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				<title>Phraseologie</title>
				<title xml:lang="deu">Phraseologie</title>
				<title xml:lang="hsb">Frazeologija</title>
				<title xml:lang="dsb">Frazeologija</title>
				<title xml:lang="eng">Phraseology</title>
				<author>
					<persName key="ed_rgb_stb_f3b">Wölkowa, Sonja (1956-)</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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				<keywords>
					<term key="Sorbisch">Sorbisch</term>
					<term key="Niedersorbisch">Niedersorbisch</term>
					<term key="Obersorbisch">Obersorbisch</term>
					<term key="Sprichwort">Sprichwort</term>
					<term key="Redensart">Redensart</term>
				</keywords>
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			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Bestand der Phraseologismen einer Sprache, gleichzeitig Bezeichnung für die
					sprachwissenschaftliche Disziplin, die sich mit ihnen beschäftigt.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Wobstatk frazeologizmow wěsteje rěče, zdobom pomjenowanje rěčespytneje
					discipliny, kotraž so z nimi zaběra.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Wobstatk frazeologizmow wěsteje rěcy, zrazom pomjenjenje za rěcywědnu disciplinu,
					kótaraž se z nimi zaběra.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Consist of the phraseologies of a language, at the same time designation for the
					linguistic discipline that deals with them.</p>
			</abstract>
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				<p>Bestand der Phraseologismen einer Sprache, gleichzeitig Bezeichnung für die
					sprachwissenschaftliche Disziplin, die sich mit ihnen beschäftigt.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Phraseologie_01.jpg"/>Obersorbisch-deutsch-russisches phraseologisches Wörterbuch,
					Domowina-Verlag 2004</p>
				<p>Phraseologismen sind Redewendungen, die aus mehr als einem Wort bestehen und in einer relativ
					festen Form mit einer vollständig oder partiell idiomatischen Gesamtbedeutung
					lexikalisiert sind. Der idiomatische Charakter eines Phraseologismus äußert sich
					darin, dass seine Gesamtbedeutung nicht regulär nach den syntaktischen
					Kombinationsregeln aus den Bedeutungen der Bestandteile ableitbar ist, oft ist
					sie bildhaft oder übertragen. Typisch für die Bedeutung der meisten
					Phraseologismen ist ihr expressiver, stilistisch markierter Charakter. Den Kern
					der Phraseologie bilden satzgliedwertige Phraseologismen (z. B. obersorb.<ex>
						nócny hawron</ex>, wörtlich ,nächtliche Saatkrähe‘, übertragen
					,Nachtschwärmer‘; niedersorb.<ex> ptaškowa riś</ex>, wörtlich ,Vogelarsch‘,
					übertragen ,Angsthase‘), im weiteren Sinne gehören dazu auch sog. kommunikative
					Phraseologismen wie z. B. Gruß- und Wunschformeln (obersorb. <ex>pomhaj
					Bóh</ex>; <ex>daj sej słodźeć</ex>; niedersorb. <ex>dobre zajtšo</ex>; <ex>Bog
						daj gluku</ex>) und <rs type="term" key="Sprichwort" ref="-"
						>Sprichwörter</rs> (z. B. obersorb. <ex>Bjez prócy a potu njepřińdźeš k
						złotu</ex>, wörtlich ,Ohne Mühe und Schweiß kommst du nicht zum Gold‘ =
						<ex>Ohne Schweiß kein Preis</ex>; niedersorb <ex>Druga ruka</ex> – <ex>druga
						gluka</ex>, wörtlich ,Andere Hand – anderes Glück‘ =<ex> Neues Spiel – neues
						Glück</ex>).</p>
				<p>Sorbische Phraseologismen wurden erstmals in der niedersorbischen Grammatik von <persName
						key="ed_aqz_vlp_c3b">Johann Gottlieb Hauptmann</persName> (1761) in einer
					Sammlung zusammengestellt, wobei die einzelnen Typen noch nicht unterschieden
					sind und die Sprichwörter überwiegen. Bedeutende Sammler von obersorbischen
					Phraseologismen waren <persName key="ed_vkv_nwx_vhb">Handrij Zejler</persName>,
						<persName key="ed_lxx_s5v_c3b">Jakub Buk</persName> („Časopis Maćicy
					Serbskeje“ 1953/54, 1856/57, 1862), <persName key="ed_mhc_jnv_vhb">Jan Arnošt
						Smoler</persName> („Volkslieder der Wenden in der Ober- und Nieder-Lausitz“,
					1841/43) und <persName key="ed_dbh_ngr_d3b">Jan Wjela-Radyserb</persName>
					(Sammlungen im „Časopis Maćicy Serbskeje“, „Metaforiske hrona abo přenoški a
					přirunanki w rěči Hornjołužiskich Serbow“ – Metaphorische Ausdrücke oder
					Übertragungen und Vergleiche in der Sprache der Oberlausitzer Sorben, 1905).
					Überwiegend Sprichwörter, aber auch zahlreiche Phraseologismen enthält
					Wjela-Radyserbs Sammlung „Přisłowa a přisłowne hrónčka a wusłowa Hornjołužiskich
					Serbow“ (Sprichwörter und sprichwörtliche Redensarten und Wendungen der
					Oberlausitzer Sorben, 1902, bearbeitete Neuausgabe 1997). Ein dreisprachiges
					obersorbisch-deutsch-russisches phraseologisches Wörterbuch von <persName
						key="ed_wl4_ptb_f3b">Anatolij Ivčenko</persName> und <persName
						key="ed_rgb_stb_f3b">Sonja Wölkowa</persName> mit ca. 3 600
					satzgliedwertigen Phraseologismen erschien 2004 („Hornjoserbski frazeologiski
					słownik“, Internetversion unter www.serbski-institut.de). Niedersorbische
					Phraseologismen wurden in neuerer Zeit nicht in eigenständigen Sammlungen
					publiziert, niedersorbisches Sprichwortmaterial enthält jedoch das „Sorbische
					Sprichwörterlexikon“ von <persName key="ed_rjf_wtb_f3b">Susanne Hose</persName>
					(1996). Satzgliedwertige niedersorbische Phraseologismen sind in allgemeinen
					niedersorbischen Wörterbüchern enthalten, ein Grundbestand von ca. 200
					niedersorbischen Phraseologismen ist bei <persName key="ed_prl_rkm_23b">Herbert
						Nowak</persName> („Gutes Niedersorbisch. Powědamy dolnoserbski“, 1988)
					zusammengetragen. Der Bestand der niedersorbischen Phraseologismen ist insgesamt
					noch ungenügend erforscht.</p>
				<p>Sowohl die obersorbische als auch die niedersorbische Phraseologie weisen
					zahlreiche Gemeinsamkeiten mit der deutschen auf. Einerseits kann es sich um
					parallele Bildungen handeln, die auch in zahlreichen weiteren Sprachen
					nachweisbar sind: obersorb. <ex>wuši nastajeć</ex>, niedersorb. <ex>wušy
						póstajaś</ex> = <ex>die Ohren spitzen</ex> (vgl. englisch <ex>prick up one’s
						ears</ex>, französisch <ex>pointer les oreilles</ex>; russisch
						<ex>навострить уши</ex>).</p>
				<p>Andererseits können ähnliche Phraseologismen auf eine gemeinsame literarische Quelle
					zurückgehen. Auf die Bibel (→ <rs type="term" key="Bibelübersetzung" ref="-"
						>Bibelübersetzungen</rs>) sind z. B. zurückzuführen: obersorb. <ex>falšni
						profeća</ex>, niedersorb. <ex>wopacne profety</ex> = <ex>falsche
						Propheten</ex> (Matthäus 24,11); obersorb. <ex>někoho na rukomaj
						njesć/nosyć</ex> = <ex>jemanden auf Händen tragen</ex> (Psalm 91,12).</p>
				<p>In der andauernden Kontaktsituation des <rs type="term" key="Obersorbisch"
						ref="http://d-nb.info/gnd/4120294-6">Ober-</rs> und <rs type="term"
						key="Niedersorbisch" ref="http://d-nb.info/gnd/4120286-7"
						>Niedersorbischen</rs> mit dem Deutschen konnte jedoch auch eine
					gegenseitige Beeinflussung der Phraseologie nicht ausbleiben, unter den
					Bedingungen der Dominanz des Deutschen vor allem in deutsch-sorbischer Richtung.
					Dabei handelt es sich meist nicht um direkte Entlehnungen (vgl. aus dem
					Lateinischen <ex>nolens volens</ex>, auch im Obersorbischen nachweisbar, neben
						lehnübersetztem<ex> chcyjo nochcyjo</ex>), sondern um Lehnübersetzungen
					deutscher Redewendungen: z. B. obersorb. <ex>režiju wjesć</ex> = <ex>Regie
						führen</ex>; obersorb. <ex>nós połny měć</ex>, niedersorb. <ex>měś nos
						połny</ex> = <ex>die Nase voll haben</ex>. Dieses Verfahren lässt sich
					jedoch nur anwenden, wenn die bildhafte Motivation des Phraseologismus
					nachvollziehbar ist. Lehnübersetzungen von Phraseologismen, die in der
					Ausgangssprache keine durchsichtige Motivation haben, sind fehlerhaft und
					inakzeptabel <ex>(auf den Strich gehen</ex> > *<ex>na smužku chodźić</ex>). Vom
					Standpunkt der Sprachkultur wird die stetige Vermehrung phraseologischer
					Lehnübersetzungen oft kritisch als Überfremdung gesehen (→ <rs type="term"
						key="Wortschatz" ref="http://d-nb.info/gnd/4126555-5">Wortschatz</rs>).
					Tatsächlich ist die Verbreitung von Phraseologismen durch Lehnübersetzung ein
					produktives Mittel der Erweiterung und Erneuerung der Phraseologie auch in
					anderen Sprachen, ihre pauschale Ablehnung ist als Ausdruck des <rs type="term"
						key="Sprachpurismus" ref="http://d-nb.info/gnd/4132677-5"
						>Sprachpurismus</rs> einzuschätzen.</p>
				<p>Gemeinsamkeiten bestehen darüber hinaus mit der Phraseologie der anderen slawischen Sprachen.
					Entsprechungen in allen westslawischen und den meisten südslawischen Sprachen
					hat z. B. der Phraseologismus obersorb. <ex>swjatk a pjatk</ex>, niedersorb.<ex>
						swětki a pětki</ex>, wörtlich ,am Feiertag und am Freitag‘, übertragen
					,jeden Tag, tagein, tagaus‘ (vgl. polnisch <ex>w świątek i piątek</ex>,
						tschechisch<ex> jak v pátek tak svátek</ex>, slowakisch <ex>na sviatok i na
						piatok</ex>, slowenisch <ex>petek in svetek</ex>, kroatisch <ex>svetkom i
						petkom</ex>, <ex>petak i svetak</ex>).</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Phraseologie_02.jpg"/>Illustrierte Ausgabe obersorbischer Redewendungen,
					Domowina-Verlag 2009</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Phraseologie_03.jpg"
					/>Das obersorbische phraseologische Wörterbuch als <ref
						target="https://www.serbski-institut.de/de/Obersorbisches-phraseologisches-Woerterbuch/"
						>Online-Publikation</ref> auf der Webseite des Sorbischen Instituts </p>
				<p>Daneben gibt es zahlreiche spezifisch sorbischen Phraseologismen ohne direkte Parallelen zu
					anderen Sprachen, z. B. niedersorb. <ex>měś brjogi a stogi něcogo</ex>, wörtlich
					,Ufer und Heuschober von etwas haben‘, übertragen ,etwas in Hülle und Fülle
					haben‘ oder obersorb. <ex>někomu w hembjerkach šeri</ex>, wörtlich ,bei jemandem
					spukt es im Gebälk‘, übertragen ,jemand ist nicht ganz richtig im Oberstübchen‘.
					Darin können u. a. Besonderheiten der sorbischen Volkskultur oder lokale
					Gegebenheiten fixiert sein. Eine sorbische Sagengestalt (→ <rs type="term"
						key="Sage" ref="-">Sagen</rs>) ist z. B. der Hintergrund für die Redewendung
					obersorb. <ex>zmija měć</ex>, niedersorb. <ex>plona měś</ex>, wörtlich ,einen
					Drachen haben‘, übertragen ,wirtschaftlich (erstaunlich) gut situiert sein‘ –
					der <ex>zmij</ex> bzw. <ex>plon</ex> als Sagengestalt beschenkt seinen Wirt mit
					Milch, Geld oder Getreide. Ähnliches gilt für obersorb.<ex> so prašeć kaž
						připołdnica</ex>, niedersorb. <ex>pšašaś se ako pśezpołdnica</ex>, wörtlich
					,fragen wie eine Mittagsfrau‘, übertragen ,unaufhörlich, lästig Fragen stellen‘
					– wer der Mittagsfrau in der Sage begegnet, muss eine volle Stunde über ein
					Thema sprechen, sonst droht ihm der Tod. Andere Phraseologismen enthalten lokale
					Ortsnamen, sie basieren oft auf den lokalen Charakteristika, vgl. obersorb.
						<ex>w něčim sedźeć kaž Malešecy w błóće</ex>, wörtlich ,in etwas sitzen wie
					Malschwitz im Schlamm‘, übertragen<ex> in der Patsche sitzen</ex> – Motivation
					ist die Lage des Dorfes Malschwitz in der Oberlausitzer Teichlandschaft, sowie
					niedersorb. historisch <ex>pśez Tocke byś</ex>, wörtlich ,über das Totzkefließ
					sein‘, übertragen ,entkommen sein‘ – das Totzkefließ war Teil der
					sächsisch-preußischen Grenze. Auch die spezifische Situation der Binationalität
					der Lausitz widerspiegelt sich in der sorbischen Phraseologie, vgl. obersorb.
						<ex>někomu Němc na hubu bije</ex>, wörtlich ,jemandem schlägt der Deutsche
					auf den Mund‘, übertragen ,jemand spricht mit deutschem Akzent‘ (→ <rs
						type="term" key="Interferenz" ref="-">Interferenz</rs>). Für weitere
					phraseologische Spezifika lässt sich die Motivation nicht rekonstruieren, vgl.
					z. B. obersorb. <ex>někoho je koza liznyła</ex>, wörtlich ,jemanden hat die
					Ziege geleckt‘, übertragen ,jemand ist enttäuscht worden, erfolglos geblieben‘
					oder obersorb. <ex>mydło wjezć</ex>, wörtlich ,Seife fahren‘, übertragen ,sich
					erfolglos entfernen, Leine ziehen‘.</p>
				<p>Lit.: S. Wölke: Verbale Phraseme im Obersorbischen. Untersuchungen zur Valenz und
					Struktur, Bautzen 1992; A. Ivčenko/S. Wölke: Hornjoserbski frazeologiski
					słownik. Obersorbisches phraseologisches Wörterbuch. Верхнелужицкий
					фразеологический словарь, Budyšin 2004; A. Ivčenko: Staw a perspektiwy slědźenja
					na polu serbskeje frazeologije, in: Lětopis 53 (2006) 2.</p>
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