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			<titleStmt>
				<title>Lausitz</title>
				<title xml:lang="deu">Lausitz</title>
				<title xml:lang="hsb">Łužica</title>
				<title xml:lang="dsb">Łužyca</title>
				<title xml:lang="eng">Lusatia</title>
				<author>
					<persName key="ed_yhg_ftv_vhb">Blaschke, Karlheinz (1927-)</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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		<profileDesc>
			<textClass>
				<keywords>
					<term key="Milzener">Milzener</term>
					<term key="Lusizer">Lusizer</term>
					<term key="Besiedlung">Besiedlung</term>
					<term key="Landesgeschichte">Landesgeschichte</term>
					<term key="Westslawen">Westslawen</term>
					<term key="Lausitzer Kultur">Lausitzer Kultur</term>
					<term key="Bayerischer Geograph">Bayerischer Geograph</term>
				</keywords>
			</textClass>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Landschaft, die sich am westlichen Rand des ostmitteleuropäischen Raums in einer
					Nord-Süd- Länge von ca. 170 km und einer Breite von 120 km erstreckt. Ihre
					geografische Einheit ergibt sich durch die parallel verlaufenden Flüsse Spree
					und Neiße, die der Abdachung von den Bergketten im Süden zum Tiefland im Norden
					folgen.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Krajina, kotraž leži na zapadnej kromje wuchodosrjedźnoeuropskeho ruma z dołhosću
					někak 170 km wot sewjera do juha a šěrokosću 120 km. Jeje geografiska jednota
					wuchadźa z paralelnje běžaceju rěkow Sprjewja a Nysa, kotrejž sćěhujetej wot
					mjezy při horinach w juhu hač do nižinow w sewjeru.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Krajina, kótaraž se rozpśestrěwa na pódwjacornej kšomje
					pódzajtšnosrjejźnoeuropskego ruma z dłujkosću něźi 170 km wót pódpołnocy na
					pódpołdnjo a šyrokosću 120 km. Jeje geografiska jadnota wuchada z paralelnje
					běžeceju rěkowu Sprjewja a Nysa, kótarejž slědujotej pśirodny spad wót gór na
					pódpołdnju až do nižyny na pódpołnocy.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Territory that extends on the Western edge of the East-Central-European region in
					a North-South direction, with a length of about 170 km and a width of 120 km.
					Their geographic unity results from the parallelly running rivers Spree and
					Neisse, which follow the slope from the mountain ranges in the South to the
					lowlands in the North.</p>
			</abstract>
		</profileDesc>
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				<p>Landschaft, die sich am westlichen Rand des ostmitteleuropäischen Raums in einer Nord-Süd-
					Länge von ca. 170 km und einer Breite von 120 km erstreckt. Ihre geografische
					Einheit ergibt sich durch die parallel verlaufenden Flüsse <rs type="term"
						key="Spree" ref="-">Spree</rs> und Neiße, die der Abdachung von den
					Bergketten im Süden zum Tiefland im Norden folgen. Geologisch ist das Lausitzer
					Granitmassiv eines der größten Sedimentgebiete dieser Art in Mitteleuropa,
					einige Teile wurden im Tertiär durch vulkanische Aktivitäten geprägt. Doch
					bildet nicht die naturräumliche Gliederung die Grundlage für den
					landsmannschaftlichen Zusammenhalt, sondern die seit 1 000 Jahren nachweisbare
					Territorialgeschichte liefert die Hinweise auf eine innere Bindung dieser Region
					(→ <rs type="term" key="Geschichtsschreibung"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4020531-9">Geschichtsschreibung</rs>). Der Name
					Lausitz (obersorb. <ex>Łužica</ex>, niedersorb. <ex>Łužyca</ex>) geht zurück auf
					das altsorbische Wort ług ,Sumpfland, sumpfige Niederung‘, er meint heute beide
					Lausitzen. Die gewachsene Gemeinsamkeit zeigt sich in einer weithin
					einheitlichen politischen Vergangenheit, im internen Gefüge und in der lange
					Zeit gleichen staatlichen Zuordnung der Markgraftümer <placeName
						key="ed_e5l_q24_c3b">Oberlausitz</placeName> und <placeName
						key="ed_ts5_p24_c3b">Niederlausitz</placeName>. Ein wesentlicher Aspekt ist,
					dass sich hier das sorbische Volk zu einer eigenständigen historischen Größe
					entwickelt und das Land kulturell geprägt hat.</p>
				<p>Aus der Urgeschichte erwuchs in der Bronzezeit die Lausitzer Kultur, die als
					Kunstwort der Forschung erst seit dem späten 19. Jh. auftritt. Sie wurde nach
					bedeutenden Funden in der Niederlausitz benannt, dehnte sich aber bis weit in
					die Nachbargebiete Böhmen, Schlesien und Polen aus. Im letzten halben
					Jahrtausend v. Chr. überlagerten die von Norden zugewanderten Elb- und
					Odergermanen die Lausitzer Kultur, deren Träger wieder abwanderten. Auch die
					Germanen gerieten in den Sog der Völkerwanderung und zogen im 4. Jh. aus den
					Gebieten östlich der Saale Richtung Westen. Damit wurde die slawische <rs
						type="term" key="Besiedlung" ref="-">Besiedlung </rs>aus dem Osten
					ermöglicht. Seit dem 7. Jh. ist die Sesshaftigkeit slawischer Stämme in der
					Lausitz gewiss. Alle früheren Bewohner hatten sich nur eine begrenzte Zeit
					aufgehalten. Ihre Anwesenheit lässt sich mithilfe von Bodenfunden nachweisen,
					die kulturelle Hinterlassenschaft steht in keinem lebendigen Bezug zur
					Gegenwart. Die sorbische Einwanderung hingegen bildete den Beginn einer nicht
					mehr unterbrochenen Entwicklung.</p>
				<p>Die früheste schriftliche Nachricht über die politische Gliederung der Slawen in der Lausitz
					stammt aus dem sog. Bayerischen Geographen. Demzufolge gab es bei den <rs
						type="term" key="Milzener" ref="-">Milzenern</rs> in der späteren
					Oberlausitz und den <rs type="term" key="Lusizer" ref="-">Lusizern</rs> in der
					späteren Niederlausitz jeweils etwa 30 Burgen bzw. Burgbezirke (Civitates) als
					Mittelpunkte einer entstehenden Ordnung. Im Anschluss an den Heereszug des
					ostfränkischen <persName key="ed_bvx_vtv_vhb">Königs Heinrichs I.</persName>
					928/29 kam die Lausitz unter die Herrschaft des ostfränkischen Reiches. Sie
					wurde einer Militärverwaltung unterworfen, die das Land in Burgwarde
					gliederte.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Lausitz_01.jpg"/>Karte der Ober- und Niederlausitz, Kupferstich von J. Hübner, um
					1720</p>
				<p>Mit der Gründung des Bistums <placeName key="ed_ljt_hn3_vhb">Meißen</placeName>
					968 wurde das Land in die deutsche Reichskirche einbezogen. Pfarrkirchen wurden
					errichtet, die als Missionsstationen für die <rs type="term"
						key="Christianisierung" ref="http://d-nb.info/gnd/4121091-8"
						>Christianisierung</rs> der sorbischen Bevölkerung sorgten. Die geografische
					Gliederung der <rs type="term" key="Kirche" ref="http://d-nb.info/gnd/4030702-5"
						>Kirche</rs> lässt sich zwar erst aufgrund der Meißener Bistumsmatrikel von
					1495 feststellen, doch gilt die damalige Organisation auch für die Anfänge des
					Bistums. Demnach wurde bei der Schaffung der Kirchenorganisation um das Jahr
					1000 das Gebiet der Lausitz als eine eigenständige Ganzheit angesehen, die sich
					nach Westen hin vom markmeißnischen Land unterschied, während die Flüsse Bober
					und Queis als Grenze nach Osten galten. Bei der Ausbildung kirchlicher
					Verwaltungssprengel im hohen Mittelalter wurden die Stammeszugehörigkeiten
					durchaus beachtet.</p>
				<p>Die kirchliche Gliederung der Lausitz in einen nördlichen und einen südlichen
					Teil – Lusatia inferior (Niederlausitz) und Lusatia superior (Oberlausitz) –
					stand schon im späten Mittelalter fest, beide wurden später zu Archidiakonaten.
					Die Trennungslinie bildete der Lausitzer Grenzwall, der sich als flacher
					Höhenrücken zwischen <placeName key="ed_tt5_2y3_vhb">Senftenberg</placeName>,
						<placeName key="ed_bzp_xy3_vhb">Spremberg</placeName> und <placeName
						key="ed_dmv_jhj_d3b">Muskau</placeName> hinzieht. Historisch waren die
					politischen Ordnungen in beiden Lausitzen zeitweilig unterschiedlich, doch in
					ihren Grundzügen adäquat. Als ein am östlichen Rand des Reiches gelegenes Land
					galt die Niederlausitz als Marchia orientalis, als Ostmark, eine eigene
					Landesherrschaft aber konnte sich in keinem der beiden Teile ausbilden. Sie
					blieben in Verbindung mit benachbarten stärkeren Territorialgewalten, von wo aus
					fürstliche Dynastien ihre Zuständigkeit auf sie ausdehnten. Allmählich entstand
					die Gewohnheit, sie als Markgraftümer zu bezeichnen, um sie mit einem
					territorialen Ordnungsbegriff benennen zu können. Anstelle eines Landesherrn
					übten die Stände eine Art gemeinschaftlicher Herrschaft aus; das waren die
					Inhaber der Grundherrschaft, d. h. die Standesherren, der landsässige Adel, die
					Klöster und die landsässigen Städte, deren Vertreter sich auf den Landtagen
					versammelten und die Landespolitik bestimmten (→ <rs type="term"
						key="Ständeherrschaft" ref="-">Ständeherrschaft</rs>). In der
					Gleichartigkeit des politischen Gefüges bestand die Gemeinsamkeit der beiden
					Lausitzen im späten Mittelalter und in der Frühen Neuzeit.</p>
				<p>Eine weitere Klammer war die Zugehörigkeit zur böhmischen Krone. Nach wechselnder
					Zuordnung zu Meißen, Polen, Brandenburg und Schlesien vereinte <persName
						key="ed_xdw_mbc_d3b">Kaiser Karl IV.</persName> als böhmischer König 1377
					beide Länder, was bis zum Prager Frieden von 1635 so blieb. Beim Übergang an den
					Kurfürsten von Sachsen behielten sie ihre landständische Verfassung (→ <rs
						type="term" key="Traditionsrezess" ref="-">Traditionsrezess</rs>). So ragten
					sie mit einer mittelalterlichen, feudalrechtlich begründeten Ordnung ins frühe
					19. Jh. hinein. Von den Neuerungen, die die Nachbarländer auf dem Weg zum
					modernen Staat erfuhren, wurden sie nicht berührt, was die Nähe beider Länder
					weiter stärkte. Das Fehlen einer auf Zentralisierung gerichteten staatlichen
					Gewalt wirkte sich zudem förderlich für den Erhalt des sorbischen Ethnikums
					aus.</p>
				<p>Auf dem Wiener Kongress von 1815 erzwang die stets auf Ausdehnung bedachte preußische Politik
					die Angliederung der gesamten Niederlausitz und der nordöstlichen Hälfte der
					Oberlausitz. Nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands 1945 mussten die
					lausitzischen Gebiete östlich der Neiße an Polen abgetreten werden (→ <rs
						type="term" key="Östliche Lausitz" ref="-">Östliche Lausitz</rs>). Die
					Verwaltungsreform in der DDR 1952 bewirkte, dass im Bezirk <placeName
						key="ed_oyh_pkh_vhb">Cottbus</placeName> die historische Niederlausitz und
					der nördliche Streifen der Oberlausitz zusammengeschlossen wurden, die südliche
					Oberlausitz kam zum Bezirk <placeName key="ed_v45_yth_vhb">Dresden</placeName>.
					Während der <rs type="term" key="politische Wende" ref="-">politischen
						Wende</rs> von 1989 waren einige sorbische Politiker bestrebt, die gesamte
					Lausitz in einem eigenen Bundesland zu vereinen. Es setzte sich jedoch die alte
					Gliederung in Ober- und Niederlausitz mit der Zugehörigkeit zu Sachsen und
					Brandenburg erneut durch.</p>
				<p>Lit.: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands, Hg. E. Meynen/J.
					Schmithüsen, 9 Lieferungen, Bad Godesberg 1953 –1962; Geschichte der deutschen
					Länder. Die Territorien bis zum Ende des alten Reiches (Territorien-Ploetz, Band
					1), Hg. G. W. Sante, Würzburg 1964; H. Keller: Zwischen regionaler Begrenzung
					und universalem Horizont. Deutschland im Imperium der Salier und Staufer 1024
					bis 1250 (Propyläen Geschichte Deutschlands, Band 2), Berlin 1986; J. Fried: Der
					Weg in die Geschichte. Die Ursprünge Deutschlands bis 1024 (Propyläen Geschichte
					Deutschlands, Band 1), Berlin 1994; A. Frenzel: Lausitz grenzenlos. Augenblicke
					der Geschichte, Bautzen 2008; A. Frenzel: Lausitz rundum. Zwischen Rand und
					Mitte, Bautzen 2010.</p>
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