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				<title>Spracherwerb</title>
				<title xml:lang="deu">Spracherwerb</title>
				<title xml:lang="hsb">Přiswojenje rěče</title>
				<title xml:lang="dsb">Pśiswójenje rěcy</title>
				<title xml:lang="eng">Language Acquisition</title>
				<author>
					<persName key="ed_itb_y4c_r3b">Budarjowa, Ludmila (1949-)</persName>
				</author>
				<author>
					<persName key="ed_csb_swn_q3b">Šołćina, Jana (1964-)</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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				<keywords>
					<term key="Zweisprachigkeit">Zweisprachigkeit</term>
					<term key="Vorschule">Vorschule</term>
					<term key="Schule">Schule</term>
					<term key="Bildung">Bildung</term>
					<term key="Erstsprache">Erstsprache</term>
					<term key="Zweitsprache">Zweitsprache</term>
					<term key="Familie">Familie</term>
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			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Prozess des Erlernens einer Sprache, der das Aneignen von vier sprachlichen
					Grundkompetenzen beinhaltet: Verstehen und Sprechen (mündliche kommunikative
					Fertigkeiten werden primär erworben), Lesen und Schreiben (folgen gewöhnlich zu
					einem späteren Zeitpunkt in der Schule).</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Proces přirodneho wuknjenja rěče, kotryž wopřimuje přiswojenje štyrjoch
					zakładnych rěčnych kompetencow: zrozumjenje a rěčenje (ertne komunikatiwne
					kmanosće so primarnje přiswoja), čitanje a pisanje (sćěhuja normalnje pozdźišo w
					šuli).</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Proces pśirodnego wuknjenja rěcy, ako wopśimjejo pśiswójenje styrich zakładnych
					rěcnych kompetencow: rozměśe a powědanje (wustne komunikatiwne zamóžnosći se
					primarnje pśiswóje), cytanje a pisanje (slědujotej zwětšego pózdźej w šuli).</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Process of learning a language that involves the acquisition of four basic
					linguistic skills: understanding and speaking (oral communicative skills are
					primarily acquired), reading and writing (usually, at a later stage in
					school).</p>
			</abstract>
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				<p>Prozess des Erlernens einer Sprache, der das Aneignen von vier sprachlichen
					Grundkompetenzen beinhaltet: Verstehen und Sprechen (mündliche kommunikative
					Fertigkeiten werden primär erworben), Lesen und Schreiben (folgen gewöhnlich zu
					einem späteren Zeitpunkt in der Schule). Erwachsene können alle Grundkompetenzen
					parallel erwerben. Aufgrund des Status bzw. der Reihenfolge des Spracherwerbs
					unterscheidet man den Erwerb als Muttersprache (Erstsprache, L1), Zweitsprache
					(L2) oder Fremdsprache (Ln). Nach dem Zeitpunkt des Erwerbs einer zweiten
					Sprache unterscheidet man simultanen bzw. parallelen (bis zum Alter von zwei
					bzw. drei Jahren), frühen (im Alter von zwei bzw. drei bis acht Jahren) und
					späten Erwerb der Zweitsprache (ab acht Jahren).</p>
				<p>Der natürliche (ungesteuerte) Erwerb des Sorbischen als Mutter- bzw. Zweitsprache
					erfolgt in der Familie oder in Kindertagesstätten, der institutionelle
					(gesteuerte) Spracherwerb als Fremdsprache dagegen in der Schule. Der frühe
					Zweitspracherwerb weist viele Parallelen zum Erstspracherwerb auf. Mit
					zunehmendem Alter und fortschreitender kognitiver Entwicklung verändern sich
					Lernstrategien, Interessen und Motive. Nach neuesten Erkenntnissen der
					Hirnforschung greift der/die Lernende insbesondere beim frühen
					Zweisprachenerwerb auf bestehende Strukturen (neuronale Vernetzungen) zurück,
					was messbare Vorteile für die intellektuelle Entwicklung des Kindes mit sich
					bringt.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Spracherwerb_01.jpg"/>Logo der sorbischen Bildungsstätte für Erwachsene 1947-1953 </p>
				<p>Muttersprachlicher Spracherwerb des Sorbischen findet heute vorwiegend im sog.
					obersorbischen Kerngebiet statt (→ <rs type="term" key="katholische Region"
						ref="-">katholische Region</rs>), er ist wegen sinkender Geburtenzahlen und
					dem Wegzug v. a. junger Familien jedoch stark rückläufig. Weitere Ursachen für
					den Rückgang sind die steigende Zahl von Elternhäusern, in denen ein Partner das
					Sorbische nicht beherrscht (gemischtsprachige Ehen) und in denen das Deutsche
					als Familiensprache dominiert, sowie die wachsende Präsenz des Deutschen im
					gesellschaftlichen Leben, etwa in den Medien. Im übrigen sorbischen Sprachgebiet
					der <placeName key="ed_e5l_q24_c3b">Ober-</placeName> und <placeName
						key="ed_ts5_p24_c3b">Niederlausitz</placeName> erfolgt bis auf wenige
					Ausnahmen der Spracherwerb des Sorbischen zeitlich versetzt als Zweitsprache in
					den Witaj-Kindertagesstätten mithilfe der Immersionsmethode (→ <rs type="term"
						key="Witaj-Modellprojekt" ref="-">Witaj-Modellprojekt</rs>). Je nach
					Voraussetzungen findet im Bereich der Vorschule die totale (vollständige) oder
					die partielle (teilweise) Immersion Anwendung. Die Ergebnisse von
					Sprachstandserhebungen in Kindertagesstätten (2005–2008) belegen, dass für den
					Spracherwerb des Sorbischen die Anwendung der totalen Immersion am effektivsten
					ist. Dabei ist unter den Bedingungen der Witaj-Kindertagesstätten (hoher, bis
					100%iger Anteil von Kindern, für die das Sorbische nicht Muttersprache ist) bei
					der Zweitsprache mit einer langen rezeptiven Erwerbsphase zu rechnen, der sich
					nach ca. zwei Jahren die produktive Phase anschließt. Bei einzelnen Kindern kann
					in überwiegend sorbischen Kindertagesstätten der Übergang zur aktiven
					Sprachproduktion schneller eintreten.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Spracherwerb_02_1.jpg"/>
					<graphic
						url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Spracherwerb_02_2.jpg"
					/>Obersorbische Kinderenzyklopädie, Domowina-Verlag 1964</p>
				<p> </p>
				<p>An Schulen im katholischen obersorbischen <rs type="term" key="Siedlungsgebiet" ref="-"
						>Siedlungsgebiet</rs> wird für den Spracherwerb des Sorbischen die
					schulartübergreifende pädagogische Konzeption „2plus“ angewandt. Danach werden
					Kinder mit sorbischer und nicht sorbischer Muttersprache zwecks koordinierten
					Spracherwerbs in gemeinsamen Klassen und Gruppen unterrichtet. Durch die
					Verknüpfung von Sprach- und Sachlernen wird auch im sorbischen und bilingualen
					Sach- bzw. Fachunterricht oder im Rahmen einzelner bilingualer Module das
					Sorbische als Unterrichtssprache verwendet. An Schulen im niedersorbischen
					Siedlungsgebiet wird in Fortführung des Witaj-Modellprojekts an ausgewählten
					Schulen, z. B. am Niedersorbischen Gymnasium in <placeName key="ed_oyh_pkh_vhb"
						>Cottbus</placeName>, neben sorbischem Sprachunterricht auch bilingualer
					Sach- bzw. Fachunterricht erteilt. Außerdem wird an weiteren Schulstandorten das
					sog. Sprachbegegnungskonzept umgesetzt.</p>
				<p>Der Spracherwerb hängt von sprachlichen, kulturellen und sozialen Bedingungen ab.
					Biologische, sozial interaktive und kognitive Faktoren haben Einfluss auf die
					Sprachentwicklung, darüber hinaus familiäre Umstände (z. B. die Stellung der
					Kinder in der Geschwisterreihe), lokale sowie administrative Besonderheiten.
					Wesentlich ist die Einbeziehung der Eltern in die sprachlichen Aktivitäten der
					Kinder.</p>
				<p>Für die integrative Beobachtung des Erwerbs von zwei oder mehr Sprachen wurden
					seit den 1990er Jahren spezifische standardisierte Analyseinstrumente entwickelt
					und auf den bilingualen sorbisch-deutschen bzw. deutsch-sorbischen Spracherwerb
					übertragen.</p>
				<p><graphic url="http://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/06/SKL-Spracherwerb_04-scaled.jpg"/>Informationsbroschüre für das Witaj-Projekt in der
					Niederlausitz</p>
				<p>Der Spracherwerb ist seit den 1970er Jahren Forschungsgegenstand u. a. von
					Linguistik, Entwicklungspsychologie und Didaktik, erste Studien bauten auf
					Ergebnissen der Soziolinguistik, Psycholinguistik oder Pädolinguistik auf. Zum
					Zweck der Sprachstandsanalyse wurden empirische Untersuchungen in sorbischen
					Kindertagesstätten vorgenommen, ihre Resultate jedoch bislang nicht im Detail
					veröffentlicht. Auch für den bilingualen Spracherwerb typische Erscheinungen,
					etwa Interferenz oder Sprachmischung, waren Gegenstand einzelner Analysen. Die
					Einführung des Witaj-Modellprojekts 1998 gab den Anstoß zu zwei umfangreichen
					empirischen Forschungsprojekten, in denen 2005–2008 der bilinguale Spracherwerb
					von Kleinkindern in ausgewählten deutsch-sorbischen bzw. sorbischen
					Kindertagesstätten der Ober- und Niederlausitz bei drei- bzw. vierjährigen
					Kindern bis zum Schuleintritt untersucht wurde.</p>
				<p>Lit.: I. Gogolin/H.-J. Roth: Erster Zwischenbericht der wissenschaftlichen Begleitung zum
					Projekt „Die zweisprachige sorbisch-deutsche Schule“ im Freistaat Sachsen,
					Hamburg 2004 [masch.]; G. Brankatschk: Frühkindlicher Spracherwerb aus der Sicht
					der Hirnforschung, in: Das bilinguale Sprachprogramm WITAJ in der
					Kindertagesstätte und in der Schule in der Niederlausitz, Hg. M. Norberg,
					Bautzen 2006; S. Grahl: Empirische Untersuchungen zur Einstellung der Eltern zum
					Sprachprogramm WITAJ, in: Das bilinguale Sprachprogramm WITAJ in der
					Kindertagesstätte und in der Schule in der Niederlausitz, Hg. M. Norberg,
					Bautzen 2006; L. Budar/J. Schulz: Sorbisch lernen und lehren.
					Sprachstandsanalyse in ausgewählten Kindertagesstätten der Ober- und
					Niederlausitz, in: Witaj und 2plus – eine Herausforderung für die Zukunft, Hg.
					L. Budarjowa, Bautzen 2009; J. Schulz: Bilingualer Spracherwerb im
					Witaj-Projekt, Bautzen 2015.</p>
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