Jugendliche gewann neue Räume, Themen und Akzente. Es entstanden Abenteuer-,
					Kriminal- und Science-Fiction-Erzählungen, autobiografische und psychologische
					Jugendprosa sowie Liebesgeschichten. <persName key="ed_v3q_23r_d3b">Hańža
						Bjeńšowa</persName> fesselte Kinder mit ihrer Feriengeschichte „Spušćej so
					na Maksa“ (Verlass dich auf Max, 1961), <persName key="ed_l53_j3r_d3b">Marja
						Młynkowa</persName> erfasste treffend das Schulmilieu in „Starosće w
					dźewjatce“ (Sorgen in der Neunten, 1964), <persName key="ed_b44_n3r_d3b">Jan
						Wornar</persName> schuf mit „Opium“ (1965) einen Agentenkrimi und <persName
						key="ed_vqw_nck_d3b">Pětr Malink</persName> „AK 71 – start 18.15 hodź.“ (AK
					71 – Start um 18.15 Uhr, 1959) die erste utopische Vision in Sorbisch. Letzterer
					legte mit „Dwě horšći pěska“ (Zwei Handvoll Sand, 1964) eine autobiografische
					Skizze seiner Jugend im Nationalsozialismus vor. Spannungen der
					deutsch-deutschen Realität zeichneten Jurij Brězan mit der Liebesgeschichte
					„Robert a Sabina“ (1961, „Eine Liebesgeschichte“, 1962) und <persName
						key="ed_q5t_2xz_whb">Jurij Krawža</persName> mit Jugendfreundschaften in
					„Módre listy“ (Blaue Briefe, 1962). <persName key="ed_sr4_w3r_d3b">Cyril
						Kola</persName> mit „Róža. Powědančko z njedawneho časa“ (Rosa. Erzählung
					aus jüngerer Zeit, 1961) und <persName key="ed_vnk_kyz_whb">Jurij
						Koch</persName> mit „Židowka Hana“ (Die Jüdin Hana, 1963) rührten ihre Leser
					mit Mädchenschicksalen der Vergangenheit. Sprachspielerische Kinderlyrik bot der
					„Płomjo“-Redakteur <persName key="ed_dt5_1jr_d3b">Gerat Libš</persName> mit „Z
					połnej karu“ (Mit vollem Schubkarren, 1970). In den 1970er Jahren versuchten Jan
					Wornar mit „Honače pjerja“ (Hahnenfedern, 1974) und Jurij Krawža in „Bajka so
					kónči“ („Das Ende des Märchens“, 1975) stärker die Gegenwartserfahrungen
					sorbischer Jugendlicher abzubilden.</p>
				<p>Trotz dieser emanzipatorischen Bemühungen wandte sich die sorbische Kinder- und
					Jugendliteratur seit Wornars viel gelesener Sagenadaption „Čapla a Hapla“ (1969,
					„Im Lande des Riesen“, 1971) erneut den Märchen und Sagen zu, so <persName
						key="ed_gr3_hjr_d3b">Gerat Hendrich</persName> mit „Dyrdomdejstwa Pumpota“
					(„Die Abenteuer des Pumpot“, 1970; → <rs type="term" key="Pumphut" ref="-"
						>Pumphut</rs>) und „Kito husličkar“ („Kito und die Tanzfiedel“, 1979), Jan
					Wornar mit „Šěrikowe huslički“ („Die Lärchengeige“, 1978), Madlena Nasticcyna
					mit „Dźowka wódneho muža“ („Die Tochter des Wassermannes“, 1986) u. a. Idee,
					Erzählweise und Stil von Märchen und Sagen treffen am besten die kindliche
					Auffassungsgabe. Die Verwendung folkloristischer Elemente wurde häufig verbunden
					mit der didaktischen Absicht, ein Bewusstsein für die Volkstraditionen
					auszubilden. Diesen Zweck förderte der Verlag mit der Editionsreihe „Bajka“
					(Märchen, 1980–1991), in der Schriftsteller sorbische Märchen neu erzählten.</p>
				<p>In den 1980er Jahren tauchten mehrere Tiergeschichten in Kinderbüchern auf, so bei Ben Budar
					„Ja, kocor Stani“ (1983, „Ich, Kater Stani“, 1988), Jurij Brězan „Stara liška“
					(„Dalmat hat Ferien“, 1985), <persName key="ed_h15_sjr_d3b">Křesćan
						Krawc</persName> „Malko a pos Lui“ (1981, „Mirko und der fremde Hund“,
					1985), <persName key="ed_d1w_wjr_d3b">Pawoł Grojlich</persName> „Mój přećel
					Pusij“ (Mein Freund Pussi, 1988) und Jan Wornar „Mudra wudra a druhe powědki wo
					zwěrjatach“ (Der schlaue Otter und andere Tiergeschichten, 1988). Fabelhaftes
					begegnet in der sprachspielerischen Lyrik von <persName key="ed_m45_hyz_whb"
						>Kito Lorenc</persName> „Rymarej a dyrdomdej“ (1985, „Die Rasselbande im
					Schlamassellande“, 1983), wo sich mit Witz und Humor die Realität spiegelt.
					Zeitkritische Themen erschienen in sorbische Jugendbüchern vorwiegend Ende der
					1980er Jahre, so in Jurij Kochs „Wšitko, štož ja widźu“ (1989, „Augenoperation“,
					1988, bzw. „Schattenrisse“, Stuttgart 1990), der Geschichte eines Jugendlichen,
					der um Ehrlichkeit ringt, und in <persName key="ed_p41_qkr_d3b">Angela
						Stachowas</persName> „Vineta“ (1983), einer Liebesgeschichte in einem
					sorbischen Dorf, das dem <rs type="term" key="Braunkohlebergbau"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4131791-9">Braunkohlenbergbau</rs> geopfert werden
					soll.</p>
				<p>Seit der <rs type="term" key="politische Wende" ref="-">politischen Wende</rs> spielen
					nationale und mythologische Themen sowie didaktische Tendenzen in der sorbische
					Kinder- und Jugendliteratur eine geringere Rolle. Kinder und Jugendliche werden
					mit ihren alltäglichen Problemen gezeigt, wobei das sorbisch-deutsche
					Zusammenleben bisher kaum vorkommt. Zu den bekannten Autoren – Brězan mit „Naš
					wuj z Ameriki“ (Unser Onkel aus Amerika, 1997), Koch mit den kriminalistischen
					Geschichten „Golo a Logo“ (1990, „Golo und Logo“, 1993) sowie „Koče slěbro“
					(2000, „Jakub und das Katzensilber“, 2001), Křesćan Krawc mit „Woko Mok, syn
					wódneho muža“ (Woko Mok, Sohn des Wassermannes, 2003) – gesellten sich einige
					jüngere Autorinnen: so <persName key="ed_swd_tdk_d3b">Jěwa-Marja
						Čornakec</persName> mit fantastischen Themen in „Potajnstwo zeleneho
					kamjenja“ (Das Geheimnis des grünen Steins, 1994), „Matej w štwórtej dimensiji“
					(Matej in der vierten Dimension, 1996), „Łójerjo sonow“ (Die Jäger der Träume,
					2018) und Tierfreundschaftserlebnissen „Wroblik Frido a jeho přećeljo“ (Der
					Spatz Frido und seine Freunde, 2011), <persName key="ed_y5g_jdk_d3b">Lubina
						Hajduk-Veljkovićowa</persName> mit der Tiergeschichte „Ćipka w lěsu“ (Das
					Küken im Wald, 2004), dem Großstadterlebnis eines Mädchens in „Juliana“ (2007)
					und der Fantasy-Erzählung „W putach Čorneho pana“ (In den Fängen des Schwarzen
					Pan, 2011) sowie <persName key="ed_lht_xkr_d3b">Měrka Mětowa</persName> mit den
					Teenagerbüchern „Skónčnje 14“ (Endlich 14, 2008) und „Komplot na ptačim kwasu“
					(Komplott auf der Vogelhochzeit, 2014). Für die niedersorbisch Lesenden
					schrieben u. a. <persName key="ed_lzj_clr_d3b">Mirelle Nagora</persName> – „Im
					Tal der roten Kleeblüten. W Dole cerwjenych kwiśinkow“ (1999) – und <persName
						key="ed_hq3_glr_d3b">Gerat Nagora</persName> – „Anka, Jonas a 7 bajankow“
					(Anka, Jonas und 7 Erzählungen, 2004).</p>
				<p><graphic
						url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Kinder-und-Jugendliteratur_06.jpg"
					/>Kinderbücher aus dem Verlag Volk und Wissen und dem Domowina-Verlag zwischen
					1957 und 2008; Fotografin: Hana Schön, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen
					Institut</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Kinder-und-Jugendliteratur_08.jpg"/>Kinderbuchangebot in der Schmolerʼschen Verlagsbuchhandlung, 2020; Fotograf:
					Frank Müller, Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Die sorbische Kinder- und Jugendliteratur bereicherten zahlreiche Übersetzungen aus anderen
					Literaturen. Neben Klassikern wären Bilderbücher zu nennen, aber auch Comics wie
					die polnische Serie „Bolek a Lolek“, die meist auf Kooperationsbeziehungen des
					Domowina-Verlags zu auswärtigen Verlagen beruhen. Auch weniger bekannte Werke
					wie <persName key="ed_hhx_jlr_d3b">Daniel Heviers</persName> „Krajina Agord“
					(Das Land Agord, 1999) oder <persName key="ed_isn_mlr_d3b">Ivan
						Kušans</persName> „Koko a operacija Barbarossa“ (Koko und die Operation
					Barbarossa, 2001) lernten junge sorbische Leser kennen.</p>
				<p>Die sorbische Kinder- und Jugendliteratur hat sich im 20. Jh. in allen Genres
					entwickelt – inzwischen auch in Form von Hörbüchern, Comics und Manga-Editionen.
					Den Interessenten steht eine weit gefächerte Lektüre in Sorbisch zur Verfügung.
					Zwar treten weiterhin nationale Anliegen und Themen auf, das Spektrum hat sich
					jedoch deutlich in Richtung Universalität verbreitert.</p>
				<p>Lit.: M. Ziółkowska-Sobecka: Serbska dźěćaca a młodźinska literatura. Kritiska
					skica, in: Lětopis D 4 (1989); H. Orsesowa: K stawiznam serbskeje dźěćaceje a
					młodźinskeje literatury, Budyšin 1991 (unveröffentlichtes Manuskript); M.
					Ziółkowska-Sobecka: Dźěćaca a młodźinska literatura, in: Přinoški k stawiznam
					serbskeho pismowstwa lět 1945-1990, Budyšin 1994, S. 161-191 </p>
			</div>
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    </text>
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