<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:telota="http://www.telota.de" xml:id="prov_pyc_jr1_jmb">
    <teiHeader>
        <fileDesc>
			<titleStmt>
				<title>Personennamen</title>
				<title xml:lang="deu">Personennamen</title>
				<title xml:lang="hsb">Wosobowe mjena</title>
				<title xml:lang="dsb">Wósobowe mjenja</title>
				<title xml:lang="eng">Personal Names</title>
				<author>
					<persName key="ed_vln_5rt_23b">Wenzel, Walter (1929-)</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
			</sourceDesc>
        </fileDesc>
		<profileDesc>
			<textClass>
				<keywords>
					<term key="Namenkunde">Namenkunde</term>
					<term key="Anthroponyme">Anthroponym</term>
					<term key="Oberlausitz">Oberlausitz</term>
					<term key="Niederlausitz">Niederlausitz</term>
					<term key="Sorbisch">Sorbisch</term>
					<term key="Slawisch">Slawisch</term>
					<term key="Sprachgeschichte">Sprachgeschichte</term>
					<term key="Familienname">Familienname</term>
				</keywords>
			</textClass>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Anthroponyme; übergeordneter Terminus für alle Arten von Benennungen menschlicher
					Individuen, d. h. für Rufname, Vorname, Beiname, Familienname, Spitzname
					usw.</p>
			</abstract>
		</profileDesc>
    </teiHeader>
    <text>
		<body>
			<div>
				<p>Anthroponyme (aus griech. <ex>ánthrōpos</ex> ,Mensch‘ und <ex>ónoma</ex>,
						<ex>ónyma</ex> ,Name‘); übergeordneter Terminus für alle Arten von
					Benennungen menschlicher Individuen, d. h. für Rufname, Vorname, Beiname,
					Familienname, Spitzname usw.</p>
				<p>Als die Vorfahren der Sorben in die Lausitz einwanderten (→ Besiedlung), besaß
					jeder von ihnen nur einen Rufnamen. Auch Übernamen konnten als Rufnamen
					fungieren. Viel häufiger dienten sie aber als Bei- und später als Familiennamen.
					Vollnamen setzen sich aus zwei Namengliedern zusammen, zwischen denen ein
					Bindevokal steht, z. B. <ex>Lubosław</ex>, aus urslaw. *<ex>ľubъ</ex> ,lieb‘ und
						*<ex>slava</ex> ,Ruhm, Ehre‘. Ihrer Grundbedeutung nach sind es Wunschnamen,
					denn sie sollten dem Neugeborenen Ruhm, Ehre, Kampfgeist, Sieg, Frieden oder
					sonstige positive Eigenschaften bescheren. Kurzformen entstanden durch Weglassen
					eines Namengliedes, wobei das verbliebene Glied mit einem oder zwei Suffixen
					versehen werden konnte, z. B. <ex>Luba</ex>, <ex>Lubik</ex>, <ex>Luboš</ex>,
						<ex>Luboško</ex>. Das Vorderglied ließ sich noch weiter kürzen, in diesem
					Fall zu <ex>Lu-</ex>, an das sich ein Suffix <ex>-ch</ex> oder <ex>-š</ex>
					anschloss, so bei <ex>Luch</ex> und <ex>Luš</ex>, durch ein zusätzliches Suffix
					erweitert zu <ex>Lušik</ex>, <ex>Lušk</ex> oder <ex>Luška</ex>. Übernamen
					hingegen sagen etwas aus über körperliche, geistige oder charakterliche
					Eigenheiten eines Menschen, seine Körpergröße, Haar- oder Hautfarbe, auffällige
					Körperteile usw., z. B. <ex>Małki</ex> ,Klein‘. Hier spielen auch Vergleiche mit
					Tieren eine Rolle, z. B. <ex>Kos</ex> ,Amsel‘, <ex>Rak</ex> ,Krebs‘.</p>
				<p>Nach der deutschen Eroberung (→ Unterwerfung) sowie mit der Entstehung von
					Städten, der Entwicklung von Handel und Gewerbe, schließlich mit der
					Vervollkommnung des Abgaben- und Steuersystems setzte sich die Tendenz durch,
					dem Rufnamen einen Beinamen hinzuzufügen, um die Identifizierung von
					gleichnamigen Personen zu gewährleisten. Damit war der entscheidende Schritt von
					der Einnamigkeit zur Zweinamigkeit vollzogen. Die ältesten
					Einwohnerverzeichnisse der Lausitz, so das Zinsregister des Klosters St.
					Marienstern (1374–1382), das Landregister Sorau/heute: Żary (Polen) (1381) und
					die Steuerlisten der Stadt Bautzen (1399–1408), führen eine Vielzahl von
					Personen mit einem Ruf- und einem Beinamen an. Im Laufe der Zeit konnte der
					Beiname vom Vater auf den Sohn übergehen und erblich werden, so entstanden
					Familiennamen. In größerer Anzahl sind sorbische Personennamen aus den Dörfern
					und Städten beider Lausitzen erst ab dem 15. Jh. in Abgabenverzeichnissen,
					Urbaren, Steuerregistern, Stadtbüchern usw. überliefert. Bei diesen Namen
					handelt es sich meist um Haus- und Hofnamen, die über Generationen an demselben
					Haus bzw. Hof hafteten; heiratete ein Fremder in einen solchen Hof ein, so
					übernahm er den Namen des vorherigen Besitzers. Erst in der zweiten Hälfte des
					18. Jh. erlangten die anfangs noch unfesten und unverbindlichen Beinamen bei
					allen Bevölkerungsschichten den offiziellen Status unveränderlicher und
					erblicher Familiennamen. Eine wichtige Rolle spielten dabei die Kirchenbücher,
					d. h. die Tauf-, Trau- und Sterberegister in den jeweiligen Pfarrämtern.</p>
				<p>Die sorbischen Familiennamen entwickelten sich aus ursprünglich slawischen,
					christlichen oder deutschen Rufnamen, aus Ortsnamen und Stammesnamen sowie aus
					sorbischen (darunter auch aus dem Deutschen entlehnten) Appellativen
					(Gattungsbezeichnungen). Die häufigsten Personennamenbasen bei Familiennamen aus
					slawischen Rufnamen sind <ex>Dom-</ex> (aus <ex>Domasław</ex> und ähnlichen
					Vollnamen), <ex>Lub-</ex> (aus <ex>Lubosław</ex> u. Ä.), <ex>Rad-</ex> (aus
						<ex>Radosław</ex> u. Ä.), <ex>Wel-</ex> (aus <ex>Welemił</ex> u. Ä.), bei
					den Familiennamen aus christlichen Rufnamen <ex>Han-</ex> und<ex> Jan-</ex> (aus
						<ex>Johannes</ex>), <ex>Kub-</ex> (aus <ex>Jacobus</ex>), <ex>Ben-</ex> (aus
						<ex>Benedictus</ex>), bei den Familiennamen aus deutschen Rufnamen
						<ex>Hajn-</ex> (aus <ex>Heinrich</ex>), <ex>Kun-</ex> (aus <ex>Konrad</ex>),
						<ex>Her-</ex> (aus <ex>Hermann</ex>). Zur Ableitung der Familiennamen
					dienten vor allem die Einzelsuffixe <ex>-ik</ex>, <ex>-iš</ex> und <ex>-ak</ex>
					sowie die Suffixverbindungen <ex>-š</ex> + <ex>-k</ex>-, <ex>-n</ex> +
						<ex>k-</ex>, <ex>-en</ex> + ’<ex>c</ex> (Letzeres besonders im
					Niedersorbischen). Zur Anwendung kamen hierbei laut Quellen des 14. bis 18. Jh.
					rund 75 verschiedene Einzelsuffixe und 120 Suffixkombinationen.</p>
				<p>Ihrer Grundmotivation nach lassen sich die sorbischen (wie auch die deutschen)
					Familiennamen in fünf Gruppen einteilen: 1. Familiennamen aus slawischen,
					christlichen und deutschen Rufnamen entstanden meist dadurch, dass dem Rufnamen
					einer Person der Rufname einer anderen, oft verwandten Person, in der Regel der
					des Vaters, hinzugefügt wurde, sodass hier eine patronymische Beziehung zum
					Ausdruck kam. So heißt in einer Quelle der Sohn des Andrej <ex>Christoph
						Andreick</ex> (mit Diminutivsuffix, also ,der kleine Andrej‘). – 2.
					Familiennamen nach der Herkunft kennzeichneten eine Person nach dem Ort, aus dem
					sie zugezogen war, z. B. niedersorb. <ex>Huraz</ex>, nach dem Dorf
						<ex>Huraz</ex>, dt. Auras. Herkunftsnamen in sorbischer Form sind sehr
					selten, die meisten beruhen auf eingedeutschten sorbischen oder deutschen
					Ortsnamen. Nur vereinzelt treten Herkunftsnamen mit dem Suffix <ex>-ski</ex>
					auf, so <ex>Salowski</ex> ,einer aus Salow, dt. Saalau‘. Dazu gehören im
					weiteren Sinne auch Familiennamen aus Stammes- und Völkernamen: <ex>Serbin</ex>,
						<ex>Sarban</ex>, <ex>Němc</ex>, <ex>Duč(k)</ex> ,Deutscher‘. – 3.
					Familienamen von nach einer Wohnstätte benannten Personen nach der Lage ihres
					Wohnsitzes in der Landschaft, in der Siedlung usw., z. B. <ex>Nagora</ex> (bei
					einer Anhöhe), <ex>Końcak</ex> (am Ende der Siedlung), <ex>Nugłyš(k)</ex> (im
					Winkel). – 4. Familiennamen nach dem Beruf, der sozialen Stellung, z. B.
					niedersorb. <ex>Kowal</ex>, obersorb. <ex>Kowar</ex> ,Schmied‘, niedersorb.
						<ex>Kjarcmaŕ</ex>, obersorb. <ex>Korčmar</ex> ,Gastwirt‘, obersorb.
						<ex>Krawc</ex>, niedersorb. <ex>Šlodaŕ</ex> ,Schneider‘. Aus
					Amtsbezeichnungen gingen hervor: <ex>Starosta</ex> ,(Dorf-)Ältester‘,
						<ex>Župan</ex> niedersorb. ,Vorstand der Bienenzüchter‘, obersorb.
					,Gaugraf‘, <ex>Šołta</ex> ,Schulze‘, niedersorb. <ex>Lenik</ex>, obersorb.
						<ex>Wićaz</ex> ,Lehmann‘. – 5. Familiennamen aus Übernamen: niedersorb.
						<ex>Carnak</ex>, <ex>-ik</ex>, <ex>-iš</ex>, obersorb. <ex>Čornak</ex>
					,Schwarz‘, <ex>Brodak</ex> ,Mann mit Bart‘, niedersorb. <ex>Głowac</ex>,
					obersorb. <ex>Hłowač</ex> ,Großkopf‘; nach Tierbezeichnungen: <ex>Baran</ex>
					,Widder, Schafbock‘, <ex>Kokot</ex> ,Hahn‘, <ex>Kozoł</ex> ,Ziegenbock‘, Sykora
					,Kohlmeise‘, niedersorb./obersorb. <ex>Cyž</ex>, obersorb. <ex>Čiž(ik)</ex>
					,Zeisig‘. Die zehn häufigsten Familiennamen in Quellen des 14. bis 18. Jh.
					lauten: niedersorb. <ex>Nowak</ex>, <ex>Kowal</ex>, <ex>Kosac</ex>,
						<ex>Juriš</ex>, <ex>Końcak</ex>, <ex>Budaŕ</ex>, <ex>Šejc</ex>,
						<ex>Pěšk</ex>, <ex>Bartuš</ex>, <ex>Bjeniš</ex>; obersorb. <ex>Nowak</ex>,
						<ex>Bartuš</ex>, <ex>Šołta</ex>, <ex>Hanuš</ex>, <ex>Pětšik</ex>,
						<ex>Kral</ex>, <ex>Wićaz</ex>, <ex>Jank</ex>, <ex>Pětš</ex>, <ex>Jenč</ex>.
					Viele Familiennamen kommen nur in einer bestimmten Gegend vor, bilden größere
					oder kleinere Areale und grenzen oft die obersorbischen gegen die
					niedersorbischen Namen- und Sprachlandschaft ab.</p>
				<p>Die sorbischen Vornamen beruhen fast alle auf christlichen und deutschen
					Rufnamen, denn nach der deutschen Eroberung (→ Christianisierung) übernahmen die
					meisten slawischen Rufnamen die Funktion von Haus- und Hofnamen, später von
					Familiennamen. In den historischen Quellen erscheinen oft: <ex>Jan</ex> (aus
						<ex>Johannes</ex>), <ex>Jurij</ex>, <ex>Juro</ex> (aus <ex>Georg</ex>),
						<ex>Matyj</ex> (aus <ex>Matthäus</ex> oder <ex>Matthias</ex>),
						<ex>Pawoł</ex> (aus <ex>Paulus</ex>), <ex>Pětš</ex> (aus <ex>Petrus</ex>),
						<ex>Beno</ex> (aus <ex>Benedictus</ex>), <ex>Kuba</ex>,<ex> -o</ex> (aus
						<ex>Jacobus</ex>), <ex>Brica</ex>, <ex>Frica</ex>, <ex>-ko</ex> (aus
						<ex>Fritz</ex>, <ex>Friedrich</ex>); als weibliche Vornamen: <ex>Hana</ex>
					(aus <ex>Anna</ex>), niedersorb. <ex>Hylža</ex>, obersorb. <ex>Hilža</ex> (aus
						<ex>Elisabeth</ex>), niedersorb. <ex>Kaśa</ex> (aus <ex>Katharina</ex>),
						<ex>Madlena</ex> (aus <ex>Magdalena</ex>), <ex>Orta</ex> (aus
						<ex>Dorothea</ex>). Im 20. Jh. fanden im obersorbischen Sprachgebiet v. a.
					Verwendung: <ex>Beno</ex>, <ex>Fryc(a, -o)</ex>, <ex>Frido</ex> (aus dt.
						<ex>Siegfried</ex>), <ex>Handrij</ex>, <ex>Hanso</ex>, <ex>Hinc(o)</ex>,
						<ex>Jan</ex>, <ex>Jurij</ex>, <ex>Juro</ex>, <ex>Maćij</ex>, <ex>Matej</ex>,
						<ex>Měrćin</ex>, <ex>Michał</ex>, <ex>Pawoł</ex>, <ex>Pětr</ex> und aus
					einem alten slawischen Rufnamen <ex>Měrko</ex>; weiblich <ex>Borbora</ex>,
						<ex>Greta</ex>, <ex>Hana</ex>, <ex>Hańža</ex>, <ex>Jana</ex>,
					<ex>Lejna</ex>, <ex>Liska</ex>, <ex>Marija</ex>, <ex>Róža</ex>, <ex>Ruta</ex>,
						<ex>Wórša</ex>, <ex>Wóršula</ex>, <ex>Zuza</ex>. Daneben tragen Sorben auch
					deutsche Rufnamen, so <ex>Dietrich</ex>, <ex>Helmut</ex> usw. Im Familien- und
					Freundeskreis gebraucht man oft Verkleinerungs- und Koseformen:
					<ex>Jank(o)</ex>, <ex>Jurk(o)</ex>, <ex>Měrćink</ex>; weibl. <ex>Hańžka</ex>,
						<ex>Hanka</ex>, <ex>Janka</ex>, <ex>Lenka</ex>, <ex>Zuzanka</ex>. Hinzu
					kamen in neuerer Zeit Vornamen aus dem Englischen (<ex>Mike</ex>,
					<ex>Peggy</ex>), dem Französischen (<ex>André</ex>, <ex>Denise</ex>) u. a.
					Modenamen.</p>
				<p>Der Gesamtname, d. h. der Vorname zusammen mit dem Familiennamen, kann in zwei
					phonematisch-graphematischen Formen auftreten: In sorbischer Lautung in der
					mündlichen Kommunikation und schriftlich im sorbischen Schrifttum, in deutscher
					Lautgestalt im deutsch geführten Gespräch und in deutscher Schreibung im
					deutschen Schriftverkehr. So können Namenpaare wie <ex>Hinc Šewc</ex> und
						<ex>Heinz Schuster</ex> entstehen. Dabei beruht <ex>Šewc</ex> oder
						<ex>Schuster</ex> auf Übersetzung, und <ex>Hinc</ex> ist die sorabisierte
					Form von <ex>Heinz</ex>. Manchmal werden, besonders bei Vertretern der
					sorbischen Intelligenz, beide Familiennamenformen kombiniert:
						<ex>Schuster-Šewc</ex>, <ex>Scholze-Šołta</ex>. In Abhängigkeit von der
					Kommunikationssituation kann ein und dieselbe Person <ex>Kowar</ex> oder
						<ex>Schmidt</ex>, <ex>Wićaz</ex> oder <ex>Lehmann</ex> heißen. Bei der
					Integrierung sorbischer Personennamen ins Deutsche kam es zum Teil zu tief
					greifenden Veränderungen in der Lautung und Schreibung, so wurde obersorb.
						<ex>Krawc</ex> als <ex>Krautz</ex> eingedeutscht, <ex>Zahrodnik</ex> als
						<ex>Sarodnig</ex> oder <ex>Sarodnick</ex>, <ex>Smoła</ex> als
						<ex>Schmolle</ex> oder <ex>Schmole</ex>, niedersorb. <ex>Kśišank</ex>,
					obersorb. <ex>Křižank</ex> als <ex>Zschieschang</ex>, niedersorb. <ex>Kowal</ex>
					als <ex>Koal</ex> usw. Die deutschen Namenformen sind überwiegend die
					offiziellen Namen und stehen im Ausweis. (→ Sorbengesetze) Das deutsche
					Namenrecht lässt nur eine Variante zu, z. B. <ex>Krautz</ex> oder
					<ex>Krawc</ex>.</p>
				<p>Im Unterschied zum Deutschen erfolgt im Sorbischen eine spezielle Kennzeichnung
					von Frauen, Söhnen, Töchtern sowie der gesamten Familie mithilfe von Suffixen:
					Der Familienname der Frau wird vom Familiennamen des Mannes mithilfe der
					Movierungssuffixe <ex>-owa</ex>, <ex>-ina</ex> bzw. <ex>-yna</ex> abgeleitet,
					umgangssprachlich oft mit <ex>-ka</ex>: <ex>Hana Nowakowa</ex>,
					<ex>Šołćina</ex>, niedersorb. <ex>Šołśina</ex> (von <ex>Šołta</ex>), niedersorb.
						<ex>Nowcyna</ex> (von <ex>Nowka</ex>), obersorb. <ex>Wjeńcyna</ex> (von
						<ex>Wjeńka</ex>), neben <ex>Budarjowa</ex> umgangssprachlich auch
						<ex>Budarka</ex> (von <ex>Budar</ex>). Die Familiennamen der Söhne und der
					verheirateten Frauen werden in der Umgangssprache im Obersorbischen mit den
					patronymischen Suffixen <ex>-ec</ex> (aus *<ex>-owic</ex> oder *<ex>-ewic</ex>)
					oder <ex>-ic</ex> gebildet, wenn der Vorname nach dem Familienname steht, z. B.
						<ex>Janakec Pětr</ex>, <ex>Wjeselic Měrćin</ex>, offiziell <ex>Pětr
						Janak</ex>, <ex>Měrćin Wjesela</ex> bzw. <ex>Šołćic Hańža</ex>, <ex>Kubašec
						Marja</ex>, offiziell <ex>Hańža Šołćina</ex>, <ex>Marja Kubašowa</ex>. Bei
					Töchtern werden diese Suffixe auch in der Standardsprache gebraucht: <ex>Marja
						Domaškec</ex>, <ex>Leńka Šołćic</ex>. Im Niedersorbischen sind bei
					Mädchennamen <ex>-ojc</ex> bzw. <ex>-ejc</ex> sowie -<ex>ic</ex> bzw.
						<ex>-yc</ex> üblich: <ex>Hanka Starikojc</ex>, <ex>Kowalejc</ex>,
						<ex>Šołśic</ex>, <ex>Lažcyc</ex> (von <ex>Lažki</ex>). Jungennamen haben im
					Niedersorbischen die possessive Adjektivform auf <ex>-owy</ex>, <ex>-iny</ex>
					bzw. <ex>-yny</ex>: <ex>Měto Nowakowy</ex>, <ex>Šołśiny</ex>, <ex>Lanzyny</ex>
					(von <ex>Langa</ex>). Die gesamte Familie wird im Niedersorbischen mit
						<ex>-owe</ex>, <ex>-ine</ex> bzw. <ex>-yne</ex> oder <ex>-ojc</ex> bzw.
						<ex>-ejc</ex>, <ex>-ic</ex> bzw. <ex>-yc</ex> gekennzeichnet
						(<ex>Nowakowe</ex>, <ex>Šołśine</ex>, <ex>Starikojc</ex>, <ex>Kowalejc</ex>
					,Die Nowaks‘, d. h. ,die Familie Nowak‘), im Obersorbischen mit <ex>-ec</ex>
					bzw. <ex>-ic</ex> (<ex>Nawkec</ex>, <ex>Šołćic</ex>).</p>
				<p>Lit.: E. Muka: Słownik dolnoserbskeje rěcy a jeje narěcow, Band III, Pśidanki,
					Prag 1928, darin: M´eńa ds. swójźbow a domow/Die niedersorbischen Familiennamen;
					W. Wenzel: Studien zu sorbischen Personennamen, Band I, II/1, II/2, III, Bautzen
					1987, 1991, 1992, 1994; M. Starosta: Niedersorbisch schnell und intensiv 2,
					Bautzen 1992; E. Rzetelska-Feleszko: Serbske mjenja a pomjenowanja, in:
					Serbšćina. Najnowsze dzieje języków słowiańskich, Red. H. Faska, Opole 1998; W.
					Wenzel: Lausitzer Familiennamen slawischen Ursprungs, Bautzen 1999; W. Wenzel:
					Niedersorbische Personennamen aus Kirchenbüchern des 16. bis 18. Jahrhunderts,
					Bautzen 2004.</p>
			</div>
		</body>
    </text>
</TEI>