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				<title>Kretscham</title>
				<title xml:lang="deu">Kretscham</title>
				<title xml:lang="hsb">„Kretscham“</title>
				<title xml:lang="dsb">„Kretscham“</title>
				<title xml:lang="eng">„Kretscham“ /(Pub)</title>
				<author>
					<persName key="ed_ekt_ybq_f3b">Musiat, Sigmund (1930-)</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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        </fileDesc>
		<profileDesc>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Wirtshaus oder Gasthof für Veranstaltungen auf dem Lande, v. a. östlich der Elbe,
					namentlich in der Oberlausitz. Der Kretscham war bis Mitte des 19. Jh. oft Sitz
					des mit der Schankgerechtigkeit ausgestatteten Schultheißen und Ort des
					Patrimonialgerichts, das meist mit einem Rittergut verbunden war.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Hosćenc resp. korčma za zarjadowanja na wsach, předewšěm wuchodnje Łobja,
					mjenujcy w Hornjej Łužicy. Korčma běše hač do 19. lětstotka často sydło šołty z
					prawom pohosćenja z piwom a winom a městno patrimonialneho sudnistwa, kotrež
					běše zwjetša z ryćerkubłom zwjazane.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Gósćeńc abo kjarcma  za zarědowanja na jsy, wósebnje na pódzajtšu Łobja, pśedewšym w Górnej
					Łužycy. Kjarcma jo była až do srjejźi 19. stolěśa cesto sedło šołty z pšawom
					góspodowanja z piwom a winom a městno patrimonialnego sudnistwa, kótarež jo
					cesto było zwězane z kněskim dwórom.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Tavern or inn for events in the countryside, among others, East of the Elbe,
					especially in Upper Lusatia. In the middle of the 19th century, the Kretscham
					often served as the seat of the mayor tribunal equipped with the legal power to
					rule in excise licencing and a place of the patrimonial court, which was usually
					connected with a feudal estate.</p>
			</abstract>
			<textClass>
				<keywords>
					<term key="Gasthaus">Gasthaus</term>
					<term key="Mahlzeit">Mahlzeit</term>
					<term key="Getränk">Getränk</term>
					<term key="Gerichtsbarkeit">Gerichtsbarkeit</term>
					<term key="Braurecht">Braurecht</term>
					<term key="Herberge">Herberge</term>
				</keywords>
			</textClass>
		</profileDesc>
    </teiHeader>
    <text>
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			<div>
				<p>Wirtshaus oder Gasthof für Veranstaltungen auf dem Lande, v. a. östlich der Elbe, namentlich
					in der Oberlausitz (obersorb. <ex>korčma</ex>, niedersorb. <ex>kjarcma</ex>,
					poln. <ex>karczma</ex>, tschech. <ex>krčma</ex>). Der Kretscham war bis Mitte
					des 19. Jh. oft Sitz des mit der Schankgerechtigkeit ausgestatteten Schultheißen
					und Ort des Patrimonialgerichts, das meist mit einem Rittergut verbunden war
					(daher auch die Namen „Gerichtskretscham“ bzw. „Erbgericht“).</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Kretscham_01.jpg"
					/>Kretscham in Kunnersdorf, 2015; Quelle:
					https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Schoepstal_Kunnersdorf_Gerichtskretscham.jpg</p>
				<p>Der im Kretscham ansässige Erbrichter bzw. Gerichtshalter oder Schulze (Kretschmer)
					verantwortete vor der Feudalherrschaft die Anliegen der dörflichen Gemeinschaft,
					speziell die Pflichten der Verwaltung und der niederen Gerichtsbarkeit; er
					veranlasste die Erhebung von Steuern und Abgaben, sorgte für Einquartierung des
					Militärs, war zuständig für die Wartung öffentlicher Straßen und Gewässer. Zudem
					besaß er (begrenzt) die Rechte zum Bierbrauen und Branntweinbrennen, zum
					alleinigen Bier- und Branntweinausschank, zum Beherbergen von Reisenden sowie
					Backen und Schlachten. Ihm oblag die fremdenpolizeiliche Kontrolle der
					Reisepässe und die Anzeige verdächtiger Personen. Innerhalb der Gemeinde nutzte
					er das Privileg, <rs type="term" key="Hochzeit">Hochzeiten</rs> und Kindtaufen
					auszurichten, weshalb jede Hochzeitsgesellschaft nach der Trauung zum Bierzug in
					den Kretscham verpflichtet war.</p>
				<p>Materiell abgesichert war der Kretschmer durch ein großes Bauerngut, Anteile aus den
					erhobenen Geld- und Sachbußen sowie Einkommen aus Straßenausschank und
					Gasthausumsatz. Unterstützt und vertreten wurde er von Gerichtsschöffen, in der
						<rs type="term" key="Lausitz">Lausitz</rs> u. a. dann, wenn er die
					Dorfgerichte nicht in der sorbischen Umgangssprache führen konnte. Die
					Privatgerichtsbarkeit wurde 1877 in Deutschland endgültig abgeschafft.</p>
				<p>Lit.: W. Boelcke: Bauer und Gutsherr in der Oberlausitz, Bautzen 1957; H.
					Schuster-Šewc: Krajny sudniski stoł serbskeho wobkruha abo Fojtske wěco w
					Hodźiju, in: Rozhlad 56 (2006) 5; W. Wenzel: Slawische Zunamen aus Bezeichnungen
					für den Gastwirt im Deutschen. Unter besonderer Berücksichtigung des Sorbischen,
					in: Zunamen. Zeitschrift für Namenforschung 5</p>
			</div>
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    </text>
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