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			<titleStmt>
				<title>Ostereier</title>
				<title xml:lang="deu">Ostereier</title>
				<title xml:lang="hsb">Jutrowne jeja</title>
				<title xml:lang="dsb">Jatšowne jeja</title>
				<title xml:lang="eng">Easter Eggs</title>
				<author>
					<persName key="ed_u5r_f41_jmb">Zschornak, Eva-Maria</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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			<textClass>
				<keywords>
					<term key="Ostern">Ostern</term>
					<term key="Osterei">Osterei</term>
					<term key="Tradition">Tradition</term>
					<term key="Ornament">Ornament</term>
					<term key="Volkskunst">Volkskunst</term>
					<term key="Symbole">Symbole</term>
					<term key="Brauchtum">Brauchtum</term>
					<term key="Osterbrauch">Osterbrauch</term>
				</keywords>
			</textClass>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Kunstvoll verzierte und geschmückte Hühner- oder andere Eier, die vorwiegend in
					der Fastenzeit vor Ostern gestaltet werden. Überliefert sind bei den Sorben vier
					Verzierungstechniken: die Wachsreservetechnik, die Wachsbossiertechnik, die
					Kratztechnik und die Ätztechnik.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Wuměłsce debjene a pyšene kokošace abo hinaše jeja, kotrež so přewažnje w póstnym
					času před jutrami wuhotuja. Pola Serbow su so štyri debjenske techniki dale
					dawali: wóskowanje, bosěrowanje, škrabanje a wužrawanje.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Wuměłski wupyšnjone kokošyne abo druge jaja, ako se pśedewšym w spótnem casu pśed
					jatšami wugótuju. Wu Serbow su se styri techniki wupyšnjenja dalej dawali:
					wóskowanje, bosěrowanje, škrabanje a wužrawanje.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Artistically decorated and embellished chicken- or other eggs, which are created
					mainly during Lent before Easter. Four ornamentation techniques have been handed
					down among the Sorbs: the wax preservation technique, the wax-embossing
					technique, the scratching technique and the etching technique.</p>
			</abstract>
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				<p>Kunstvoll verzierte und geschmückte Hühner- oder andere Eier, die vorwiegend in
					der Fastenzeit vor Ostern gestaltet werden. Überliefert sind bei den Sorben vier
					Verzierungstechniken: die Wachsreservetechnik, die Wachsbossiertechnik, die
					Kratztechnik und die Ätztechnik. Die zweisprachige Lausitz zählt heute zu jenen
					Gebieten in Europa, wo Ostereier traditionell am Karfreitag in den Familien
					verziert werden. Das „Eiermalen“ (obersorb. <ex>jejka pisać</ex>) zählt zu den
					bekanntesten sorbischen <rs type="term" key="Osterbrauch">Osterbräuchen</rs>;
					durch Ostereiermärkte und Souvenirläden wurde es nach 1989 zum
					Hobby-Kunsthandwerk mit kommerziellem Hintergrund.</p>
				<p>Das Ei gilt allgemein als Symbol des Lebens, der Fruchtbarkeit und der Kraft.
					Diese Bedeutung ergibt sich aus der Auffassung, dass alles Leben aus dem Ei
					entstanden sei, weshalb man gern vom Welten-Ei spricht. So spielt das Ei in den
					Überlieferungen vieler Völker eine Rolle. Unbekannt ist, seit wann Eier verziert
					werden. Nachdem das Zinsei im Mittelalter Teil der Jahressteuer für die
					Feudalherrn oder die <rs type="term" key="Kloster">Klöster</rs> wurde,
					entwickelte sich daraus allmählich der Brauch des Eierverschenkens. Zuerst
					beschenkte man Mönche, später auch Kinder, Lehrer, Pfarrer oder Dienstboten.
					Seit der <rs type="term" key="Reformation">Reformation</rs> ist es üblich,
					Patenkindern zwischen Gründonnerstag und Ostern Eier zu überreichen. Diese Sitte
					hat sich bei den Sorben bis heute erhalten. In der evangelischen mittleren
					Lausitz und der <rs type="term" key="Niederlausitz">Niederlausitz</rs> besuchen
					die Kinder dazu ihre Paten, in anderen Regionen ist es meist umgekehrt. In der
						<rs type="term" key="katholische Region">katholischen Region</rs> erhalten
					Patenkinder als Geschenk den „Gründonnerstag“, darunter verzierte Ostereier.</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Ostereier_01.jpg"
					/>Ostereierverzieren in Trebendorf, 1956; Fotograf: Błažij Nawka, Sorbisches
					Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Die älteste und verbreitetste Technik ist die Wachsreservetechnik, die der
					Batiktechnik in der Textilgestaltung entspricht. Mit einer Stecknadelkuppe und
					zurechtgeschnittenen Federkielen wird heißes Wachs auf das Ei aufgetragen, das
					danach ins Farbbad getaucht wird. Dieser Vorgang kann mehrmals wiederholt
					werden, sodass mehrfarbige Muster erscheinen, wenn man anschließend das Wachs an
					einer Kerze schmelzen lässt und mit einem Läppchen abwischt. Bei der
					Wachsbossiertechnik, die fast in Vergessenheit geraten war und erst seit den
					1990er Jahren wieder intensiv in Gebrauch ist, wird heißes, meist farbiges Wachs
					auf das naturbelassene oder gefärbte Ei aufgetupft. Dort bleibt es als
					Schmuckelement sichtbar. Bei der Kratztechnik werden mit einem scharfen
					Gegenstand (Messer, Feile oder Bohrer) Muster in das zuvor kräftig gefärbte Ei
					eingekratzt. Sie gleichen feinen, filigranen Zeichnungen und zeigen
					unterschiedliche, individuell variable Ornamente. Älter als die Kratztechnik ist
					die aufwendige Ätztechnik, die Ende des 20. Jh. stark zurückgegangen ist. Dabei
					werden mithilfe verdünnter Säure durch einen Gänsefederkiel oder eine Stahlfeder
					Muster in die schwache Farbschicht geätzt. Nach jedem Strich muss die
					überschüssige Säure rasch mit einem Tuch abgetupft werden, damit sie nicht auf
					dem Ei verläuft.</p>
				<p>Von alters her wurde das Ei gefärbt. Schon die alten Ägypter, Chinesen und Perser
					kannten gefärbte Eier, sie feierten z. B. das neue Jahr als „Fest des roten
					Eis“. Da Rot eine alte Kult- und Opferfarbe ist, gilt die Rotfärbung seit
					Jahrhunderten als die einfachste symbolische Verzierung. Bei den Sorben hieß
					noch im 19. Jh. die Sitte, bei Paten das Ostergeschenk abzuholen, „nach den
					roten Eiern gehen“ (niedersorb. <ex>pó cerwjene jaja hyś</ex>); in der Umgebung
					von <rs type="term" key="Cottbus">Cottbus</rs> war dies bis nach 1945 üblich.
					Spätere schriftliche Überlieferungen sprechen nur von gefärbten Eiern
						(<ex>pisane jejka</ex>), meist in Gelb, Rot, Grün und Violett. Ähnlich wie
					dort werden auch bei den Sorben seit jeher Naturstoffe wie Zwiebelschalen,
					Heidelbeeren, Brennnesseln oder Rotbuche zum Färben benutzt. Heute werden zudem
					Farbhölzer verwendet, ebenso lichtechte chemische Farben, die kaum verblassen.
					Gekochte Ostereier, die zum Verzehr bestimmt sind, werden nur mit speziellen
					ungiftigen Eierfarben oder Naturstoffen gefärbt.</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Ostereier_03.jpg"/>Wachreservetechnik</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Ostereier_04.jpg"/>Kratztechnik</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/07/SKL-Ostereier_05.jpg"/>Ätztechnik</p>
				<p>Die Kraft des Eis als magisches Symbol sollte durch Ornamente gesteigert werden.
					Dabei gewannen überlieferte Zeichen, die zu Reihen kombiniert wurden, oft
					tiefere Bedeutung. Heute werden zu heidnischer und christlicher Symbolik gern
					persönliche Varianten hinzugefügt. Aus der Vielfalt der Möglichkeiten haben sich
					v. a. stilisierte geometrische Formen behauptet. Sorbische Ostereier sind auf
					Symmetrie, Harmonie, Rhythmik und Gleichgewicht ausgerichtet. Das geometrische
					Ornament ist das älteste und findet sich bei den Wachstechniken in den
					Grundformen Linie, Dreieck, Rhombus und Kreis. Die Darstellung der Sonne als
					Quelle von Licht und Leben zählt in Form des Sonnenrads oder des Strahlenbündels
					zu den ältesten und häufigsten Symbolen. Dreiecke stehen für verschiedene Formen
					der Dreieinigkeit, die z. B. die göttliche Trinität oder die Familie
					versinnbildlichen. Dies ist etwa in folgender Ornamentkette sichtbar: Das
					Sonnenrad wird von einer Reihe aus Dreiecken, die im Volksmund auch Wolfszähne
					genannt werden, umschlossen. Das Lebensglück (die Sonne) wird damit symbolisch
					geschützt. Die Kombination verschiedener Symbole ergibt jeweils ein Grundmotiv:
					den Wunsch nach Glück und Liebe sowie nach Schutz vor dem Bösen. Das stilisierte
					Ornament dominiert in der Kratz- und Ätztechnik, besonders bei der Darstellung
					von Blumen, Ranken, Rosetten, Sternen und im sog. Lebensbaum als Sinnbild für
					Fruchtbarkeit und Wachstum. Als christliche Ostersymbole werden gern Lamm und
					Kreuz verwendet. In der naturalistischen Ornamentik erscheinen Schnee- und
					Maiglöckchen, mitunter ganze Jagdszenen mit Rehen, Hasen, Vögeln oder sogar
					Bienen. In einigen Teilen der Lausitz war es früher üblich, einen Spruch auf das
					Ei zu kratzen, namentlich gute Wünsche zum Osterfest oder sorbische <rs
						type="term" key="Sprichwort">Sprichwörter</rs>.</p>
				<p>Seit Mitte des 20. Jh. haben sich Muster und Farben gewandelt. Dazu hat besonders der vom <rs
						type="term" key="Haus der sorbischen Volkskunst">Haus für sorbische
						Volkskunst</rs> und anderen Institutionen ab 1951 in <rs type="term"
						key="Bautzen">Bautzen</rs> ausgeschriebene Wettbewerb „Schönstes sorbisches
					Osterei“ beigetragen. Die regionale Spezifik in der Gestaltung ist dabei gewahrt
					und gefestigt worden. Seit 1991 wird der Wettbewerb vom Förderkreis für
					sorbische Volkskultur im Bautzener <rs type="term" key="Haus der Sorben">Haus
						der Sorben</rs> in Verbindung mit dem „Sorbischen Ostereiermarkt“ fünf
					Wochen vor Ostern durchgeführt. Weitere Lausitzer Ostermärkte finden in der
					Fastenzeit u. a. in <placeName key="ed_xmk_rm3_vhb">Lübbenau</placeName>,
						<placeName key="ed_wkb_qb3_vhb">Hoyerswerda</placeName>, <placeName
						key="ed_z33_4w3_vhb">Schleife</placeName>, <placeName key="ed_dcz_4p3_vhb"
						>Neuwiese</placeName>, <placeName key="ed_tvt_zv3_vhb">Sabrodt</placeName>
					und <placeName key="ed_uvp_q13_vhb">Halbendorf</placeName> statt. Vielfältige
					Anregungen vermittelte seit der ersten Ausstellung 1983 auch die Sorbische
					Webstube in <placeName key="ed_ayt_5th_vhb">Drebkau</placeName> bei Cottbus, die
					unterdessen ca. 3 000 Eier aus mehr als 50 Ländern, davon ca. 1 200 in den
					sorbischen Verziertechniken, in einer Sammlung vereint.</p>
				<p>Lit.: L. Balke: Das Ei: Vom Kultgegenstand zum Souvenir. Unter besonderer Berücksichtigung
					der sorbischen Ostereier, in: I. Ziehe: Rund und schön. 10 Jahre Europäischer
					Ostermarkt, Berlin 2003; J.-M. Čornakec: Kleine sorbische Ostereierfibel, 7.
					Auflage, Bautzen 2010.</p>
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