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				<title>Küche</title>
				<title xml:lang="deu">Küche</title>
				<title xml:lang="hsb">Kuchnja</title>
				<title xml:lang="dsb">Kuchnja</title>
				<title xml:lang="eng">Cuisine</title>
				<author>
					<persName key="ed_tb3_dp4_sjb">Rychtaŕ, Hync</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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				<keywords>
					<term key="Küche">Küche</term>
					<term key="Ernährung">Ernährung</term>
					<term key="Lebensmittel">Lebensmittel</term>
					<term key="Mahlzeit">Mahlzeit</term>
					<term key="Speise">Speise</term>
					<term key="Leinöl">Leinöl</term>
					<term key="Meerrettich">Meerrettich</term>
					<term key="Hochzeitssuppe">Hochzeitssuppe</term>
				</keywords>
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			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Gesamtheit von überlieferten Rezepten und Eigenarten der Speisenzubereitung einer Region.
					Eine einheitliche sorbische Küche im Sinne von „Kochkunst“ gibt es ebenso wenig
					wie eine spezifisch sorbische Esskultur.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Cyłk dale datych receptow a wosebitosćow přihotowanja jědźow wěsteho regiona. Jednotna
					serbska kuchnja w zmysle „kucharskeho wuměłstwa“ runje tak kaž specifiska
					serbska kultura jědźe njeeksistujetej.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Cełk traděrowanych receptow a wósebnosćow pśigótowanja jěze wěstego regiona. Njeeksistěrujo
					žedna jadnotna serbska kuchnja w zmysle „kuchaŕskego wuměłstwa“ a teke žedna
					specifiska serbska kultura jěze.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Totality of traditional recipes and peculiarities of the food preparation in a certain
					region. There is no uniform Sorbian cuisine in the sense of  ‘culinary Art’, nor
					is there any specific Sorbian food culture.</p>
			</abstract>
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				<p>Gesamtheit von überlieferten Rezepten und Eigenarten der Speisenzubereitung einer Region.
					Eine einheitliche sorbische Küche im Sinne von „Kochkunst“ gibt es ebenso wenig
					wie eine spezifisch sorbische Esskultur. Beides unterscheidet sich nicht
					grundsätzlich von den Sitten und Gebräuchen der deutschen Bevölkerung in den
						<placeName key="ed_lfk_nfp_c3b">Lausitzen</placeName>. Dennoch lassen sich,
					abgesehen von regionalen Besonderheiten, einige Gemeinsamkeiten finden, die man
					als sorbisch oder lausitzisch bezeichnen kann und die v. a. durch die
					natürlichen Gegebenheiten (Klima, Bodenbeschaffenheit, Landwirtschaft) geprägt
					sind. So ist die sorbische Küche in erster Linie eine Küche der bäuerlichen
					Landbevölkerung, die früher vorwiegend die einheimischen bzw. selbst
					produzierten Rohstoffe verwendete und diese meist schnell und einfach
					zubereitete. Feldfrüchte wie Getreide, Hirse, Buchweizen, Rüben und die gängigen
					Gemüsesorten, seit der zweiten Hälfte des 18. Jh. auch Kartoffeln, bildeten in
					vielen Varianten die Nahrungsgrundlage. Flachs bzw. Gemeiner Lein diente nicht
					nur der Faser-, sondern auch der Ölgewinnung. Fleisch und Fett aus eigener
					Tierhaltung (Rind, Schwein, Schaf, Ziege, Geflügel) sowie weitere tierische
					Produkte wie Eier, Milch, Quark und Käse lieferten wichtige Nährstoffe und
					bereicherten den Speiseplan, wurden jedoch – je nach der wirtschaftlichen
					Situation – eher sparsam eingesetzt. Lediglich bei Feiern wie <rs type="term"
						key="Hochzeit" ref="http://d-nb.info/gnd/4025292-9">Hochzeit </rs>oder
					Kindtaufe gab es überlieferte Menüs mit einem großen Angebot an traditionellen
					Speisen, z. B. Schwarze Suppe (aus dem Blut geschlachteter Tiere), und
					Getränken.</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2019/11/SKL-Küche_01.jpg"/>Rindﬂeisch mit Meerrettichsoße und Brot; Fotografin: Hana Schön,
					Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Die Zusammenstellung aus vorwiegend eigenen bzw. aus der Region stammenden pflanzlichen
					Nahrungsmitteln bei mäßiger Zugabe von Produkten tierischer Herkunft wie
					Schmalz, Speck oder Butter sowie Nutzung einheimischer Kräuter und Würzmittel
					macht die sorbische Küche zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährungsweise.
					Dabei wurde mit viel Fantasie und Kreativität eine Kochkultur entwickelt, die
					trotz bescheidener Mittel eine geschmackliche Vielfalt hervorbrachte und sich in
					den einzelnen Landstrichen namentlich durch regionaltypische Zutaten
					unterschied. So treten naturgemäß im <rs type="term" key="Spreewald" ref="-"
						>Spreewald</rs> Süßwasserfisch, Meerrettich und Gurke häufig auf, in der
					Heide neben einfachen Hirse- und Buchweizenvariationen auch Waldpilze und
					Beeren, gelegentlich Wild, in der Oberlausitz die typische Hochzeitssuppe mit
					Eierstand, als Hauptgericht gekochtes Rindfleisch mit Meerrettichsoße, „serbske
					neple“ (eine spezielle Art von Kartoffelsalat mit grünen Bohnen, Gurke und
					ausgelassenem Speck) oder Hefeplinsen.</p>
				<p>Zu Festtagen wie der <rs type="term" key="Kirmes" ref="http://d-nb.info/gnd/4163960-1"
						>Kirmes</rs> wird selbst gebackener Blechkuchen (obersorb. <ex>tykanc</ex>,
					niedersorb. <ex>tykańc</ex> ,mit Obst belegter Kuchen‘; niedersorb.
						<ex>mazańc</ex> ,mit Quark, Mohn u. a. bestrichener Kuchen‘) angeboten,
					wochentags ist pressfrisches Leinöl zu Quark mit Pellkartoffeln beliebt. Typisch
					für die Lausitz ist Leinöl mit Brot oder Brötchen und Zucker. Zur Konservierung
					von Lebensmitteln für den Winter nutzte man neben Einlagerung in Kellern und
					Mieten (Obst, Gemüse, Rüben, Kartoffeln) das Trocknen bzw. Dörren (Obst, Pilze)
					sowie das saure Einlegen und Einkochen von Obst, Gemüse, Fleisch und Wurst. Die
					beim Schweineschlachten nach überlieferten Rezepturen hergestellten Würste (z.
					B. Grütz-, Semmel- oder Leberwürste) mit diversen Füllungen wurden durch
					Räuchern bzw. Einkochen haltbar gemacht, Fleisch auch durch Einpökeln in
					Holzfässern.</p>
				<p>Mit der fortschreitenden <rs type="term" key="Industrialisierung"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4026776-3">Industrialisierung</rs> und
					Globalisierung des Lebensmittelhandels kamen bis dahin kaum bekannte Produkte
					wie Reis oder Seefisch, exotische Gewürze wie Safran, Zimt, Muskat oder Zutaten
					wie Rosinen, Mandeln und Zitronen hinzu, allmählich auch ganz neue Rezepte. So
					haben die bürgerlich-städtische (deutsche) Küche und internationale Einflüsse
					inzwischen einen Großteil der althergebrachten Speisen verdrängt, zumal diese
					häufig als Arme-Leute-Essen angesehen wurden. Eine gewisse Renaissance erleben
					sie in privaten Haushalten und in der Gastronomie, was durch den allgemeinen
					Trend zur Rückbesinnung auf das Eigene und auf regionale Tradition befördert
					wird. So gelangten etwa Holunder- und Biersuppe, Krautmauke und Kochkäse,
					Kürbiskompott und Quarkauflauf zu neuem Ansehen.</p>
				<p>Lit.: J. Radyserb-Wjela: Jědźnych tworow mjena z přimjenami, in: Časopis Maćicy Serbskeje
					1907; E. Schneeweis: Feste und Volksbräuche der Sorben, vergleichend
					dargestellt, Berlin 1953; H. Rychtaŕ/M. Starosta/I. Brankatschk: Sorbisches Haus
					– gastlicher Tisch. Originale Rezepte aus der sorbischen Bauernküche, 2. Aufl.,
					Bautzen, 1991; C. Lehmann-Enders: Kneedel, Leinöl und Quark. Ein kleiner Exkurs
					durch die Spreewälder Küche, Lübben 2003; G. Träger: Sorbische Küche,
					Spitzkunnersdorf 2013; Th. Lukaš: Warimy z Tomašom, Bautzen 2016.</p>
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