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				<title>Osterbräuche</title>
				<title xml:lang="deu">Osterbräuche</title>
				<title xml:lang="hsb">Jutrowne nałožki</title>
				<title xml:lang="dsb">Jatšowne nałogi</title>
				<title xml:lang="eng">Easter Traditions</title>
				<author>
					<persName key="ed_dym_yvx_vhb">Wałda, Měrćin (1951-)</persName>
				</author>
			</titleStmt>
			<publicationStmt>
				<authority>Serbski institut, Budyšin</authority>
			</publicationStmt>
			<sourceDesc>
				<bibl>Sorbisches Kulturlexikon / hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze unter Mitarb. von Susanne Hose; Maria Mirtschin und Anja Pohontsch. - Bautzen: Domowina-Verlag, 2014. - 579 s.: il.</bibl>
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				<keywords>
					<term key="Brauchtum">Brauchtum</term>
					<term key="Bräuche">Brauch</term>
					<term key="Ostern">Ostern</term>
					<term key="Kirche">Kirche</term>
					<term key="Frühling">Frühling</term>
					<term key="Christentum">Christentum</term>
					<term key="Ritual">Ritual</term>
				</keywords>
			</textClass>
			<abstract xml:lang="deu">
				<p>Bräuche, die sich auf Ostern als ältestes christliches Fest beziehen, das seit
					Mitte des 2. Jh. dem jährlichen Gedenken an Tod und Auferstehung Christi dient.
					Die meisten Osterbräuche gehen auf vorchristliche Frühlingsriten zurück.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="hsb">
				<p>Nałožki, kotrež so na jutry jako najstarši křesćanski swjedźeń poćahuja, kiž
					słuži wot srjedź 2. lětstotka kóždolětnemu wopominanju smjerće a zrowastanjenja
					Chrystusa. Wjetšina jutrownych nałožkow ma korjenje w předkřesćanskich nalětnich
					ritusach.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="dsb">
				<p>Nałogi, kenž se na jatšy ako nejstaršy kśesćijański swěźeń póśěguju, kótaryž
					słužy wót srjejźi 2. stolěśa kuždolětnemu spominanju na smjerś a górjejstawanje
					Kristusa. Wětšyna jatšownych nałogow źo slědk na pśedkśesćijańske nalětne
					rituse.</p>
			</abstract>
			<abstract xml:lang="eng">
				<p>Traditions that refer to Easter as the oldest Christian feast since the middle of
					the 2nd century, serving the annual commemoration of the death and resurrection
					of Christ. Most Easter customs go back to pre-Christian Spring rituals.</p>
			</abstract>
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				<p><rs type="term" key="Bräuche">Bräuche</rs>, die sich auf Ostern als ältestes
					christliches Fest beziehen, das seit Mitte des 2. Jh. dem jährlichen Gedenken an
					Tod und Auferstehung Christi dient. Die meisten Osterbräuche gehen auf
					vorchristliche Frühlingsriten zurück. Konzessionen der Kirche an heidnische
					Traditionen waren z. B. Palmzweige, geweihtes Osterfeuer, Quellenweihe, Weihe
					von Osterspeisen oder Umritte. In den sorbischen Osterbräuchen ist das alles
					vertreten, außer dem Schlag mit der Lebensrute. Heute werden diese Traditionen
					entweder komplex oder reliktartig und mit unterschiedlicher Intensität gepflegt;
					einige werden überregional (z. B. Ostersingen, Osterwasserholen oder das
					Verzieren von <rs type="term" key="Osterei">Ostereiern</rs>), andere eher
					regional ausgeübt (in der <rs type="term" key="Niederlausitz">Niederlausitz</rs>
					Osterfeuer, Waleien, in der <rs type="term" key="Oberlausitz">Oberlausitz</rs>
					Osterschießen, in der <rs type="term" key="katholische Region">katholischen
						Region</rs> Kreuzsingen und <rs type="term" key="Osterreiten"
						>Osterreiten</rs>).</p>
				<p>Das obersorbische Wort <ex>jutry</ex> bzw. niedersorbische Wort <ex>jatšy</ex> für Ostern
					bedeutet ,Frühe‘ oder ,Morgen‘ und war eng verbunden mit der Vorstellung von
					zunehmender Helligkeit, also von Frühlingsfest bzw. -zeit sowie Erwachen der
					Natur. Der slawische Frühlingsbrauch des Todaustragens am dritten Sonntag vor
					Ostern ist bei den Sorben noch im 17. Jh. nachweisbar. Dabei wurde eine Puppe
					aus Stroh und Lumpen auf hoher Stange über die Dorfgrenze geworfen (auch als
					„Todaustreiben“ bekannt).</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/12/SKL-Osterbraeuche_02.jpg"/>Ostersingen in Seidewinkel, 1949; Fotograf: Kurt Heine,
					Sorbisches Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>Während der Gründonnerstagsmesse verstummen in der katholischen Kirche die
					Kirchenglocken und die Orgel. In vielen katholischen Gemeinden wird das Läuten
					durch das sog. Klappern bzw. Ratschen (obersorb. <ex>klepotanje</ex>) ersetzt.
					So gehen am Karfreitag und Karsamstag die Klapperjungen, zunehmend auch Mädchen,
					mit hölzernen Klappern (obersorb. <ex>klepotawki</ex>) durch den Ort und beten
					früh, mittags und abends an jedem Kreuz das Angelusgebet. Mit der katholischen
					Auferstehungsmesse in der Osternacht (heute oft auf Samstagabend vorverlegt)
					bzw. in evangelischen Kirchen im Gottesdienst am frühen Ostersonntag beginnt die
					Wende von der Trauer zur Freude, vom Fasten zum Feiern. In der katholischen
					Osternachtliturgie wird eine große, verzierte Osterkerze am neu entfachten und
					geweihten Osterfeuer entzündet und in einem Lobgesang feierlich begrüßt. Auch
					das Taufwasser wird geweiht. In den sorbischen katholischen Dörfern rüsten sich
					am Ostermorgen die Männer zum Osterreiten.</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/12/SKL-Osterbraeuche_05.jpg"/>Klapperjungen in Ralbitz, 2009; Fotograf: Rafel Ledschbor</p>
				<p>Ostersingen war in der evangelischen Lausitz eine wichtige Tradition der Fasten-
					bzw. Osterzeit. Laut Quellen aus dem 17. Jh. trafen sich in der Osternacht
					Männer, um die Felder des Dorfes singend zu umschreiten. Danach sangen sie vor
					den Häusern und erhielten je nach Vermögen der Hauswirte einen oder zwei Kuchen.
					Um 1780 waren es junge Mädchen, die an den Fastensonntagen Passionslieder
					vortrugen. Die Männer gingen oder ritten in der Osternacht zuerst um den
					Kirchhof, dann um die Felder und schließlich von Haus zu Haus, wofür sie
					gleichfalls Kuchen bekamen. Ostersingen und -reiten gehen wohl auf Flurumgänge
					der Männer zurück, mit denen die Saat wie durch einen magischen Kreis gegen böse
					Einflüsse geschützt werden sollte. Mädchen erscheinen als Brauchträgerinnen erst
					später: Mitte des 19. Jh. sangen sie während der gesamten Fastenzeit. Höhepunkt
					war die Osternacht, in der von Haus zu Haus gezogen wurde, am Sonntag trafen sie
					sich wieder auf dem Dorfplatz. Es bildeten sich so viele Singgemeinschaften, wie
					es Spinngesellschaften gab (→ <rs type="term" key="Spinnstube">Spinnstube</rs>).
					Diese versammelten sich auch zu anderen Festen – Himmelfahrt, Pfingsten oder
					Trinitatis – inmitten des Dorfes auf Singebänken. Am Ostersingen nahmen
					verschiedentlich auch Männer teil: Im <rs type="term" key="Cottbuser Kreis"
						>Cottbuser Kreis</rs> und in der nordöstlichen Oberlausitz, die 1815
					preußisch wurde, sangen zeitweise nur Mädchen, in der Niederlausitzer Heide
					überwiegend Burschen oder Männer. Als die meisten Spinnstuben während des Ersten
					Weltkriegs zerfielen, verstummte bald auch das Ostersingen. Noch bis 1970 bzw.
					1984/85 gingen um <placeName key="ed_fss_yb3_vhb">Jerischke</placeName> oder
						<placeName key="ed_sfm_n23_vhb">Klein-Kölzig</placeName> Burschen zum
					Ostersingen. In <placeName key="ed_dgl_gxh_vhb">Groß Buckow</placeName>,
						<placeName key="ed_kr2_pt3_vhb">Radewiese</placeName> oder <placeName
						key="ed_htg_j2j_vhb">Wolkenberg</placeName> wurden sie von Mädchen
					„unterstützt“. So erhielt das Ostersingen regional verschiedene Muster, wozu
					wohl das Kreuzsingen und das Osterreiten in der katholischen Region gehörten. In
					den katholischen Dörfern um <placeName key="ed_ep1_g2j_vhb"
						>Wittichenau</placeName> pflegen jugendliche Mädchen in der Fastenzeit bis
					zur Osternacht das Kreuzsingen, in <placeName key="ed_udz_tr3_vhb"
						>Ostro</placeName> lediglich am Karfreitag. 1990 erneuerten in <placeName
						key="ed_z33_4w3_vhb">Schleife</placeName> ältere Frauen das Ostersingen; sie
					gehen seitdem als „Kantorki“ in der Osternacht von Haus zu Haus bzw. singen auf
					sog. Singebänken bis zum Sonnenaufgang. In jüngster Zeit wurde dieser Brauch
					auch in <placeName key="ed_wwy_vb3_vhb">Jänschwalde</placeName> und <placeName
						key="ed_mnl_sx3_vhb">Schwarzkollm</placeName> wiederbelebt.</p>
				<p><graphic
						url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/12/SKL-Osterbraeuche_04.jpg"
					/>Mädchen beim Osterwasserschöpfen, 1953; Fotograf: Kurt Heine, Sorbisches
					Kulturarchiv am Sorbischen Institut</p>
				<p>In der Niederlausitz errichten am Karsamstag Jugendliche einen großen Holzstoß,
					den sie zu Mitternacht als Osterfeuer entzünden und bis zum Morgen bewachen. Die
					Region des Osterfeuers unterscheidet sich von der des <rs type="term"
						key="Hexenbrennen">Hexenbrennens</rs>.</p>
				<p>Osterwasser schöpften Mädchen in der Osternacht bis zum Sonnenaufgang aus einem nach Osten
					fließenden Gewässer, in dem sie sich wuschen, sich gegenseitig begossen oder das
					Vieh besprengten. Dies musste schweigend geschehen. Osterwasser förderte
					angeblich Schönheit, Gesundheit und Fruchtbarkeit. Es soll sich das ganze Jahr
					frisch halten.</p>
				<p>Im 19. Jh. lärmten in der Niederlausitz die Burschen beim Osterschießen (mittels
					Karbid in blechernen Milchkannen) die ganze Nacht hindurch. Gedeutet wurde dies
					als Geisterabwehr oder als Freude über die Auferstehung. Heute konzentriert es
					sich auf die südliche Oberlausitz.</p>
				<p>Bunte Ostereier schenkte man einst zwischen Gründonnerstag und Ostern
					Patenkindern, Dienstboten sowie dem Pfarrer, Küster oder Lehrer. Der Brauch geht
					auf mittelalterliche Eier- und Speisenweihen, auf das österliche Zinsei als
					grundherrliche Abgabe oder Eierspenden zurück. Er hängt mit der dem Ei
					zugeschriebenen Lebenskraft zusammen. In evangelischen Gegenden (z. B. der <rs
						type="term" key="Schleifer Region">Schleifer Region</rs>) besuchen die
					Kinder ihre Paten, um sich die Ostereier bzw. das Patengeschenk zu holen. In der
					katholischen Region bringen die Paten „den Gründonnerstag“ meist ins Haus.</p>
				<p><graphic url="https://www.sorabicon.de/wp-content/uploads/2020/12/SKL-Osterbraeuche_01.jpg"
					/>Waleien in Rohne, 1950; Fotograf: Kurt Heine, Sorbisches Kulturarchiv am
					Sorbischen Institut</p>
				<p>Das Waleien ( obersorb. <ex>walkać</ex>, <ex>walkować</ex>, niedersorb.
						<ex>walkaś</ex>, <ex>walkowaś</ex>) war ein beliebtes Spiel für Kinder und
					Jugendliche, an dem bis in die Mitte des 20. Jh. die Dorfbevölkerung teilnahm.
					Beim Waleien in Gärten oder auf dem Dorfanger wurden gekochte, meist gefärbte
					Eier über eine künstlich angelegte Bahn (walka) hinabgerollt. Als geschlagen
					galt das Ei, das von einem später gerollten getroffen wurde. Der Sieger erhielt
					Stecknadeln, Pfennige oder Groschen. Das Eierschieben in <rs type="term"
						key="Bautzen">Bautzen</rs> auf dem Protschenberg, dem ehemaligen
					Versammlungs- und Festplatz der vorwiegend sorbischen Einwohner der <placeName
						key="ed_q3r_zx3_vhb">Seidau</placeName> (1920 eingemeindet) ist aus dieser
					Tradition erwachsen. Das erstmals 1830 erwähnte Eierschieben wurde nach 1900 zu
					einem überregionalen Volksfest mit Jahrmarktstimmung. Bautzener Bürger rollten
					gekochte Eier, Apfelsinen oder Gebäck den Berg zur <rs type="term" key="Spree"
						>Spree</rs> hinab, Kinder fingen die Gaben auf. Nach 1960 wurde die
					Tradition eingestellt; seit 2001 findet das Bautzener Eierschieben wieder
					statt.</p>
				<p>Lit.: M. Handrik-Slepjanski: Wjesne spěwarki, in: Časopis Maćicy Serbskej 55
					(1902); G. Bruk: Osterbräuche in der Lausitz, Bautzen 2012.</p>
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</TEI>
